„Neuhausen hat mehr zu bieten als den Rheinfall“

Neuhausen kann man nun digital erleben. Das Ortsmarketing lanciert eine App, die eine ungewöhnliche Stadtführung ermöglicht. Von Hermann-Luc Hardmeier.

Bild: Die Lokomotive auf dem SIG-Areal ist nur eine von zwölf Station der digitalen Stadtführung von Olivier Alther, Markus Bührer und Levin Germann (v.l.n.r.) (Foto: Hermann-Luc Hardmeier. Bericht: Hermann-Luc Hardmeier)

Wissen Sie, was die Neuhauser Bahnhofstrasse mit der Pariser Champs-Élysées gemeinsam hat und warum ein russischer Zar einst in Neuhausen übernachtete? Diese und andere Infos über die Rheinfallgemeinde gibt es mithilfe einer neuen App zu entdecken, die vom Ortsmarketing Neuhausen am Rheinfall initiiert wurde.

Doch der Reihe nach. Im Oktober 2020 trat Markus Bührer vom Ortsmarketing an die zwei Informatiker Levin Germann und Olivier Alther von der Explorial GmbH heran. Die zwei haben eine App mit verschiedenen Trails entwickelt. Jeder Trail entspricht einer Schweizer Stadt, in welcher virtuelle Führungen mit einem Rätselspass verknüpft werden. „Das Ziel des Trails Neuhausen ist es, die Leute zu bewegen, den Ort neu zu entdecken“, erklärt Markus Bührer. Dem Zeitgeist entsprechend sollte die Führung virtuell sein und sich ganz wesentlich von anderen Angeboten unterscheiden. „Es ging uns nicht darum, dass die Touristen mit der App die gewöhnlichen Sehenswürdigkeiten abklappern. Neuhausen ist mehr als nur der Rheinfall.“ Das Ortsmarketing beauftragte den Nachtwächter und Lokalhistoriker Martin Harzenmoser damit, den Inhalt der App auszuarbeiten. Es sollten historische Leckerbissen serviert werden, welche den Touristen und Einheimischen ein ganz anderes Erlebnis der Stadt ermöglichen. „Wir sind schon ziemlich stolz auf das Resultat“, so Markus Bührer. Auf 12 Posten in der Stadt verteilt gilt es, versteckte Schätze und Geschichten zu entdecken. Und Aufgaben zu lösen. Es geht thematisch um die Industrie, die Rebberge, den Fischfang, die Gastarbeiter und, und, und. Das abwechslungsreiche Gesamtpaket lockt mit historischen Informationen, aber unterhält auch mit Funfacts.

Stolperstein Distanz

Natürlich geht so ein Projekt nicht ohne Stolpersteine über die Bühne. Erstens galt es, neutral zu sein und nicht eine Firma oder einen Betrieb zu bevorzugen in der Auswahl der Sehenswürdigkeiten. Und zweitens ist die Grösse der Ortschaft durchaus ein Problem. „Spannend wäre natürlich nicht nur das Rheinfallbecken, sondern auch der Galgenbuck. Aber wir mussten Abstriche machen, damit wir eine kompakte Führung anbieten können“, so Markus Bührer. Die Führung sollte maximal zwei Stunden dauern und musste sich deshalb auf sehenswerte Objekte im Zentrum beschränken.“

Zündender Funke in Prag

Ohne Prag gäbe es die App wohl nicht. Darin sind sich die zwei Programmierer Olivier Alther und Levin Germann einig. 2018 sind die zwei mit einigen Freunden in die tschechische Hauptstadt gefahren. „Da uns eine gewöhnliche Stadtführung zu wenig interaktiv war, besuchten wir einen Escape-Room“, erklärte Olivier Alther. „Wir hatten grossen Spass, sahen aber nichts von der Stadt. Da entstand die Idee, man müsste doch beides kombinieren und in einer App anbieten können.“ Gesagt, getan. Im Sommer 2020 entstand das erste Quiz für die Stadt Schaffhausen und bis Ende 2021 soll ein gutes Dutzend Städte verfügbar sein. „Man muss Bilderrätsel lösen, schätzen, Texte schreiben und einiges mehr“, verrät Levin Germann. Alle Überraschungen will er aber noch nicht preisgeben.

Positiver Start

Die App ist seit wenigen Wochen verfügbar und scheint Touristen sowie Einheimischen gut zu gefallen. Trotz wenig Werbung wurde es bereits oft gespielt. Der Spagat zwischen Spass und Informationsvermittlung scheint gut gelungen. Die App bietet eine erfrischende Abwechslung zu einer herkömmlichen Stadtführung und an dieser Stelle eine Entwarnung: Der Rheinfall kommt natürlich auch vor.

Erschienen in der Zeitung „Schaffhauser Nachrichten“ am Mittwoch, 28. April 2021. Von Hermann-Luc Hardmeier.

 

Im Maya-Tempel den Weltuntergang verhindern

Am Freitag öffnet in der Unterstadt ein Escape-Room seine Pforten. Dahinter stecken zwei Studenten, welche von den Besuchern Grips und Teamwork verlangen.

„Yes, ich habe einen Hinweis gefunden!“ Am Montagnachmittag testete eine kleine Gruppe den neuen Escape-Room namens „smartescape“ mitten in der Unterstadt. In einem alten Maya-Tempel galt es herauszutüfteln, wie man die Türe zum Hauptraum findet und danach den Weltuntergang von 2012 rückgängig macht. Doch Vorsicht war geboten, denn angeblich hat es bislang nicht jeder Forscher lebendig aus dem Bauwerk herausgeschafft. Den Rätselspass haben sich die zwei Studenten Florian Walz und Leon Marti überlegt, die gut eineinhalb Jahre lang an den Räumen gearbeitet haben. Plötzlich schnellt ein Lucke auf, in welcher sich eine mysteriöse Statue befindet. Doch wie bringt man diese nun in einen Zusammenhang mit einem Zahlencode, einer Goldmünze und weiteren rätselhaften Hinweisen? „Wir haben grossen Spass daran, Mechanismen zu entwerfen, zu programmieren und zu tüfteln“, erklärt Florian. Per Zufall haben er und Leon einen Nebenjob in einem anderen Escape-Room angenommen und sind dem Sherlock-Holmes-Feeling erlegen. „Wir wollten ein eigenes, grosses Projekt umsetzen und haben im ehemaligen Verkaufsraum von Fust einen idealen Standort gefunden.“ Perfekt waren die Räumlichkeiten, weil das Gebäude wahrscheinlich 2023 abgerissen wird und man nach Herzenslust hämmern, schrauben und mauern konnte, ohne Rücksicht auf die Bausubstanz nehmen zu müssen. Florian und Leon haben einen wichtigen Background: Sie studieren beide Maschinenbau an der ETH Zürich und bringen damit auch Know-How mit, welches ihnen bei der Umsetzung ihrer Ideen hilft. Es ist eine fantasievolle und kreative Landschaft entstanden, welche knifflige Aufgaben beinhaltet und ein wachsames Auge erfordert.

Nicht nur Zahlencodes

„Das Zielpublikum sind alle Menschen, die einmal eine andere Unterhaltung als Bowling und Biertrinken suchen“, lacht Leon. „Es ist ein cooles Gruppenerlebnis, eingebettet in einer Gesamtstory.“ Zudem eigne sich das Ganze auch für die Teambildung in einer Firma. Im Gegensatz zu anderen Escape-Rooms gibt es zum Schluss noch eine statistische Auswertung der Leistung der Gruppe. „Wir können damit Hinweise geben, ob vielleicht in der Kommunikation oder Kombinationsfähigkeit eines Teams Verbesserungsbedarf bestehen“, so Florian. Mittlerweile hat die Mannschaft am Montagnachmittag Zutritt zum Hauptraum bekommen und erschreckt ein Skelett eines toten Forschers entdeckt. Zudem muss eine mysteriöse Kiste untersucht werden. Eine spannende aber auch schwierige Aufgabe. „Die Stärke unseres Escape-Rooms ist sicherlich, dass nicht nur Kopfrechnen und Zahlencodes im Zentrum stehen“, betont Leon. „Wir haben sehr darauf geachtet, dass man Aufgaben zusammen lösen soll, dass es vielseitig ist und dass man keine fixe Reihenfolge einhalten muss.“ Bei anderen Escape-Rooms sei vor allem der letzte Punkt manchmal sehr ärgerlich. Wenn man bei einem Rätsel feststecke, gebe es keine Möglichkeit mehr, den Raum weiterzuspielen.

Länger als geplant

Bei „smartescape“ gibt es theoretisch 288 Möglichkeiten, den Raum zu lösen. Die Vielfalt ist grossartig, hatte aber auch ihren Preis. Der Umbau ging doppelt so lange, wie geplant. „Wir haben die Arbeit total unterschätzt und vielleicht waren wir auch ein bisschen zu perfektionistisch“, so Leon. „Jetzt sind wir sehr froh, dass wir öffnen und von der schweisstreibenden Baustelle zum entspannten Rätselparadies switchen können“, ergänzt Florian. Übrigens: Auch die Montagsgruppe ist schlussendlich lebendig dem Mayatempel entronnen und hat die Welt gerettet.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen am 22. April 2021 in der Zeitung „Schaffhauser Nachrichten„.

Die nachhaltige Schnäppchenjagd

Beliebter denn je: Das Brocki der Heilsarmee in Schaffhausen ist seit einer Woche wieder offen und erlebte am Samstagnachmittag einen Grossandrang. Von Hermann-Luc Hardmeier.

Bericht: Hermann-Luc Hardmeier. Foto: Phillip Schmanau.

«Es läuft bombastisch», freute sich Filialleiterin Marianne Schaffner. «Die Kunden sind absolut happy, dass sie wieder kommen können.» Das Brocki der Heilsarmee kam am Samstag kaum zur Ruhe. Simon Baumann, der sein 25-jähriges Dienstjubiläum feierte, nahm geduldig die Warenspenden entgegen. Darunter am Samstag auch eine Nachttischlampe, die Steve Jobs – Biographie und sogar ein Zelt. «Nicht verschwenden – wiederverwenden», lachte Vanessa Götze, die nach dem Umzug Geschirr und andere Haushaltsgegenstände vorbeibrachte. Auf der Jagd waren auch Mirjam und Sheila Schrag. «Hier gibt es Dinge, die nicht jeder hat», erklärte Mirjam. «Ich habe ein Bild gemalt und brauche nun einen Rahmen», so Carmen Barabas. Während Renate Klingler nach Krimis Ausschau hielt. «Ich finde hier oft einzigartige Retro-Stücke», lobte Menusha Neuberth die grosse Auswahl. «Wir sind gerne hier wegen den Secondhand-Kleidern und uns gefällt der Nachhaltigkeitsgedanke», ergänzte ihre Mutter Beatrice. Severin Asaf und Corinne Haid hatten kein spezielles Ziel. «Oft kaufen wir Gesellschaftsspiele. Mal schauen, was uns heute ins Auge springt». Dunja Mehr wollte eigentlich eine neue Hose erwerben, war aber plötzlich bei der Osterdekoration auf einen Bären mit Hasenohren gestossen. «Ich komme so oft wie möglich hierher», erzählte Severina Sviben. «Es ist günstig und immer wieder überraschend. Was will man mehr?»

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung „Schaffhauser Nachrichten“ am Montag, 8. März 2021.

Mit Kampfstiefeln vor dem PC

Am Montag begann für rund 5000 Rekruten der Schweizer Armee wegen der Corona-Schutzmassnahmen die Rekrutenschule (RS) im Homeoffice. Der Schaffhauser Tim Gaus erzählt, wie er den Start erlebt hat. Von Hermann-Luc Hardmeier.

«Komm wann du willst, ich habe ja viel Zeit», lacht Tim Gaus, als man mit ihm einen Interviewtermin vereinbaren möchte.» Der 20-Jährige startete am Montag mit der RS im Homeoffice. Doch wie muss man sich diese spezielle Form des Militärdienstes eigentlich vorstellen? Pyjama statt Kampfanzug, stundenlanges Salutieren vor dem Spiegel und Schiessübungen auf die Gartenzwerge des Nachbarn? Viele Klischees und kreative Ideen schwirren durch den Kopf. Doch die Realität sieht ganz anders aus. Tim Gaus öffnet die Tür seiner Wohnung auf dem Emmersberg in Zivilkleidern. Er zeigt sein Schlafzimmer, in welchem sein PC steht, vor dem er in der dreiwöchigen Homeoffice-RS viel Zeit verbringen sollte. Das Programm der Armee sieht vor, dass man sechs Stunden pro Tag am PC lernt, Sport macht und beim Einrücken einen Leistungstest absolvieren muss. «Das Schöne ist, dass ich mir die Zeit selber einteilen kann», erklärt er. «Ich stelle am Morgen keinen Wecker, schlafe aus und mache dann mit der App das vorgesehene Militär-Workout oder gehe joggen.» Danach setzt er sich an den PC und arbeitet sich durch die Aufgaben des Militärprogramms durch. Zumindest war dies der Plan. Doch pünktlich zum RS-Start hatte die Armee enorme Computerprobleme. «Am Montag konnte ich mich vier Stunden gar nicht einloggen, erst am Abend klappte es. Wenn ich eine Aufgabe lösen will, warte ich teilweise 20 Minuten, bis ich weiterklicken kann.» Tim Gaus ärgert sich ein wenig: «Laut Ueli Maurer haben wir die beste Armee der Welt. Dann sollte man doch auch so modern sein, dass man ein Online-Learning-Programm zum Laufen bringt.»

Sorgen wegen Leistungstest

Tim Gaus ist gelernter Landwirt. Er ist bei den Genietruppen als Bauführer eingeteilt und freut sich auf seine Aufgabe. «Ich bin nicht ein riesiger Armee-Fan, aber ich möchte diese Herausforderung bewältigen. Ich habe immer gehört, dass man im Militär zum Mann wird. Das hat mich neugierig gemacht.» Er erfuhr erst eine Woche vor RS-Start, dass er diese im Homeoffice machen müssen. «Das hat mir schon Sorgen bereitet, vor allem der Leistungstest.» Er sagt von sich selbst, dass er ein Praktiker sei. Er lerne lieber vor Ort und nicht stundenlang am PC. «Eigentlich wäre ich lieber in der Kaserne als im Homeoffice», gibt er unumwunden zu. Tim Gaus hält sich an das RS-Sportprogramm. «Ich habe mir vorgenommen, das seriös durchzuziehen.»

Games und Netflix als Ablenkung

Doch ist bei der Arbeit am PC die Verlockung nicht riesig, dauernd auf Netflix zu gehen? «Eigentlich hätten wir mit den Onlinemodulen der Armee ja viel zu tun», sagt Tim Gaus. «Aber wenn natürlich nichts geht und ich ewig warten muss, game ich auch zwischendurch oder schaue einen Film.» Und er gibt zu: «Einige meiner Kollegen machen das schon ziemlich exzessiv. Zuhause ist es halt mit der Selbstdisziplin schwierig.» Tim Gaus macht sich etwas Sorgen, dass er den Leistungstest nicht besteht. Die Konsequenz wäre, dass man übers Wochenende in der Kaserne bleiben muss und nachbüffeln soll. «Meine Kumpels sagen, sie lernen nichts, weil man aus Corona-Schutzgründen ja wahrscheinlich sowieso übers Wochenende nicht nach Hause dürfe. Aber ich sehe das anders.» Er hofft, dass die Armee die Prüfung angesichts der technischen Probleme vereinfache. Vorerst geniesst er aber die angenehmen Seiten der Homeoffice-RS. Er ist ausgeschlafen und geht nachher joggen. Der PC ist bereits eingeschaltet. Das Einloggen ging den ganzen Tag noch nicht. Nach dem Workout wird er es erneut versuchen.

Erschienen in der Zeitung „Schaffhauser Nachrichten“ am 22. Januar 2021. Von Hermann-Luc Hardmeier.

Ohne Finanzkrise wäre Hitler nicht Reichskanzler geworden

Historiker Tobias Straumann erklärte beim Zoom-Vortrag des Historischen Vereins Schaffhausen, warum er mit den Schulbüchern über Hitler nicht einverstanden ist. Von Hermann-Luc Hardmeier.

(Bericht: Hermann-Luc Hardmeier. Bilder: shn.ch, Key)

«Ich sehe es anders, als es in den meisten Schulbüchern steht», erklärte Historiker Tobias Straumann den 80 Zuhörern beim Zoom-Vortrag des Historischen Vereins am Dienstagabend. Der Börsencrash von 1929 führte zum Untergang der ohnehin totgeweihten Weimarer Republik, das ist für ihn eine zu einfache und verzerrte Darstellung. Straumann erklärte, dass die erste Demokratie in Deutschland durchaus Überlebenschancen gehabt hätte. Und dass nicht 1929, sondern 1931 das entscheidende Jahr aus seiner Sicht gewesen sei.

Nicht tragbare Reparationszahlungen

Nach dem Ersten Weltkrieg hatten die Alliierten den Deutschen mit dem Versailler Vertrag nicht nur die alleinige Kriegsschuld, Gebietsabtretungen, Warenlieferungen und mehr auferlegt, sondern auch für damalige Verhältnisse unrealistisch hohe Wiedergutmachungszahlungen. «Man versäumte es, diese Reparationszahlungen in der Rezession zu Beginn 1930er deutlich zu senken, um sie tragbar zu machen», erklärte Straumann.» So war die deutsche Regierung unter Kanzler Heinrich Brüning gezwungen, mitten in der Wirtschaftskrise einen Sparkurs einzuschlagen, der verheerende Auswirkungen hatte.

Im Sommer 1931 war Deutschland nicht mehr zahlungsfähig, die Banken brachen zusammen, und die darauf folgende Einstellung der deutschen Zahlungen schob die Weltwirtschaft in eine tiefe Depression. «Wir befinden uns in einer selbstmörderischen Umarmung, bei welcher wir alle ertrinken werden», bedauerte der spätere britische Premierminister Neville Chamberlain den Zustand.

Young-Plan als Feindbild

«Der Teufelskreis von Schuldendienst und Rezession verstärkte sich », so Straumann. «Dies führte zu einer politischen Polarisierung.» Die Nazis hatten nach Hitlers gescheitertem Putsch 1923 und den Golden Twenties kaum noch eine Bedeutung gehabt. Nun konzentrierten sie ihren Wahlkampf aber gezielt auf die Ablehnung des Young-Planes. Eines neuen Reparationsplans, der ab 1930 galt – mit einem riesigen Erfolg. Von einer unbedeutenden Partei wurden sie mit 18% in den Septemberwahlen 1930 zur zweitstärksten Kraft im deutschen Reichstag. Im Juli 1932 holten sie sogar 37.4%. Auf Plakaten warben Hitlers Leute damit, dass man gemäss Young-Plan noch während drei Generationen für Schulden zahlen müsse. Das traf exakt den Volksnerv und die Rechnung ging auf. «Die Nazis waren vor 1930 bedeutungslos, der Fokus auf die Reparationsfrage in Kombination mit der Schuldenkrise erklärt den Dammbruch», so Straumann. «Nicht nur Hitlers antisemitische und antikommunistische Rhetorik, sondern auch die Finanzkrise war entscheidend für das Ende der Weimarer Republik.»

Kritik an den Schulbüchern

In der Diskussion nach dem Vortrag kritisierte eine Zuhörerin diese Deutungsweise. Sie strich die Bedeutung des Militarismus, des Nationalismus und des Frustes der deutschen Bevölkerung hervor. Straumann entgegnete, dass er diese Punkte durchaus für sehr wichtig halte. «Ich würde aber die Gewichtung anders setzen, als sie in den Geschichtsbüchern vorgenommen wird», erklärte er. «Die Finanzkrise von 1931 wird meiner Meinung nach völlig unterschätzt.» 1932 beendeten die Alliierten übrigens die Reparationszahlungen, was zu einer wirtschaftlichen Erholung führte. Dazu bilanzierte Straumann: «Ich bin überzeugt, wären die Wahlen wie ursprünglich vorgesehen erst 1934 gewesen, hätten die Nazis prozentual viel schlechter abgeschnitten. Vielleicht hätte die Weimarer Republik überlebt, und wir würden ganz anders über jene Zeit sprechen.»

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung „Schaffhauser Nachrichten“ am 21. Januar 2021.

 

Die High Heels weit von sich gepfeffert

Slampoetin Lisa Christ ärgerte und amüsierte sich zugleich in der Kammgarn am Freitagabend über die «verknorzten» Erfolge der Gleichstellung. Eine Theaterkritik von Hermann-Luc Hardmeier.

Foto: Lisa Christ wollte durchaus, dass dem Publikum das Lachen im Hals stecken blieb. (Bild: Michael Kessler, Bericht: Hermann-Luc Hardmeier)

Pfui Teufel. Eigentlich beginnt das Problem der Gleichstellung von Mann und Frau schon in der Bibel. Lisa Christ erklärte dem Publikum, dass es frustrierend sei, dass schon im heiligen Buch die Frau an der Erbsünde schuld sei. Schliesslich habe sie den Apfel von Luzifer – in Form der Schlange – an Adam weitergereicht. Genervt wetterte sie über das vom Patriarchat dominierte Frauenbild und machte schnell klar, dass es so nicht weitergehen könne. Sie rief zwar nicht zur Revolution auf, aber streute mit Hochgenuss Salz, Pfeffer und Tabasco in die offene Wunde der geschlechterspezifischen Rollenverteilung. Die Zuschauer der Schauwerk-Veranstaltung in der Kammgarn merkten schnell: An diesem Abend war nichts mit «Schenkelklopfer-Humor» à la Peach Weber oder belanglosen Witzchen. Lisa Christ hat eine klare Botschaft und vertritt sie mit grosser Vehemenz. Eine Charaktereigenschaft dabei ist, dass sie sich gerne und schnell in Rage redet. Mehrmals musste sie sich selber wieder besänftigen, indem sie über eine Musikbox beruhigende Musik abspielte. Unterstrichen wurde ihre Kritik noch dadurch, dass sie entnervt ihre High Heels von sich pfefferte und meinte «Ich brauche wirklich neue Schuhe». Die Aktion war sinnbildlich, denn viele Kleidungsstücke lösen gewissen Rollenbilder aus. Zugleich war dies der Titel ihrer aktuellen Tour.

Anklage gemischt mit Humor

Lisa Christ seufzte ostentativ. Sie erzählte von einer Kollegin, die sich zwischen Karriere und Familie entscheiden musste. Diese verzichtete ihrem Mann zuliebe auf einen lukrativen Job in New York oder am Bundesgericht. «…obwohl es genau solche taffen Frauen wie sie in solchen Positionen bräuchte», sagte Christ. Nach wie vor sei die Lohnschere zwischen Mann und Frau enorm. Teilweise verdienten die Damen 20% weniger als die Männer für den gleichen Job. «Man stelle sich das vor», so Christ. «Sie arbeiten eigentlich bis Ende März gratis.» Anstatt dagegen anzukämpfen, scharren laut Lisa Christ junge Damen lieber Millionen von Followern um ihren Instagram-Account und geben Schminktipps. «Dort haben alle die gleichen künstlich hohen Wangenknochen, die gleiche Mono-Augenbraue und am Schluss kommt einem in der Bahnhofsunterführung eine Armee von Kylie Jenners entgegen.»

Ein Hauch von Dürrenmatt

Die Anklage von Lisa Christ wurde immer wieder mit Humor gemischt. Doch dieser wurde dosiert eingesetzt, um das Gesagte nicht zu verwässern. Ein wenig erinnert dies an das Konzept von Dürrenmatts Tragikomödie. Der Humor wird eingesetzt, um die schwere Kost verdaulich zu machen und an den Zuschauer heranzulassen. Doch ist es durchaus gewollt, dass dem Publikum zwischendurch das Lachen im Halse stecken bleibt. Dies geschah beispielsweise so: Im einen Moment mokierte sich Lisa Christ über Leute, die Fitness- und Ernährungstipps geben. «Wer hat sich schon einmal beim Fläzen auf dem Sofa eine Verletzung geholt? Richtig. Niemand. Aber beim Joggen, Yoga oder Crossfit? Bänderriss, Zerrung, Leistenbruch.» Sie forderte zu mehr Müssiggang auf und rief im Stile des Revolutionärs Che Quevara: «Lang lebe Cola und Zuckerwatte!» Im nächsten Moment jedoch sprach Lisa Christ über die «MeToo»-Bewegung. Über alltägliche und gesellschaftlich akzeptierte sexuelle Belästigungen von Freunden und Familienmitgliedern. «Stell dich nicht so an!» oder «Du übertreibst», seien die akzeptieren Ausreden. «Wenn eine Frau nicht geküsst oder begrabscht werden will, dann lass es gefälligst!», schrie sie in die Kammgarn. Lisa Christ hatte humorvoll verpackt auf viele Schwächen und Fehlverhalten in der Gesellschaft hingewiesen. Dies war ein anklagender, aber auch ein sehr wichtiger Aufritt.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung „Schaffhauser Nachrichten“ am Montag, 16. November 2020.

Happy End dank Gaddafis Goldbarren

Die Komödie «Bank-Räuber» von Beat Schlatter amüsierte die Zuschauer im Trottentheater Neuhausen am Samstag und überraschte mit einem Promi. Eine Theaterkritik von Hermann-Luc Hardmeier.

An der Olma 2009 hatte er fast einen Bundesrat in die Luft gesprengt. Der schräge Erfinder Eberhard ist zu Besuch in der Traditionsbank «Lamm» und braucht 100 000 Franken. Doch die Investitionsanfrage ist nicht das einzige Problem, welches Bankdirektor Kaspar Lamm am Hals hat. Frau Suter vom Pestalozzi Kinderdorf verlangt 900 000.- für eine neue Heizung und Vater Lamm Senior will ein Familienfoto vor dem offenen Geldtresor mit den Goldbarren machen. Eigentlich alle kein Problem, wenn Direktor Lamm Junior nicht alles Geld der Bank verpulvert hätte. Als Sponsor vom «Live at Sunset» brachte ihn die hohe Gage von Rod Stewart arg in Bedrängnis. Die Bank ist pleite und Kaspar Lamm kommt auf die wahnwitzige Idee, seine eigene Bank mithilfe des Erfinders zu überfallen. Es startete ein herrliches und temporeiches Verwirrspiel mit einem bösartigen UBS-Banker Alain Küng und einem Presslufthammer im Kleiderschrank.

Witzig und spannend

Der Komiker Beat Schlatter hat zusammen mit Stephan Pörtner ein Stück geschrieben, das viele wichtige Zutaten einer gelungenen Vorstellung vereint. Spannung, Humor und Überraschungen. Die Dialoge sind witzig und es wird nie langweilig. Schlatter ist ein überzeugender Schauspieler und hat sich ein Ensemble ausgesucht, das ihn perfekt unterstützt. Besonders Pascal Ulli sticht hervor, dem man den fiesen Grossbanker sofort abkauft.

Etwas zu brav

Bei allem Lob sei eine kleine Kritik dennoch angebracht. Beat Schlatter ist ein intelligenter Beobachter des Alltagslebens und war im Jahr 2009 das Aushängeschild der BAG-Kampagne gegen die Schweinegrippe. Seine Aufforderung, Hände zu waschen, ist uns allen noch gut im Gedächtnis. Mit diesem Hintergrund hätten sich ein paar kleine satirische oder selbstironische Seitenhiebe auf die Coronakrise durchaus angeboten. Der Humor des Stückes war gut, aber blieb verhältnismässig sehr brav. Auf der Leiter der Boshaftigkeit hätte Schlatter durchaus noch ein paar Sprossen höher klettern können. Zur Verteidigung kann man aber anfügen, dass es wieder einmal eine Wohltat war, zwei Stunden bestens unterhalten zu werden, ohne dass nur einmal das Wort «Corona» fiel.

Federer am Telefon

Ein Highlight des Stückes war sicherlich, als Roger Federer in der Bank anrief und von Kaspar Lamm Tickets für das Rod Stewart – Konzert verlangte. Die Stimme war natürlich nicht echt, aber trotzdem freute sich das Publikum enorm über die Überraschung. Das Verwirrspiel im Trottentheater nahm seinen Höhepunkt, als der UBS-Banker die illegalen Goldbarren des ehemaligen Diktators Muammar al Gaddafi in der Bank Lamm versteckte und damit unfreiwillig das Verwirrspiel auflöste. Ein Happy End dank Gaddafi? Ein solch pointierter Schlusspunkt kann nur Beat Schlatter einfallen.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen am 28. Oktober 2020 in der Zeitung „Schaffhauser Nachrichten“.

 

 

 

„Lost“ ist das Jugendwort 2020

Das Jugendwort 2020 steht fest. Doch was heisst „lost“ und warum hatten „wild“ und „cringe“ das Nachsehen?

Bild: Die Jugendsprache bleibt unberechenbar. Mit „lost“ ist dem Wörterbuch ein weiterer kreativer Anglizismus entsprungen. (Foto: Hermann-Luc Hardmeier. Bericht: Hermann-Luc Hardmeier)

„Chill mal, Alter!“ Der Langenscheidt-Verlag hat nach einem Jahr Pause die beliebte Wahl zum Jugendwort wieder aufgenommen. Wer hat’s erfunden? Ätsch, diesmal nicht die Schweizer, denn das Jugendwort war ein „Nebenprodukt“ zur Wahl des „Wort und des Unwortes des Jahres“ unserer Nachbarn. Doch spätestens als 2009 die Eidgenossen die Wahl unter Leitung einer Radio SRF-Jury kopiert haben und den Ausdruck „s’beschte wos je hets gits“ zum Gewinner gekürt wurde, erfreuen sich auch hierzulande die Wahlgänge grosser Beliebtheit. Klar, es gab einige Durchhänger. „hobbbylos“ oder „Smombie“, eine Mischung aus Smartphone und Zombie, sorgten für gedämpfte Temperaturen im Duden-Schmelzofen. Doch es gab immer wieder Highlights wie „Swag“, „Yolo“ oder „Babo“. Ihr wisst schon, der Chef unter den Chefs. 2018 wurde Ehrenmann/ Ehrenfrau das Jugendwort des Jahres und liess einen für Tod gehaltenen Begriff wieder aus der Gruft steigen. Doch dann wurde der Langenscheidt-Verlag verkauft an Pons und 2019 brachte man es nicht auf die Reihe zu wählen. Ein Fail der Extraklasse. Wahrscheinlich hatte das irgendein Alpha-Kevin (Der Volldepp unter den Deppen) verursacht. In einer inoffiziellen Wahl im Internet wurde der Ausdruck „Gönnjamin“ gekürt. Ein Ausdruck für jemanden, der das Leben in vollen Zügen geniesst. Meistens hat er damit Erfolg und ist damit das pure Gegenteil eines Lauchs. Ein unmuskulöser Mensch oder ein Vollversager. Damit wären wir auch gleich bei der Frage angelangt, warum „Lauch“ nie zum Jugendwort wurde. Richtig: Der Begriff zum Jugendwort muss neu sein, er muss verbreitet unter Jugendlichen sein und zum Schluss: Er muss etwas Positives oder lustiges ausdrücken. Beleidigungen werden aus Prinzip nicht akzeptiert. So hatte Alpha-Kevin keine Chance, Lauch auch nicht. Auch Ausdrücke wie Zwergadapter (für Kindersitz), Böög (für eine störende Person), Speckbarbie (eine zu dicke Frau in zu engen Kleidern), Spaghetti-Sultan (ein Lauch) oder andere Schmeicheleien mussten dem strengen Urteil der Jury weichen. 2020 ging der Langenscheidt-Verlag nun einen neuen Weg: Die Wahl fand vollständig online statt. Tausende von Vorschlägen konnte man während mehreren Monaten einreichen. Die drei aussichtsreichsten wurden sodann zur Wahl durch die Internet-User zugelassen. In der Pole-Position waren „wild“, „lost“ und „cringe“. Letztgenanntes meint etwas Peinliches oder Unangenehmes. „Wild“ oder „wyld“ hingegen bezeichnet etwas Krasses oder Heftiges. Würde man eine Wandergruppe fragen „Seid ihr wild“?, so würde die Wanderung offenbar kurz vor der Eskalation stehen. Mit der Konfettikanone würde man sich gegenseitig die Wanderschuhe um die Ohren feuern, der mitgebrachte Ghettoblaster würde wilden Techno spielen, mit den Wanderstöcken würden ein Lichtschwertkampf wie bei StarWars ausgetragen und vom Himmel würde ein Ufo in Form einer Bratwurst fallen. Ja, das in etwa wäre „wild“ und würde den Organisator wohl ziemlich „cringe“ zurücklassen. Doch die zwei Ausdrücke blieben auf der Strecke. „Lost“, ein Ausdruck, der gleichsam „ahnungslos“, „verloren“ oder „planlos“ heisst, steht nun auf dem Podest. Habe ich die Hausaufgaben nicht gemacht, so bin ich completly lost. Aber merkt es der Lehrer nicht, so dreht der Spiess. Voll lost, wenn er sowas nicht mitbekommt. Eigentlich ist das neue Jugendwort der perfekte Ausdruck, der das Jahr 2020 beschreibt. Corona hat uns alle ein bisschen „lost“ zurückgelassen. Ferienpläne umgeworfen, die Openair-Saison vermasselt und vielen guten Partys und Events den Stecker gezogen. Da wünscht man sich doch irgendwie das Jahr 2016 zurück, als „Am Fly sein“ eine besonders coole Situation beschrieb oder als 2014 mit „Läuft bei dir“ die Welt sich noch so drehte, wie sie sollte. 2008 wurde übrigens das Jugendwort ins Leben gerufen. „Gammelfleischparty“ bezeichnete damals eine Ü-30-Party. Total lost, aber alle Gönnjamins, Lauchs, Speckbarbies und Alpha-Kevins würden mittlerweile liebend gerne die Quarantäne gegen ein bisschen Spass am Gammelfleisch-Event eintauschen. 2021, hoffentlich „läufts bei dir“. Wir wären ready und „wild“.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Publiziert am 16. Oktober 2020.

Der König des Fondue-Western

Der Basler Musiker Sam Himself stoppt für seine Herbsttour in der Kammgarn Schaffhausen. Und wer ihn kennt, weiss, dass keiner seiner Auftritte nach dem Schema „nullachtfünfzehn“ abläuft. Eine Konzertvorschau von Hermann-Luc Hardmeier.

«Schaffhausen ist für mich eine Premiere als Musiker und als Person», freut sich Sam Himself auf seinen Auftritt in der Munotstadt. «Aus dem Geographieunterricht weiss ich noch, dass Schaffhausen von oben ein bisschen wie ein Hirn aussieht», meint er lachend. Nun will er also das hiesige Denkorgan untersuchen und für sich gewinnen. Im Juni wurde der nach New York ausgewanderte Basler von SRF zum «Best Talent» gekürt und steckt nach dem Corona-Lockdown voller Tatendrang. «Es ist für mich eine grosse Ehre und ein Highlight, in der Kammgarn zu spielen.» Denn wer Sam Himself kennt, weiss, dass kein Auftritt von ihm einfach 0815 abläuft. «Mir ist die Interaktion mit dem Publikum wichtig. Ich möchte aber keine Touristen-Animationen abspulen, der Live-Auftritt darf ruhig etwas gefährlicher sein, auch für mich auf der Bühne.» Das bedeutet nicht, dass er mit einem Flammenwerfer experimentiert oder seine Talente als Messerwerfer zur Schau stellt. Nein. Viel eher kann es an Konzerten von Sam Himself vorkommen, dass er plötzlich die Gitarre umstimmt und sich selbst vor eine neue Challenge stellt. «Das kann auch einmal schief gehen», schmunzelt Sam, «aber ich riskiere gerne etwas.» Er reisst sich gerne aus seiner Komfortzone heraus und serviert den Zuhörern «Fondue-Western». Erst wenn die Gitarre lange Fäden zieht und die Füsse mitwippen, ist Sam glücklich und giesst Kirschlikör nach. Die aktuelle EP «Slow Drugs» klingt entsprechend fröhlich. Ein Schwerpunkt liegt auf 80er Chic und wird durch seine charmante Stimme untermalt. Ob man dabei an Bryan Ferry denkt oder sich David Bowie mit der Fondue-Gabel vorstellt; irgendwo dazwischen macht es sich Sam Himself gemütlich.

Kein Zeigefinger

Die Corona-Zeit war auch für Sam sehr schwierig. Er versuchte sich an Livestream-Auftritten, doch vermisste die Reaktionen vom Publikum extrem. «Es war schon fast unheimlich, in diesen kargen Bildschirm hinein zu singen.» Er atmete auf, als die Regeln wieder gelockert wurden. Nun ist er bereit für seine Herbsttournee. Doch will er nur feiern oder steckt auch Tiefgang dahinter? «Ich möchte den Zuschauern nicht eine Botschaft aufzwingen, indem ich sie mit dem mahnenden Zeigefinger instruiere», erklärt er. «Ich hoffe eher, dass ich sie positiv inspirieren kann und vielleicht zu Mitgefühl und Empathie ermutige.» Wenn jemand etwas von seinen Konzerten mitnimmt, freut ihn das.

Song über Schaffhausen?

Lieder wie «Like a Friend», «Nobody” oder das Bruce Springsteen-Cover “Dancing in the Dark” des Musikers sind eingängig und werfen die Frage auf, was ihn zu seiner Musik inspiriert: «Oft finde ich zuerst eine Melody. Manchmal kann es aber auch ein Satz sein, der aufgefallen ist und später von mir wie ein Waisenkind adoptiert wird.» Dann dürfen wir gespannt sein, ob beim Spaziergang am Rhein das Rauschen des Wassers bald in einem seiner Songs zu hören sein wird. Eins ist sicherlich klar: Das Konzert am Freitagabend wird alles andere als gewöhnlich.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen am 5. Oktober  2020 in der Zeitung „Schaffhauser Nachrichten„.