Wie nützt Twitter meiner Firma?

Von Hermann-Luc Hardmeier: Am Social Media Apero wurden Jungunternehmer über die Marketing-Vorteile der sozialen Netzwerke im Internet informiert. Unter den Gästen waren viele interessierte KMU-Mitarbeiter und für die Zeitung Schaffhauser Nachrichten Hermann-Luc Hardmeier. Der Anlass fand im „Haus zur Wirtschaft“ in Schaffhausen statt.

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Bild: Die Referenten und Organisatoren des Anlasses. Foto: Hermann-Luc Hardmeier, Bericht: Hermann-Luc Hardmeier.

„Twitter, Facebook und Co sind Begriffe, die uns täglich begegnen“, begrüsste Renato Brunetti vom Gewerbeverband die Gäste im Haus zu Wirtschaft. „Ich als 60-jähriger kann diese Internetportale nicht genau unterscheiden, aber die nächste Generation von Kunden ist damit aufgewachsen.“ Laut Brunetti lohnt es sich die Dienste genau unter die Lupe zu nehmen, da sie für Marketing viel mehr hergeben, als man erwartet. Der Gewerbeverband hatte zusammen mit dem Institut für Jungunternehmen und dem Blogwerk, der Agentur für Social-Media-Marketing den Anlass organisiert. Referent des Abends war Mathias Vettiger vom Blogwerk. Der Account Manager liest nach eigenen Angaben genau so gerne Facebook-Statusmeldungen wie ein gutes Buch. „Früher musste man bei einer Zeitung Werbung kaufen, heute gibt es auch andere Wege“, erklärte Vettiger. Er zeigte auf wie ein Blog, ein so genanntes Internet-Tagebuch, funktioniert und wies darauf hin, dass jeder und jede zu jedem beliebigen Thema einen solchen Blog erstellen kann. Die Gäste sahen daraufhin einen kurzen Videofilm aus einem Blog einer Firma aus den USA. Dort präsentiert der CEO persönlich das Flagschiff seiner Firma: Einen Mixer. Im Blog nun können die Zuschauer abstimmen, welche Dinge der Mixer zerkleinern soll. Zu jeder dieser Zerstörungen wird ein Video auf den Blog Online gestellt. Die Internetnutzer wünschten sich die Zerkleinerung eines iPhones und eines iPads, gesagt getan. Das Filmchen ist sehr amüsant, doch nicht nur das. En passant wird auf eine nicht aufdringliche Art für den Mixer Werbung gemacht. „Es kostet fast nichts, die Internetnutzer verbreiten den Link zur Homepage des Firmablogs und loben in ihren Kommentaren das Produkt. So funktioniert erfolgreiche Werbung heute“, erklärte Mathias Vettiger. Er informierte, dass Social Media von Menschen lebe. Sie tauschen sich aus und zeigen Emotionen. Wer in diesem Bereich erfolgreich sein will, muss sich anpassen. Man kann keinen Blog erstellen und mit herkömmlichen Pressemitteilungen füttern. Man muss den Menschen etwas bieten, dass via Unterhaltung auf das Produkt und die Firma aufmerksam macht. „Um den Effekt zu verstärken, sollte man als Firma auf verschiedenen Kanälen aktiv sein, am Besten mit eigener Webseite, einem Twitteraccount, einem Facebookprofil und einem Newsletter“, so Vettiger. Als weiteres Beispiel nannte er die Firma Ebookers. Das Unternehmer verkauft in erster Linie zwar Ferienangebote, auf der Homepage sieht das aber anders aus. Sie haben einen Blog erstellt, wo spannende Reiseberichte geschrieben und kommentiert werden. Die Menschen im Internet finden die Seite, wenn sie Reiseberichte im Google eingeben und werden dezent darüber informiert, dass die tollen Reisen auch bei Ebookers bestellt werden können. Doch nicht nur der Werbeeffekt ist gross, sondern auch die Kosten sind tief: „Schreiben kostet nichts, kann aber viele potentielle Kunden erreichen“, so Mathias Vettiger. Er gab viele weitere Tipps, beispielsweise, dass durch Verknüpfung von Newsmeldungen auf einer Homepage mit dem Twitteraccount der Kundenkreis erweitert werden könne. Und man müsse heutzutage in „News“ denken, wenn man über die Firma informiere. Der Anlass hatte seine Wirkung erzielt. Nicht wenige Gäste gingen mit dem Vorsatz nach Hause, gleich morgen einen Blog zu erstellen.

Von Hermann-Luc Hardmeier

Projektwoche mit dem Sportchef der Kloten Flyers

Hoher Besuch an meiner Schule während der Projektwoche/ Spezialwoche „Sport und Medien 2014“. André Rötheli, der Sportchef der Kloten Flyers, besuchte uns und referierte vor knapp 65 Schülern. Moderiert wurde der Anlass von Andy Jucker, damaliger Sportchef und heutiger Chefredaktor des Senders. Organisiert wurde die Woche von Luc Hardmeier im Auftrag der Schule. Thematisch Ging es darum, die Lernenden auf Chancen und Gefahren im Umgang mit Journalisten zu informieren. Eröffnet wurde die Woche von der Schweizer Eishockeylegende André Rötheli. Er gab den Lernenden Tipps und erzählte von seinen Erfahrungen. Diverse Journalisten vom Tages Anzeiger, Radio Munot hielten Workshops an unserer Schule. Dabei wurde aufgezeigt, auf was man bei Radio und Zeitungsinterviews besonders achtgeben muss und wie Zeitungstitel entstehen. Zudem gab es Exkursionen zu diversen Medienhäusern. Unter anderem besuchten die Klassen 20 Minuten, Blick und das Schweizer Fernsehen. Die Woche war ein voller Erfolg und sehr spannend.

Von Luc Hardmeier

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Im Bild: Andy Jucker vom Radio Munot, Luc Hardmeier, Organisator der Spezialwoche, und Eishockeylegende André Rötheli.

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Schaffhausen: Der 2. Weltkrieg aus wirtschaftlicher Sicht

Von Hermann-Luc Hardmeier: Der Historiker Dr. Matthias Wipf sprach vor der Jungen Wirtschaftskammer über die Auswirkungen des 2. Weltkrieges auf die Schaffhauser Wirtschaft. Unter den Gästen waren die Mitglieder der Jungen Wirtschaftskammer und für die Zeitung Schaffhauser Nachrichten Hermann-Luc Hardmeier. Der Anlass fand im Sitzungssaal des Hotels Hohberg statt.

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Matthias Wipf und der Präsident der jungen Wirtschaftskammer. Foto: Hermann-Luc Hardmeier, Bericht: Hermann-Luc Hardmeier)

Die Schweizer Armee dachte während des 2. Weltkrieges kaum daran, den „verlorenen Zipfel“ Schaffhausen lange gegen Nazideutschland zu verteidigen. Dr. Matthias Wipf erklärte den Anwesenden im Hohberghaus die wichtigsten Hintergründe jener Zeit und die Gefühlslage in der Munotstadt. Er hat über dieses Thema mehrfach publiziert und für seine Bücher rund 150 Zeitzeugen interviewt.
Wipf zeigte auf, dass die Armeeführung aus strategischen Gründen kaum gewillt gewesen wäre, Schaffhausen lange gegen einen deutschen Angriff zu verteidigen. Vielmehr brachte man Sprengladungen an wichtigen Brücken und Tunnels an. Die Strategie von General Henri Guisan sah vor, sich in den Alpen, im so genannten Reduit, zu verteidigen und danach die verlorenen Landesteile zurückzuerobern. Verständlicherweise verängstigte diese Perspektive die Schaffhauser Bevölkerung. „Im Mai 1940 empfanden es die Schaffhauser subjektiv am schlimmsten. Man rechnete damals mit einem unmittelbar bevorstehenden Angriff der Deutschen“, gab Wipf Einblick in seine Forschungen. Aus heutiger Sicht ist allerdings klar, dass Hitler damals auf Frankreich fokussiert war und an der Schweizer Grenze lediglich einige Ablenkungsmanöver startete.

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Bild: Allierte Flieger beim Bombenabwurf. Foto: Wikipedia, Bericht: Hermann-Luc Hardmeier.

Doch die Menschen der damaligen Zeit konnten dies natürlich nicht wissen. In der Nacht vom 14. auf den 15. Mai 1940 flüchteten rund 2‘000 Schaffhauser in die Innerschweiz, in die Romandie oder ins Berner Oberland. Schon zuvor liefen die Vorbereitungen auf Hochtouren: die Kantonalbank evakuierte mit Möbelwagen gleich sackweise einen grossen Teil ihres Vermögens in gemietete Tresore der Zuger Kantonalbank. Die SBB führte die wichtigsten Zuglinien doppelt und dreifach. In der ganzen Stadt waren keine Koffer, Rucksäcke, geschweige denn Taxis zu finden. Mit Autos, Velos und sogar Handwagen kehrte man der bedrohlichen Grenzlage den Rücken zu.
Abgesehen von der Freiheit, hatte man auch Wohlstand zu verlieren. Der Wirtschaft ging es verhältnismässig gut. Firmen wie die IVF, SIG und GF verdienten am Krieg im In- und Ausland. „Die moralische Frage stellte man sich lange nicht vordinglich“, so Matthias Wipf, „sondern man wollte die Produktion möglichst aufrechterhalten. Insofern interpretierte man die Neutralität mehr so, dass man alle Kriegsparteien gleich stark belieferte.“
Der Schaffhauser Historiker wies auf viele spannende Details hin. So erklärte er etwa, dass einheimische Firmen wichtige Maschinen mit Farben markiert hatten, so dass sie bei einem feindlichen Angriff sofort zerstört werden konnten.
Nach den wirtschaftlichen Aspekten wurde natürlich auch die Bombardierung am 1. April 1944 thematisiert. Der Vortrag nahm nun Züge einer Diskussion an: Die Mitglieder der jungen Wirtschaftskammer diskutierten aufgeregt, ob das Bombardement der US-Piloten ein Irrtum oder Absicht war. Matthias Wipf verwies auf die Quellen, welche er gelesen hat: „Aus Sicht der britischen und amerikanischen Berichte ist ganz klar, dass man sich verflogen hatte. Das Ziel war Ludwigshafen und die dortigen Anlagen der IG Farben. Die Amerikaner schämten sich sogar sehr für das Versehen und leisteten eine Kompensationszahlung von 40 Millionen Dollar.“ Schnell wurde klar: der 2. Weltkrieg bewegt nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht, sondern auch wegen all seinen grausigen und interessanten Hintergründen nach wie vor stark die Gemüter. Und so war dieser Vortrag ein würdiger Abschluss des Jubiläumsjahres der Jungen Wirtschaftskammer.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung Schaffhauser Nachrichten.

Witze am Laufmeter

Marco Rima besuchte mit seiner Show „Humor Sapiens“ das Stadttheater Schaffhausen. Ein Bericht von Hermann-Luc Hardmeier.

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Bild: Wenn Marco Rima angreift, bleibt kein Auge trocken. (Bild: www.srf.ch, Bericht: Hermann-Luc Hardmeier)

Der wohl bekannteste Schweizer Komiker Marco Rima trat am Mittwoch im Stadttheater auf. Im Gepäck hatte der 50-jährige nicht nur sein neues Soloprogramm „Humor Sapiens“, sondern auch 30 Kilo mehr auf den Hüften. Dies wäre nicht weitere erwähnenswert, wenn er nicht selber nonstop darüber gewitzelt hätte. „Ich bin nicht dick, sondern ich bin horizontal herausgefordert“, so Rima. „Ein guter Charakter braucht eben viel Platz“. Die Show jedoch hatte es in sich. Eine dreiköpfige Band spielte fetzigen Sound, während der Komiker auf die Bühne tänzelte und selber für die Gesangseinlage sorgte. Er schwang die Hüften, zog Grimassen und plötzlich griff er sich schmerzverzehrt ins Kreuz. Die Musik brach ab. Der Künstler völlig ausser Atem. „Hallo Schaffhausen. Ich freue mich, dass ich hier bin“, so seine ersten Worte. Er hat 30 Jahre Bühnenerfahrung und richtete auch ein Lob an seine treuen Fans: „Schaffhausen, ihr seid das schönste Publikum, dass ich je erleben durfte. Unglaublich, was die Chirurgie heute möglich macht.“ Dann legte Marco Rima so richtig los. Die Witze kamen wie aus der Pistole geschossen. Die meisten waren einstudiert. Einige kamen spontan und liessen sogar Rimas Assistent, einen illustren Buttler mit fürchterlichen Kniestrümpfen, aus seiner Rolle fallen. Das Publikum lacht herzhaft. Eine Frau hatte einen solchen Lachanfall, dass Marco Rima sogar ein angefangenes Lied abbrach und mit ernster Miene meinte: „So, jetzt reicht es aber.“ Dieser Kommentar bewirkte selbstverständlich genau das Gegenteil. Nicht nur Musik und Comedy, sondern auch Politik stand auf Rimas Programm. Er hatte sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, die Menschheitsgeschichte von Urknall bis heute nachzuerzählen. Natürlich in seiner eigenen Version. Er machte nicht nur den Homo Sapiens für die menschliche Entwicklung verantwortlich, sondern nannte auch den Humus Sapiens (der ersten Gärtner), den Horror Sapiens (der erste Hooligan) und natürlich den Homo Erectus (der erste Pornodarsteller). Warum der Neandertaler ausgestorben ist, wird auch schnell klar: „Der Urbucheli, der erste Meteo Sapiens, hat die Eiszeit falsch vorausgesagt.“ Mit seiner Band spielte und sang er über die 60er, 70er und 80er Jahre. So erfuhr man in den Songs, dass die Beatles die Berliner Mauer errichtet haben, Moses in Wirklichkeit einen Pizzaservice betrieb, Gorbatschow der erste Gewinner des Eurovision-Songcontest war und Ronald Reagan ein besonderes Talent für Breakdance hatte. Das neue Programm des Starkomikers ist ein komödiantischer Rundschlag par excellence. In sieben Tagen schuf Gott die Welt … und Marco Rima erklärt sie uns in gut zwei Stunden.

von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung Schaffhauser Nachrichten.

Dank Geheimrezept: 1 Million Passagiere pro Jahr

Von Hermann-Luc Hardmeier: Edelweiss Air CEO Karl Kistler verriet im Haus zur Wirtschaft, wie seine Fluglinie und deren erfolgreiche „Little extra“ – Strategie funktioniert. Unter den Gästen waren viele KMU-Interessierte und für die Schaffhauser Nachrichten der Journalist Hermann-Luc Hardmeier.

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Karl Kistler (links) und Rolf Bänziger kurz vor dem Auftritt am KMU-Forum. (Bild: Hermann-Luc Hardmeier)

„Ich gebe die Startbahn frei. Are you ready for Departure?“, mit diesen Worten übergab Rolf Bänziger dem CEO der Edelweiss Air das Rednerpult. Rolf Bänziger ist Leiter Höhere Fachschule für Wirtschaft Schaffhausen“ ((HFW) und Präsident des gleichnamigen Fördervereins. Zusammen mit dem KMU-Forum hatte er den Redner ins Haus zur Wirtschaft eingeladen. Die knapp 50 Zuhörer erfuhren, was hinter dem Slogan „Schöner fliegen“ der Airline steckt und warum das Unternehmen den „Golden Travel Award“ elf mal in Folge gewonnen hat. Die Bombe liess Karl Kistler gleich zu Beginn platzen. Zumindest für all jene, die ihn nicht kannten. Er ist kein CEO, der gemütlich im Büro sitzt und sich die Zahlen vorbeibringen lässt. Nein, er ist selber Pilot, hat vom Militärfallschirm über den Helikopter bis zum Airbus bereits alles geflogen. Und: Er fliegt selber bei Edelweiss Air. Qualitätskontrolle vor Ort sozusagen. „So spüre ich den Puls der Gäste, weiss, wo die Abläufe bei den Mitarbeitern nicht stimmen und was sonst für Probleme in der Luft liegen“, so Karl Kistler. „Und natürlich geniesse ich das Fliegen. Nichts ist schöner.“ Man stelle sich vor: Credit Suisse CEO Brady Dougan sitzt selber am CS-Schalter und nimmt Einzahlungen entgegen oder man kann das neue Billy CD-Regal gleich an der Kasse beim IKEA-Gründer Ingvar Kamprad zahlen. Unvorstellbar? Bei Edelweiss Air mitnichten.

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Eine typische Maschine der Edelweiss Air. (Foto: www.edelweissair.ch, Bericht: Hermann-Luc Hardmeier)

Geheimrezept gelüftet

Karl Kistler erzählte, wie die Edelweiss Air gegründet wurde, wie sie stark unter Druck der Billigflieger geriet und eine Tochter der Lufthansa und somit die Schwester der Swiss wurde. Der Konkurrenzkampf mit den Low-Cost Airlines ist hart. Wahrscheinlich härter, als Karl Kistler zugeben vermochte. Um so interessanter war es darum, als er das Geheimrezept der Fluglinie verriet. Passend verglich Kistler das Verhältnis zu den Kunden mit seiner Ehefrau. „Sie geht jahrelang immer zum gleichen Frisör. Wenn dieser jedoch einmal schlecht schneidet, geht sie nie wieder hin. “ Die Metapher war angekommen. Fluglinien können sich keine Fehler leisten und müssen die Kunden stets gut umsorgen. Dafür wendet die Edelweiss Air die „Little extra“ – Strategie an. „Es geht darum, den Kunden Komfort zu bieten, für sie da zu sein und angenehm zu überraschen.“ Immer ein Extra auf Lager zu haben, das macht die Fluglinie aus. Warum sollen nur die Business-Kunden zwischen allen Zeitungen auswählen können? Warum soll man einen Gast mit Flugangst nicht speziell betreuen? Warum soll man nicht einen Wein ausschenken, den man zu Hause auch guten Gästen anbietet und warum soll der Pilot nicht einmal ausführlich über den Zielort via Bordmikrophon informieren? Dies sind Beispiele dafür, warum sich die Gäste von Edelweiss Air immer einen Tick wohler fühlen, als bei einem herkömmlichen Flug. Die Extras sind nicht aufgezwungen und dürfen sich natürlich nicht auf den Flugpreis auswirken. Aber die Wirkung ist enorm. „Die Gäste fühlen sich bei uns wohler als auf anderen Flügen.“ Das wirkt sich auch auf die Zahlen aus. 1 Million Passagiere pro Jahr werden befördert, 350 Millionen Franken Umsatz generiert die Fluglinie. Der Erfolg liegt auch am Herzblut des CEOs für seine Firma. Auf die Frage aus dem Publikum, ob er lieber CEO oder Pilot sei, antwortete er wie aus der Pistole geschossen: Natürlich Pilot.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Fotos: Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung Schaffhauser Nachrichten

Müslüm kämpft im Hawaiihemd für die Integration

Müslüm, der grosse „Integratör“, trat im Kulturclub Kammgarn in Schaffhausen auf. Ein Konzertbericht von Hermann-Luc Hardmeier.

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Bild: Müslüm ist mehr als nur Hawaiihemd und pinker Anzug. Dieser Mann hat eine Botschaft imt Tiefgang. (Foto: www.tageswoche.ch, Bericht: Hermann-Luc Hardmeier)

„Ich hatte zuerst ein wenig Angst hierher zu kommen“, sagte Müslüm gegenüber den Schaffhauser Nachrichten vor seinem Konzert in der Kammgarn. „Schliesslich klingt für einen Immigranten der Stadtname „Schaffhuse“ eher wie „Schaff use!“ Semih Yavsaner ist eine Stunde vor seinem Auftritt noch ungeschminkt und man würde ihm auf der
Strasse wahrscheinlich nicht ansehen, dass er den türkischen Immigranten Müslüm spielt, der mit seiner CD „Süpervitamin“ 23 Wochen die Schweizer Hitparade gerockt hatte. Der Sohn einer türkischen Gastarbeiterfamilie machte Müslüm mit Telefonscherzen beim Radio bekannt. Er versuchte beispielsweise beim Waffenhändler illegal an eine Pistole zu kommen, als krimineller Ausländer bei der Polizeischule aufgenommen zu werden oder entschuldigte sich im Hallenbad, weil er aus Versehen ins Bassin gemacht habe. Als das alternative Berner Kulturzentrum „Reitschule“ durch die SVP geschlossen werden sollte, fand Müslüm zur Musik und veröffentlichte seinen Protestsong „Erich, warum bisch du nid ehrlich?“ Spätestens dann wurde klar, dass Müslüm nicht bloss ein Komiker sein will. „Ich kämpfe gegen Klischees und Vorurteile“, sagt Semih Yavsaner. „Als Kunstfigur Müslüm kann ich die Leute erreichen.“ Eine Stunde später setzt er seine Mission in die Tat um. Man nehme ein Hawaiihemd, einen pinken Anzug, eine Sonnenbrille, einen extrem buschigen Schnauz in Kombination mit einer voluminösen Mono-Augenbraue und fertig ist der freakige Immigrant. Der Saal wird dunkel und orientalische Klänge erklingen. Gut 300 Gäste rufen „Müslüm! Müslüm!“ und unter lautem Applaus stürmt er auf die Bühne. Gleich im ersten Song „Orang Utan“ singt er, dass man Ausländer respektieren soll. „Hört auf zu schubladisieren!“ Müslüm würzt seine Botschaften mit sehr viel Humor. Er sagt nicht: „Brecht aus euren Klischees aus.“ Bei Müslüm klingt dies so: „Die Menschen haben vor lauter Red Bull trinken ihre Flügeli verloren.“ Die Gäste lachen, feiern und tanzen. Müslüm feuert das Ganze mit einem Hüftschwung an, der Elvis Presley Konkurrenz machen würde. Spätestens beim Hit „Süpervitamin“ kocht die Stimmung. Müslüm singt von einer Glücksdroge, die in allen Regenbogenfarben leuchtet. Ein gute Laune Musik mit einer orientalisch-poppigen Geschmacksnote. Selten hat Gesellschaftskritik so viel Spass gemacht. Zwischendurch stoppt Müslüm die Musik und fordert: „Nehmt mich ernst! Vergesst eure Vorurteile. Ich esse keinen Kebab und fahre keinen BMW.“ Dann wendet er sich an die Menschen, die ihn während dem ganzen Auftritt mit dem Smartphone filmen: „Streichelt nicht euer iPhone, streichelt lieber eure Freundin.“ Einige Besucher merken, dass dies ein Seitenhieb gegen die Konsumgesellschaft war. Andere amüsieren sich einfach über die gute Pointe des Witzes. Müslüm sorgt für ausgelassene Stimmung während gut zwei Stunden. Der „türkische Integratör“ versabschiedet sich augenzwinkernd mit den Worten „Schaffhuse! Schaff ine!“

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung Schaffhauser Nachrichten.

Schaffhauser werfen Slam-Meister hochkant raus

Zum 2. Mal fand am Freitag im Chäller ein Poetryslam Abend statt. Dabei sorgte das Publikum für eine gepfefferte Überraschung. Von Hermann-Luc Hardmeier

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Bild: Renato Kaiser hatte es im Chäller-Wohnzimmer nicht so gemütlich, wie gewohnt. (Foto: Coopzeitung.ch, Bericht: Hermann-Luc Hardmeier)

Der Chäller war am Freitagabend stilvoll dekoriert. Sofas und Stühle im Publikumsbereich, ein Bild an der Wand, Teppich und Stehlampe sowie Sofastühle auf der Bühne. Der ganze Raum sah aus wie ein gemütliches Wohnzimmer. Ideale Kulisse für den wahnwitzigen Dichterwettstrei namens Poetryslam. Die Moderatoren Diego Häberli und Margerite Meyer erklärten zu Beginn nochmals die Regeln. Jeder Poet hat fünf Minuten Zeit, einen selbstgeschriebenen Text vorzustellen. Hilfmittel wie Verkleidung oder Musik sind verboten. Bewertet wird der Auftritt von sechs zufällig ausgewählten Jurymitgliedern aus dem Publikum. Sie mussten mit Tafeln von 1 bis 10 den Auftritt bewerten. “Eins steht dabei für einen Text, der nie hätte geschrieben werden sollen, und zehn für einen Text, der in die Bibel gehört und einen Kopf-Orgasmus auslöst”, erklärte Margerite Meyer. Diese Definition zeigte schon, das sollte ein Abend werden, der nicht nur zwischen Dichtkunst und Battlerap tänzelt, sondern bei welchem auch der Humor nicht zu kurz kommen sollte.

Umweltschutz und Dialekt

Diego Häberli prüfte die Jury mit seinem “Opferlamm-Text” namens “Wunschkind”. Schon dieser Text zeigte, was viele Leute an Poetryslam so gefällt. Er flüsterte, schrie und setzte rhetorische Pausen ein. Dann wiederrum startete er den verbalen Häberli-Turbo mit extrem schnellen Reimen und eine Prise Zynismus durfte auch nicht fehlen. Beispiel gefällig?: “Wenn es mir langweilig ist, klebe ich mir Scherenschnitte aufs Gesicht und gehe anschliessend ins Solarium.” Es folgte Phibi Reichlin mit einem Text zum Thema Umweltschutz und Littering. “Nein, wirf das Papierchen nicht auf den Boden”, mahnte in seinem Text eine Lehrerin ihre Schülerin. “Es könnte das Atemloch eines Delfins verstopfen und er stirbt daran. Willst du das?” Nach dieser Gesellschaftskritik auf makaberem Niveau erschien der amtierende Schweizer Poetryslam Meister Renato Kaiser. Mit seinem Text “Heb doch eifach de Rand” buhlte er in breitem Ostschweizer Dialekt um die Gunst der Jury. Vier weitere Slammer folgten. Julia Kubicki nervte sich darüber, dass sie Verwandten immer erklären müsse, womit sie derzeit ihr Geld verdiene. Sie empfahl kreative Antworten: “Ich bin Freelancerin im Hüpfburg testen.” Valerio Moser gab sich sehr poetisch. “Die Sprache ist ein Schmetterling, die durchs Land fliegt”. Eva Aoife ärgterte sich über selbstgefällige Selbstdarstellungen der Menschen und Killian Ziegler begeisterte mit einem Text über Handy-Sucht.

Kritische Jury

Nun hatte die Publikumsjury zu bewerten. “Ihr seid aber scheu”, hatte Killian Ziegler das Dichter-Gericht noch gehänselt. Er forderte das Publikum auf: “Gebt mir ein “Yeah”. Und als dieses Erklang, nörgelte er: “Das ist das traurigste “Yeah”, das ich jemals gehört habe. Doch die Schaffhauser waren sehr kritisch. Nur vier Poeten durften ins Finale. Und bei der Punktevergabe kam es zur Sensation: Im Hohen Bogen flog Renato Kaiser, der amtierende Schweizermeister, aus dem Rennen. Pause.
Mit ernster Miene kamen die Moderatoren nach der Pause auf die Bühne. “Ihr habt soeben den Meister abgesägt”, sagte Diego. “Er erwartet, dass ihr euch alle nach der Show bei ihm entschuldigt.” Dann erhellten sich im Gelächter die Gesichter. “Das ist Slam”, freute sich Margerite Meyer. “Man kann nie vorhersagen, welcher Poet weiterkommt.”
Im Halbfinale setzten die Wort-Gladiatoren wieder scharf gezielte Satzsalven ein. Allen voran Valerio Moser. Er löste einen echten Sturm der Begeisterung aus. Mit einer Liebeserklärung an seine Cornflakes, welche er als waschechten und rhythmischen Beat-Box-Song vortrug, erntete er grossen Applaus. Der Erfinder des “Honey-Pop” musste sich im Finale mit Killian Ziegler messen. Dessen Text namens “Boom Shaka-Laka Alpaka-Massaka” handelte vom sehr, sehr haarigen Alpaka-Kamel. Er feuerte volles Rohr mit der Spasskanone und traf ins Schwarze. Grotesker Humor wie “Das Alpaka ist extrem flauschig. Wenn man ein Alpaka schlachtet, gibt es daraus Zuckerwatte” begeisterten. “Selten habe ich so lachen müssen”, sagte eine Besucherin nach dem Text. Killian Ziegler gewann den Slam und konnte den Sieger-Schnaps, diesmal in Form eines giftig-gefährlichen “Slivowic” in die Höhe stemmen. Der 2. Chäller-Slam war ein voller Erfolg.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in den Schaffhauser Nachrichten.

Filmtipp: Der Koch

Eine Vorschau und Filmkritik von Hermann-Luc Hardmeier

Der Schweizer Autor Martin Suter hat die Vorlage für den neuen Kinofilm „Der Koch“ geliefert. Fast alle Romane von Suter wurden bisher verfilmt, und das hat seinen Grund.

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Bild: Das Buch, auf welchem der Film beruht. Foto: Hermann-Luc Hardmeier

Martin Suter beginnt bei seinen Geschichten meist mit verschiedenen Handlungssträngen, die sich mit der Zeit immer mehr und mehr miteinander verweben und schlussendlich zu einem gesteigerten Höhepunkt kulminieren, den es zu entwirren gilt. Das ist nicht nur sehr spannend zu lesen, sondern eignet sich auch hervorragend zur Verfilmung. Die schnellen Szenenwechsel zwischen den verschiedenen Orten unterhalten den Zuschauer und bringen viel Abwechslung. Im Film/ Buch „Der Koch“ geht es um den Tamilen Maravan, der ein ganz spezielles Geschäft auf die Beine stellt: Er nennt seine Firma „Love Foods“ und der Service beinhaltet ein Catering-Essen mit aphrodisierenden Speisen. Kurz gesagt: Wenn zwei noch unschlüssig Verliebte eine Mahlzeit von Maravan serviet bekommen, fliegen die Schmetterlinge als wären sie in die Turbine eines Düsenjets geraten. Kein Wunder, ist die Nachfrage riesig. Doch „Love Foods“ zieht auch zwielichtige Gestalten an. Als zweiten Handlungsstrang erzählt Martin Suter von Maravans Herkunft aus Sri Lanka und man erfährt sehr viel über den dortigen Konflikt zwischen Regierung, Singalesen und den Tamil-Tigers. Das Buch ist insofern also nicht nur unterhaltsam, sondern auch ein bisschen lehrreich für politisch Interessierte. Wie dieser Konflikt mit Marawans Kochkünsten zusammenhängt, welche Rolle ein richtiger „Kotzbrocken“ von einem wirtschaftlich wohlbetuchten Unternehmen spielt und warum man beim „Lesen“ bzw. Schauen des Buches/ Filmes richtig feuriggrossen Hunger auf tamilisches Essens bekommt, das erkundet man am besten selbst. In Schaffhausen läuft der Film im Kiwi Scala. Ich kann ihn wirklich nur empfehlen.

Und hier gibt’s noch eine spannende Rezension über das Buch „Der Koch“ in der Onlineausgabe der FAZ. Hier klicken!

Jugendwort 2010: „Du bist echt hobbylos!“

Der Nachfolger von «s’beschte wos je hets gits» steht fest. Auch das Wort des Jahres, das Unwort und der Satz des Jahres wurden bestimmt. Dabei kriegt die FIFA ihr Fett ab. Von Hermann-Luc Hardmeier

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Die Jury: Wolfgang Bortlik, Bänz Friedli, Hannes Hug, Michèle Roten, Daniel Quaderer, Steff La Cheffe (v.l.). (Bild: zVg, Hermann-Luc Hardmeier)

«Hobbylos» ist das Schweizer Jugendwort des Jahres. «Hä?», mag man sich fragen. Hat die Schweiz nicht mehr zu bieten? Eine spontane Umfrage von 20 Minuten Online unter Jugendlichen hat ergeben, dass dieser Ausdruck zwar existiere, «Du hesch kei Hobbys» jedoch viel häufiger gebraucht wird. Vorschläge für andere Jugendwörter werden von den Befragten schnell gefunden: «Du bisch voll de Cyril», im Bezug auf den Publikumsliebling Cyril aus der Sendung «Jung, Wild & Sexy» von 3+ oder «Brate», serbokroatisch für «Bruder», «Sahara» (die Wüste) als Bezeichnung für eine wüste/hässliche Frau, «wayne interessierts», für belanglose Inhalte, «Bögg» für unnötige Informationen oder Kreatives wie «Gömer uf Knipsike», für die Aufforderung eins Trinken zu gehen, stehen viel höher im Kurs.

Warum nicht kreativer?

Die Vorschläge für das Jugendwort konnten auf der Homepage der Jury www.chwort.ch eingereicht werden. Sind wirklich keine kreativeren Vorschläge eingegangen? «Es gab viele Vorschläge. Das Jugendwort muss aber nicht nur gut klingen, sondern auch einen Bezug zur Schweiz haben. Und es muss häufig in Gebrauch sein», so Jury-Mitglied Hannes Hug. In Deutschland wurde vor wenigen Tagen «Niveaulimbo» anstatt der Internetvoting-Sieger „Speckbarbie“ zum Jugendwort des Jahres gewählt. Dabei habe man das Gefühl, es sei von irgendwelchen Brillengrufties am Schreibtisch erfunden worden. In Deutschland steckt hinter dem Jugendwort der Langenscheidt Verlag. «Je griffiger die Wörter, desto höher dann die Umsatzzahlen für das Langenscheidt Jugendsprachlexikon», deutet Hannes Hug an.

Die Jury, in welcher übrigens auch die Musikerin Steff La Cheff sass, musste auch einige Vorschläge ablehnen. «Es gibt immer Spassvögel, die im bekifften Freundeskreis Dinge erfinden wie ‚Furz-Filet-Fans‘ oder so was», sagt Hannes Hug. «Beleidigungen und Fäkalsprache schliessen wir aber von Anfang an aus.»

Streit in Deutschland

In Deutschland tobt wegen «Niveaulimbo», dem Sammelbegriff für sinkendes Niveau, bereits ein kleiner Sprachkrieg. Die Schweiz hat mit «s’beschte wos je hets gits» letztes Jahr einen Volltreffer eingefahren und den Nerv der Zeit getroffen. Dieses Jahr war die Jury vorsichtiger. Die Wahl fiel auf «hobbylos». «Das ist eine verbale Allzweckwaffe», sagt Jurypräsident Hannes Hug dazu. Immer wenn etwas genial, aber auch langweilig oder ermüdend ist, werde dies benutzt.

Auch das Wort des Jahres fällt auf den ersten Blick ein wenig enttäuschend aus. «Ausschaffung» wurde ausgewählt. Hannes Hug stellt fest, dass die Schweiz fest im Banne der SVP-Initiative und des Gegenvorschlags gestanden hätte in der zweiten Hälfte von 2010. Während man früher noch «Rückführung ins Heimatland» sagte, ist der Umgangston abwertender geworden. Jetzt will man nur noch ein Problem loswerden.

Auch die FIFA kriegt ihr Fett ab

Unwort des Jahres ist «Fifa-Ethikkommission». Laut Hannes Hug löst die Fifa ein hausgemachtes Problem mit einer hauseigenen Untersuchungskommission und das sei ein Widerspruch in sich selber. Angeblich habe es heftige Diskussionen gegeben, ob nicht «Verrichtungsbox» ein besseres Unwort sei. Damit werden die geplanten Sex-Kabinen beim Zürcher Strassenstrich bezeichnet. Die Fifa habe allerdings eine Strahlkraft über die Schweiz hinaus und sei deshalb gewählt worden.

Der Satz des Jahres war in der Vergangenheit oft politisch angehaucht. Diesmal sollte dies nicht anders sein. Wikileaks sei Dank. Das Internetportal, das vertrauliche Infos über Diplomatenmeldungen und Militäreinsätze der USA veröffentlicht, bestimmt derzeit die Diskussion. Ausgewählt wurde eine Aussage des US-Botschafters Peter Coneway, als er unser Land für Washington einschätzte: «Die Schweiz ist eine frustrierende Alpendemokratie», ist somit Satz des Jahres. Obwohl Hug den Wikileaks-Skandal als Sturm im Wasserglas empfindet, sei es zurzeit das Topgesprächsthema und habe mit dieser Aussage auch die Schweiz erfasst. Wayne interessierts. Die Politiker sind doch eh alle hobbylos.

von Hermann-Luc Hardmeier, erschienen auf 20min.ch, 2. Dezember 2010

Top-Barkeeper verlässt Schaffhausen Richtung Heimat

Der Chefbarkeeper André Oliveira verlässt das Schaffhauser Tanzlokal „Orient“ und kehrt in seine Heimat Portugal zurück. In seinen 11 Jahren hinter dem Tresen hat er viel erlebt. Von Hermann-Luc Hardmeier

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André Oliveira an seinem Arbeitsplatz als Chefbarkeeper im Orient (Bild: Hermann-Luc Hardmeier)

Es war im Sommer 2003, als der damals 20-jährige André Miguel Rodrigues Oliveira nach Schaffhausen kam. Er studierte Architektur in Portugal und wollte ein bis zwei Jahre in der Schweiz arbeiten, um sich das Studium zu finanzieren. Sein Cousin arbeitete damals im Café Vordergässli, wo auch die Lebenspartnerin von „Orient“-Chef Metin Demiral im Service tätig war. Die Kontakte waren schnell geknüpft und André Oliveira durfte als Springer im Orient anfangen. Der Portugiese, der selber gar nicht so gerne in den Ausgang geht, war plötzlich im Herzen des Nachtlebens der Munotstadt. André Oliveira war fleissig und arbeitete sich hoch. Nach drei Jahren war er Barkeeper und Hausmeister. Nach weiteren drei Jahren Chefbarkeeper und Nightmanager. „Ich mache alles, von den Bestellungen, über die Arbeitspläne bis zum Dekorieren des Clubs vor Partybeginn“, sagt der seit Donnerstag 31-Jährige.

Elf Jahre sind vergangen, seit er die Schwelle des Orients zum ersten Mal überschritt. Nun will André Oliveira nach Porto ziehen und heiraten. „Für mich beginnt jetzt ein neuer Lebensabschnitt“, sagt er. „Ich will eine Familie gründen, ein Haus bauen und vielleicht ein eigenes Geschäft eröffnen. Ob das ein kleines Café, ein Restaurant oder vielleicht sogar eine Bar wird, lässt er offen. Sicher ist jedoch, dass er nicht das „Orient“-Konzept nach Porto exportieren wird. „Das Kapitel Nachtleben ist für mich vorbei.“ Während seinen elf Jahren hat er viel erlebt. Grosse DJs, wilde Partys, Schlägereien, Liebesstorys und, und, und. „Frauen flirteten mich an, um Gratisdrinks zu bekommen. Ich habe genug Beziehungsprobleme gesehen und gehört, damit ich professionell als Psychologe arbeiten könnte. Ich durfte völlig überraschend die Musiker meiner Lieblingsband „The Wailers“ bewirten. Man verwechselte mich immer wieder mit DJ Sam und fragte mich, wann ich endlich auflege. Ich könnte über meine Erlebnisse ein ganzes Buch schreiben“, sagte André Oliveira und lacht verschmitzt.

Er bereut diese Zeit nicht, aber er musste auch auf vieles verzichten. „Ich vermisse meine Familie. Ich vermisse den Strand, das Meer und das Fischen. Zudem habe ich seit elf Jahren keinen privaten Silvester mehr gefeiert.“ Man kann es dem sympathischen Barkeeper nicht verdenken, dass er sich Zeit für die schönen Seiten des Lebens nehmen will. Am Samstagabend feierte André Oliveira im Orient mit Apéro und mehr als einem Dutzend DJs seinen Abschied. Metin Demiral, dem er sehr viel verdankt, war natürlich auch unter den Gästen: „Er war ein grossartiger Mitarbeiter und eine wichtige Stütze des Orients. Ich glaube, ich realisiere erst, was mir fehlt, wenn er nicht mehr da ist.“ Bis Ende August bleibt André Oliveira noch im Orient. Danach wird er bestimmt wieder ab und zu kommen, um seine Freunde zu besuchen. Doch nun freut er sich auf seine Hochzeit und sein neues Leben. Wir wünschen André Oliveira alles Gute!

von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in den Schaffhauser Nachrichten.