Ein Gewitter aus Punk und Polka

Am Samstagabend wurde im Taptab der wilde Bär von der Leine gelassen. Nebel, Blitze, E-Gitarre und viel Power standen auf dem Programm. Den Anfang machte die Vorband Šuma Čovjek, was auf Kroatisch soviel wie „Waldmensch“ heisst. Die sieben Musiker viel Polka im Blut und sangen auf Französisch, Algerisch, Bosnisch und in weiteren Sprachen. Frontmann Ivica Petrusic war vom Schaffhauser Publikum begeistert. „Es ist schön hier. Die Gäste gaben von Anfang an alles und liessen uns ihre Energie spüren.“ Die Musik bewegte sich zwischen Balkanpop, orientalischen Klängen und einigen harmonischen Chansons. Würde man eine Portion Cevapcici, einen Zirkus, eine Postauto-Hupe und ein Erdbeben in einen Mixer stecken, so hätte man annähernd das Partygefühl beschrieben, welche die Band im proppenvollen Taptab auslöste. Auch bei der Hauptband Palko!Muski gab es keine Zeit für Langweile. Die Gäste tanzten sich die Seele aus dem Leib. Vor der Bühne beherrschten Pogotänzer das Parkett. Sänger Baptiste Beleffi riss sich schon bei den ersten drei Songs das Hemd vom Leib und stand auf den Klavierstuhl, um die Menge anzufeuern. „Cigano-Musik hat etwas von Freiheit und Rebellion“, vermutete Ivica Petrusic, warum die zwei Bands das Publikum so enthusiastisch in ihren Bann zogen. Auf einer Skala von 1 bis 10 steigen Palko!Muski immer gleich auf Stufe 12 in den Konzertabend. Die Mischung von Schlagzeug, Polkaklängen und Akkordeon klingt auf den ersten Moment schräg, hat aber die Wucht einer Dampfwalze. Ein Gewitter aus Punk und Polka, das für Blitzeinschläge, Überschwemmungen und Stromausfälle sorgt. „I wanna Disco“, fordert der Palko-Sänger und sorgte damit bis in die frühen Morgenstunden für eine weitere Eskalation im Hexenkessel.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen am Montag, 23. Dezember 2019.