Humorvoller Rhetorik-Kurs für die Bundesräte

Die Comedyshow «Fake me Happy» von Michael Elsener am Mittwochabend im Stadttheater war sehr humorvoll und verblüffend spontan. Von Hermann-Luc Hardmeier.

«Ich fake gerne», gestand Michael Elsener am Mittwochabend. Zu seiner zweitägigen Comedyshow waren zahlreiche Gäste ins Stadttheater gekommen. «Die Vorstellung wird heute aufgezeichnet, also bitte macht ein bisschen mehr Applaus, als ihr es lustig findet», erklärte der Showstar mit einem Augenzwinkern. Ein riesiger Kamera-Arm war im Stadttheater installiert und an allen Ecken und Enden wurde gefilmt. Die Zuschauer waren in ausgezeichneter Stimmung und kamen dem Wunsch gerne nach. Schnell hatte man die Kameralinsen vergessen, denn Michael Elsener hat ein grosses Talent: Er kann spontan Menschen im Publikum ansprechen, ihnen einige Informationen entlocken und diese dann immer wieder an passender Stelle in seiner Show einbauen. So sorgten eine Physiotherapeutin, ein Fotograf, der keine schwangeren Damen oder verliebte Pärchen fotografieren möchte, oder ein Verschwörungstheoretiker bezüglich der Erdanziehungskraft für grossen Unterhaltungswert und viele Lacher.

Rhetorikkurs für Politiker

Anschliessend inszenierte der Komiker einen Rhetorikkurs mit Ex-Bundesrat Moritz Leuenberger. Er hatte die Aufgabe, die aktuelle Landesregierung in punkto Neujahrsrede zu schulen. Das Figurenensemble beherrschte Michael Elsener grossartig. Egal ob breiter Walliser Dialekt von Viola Amherd, tiefsinnige Gedanken zum Vorsorgemodell von Alain Berset oder amüsante sprachliche Missverständnisse mit Guy Parmelin, jede Partei bekam einen saftigen Seitenhieb. Aber es gab natürlich auch andere Themen: Er erklärte, warum sein Opa wegen terroristischem Verhalten angeklagt war, wie Roger Federer in der Sauna auf Kliby und Caroline traf und schlug vor, den Genderstern in der Sprache mit einem akustischen Signal sichtbar zu machen. Ein Highlight des Abends war sicherlich, als er erzählte, wie viel besser es wäre, wenn das Leben rückwärts abliefe. «Man wacht auf und bekommt ein riesiges Erbe, wird aus dem Altersheim entlassen, muss immer weniger arbeiten, an der Uni bekommt man am ersten Tag das Abschlussdiplom, qualifiziert sich in der Primarschule für den Kindergarten und kann neun Monate im warmen Mutterbauch verbringen, bis man immer kleiner wird und schlussendlich als Funkeln in den Augen zweier Verliebten verglimmt.»

Zu langes Bewerbungsvideo

Am Schluss des Abends gab es sodann eine Zusatzrunde: Für einen Comedywettbewerb in London diente das Publikum als Kulisse. Michael Elsener drehte ein Bewerbungsvideo und trat mit einer englischen Standup-Nummer auf. Er wiederholte dabei auch einige der bereits gezeigten Nummern auf Englisch. Zeitlich dauerte das eindeutig zu lange. Dennoch gab es begeisterten Applaus am Schluss und Elsener freute sich: «Ihr seid Goldschätze, bitte kommt mit auf meine Tournee.»

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung „Schaffhauser Nachrichten“ am 18. März 2022.