Eine Mischung aus Party und Philosophievorlesung

Käptn Peng und die Tentakel von Delphi begeisterten die Kammgarn am Mittwoch mit ihren tiefsinnigen Texten. Eine Konzertkritik von Hermann-Luc Hardmeier.

Dieser Pirat ist etwas ganz Besonderes. Käptn Peng aus Berlin lud am Mittwochabend eine wilde Meute von 440 Besuchern auf eine stürmische Seefahrt ein. Kanonenschüsse, Blitz, Donner und viele musikalische Abenteuer hatte er in seiner Schatztruhe bereit. Und als wäre das noch nicht genug, waren auch viele Ungeheuer mit von der Partie. Eines war ihm wohlgesinnt: Die Tentakel von Delphi, so der Name seiner Band. Die vier Musiker unterstützten den kreativen Kapitän mit allem, was Omas Keller und Mamas Küche hergab. Töpfe, Bürsten, Fahrradklingen und fies gestimmte Gitarren gehörten zu den Objekten, welche als Instrumente dienten. „Wir sind am Anfang immer ganz schüchtern“, begrüsste Käptn Peng alias Robert Gwisdek die Besucher, „deshalb wollten wir fragen, ob ihr Lust habt, für die nächsten zwei Stunden unsere Freunde zu sein?“ Natürlich freute sich das Publikum und das Eis war gebrochen. Käptn Peng nannte die Gäste liebevoll „Hans-Maria“, weil er sie nicht mit dem unpersönlichen „Kammgarn, wie geht’s?“ oder „Schaffhausen, seid ihr noch da?“ ansprechen wollte. Hans-Maria hatte seine pure Freude daran und es war schnell klar: Dieser Käptn hat einiges im Köpfchen. Überhaupt könnte Robert Gwisdek nicht weiter vom Bild des typischen Rappers entfernt sein. Weder Goldkette, Ghettofaust noch dicke Kapuzenjacke. Ganz im Gegenteil: Unauffällige Kleidung, lange Haare und drahtig vom Körperbau. Er wirkte eher wie der nette Herr im Supermarkt, der Ungeduldige in der Schlange bei der Kasse vorlässt. Mit charmantem Lächeln und ein wenig Schalk im Mundwinkel. Der Käptn sang über griechische Mythologie, Wahnsinn, Erleuchtung, Fabelwesen, Monster, Socken und weitere mehr oder minder surreale Themen. Manchmal klang das nach Hiphop, dann nach Alternativ Rock, zwischendurch ein Drum’n’Bass oder Dancehallstück à la Seeed. Plötzlich ging das Licht an und er lieferte sich mit dem Perkussionisten ein Battle-Rap. Danach legte er einen gekonnten Freestyle hin und im nächsten Moment wurde er besinnlich. Hielt er gerade eine Philosophievorlesung? War das Ganze eine Dada-Vorstellung oder drehte er das Wörterbuch durch den Fleischwolf? An der Grenze dieser Kategorien tänzelte der Käpt’n gekonnt auf dem schmalen Grad. Hans-Maria feierte, als gäbe es kein Morgen mehr. Passend gewählt war übrigens auch die Vorband des Käptns und seinen Tentakeln. Das Trio „Dlé“ hatte sich als griechische Götter verkleidet und inszenierten eine Mixtur aus Theateraufführung und HipHop-Party. Sie sangen von König Tantalos, der die Götter erzürnte und über fünf Generationen hinweg verflucht wurde. Vom Hawaiihemd über den Ganzkörper-Lederanzug bis zur Tarnjacke reichten ihre Kostüme. Dieser Abend hatte einfach alles, was das Herz von Hans-Maria erfreute.

Erschienen in der Zeitung „Schaffhauser Nachrichten“ am 8. Dezember 2017. Von Hermann-Luc Hardmeier.