Ursus und Nadeschkin entlassen 50% ihrer Mitarbeiter

Die zwei Comedy-Urgesteine sorgten am Mittwoch mit absurdem Humor für viele Lacher im Stadttheater. Eine Theaterkritik von Hermann-Luc Hardmeier.

Bild: Ursus und Nadeschkin kurz vor dem Start ihrer Bollywood-Parodie. (Foto: Selwyn Hoffmann. Bericht: Hermann-Luc Hardmeier)

Schneeflocken im Stadttheater. Während die weisse Pracht von der Decke regnete, tanzten im Ballettoutfit Ursus und Nadeschkin eine Tschaikowsky-Nummer und sangen dabei synchron für die Zuhörer. Das fast ausverkaufte Haus applaudierte begeistert und die zwei Künstler verbeugten sich enthusiastisch. Irgendwann wurde es aber grotesk, denn das Verbeugen nahm kein Ende und man merkte, dass künstlicher Applaus durch die Boxen eingespielt wurde. Kurz darauf ging das Gezänke der zwei Protagonisten los. Wie ein altes Ehepaar stritten sie darüber, wer sich zuerst umziehen soll und was der andere in jener Zeit auf der Bühne zu tun gedenke. «Moment, sind Sie nicht…Madonna?», hielt Ursus plötzlich inne und zeigte auf eine Dame im Publikum. Es entwickelte sich daraus ein Running-Gag, der immer wieder für Lacher sorgte. «Die sieht ja privat ganz anders aus», stellte Nadeschkin fest und sorgte sich im nächsten Moment, ob ihr ein Scheinwerfer auf den Kopf fallen könnte. Ein Knall, ein Blitz und tatsächlich krachte die Deckenbeleuchtung plötzlich darnieder. Nadeschkin amüsierte sich köstlich, denn der Scheinwerfer wurde vom Kabel genau auf der Höhe festgehalten, auf welcher er Ursus treffen könnte, sie jedoch elegant hindurchtänzeln konnte. Ursus wusste noch nichts von seinem beinahe Unfall und sinnierte fröhlich darüber, wie er in ihrem Zwei-Personen-Betrieb einen Stellenabbau machen könnte, um als Solostar dazustehen. «Ich sehe schon die Schlagzeile», mutmasste seine Bühnenpartnerin. «Ursus und Nadeschkin entlassen 50% ihrer Mitarbeiter.» Es folgte eine Zaubernummer, die unterirdisch billig war, was Ursus jedoch partout nicht einsehen wollte. «Das ist nur ein halber Trick», stellte Nadeschkin kritisch fest. «Das ist, wie wenn man bei einem Witz nur die Pointe erzählen würde. «Beide tot.» – «Beide tot?», rätselte der Beschuldigte ahnungslos. «Ja, eigentlich müsste ich vorher sagen: Treffen sich zwei Jäger.» Sie stritten fröhlich weiter, während sich die Zuschauer dabei kugelten vor Lachen. Die Show war in keiner Sekunde langweilig und produzierte immer wieder Missverständnisse und paradoxe Situationen, welche durch die Argumentationsversuche von Ursus und Nadeschkin keineswegs gelöst, sondern immer noch komplexer und komplizierter wurden. Sei es eine unsichtbare Türe, die zu einer unsichtbaren Kaffeemaschine mutierte und schliesslich explodiert. Oder seien es der Einsatz eines Feuerlöschers auf der Bühne oder ein waschechter Bollywood-Partysong, der mit abenteuerlichen Texten für beste Unterhaltung sorgte. Zum Schluss rezitierte Ursus mit Feuerwerk auf dem Helm und mit dem elektrischen Einrad fahrend ein Goethe Gedicht. Ob das dem Faust-Schriftsteller gefallen hätte, sei dahingestellt. Im Stadttheater jedoch sorgte es für tosenden Applaus.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen am 27. Sept. 2019 in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten“.

Shakespeares Sommernachtstraum gefolgt von einer wilden Party

Fünf Bands, Streetfood-Dörfli und schönes Wetter: Am Samstag startete die Kammgarn mit dem Hoffest in die neue Konzertsaison. Von Hermann-Luc Hardmeier.

Unter dem Motto „Wir machen Dir den Hof“ lud die Kammgarn am Samstag zum jährlichen Sommerfest vor ihre Kulturhalle. Auf dem Programm standen die Konzerte von fünf Bands und auch für das leibliche Wohl war ausgiebig gesorgt. An diversen Foodständen konnte man sich mit Hamburger vom Angus-Rind, mit Luna-Crêpes, Würsten aus Schaffhausen und mit tibetischen Spezialitäten versorgen. Zudem luden die Schaffhauser Hausbierbrauer mit ihren exzellenten, selbstgebrauten Gerstensäften zum Verweilen ein. „Mit dem Hoffest wollen wir uns für die Treue der Gäste bedanken und gut in die Saison starten“, erklärt Pascal Bührer vom Kammgarnteam die Idee des Anlasses. Die Organisatoren hatten bewusst sehr unterschiedliche Musikrichtungen gewählt, um die ganze Bandbreite des Kammgarnangebots zu zeigen. „Es hat für jeden etwas dabei. Früher oder später zieht’s heute jeden vor die Bühne zum Tanzen“, prophezeite Pascal Bührer. Und er sollte recht behalten. Der Hof verwandelte sich im Laufe des Abends in eine riesige Tanzfläche mit Hunderten von Gästen, die sportlich, elegant und lässig die Hüften kreisen liessen. Ein Sommernachtstraum, wie in schon William Shakespeare beschrieb. Allerdings fand das Ereignis nicht in Athen und auch nicht in einem verzauberten Wald statt, sondern direkt am Rhein am Fusse des Munots.

Ein modernes „Carpe Diem“

Am späten Samstagnachmittag zeigte sich die Sonne und lieferte damit das ideal Fundament zum Start. Zu gemütlichen Funkklängen vom Plattenteller trudelten die Besucher ein und nahmen an den zahlreichen Tischen auf dem Areal Platz. Joya Marleen aus St. Gallen brach das Eis und stimmte die Gäste musikalisch auf den Anlass ein. Sie trat allerdings nicht auf der Hauptbühne, sondern auf der Terrasse vor dem Restaurant auf. Der perfekte Rahmen für die One-Woman-Show mit Gitarre und Keyboard. „Es freut mich mega, dass ich heute für euch spielen darf“, sagte die Singer-Songwriterin, die 2018 den Schweizerischen Jugendmusikwettbewerb in der Kategorie Rock/Pop gewonnen hatte. Bei ihren gefühlvollen Songs schmolzen die Glaces der Zuschauer wie von selbst. Die Trommelfelle wurden sanft massiert und eine angenehme Wärme durchflutete die Bauchgegend der Zuhörer. Ebenfalls auf der kleinen Bühne trat danach Guy Mandon auf. Die Band von Lucien Montandon stand unter dem Credo „Das Leben ist ein Stream“. Die Basler meinten damit, dass wir ohne Unterbruch und Zwischenspeicher auf dem Globus wandeln. Es gibt keine Möglichkeit, die Wiederholungstaste zu drücken. Ein modernes „Carpe Diem“, das aber auch mit einem warnenden Ausrufezeichen versehen war.

Löwenherz mit Partygarantie

Nach dem gemütlichen Chilloutsound der Combo gab es eine Pause, in welcher der DJ die Gäste mit Reggaemusik auf den nächsten Act vorbereitete. Als Elijah Salomon die Hauptbühne betrat, war die Sonne bereits am Untergehen und das Abendrot passte perfekt zu den jamaikanischen Klängen, die mit schweizerdeutschen Texten gemischt wurden. Der Zürcher sorgte für Partystimmung auf der Tanzfläche und war sicherlich einer der Highlights des Abends. „Schaffhausen, geht es euch gut?“, wollte der Künstler vom Publikum wissen und viele Jubelschreie bestätigten ihm die gute Stimmung. Mit seinem Roots-Reggae konnte der Zürcher die warmen Klänge von Kingston direkt in die Herzen der Besucher transportieren. Einer seiner Lieder trug den Titel „Herz Vomene Loi“. Das Raubtier kann sanft und kuschelbedürftig sein, im richtigen Moment jedoch auch die Krallen zeigen. Diese Metapher passte goldrichtig zum Auftritt des Künstlers. Nachdem der Löwe gebändigt war, gab es einen deftigen Musikwechsel. Das Duo Catalyst hatte sich dem Headbangen verschrieben und der Frontmann setzte seine E-Gitarre wie eine musikalische Motorsäge ein. Es knatterte so heftig aus den Boxen, als würde gleichzeitig der Buchtaler Wald abgeholzt werden und ein Airbus A380 auf der Bachstrasse landen. „Es gefällt mir super hier“, freute sich Besucherin Nicole Harzenmoser. Der Tag ist ideal, um ein schönes Sommerfest mit meinen Freunden zu feiern.“ Gleicher Meinung war auch Cyrill Benz: „Es ist idyllisch und gemütlich hier.“ Die Outdoorparty endete mit dem grossartigen Auftritt von Alice Francis, die mit ihrem Neoswing nochmals so richtig deftig für Tanzstimmung sorgte und ideal auf die kochenden Afterpartys einstimmte.. Fazit: Ein genialer Abend, der grosse Lust auf die kommende Konzertsaison der Kammgarn machte.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen am 26. August in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten“.

«Eine Garantie für den Traumjob gebe ich natürlich keine»

Portrait von Olivier Alther, der anfangs August sein erstes Buch namens “Blog Road” herausgebracht hat. Ein Ratgeber für alle, die professionelle Influencer werden möchten.

„Nun mein Kind, was möchtest du später einmal werden, wenn du gross bist?“ Alle Sprösslinge, die nun „Blogger“ oder „Influencer“ antworten, sind ein kleiner Albtraum vieler Eltern. Aber auch die potentiellen Kunden von Olivier Alther. Der Schaffhauser hat letzte Woche auf Amazon sein Buch „Blog Road“ herausgebracht. Dort wird Schritt für Schritt erklärt, wie man ein Internettagebuch (Blog) erstellt und damit auch Geld verdienen kann. Eine Kim Kardashian wird man damit zwar nicht, aber vielleicht endet man dank Olivier Althers Werk wie Caro Daur. Sie startete mit seiner Hilfe einen Blog und ist mittlerweile eine der erfolgreichsten Instagramerinnen Deutschlands mit zwei Millionen Followern. „Eine Garantie für den Traumjob gebe ich natürlich keine“, schmunzelt der Autor, der diesen Sommer sein Studium der Wirtschaftsinformatiker an der ZHAW mit dem Bachelortitel abgeschlossen hat.

Doch wie kam es dazu, dass er innerhalb von zwei Jahren ein 155 Seiten starkes Standardwerk schrieb? Der Reihe nach. Ein Flair für Computer hatte der 23-jährige schon immer. Er besuchte die Informatikmittelschule und gab in seiner Freizeit Nachhilfe für Senioren bei der Handhabung ihres PCs. Auch sonst treffen einige Klischees auf ihn zu: Er spricht mehr Computer- als Fremdsprachen, hat Bitcoins gekauft und durfte damit kurzzeitig ein dickes Portmonee sein eigen nennen. Nur ein Gamer, das ist Olivier Alther nicht. „Alles begann eigentlich mit meiner damaligen Freundin, die sich für Fashionblogs interessierte“, erklärt er. „Ich wurde damit auf eine Instagramerin aufmerksam, die eine grosse Leserschaft, aber eine fürchterliche Homepage hatte“. Er bot ihr an, ihren Webauftritt zu überarbeiten und meisterte die Aufgabe offenbar sehr gut: Wie ein Lauffeuer kamen viele Lifestyle- und Fashionbloggerinnen auf ihn zu und wollten ebenfalls mit frischem Design und knackiger Struktur ihres Internetauftritts brillieren. Parallel dazu begann Olivier Alther nicht nur mit dem ZHAW-Studium und der Arbeit bei einer Informatikfirma, sondern lancierte auch seine Webseite namens „Bloggerheaven“. In diesem himmlischen Ambiente baute er sein Geschäft auf, welches den selbsternannten Internetengel schliesslich zu seinem Buch inspirierte: „Die Kunden kamen immer wieder mit ähnlichen Fragen zu den Blogs zu mir“, so Alther. „Im Netz findet man zwar gratis ziemlich viel, aber kein seriöses Nachschlagewerk, das zuverlässig und Schritt für Schritt den Weg zum eigenen Blog erklärt.“ Um mit den vielen Fachbegriffen der Informatik nicht ein Textmonster zu erschaffen, hat er eine Toolbox mit anschaulichen Beispielen dem Text gegenübergestellt. Ein zweiter Friedrich Dürrenmatt will Olivier Alther allerdings nicht werden. Sein Ziel ist alles andere als ein weiteres Buch: In den nächsten fünf Jahren möchte er sich selbstständig machen. Nicht im Buchladen, sondern in der Informatik oder im Cyberspace.

Alter: 23
Zivilstand: ledig
Wohnort: Flurlingen
Hobbys: Salsa tanzen + reisen
Vorbild: Elon Musk

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten” am 15. August 2019.

 

Eine perfekte Symbiose von Coolness und Tiefgang

Das Trio «Fettes Brot» aus Hamburg zog mit Ironie und kräftigem Flow gestern Abend alle Register. Ein Konzertbericht von Hermann-Luc Hardmeier.

Foto: Björn Beton, Dokter Renz und König Boris (v.l.) liebten Sarkasmus, Tiefgang, aber auch Partykracher (Bild: Michael Kessler, Bericht: Hermann-Luc Hardmeier).

«Wir glauben, das wird eine grosse Party», freute sich Mediensprecherin Nora Fuchs auf den Auftritt von «Fettes Brot». Die Stars in Town-Gäste waren deftig aufgeheizt von der HipHop-Ikone Stress und fieberten um 20 Uhr den drei Sprachakrobaten entgegen. Gemäss den Musikern flogen aber nicht nur die verbalen Frikadellen durch die Luft, sondern man konnte auch auf einem Auge blöd werden und alle Science-Fiction-
Freunde sollten sich warm anziehen, denn das Präteritum schlug gnadenlos
zurück. Jawohl Schiffmeister. Es galt Fettleibigkeit zu vermeiden. Es sei denn, sie wurde von Dokter Renz himself diagnostiziert. Mit seinen zwei weiteren MCs König Boris und Björn Beton rockt der HipHop-Arzt den Operationssaal, bis die Herzfrequenzmessgeräte friedlich im Flow mitpiepsten und nur noch in Moll-Dur Geräusche von sich gaben. «Fettes Brot» wissen, wie man Party macht. Seit einem Vierteljahrhundert sind sie in der Hitparade präsent. Jeder kennt einen Song von ihnen. Sei es ihr Durchbruch «Nordisch by Nature », den ultimativen Chartsknacker «Jein» oder doch eher «Emanuela.» Die Hamburger Musiker feierten mit den Gästen auf dem Herrenacker und hatten sichtlich Spass an ihrem Auftritt. Ihre Gewohnheit, Geschichten zu erzählen und innerhalb der Strophen die Zeilen untereinander aufzuteilen, riss jeden
Tanzmuffel vom Hocker. «Fettes Brot», das sind nicht nur adipöses Hefegebäcke, sondern man braucht die gesamten 2.5 Tonnen Eiswürfel des Festivals, um
so viel Coolness einen würdigen Empfang zu bereiten.

«Heute lass ich den Tiger raus», freute sich Besucher Pascal Müller. «Mir klingt das Ganze zu fest nach Ballermann», kritisierte hingegen Zuschauerin Murielle Gasser. Egal wie man es dreht und wendet, Fettes Brot steht nicht nur auf Halligalli, sondern hat durchaus Botschaften in ihren Songs. Allen voran sei «Schwule Mädchen» genannt, das gegen Homophobie ein Zeichen setzt. «Emanuela » warnt mit «Lass die Finger von …» vor Drogenkonsum und mit «Bettina, zieh dir bitte etwas an», unterstrichen
die Brote die Wichtigkeit der Sexismus-Thematik. Ans Stars in Town war das Trio aber eigentlich nicht mit der Zeitmaschine ihrer 90er-Jahre-Hits, sondern mit ihrem neusten Album «Lovestory » angereist. Auch hier zeigten die drei ihr ganzes Können. Von groovend, bis ironisch und politisch bis natürlich vor allem auch nordisch. Ganz nach
dem Motto des letzten Songs: «Schon Störtebeker wusste, dass der Norden rockt, und hat mit seinem Kahn hier gleich angedockt.» Beim neuen Lied «Du driftest nach rechts». hingegen streute «Fettes Brot» Tabasco in die offene Wunde der Hasskommentare im Internet. Im Song entfremdet sich ein Liebespaar, da die Frau aufgrund ihrer Cyberspace-Lektüre mit rechtsradikalem Gedankengut konfrontiert wird.
Knapp 6000 Menschen feierten am Freitagabend auf dem Herrenacker. Und es war klar: Ein Festival ohne Tiefgang wäre zwar unterhaltsam, aber wie ein lauwarmer Waschlappen. «Fettes Brot» war nicht nur fett im Klang, sondern auch fett im Nachgang. Die drei Jungs aus Hamburg überraschten nicht nur philosophisch, sondern auch, indem sie immer wieder den «Schwiizer-Nati»-Refrain anstimmten und die FC St. Pauli-Flagge schwenkten. «Feiern, bis der Arzt kommt», würde Dokter Renz dazu zufrieden sagen.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen am 10. August 2019 in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten”.

 

 

Pelziger Horror trifft auf Krimi und Trickfilm

Am Filmabend „kurz und knapp“ genossen am Freitag die Gäste 13 Filme in der Rhybadi „Uferlos“ in Stein am Rhein. Von Hermann-Luc Hardmeier.

Es war die perfekte Kulisse für einen sommerlichen Openair-Filmabend. Die grosse Leinwand thronte auf der Wiese zwischen den Bäumen, die sich sinnlich zur Seite neigten. Im Hintergrund floss der Rhein verträumt Richtung Schafhausen vorbei. Die Gäste sassen an den Tischen im Restaurant, auf blauen Decken in der Wiese oder auf einem Sofa aus Paletten mit bequemen Kissen. Einige Kinder hatten den Pingpong-Tisch erobert und sahen von dort aus die cineastischen Leckerbissen, welche das Kurz-und-knapp-Team für die Besucher vorbereitet hatten. Auch für das leibliche Wohl war gesorgt. Mit Bier, Limonade und Mojito stimmten sich die einen ein, andere verzerrten freudig einen Wurst-Käse-Salat. „Es ist wunderbar, an einem Sommerabend Filme am Rhein zu geniessen“, freute sich Organisator Michael Burtscher. „Wir waren in unsere Spitzenzeiten in acht Städten und wollten aus der Routine ausbrechen. Outdoor im Wettstreit mit dem Wetter gab uns den nötigen Thrill, um wieder Energie zu tanken.“ Die dreizehn Filme dauerten zwischen 1.5 und 18 Minuten und hätten unterschiedlicher nicht sein können. Es begann mit einem pelzigen Horrofilm, bei welchem eine Gruppe von fanatischen Tierschützern den Massenselbstmord der Lemminge verhindern wollte. Gefolgt von einer kleinen Streetparade der digitalen Pappfiguren, die eine wilde Party feierten. Ein Dokumentarfilm beleuchtete den Konflikt zwischen Protestanten und Katholiken in Nordirland, anhand eines provokativen gigantischen Feuerwerks. Mit einem Trickfilm wurde erklärt, wie man im Internet jede Diskussion in den Kommentarfeldern gewinnt und zwei weltumspannende Königreiche wurden vorgestellt, die das Konzept der Nation nicht nur auf den Kopf stellten, sondern gleichzeitig auch beseitigten. Einer der genialsten Filme des Abends war sicherlich jener von den zwei Teenagern Joshua Schweizer und Damien Hauser. Sie hatten sich einen Philip Maloney-Krimi vorgeknöpft und das Hörspiel im Sin-City-Style kräftig aufgemöbelt. Fazit: Ein toller Abend mit vielen Überraschungen.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten” am 22. Juli 2019.

Bombardierung von Schaffhausen im 2. Weltkrieg: Treffer mitten ins kulturelle Herz der Stadt

Vor 75 Jahren wurde Schaffhausen im 2. Weltkrieg bombardiert. Historiker Matthias Wipf erklärte im Museum zu Allerheiligen, was dies für die hiesigen Kunstschätze bedeutete. Von Hermann-Luc Hardmeier.

Bild: Historiker Matthias Wipf erklärt den Zuhörern, wie das naturhistorische Museum und weitere Gebäude von den amerikanischen Bomben getroffen wurden. (Foto: Selwyn Hoffmann, Bericht: Hermann-Luc Hardmeier)

Feuer, Flammen, Zerstörung und Tod. Der 1. April 1944 ist der schwärzeste Tag in der jüngsten Geschichte von Schaffhausen und bewegt auch 75 Jahre nach dem tragischen Ereignis die Gemüter. 40 Menschen kamen damals ums Leben, rund 120 wurden verwundet und die Stadt litt unter den unsäglichen Zerstörungen, welche die amerikanischen Flugzeuge mit ihren knapp 400 Bomben angerichtet hatten. Die Piloten kamen wegen Navigationsfehlern und schlechtem Wetter von ihrem ursprünglichen Ziel ab, die IG-Farben in Ludwigshafen zu bombardieren. Der Radar versagte, der Treibstoff ging zur Neige und die blutjungen Piloten suchten ein „Target of Opportunity“, um ihre Fracht loszuwerden und schnellstmöglich zurück auf ihre Stützpunkte zu kommen. Doch das Gelegenheitsziel war nicht – wie fälschlicherweise angenommen – Süddeutschland, sondern Schaffhausen. Die Lage jenseits des Rheins und die Wolkendecke, die genau über der Munotstadt eine Lücke für die Flugzeuge bot, wurden zum Verhängnis. Am Mittwochabend erklärte Historiker Dr. Matthias Wipf den zahlreichen Gästen, was sich in diesem tragischen Frühling damals abspielte. „Nach bis dahin schon knapp 300 Fehlalarmen empfand man die amerikanischen Flugzeuge eher als Spektakel, sprang an die Fenster und ging kaum noch in die vorgesehenen Luftschutzbunker.“ Auch später grossflächig aufgemalte Schweizerkreuze boten keinen Schutz, denn bereits ab 3000 Metern Höhe waren diese nicht mehr erkennbar. Und es hätte wohl auch wenig genützt: „I saw some crosses. What are they?“, soll ein internierter amerikanischer Pilot zu Protokoll gegeben haben. Ein leichtes Raunen ging durch den Vortragssaal des Museums zu Allerheiligen und jemand flüsterte den Namen Donald Trump.

Doch während letztgenannter das 75-jährige Jubiläum des D-Days und den damit verbundenen Startschuss zur Befreiung Westeuropas feierte, schauen die Schaffhauser mit schweren Herzen auf das Jahr 1944 zurück. Die Spreng- und Brandbomben trafen nicht nur den Bahnhof, die Region Beckenstube und Mühlenen, sondern viele weitere Gebäude. Darunter das Museum zu Allerheiligen und das erst vor kurzem eröffnete Naturhistorische Museum. Nicht nur zahlreiche Bilder und Porträts wurden ein Raub der Flammen, sondern auch schöne Exponate und zahlreiche, unersetzbare Kategorisierungszettel. Bei den Rettungsarbeiten der Kunstschätze stand die Feuerwehr im Dilemma: Denn das Löschwasser verschlimmerte teilweise die Zerstörung. Was genau erhalten und restauriert werden konnte, zeigt noch bis zum Oktober eine spannende Ausstellung im Museum zu Allerheiligen unter dem Titel „Kunst aus Trümmern“. Matthias Wipf, der unlängst sein Standardwerk “Die Bombardierung von Schaffhausen” vorgelegt hat, ist es zu verdanken, dass die tragischen Ereignisse von damals nun umfassend aufgearbeitet sind.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten” am 7. Juni 2019.

Eine Klangwolke mit Elektronikgewitter

Mit Horrorgeschichten im St. Galler Dialekt unterhielt die Band des satirischen Songwriters Manuel Stahlberger am Freitagabend im Schaffhauser Club “TapTab” das Publikum mit bizarren Geschichten und apokalyptischem Galgenhumor. Ein Konzertbericht von Hermann-Luc Hardmeier.

Bild: Stahlberger im Rampenlicht. (Foto: Mike Kessler, Bericht: Hermann-Luc Hardmeier)

Simsalabim! Das weisse Tuch wird gelüftet, und darunter verbirgt sich ein mürrisch-melancholisches Gesicht. Jenes von Manuel Stahlberger. In der Satiresendung «Deville» war der Komiker und Songwriter während Monaten der Sidekick des Showmasters und liess sich einmal pro Woche unter besagtem weissen Tuch hervorzaubern. Irgendwann hatte er genug vom Klamauk und konzentrierte
sich wieder auf das Musikalische. Am Freitagabend trat er zwar nicht vor dem
«Deville»-Grosspublikum auf, aber immerhin im TapTab, das einen Grossandrang verzeichnete. Mit seinem neuen Album «Dini zwei Wänd» ist er derzeit auf Tour und hat den Sprung in die elektronischen Gefilde gewagt. Nach wie vor ist sein Markenzeichen der ausgeprägte St. Galler Dialekt, in welchem er skurrile und bizarre Geschichten mit seinem altbekannten lakonischen Unterton erzählt. Die vierköpfige Band unterstützt ihn dabei gekonnt und tatkräftig. Doch bevor Stahlberger zur Trommelfellmassage ansetzte, wärmte die Vorband «Bitter Moon» das TapTab auf. Die zwei rollten einen
Klangteppich aus, der wirkte, als würde gerade ein Ufo im TapTab landen. Sphärische
Klänge, grellbunte Lichter und elektronische Musik mit mysteriös piepsenden Untertönen. Irgendwie verstörend, irgendwie aber auch sehr relaxend. Chill-out à la Morcheeba traf auf 80ies-Synthie-Pop.

Sozialkritische Alltagsbeobachtungen

Nach einer kurzen Umbaupause wurde das TapTab mit der Nebelmaschine kräftig eingedeckt. Dann erschien Manuel Stahlberger. Ein dramatischer Auftritt, vergleichbar mit Mephisto, als er sich bei Faust gerade seiner Pudelgestalt entledigt hatte und mit dem ahnungslosen Gelehrten den Teufelspakt schliessen wollte. Auch sonst schien Stahlberger ein bisschen mit den dunklen Mächten im Bunde zu sein. «Im nächsten Song geht es um einen Albtraum », erzählte er mit ernster Miene. «Aber das Schlimmste sind nicht das Blut und der Horror, sondern dass ich wieder in der Schule war.» Die Band gab Vollgas, und zusammen mit dem nächsten Lied über eine Regenbogensiedlung war ein markiger Einstieg gelungen. Die Texte waren gesellschafts- und sozialkritisch. Alltagsbeobachtungen wurden grotesk verzerrt und mit Stahlbergers apokalyptischem Galgenhumor dezent gewürzt. Stahlberger stand bei seinem Auftritt nicht gerne im Zentrum. Auf der Bühne hatte er verschiedene
Instrumente verteilt, die es ihm erlaubten, manchmal aus dem Rampenlicht zu
treten. Er spielte Keyboard, Ukulele und Synthesizer, welche er mit seiner markanten Erzählstimme mischte. Stahlberger sorgte dafür, dass die Besucher im TapTab auf einer
gemütlichen Klangwolke schwebten. Zwischendurch entlud sich ein kräftig-kurzes
Elektrogewitter. Insgesamt ein perfekter Start ins Wochenende.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten am 6. Mai 2019.

Feuer und Adrenalin auf dem Coop-Parkplatz

Trotz Regen und Hagel kamen am Sonntag 300 Zuschauer an die «Hollywood Stunt & Action Show» nach Stein am Rhein.

Bild: Wagemutige Action. Ein Stuntman lässt sich von einem Auto durchs Feuer ziehen. (Foto: Phillip Schmanau. Bericht: Hermann-Luc Hardmeier)

„Wir begrüssen euch zu einer Show ohne Tabus“, klang es aus dem Lautsprecher auf dem Parkplatz des Coops in Stein am Rhein. Bei der «Hollywood Stunt & Action Show» zeigten sechs Stuntmans ihr Können und lockten knapp 300 Actionfans zum Anlass. Mit quietschenden Reifen und lautem Hupen ging es um 15 Uhr los. Organisator Mike Bauer vollführte mehrere 180-Grad-Drehungen, welche man sonst nur aus Filmen mit Polizei-Verfolgungsjagden kennt. Gesteigert wurde sodann die Darbietung, als sich ein zweiter Stuntman aufs Dach legte und während der Autopirouette am offenen Fenster festklammerte. Die Zuschauer johlten und applaudierten. Es roch nach verbranntem Gummi in der Luft. Als nächste Darbietung fuhr ein Kleinwagen auf zwei Rädern im Kreis, im Zickzack und im Slalom um die anderen Stuntmans herum. „Wollt ihr noch mehr?“, erklang es aus den Boxen und ein lautes Johlen des Publikums signalisierte grosse Zustimmung.

Bild: Zum Schluss zermalmte der Monstertruck alles, was von den Autos noch übrig war. (Foto: Phillip Schmanau. Bericht: Hermann-Luc Hardmeier)

Feuer und Hardrock

Mit hohem Tempo raste nun ein Auto auf ein Holzgestell zu, auf welchem ein Stuntman stand. Die Wucht des Aufpralls zerlegte die Konstruktion in ihre Einzelteile, doch der fliegende Akrobat landete sicher auf beiden Füssen. Ein weiteres Auto preschte über eine Rampe, überschlug sich einmal komplett und halbierte mit Beulen und Kratzern seinen Verkaufswert. Als nächstes brannte ein Holztor. Ein Stuntman klammerte sich an der Motorhaube fest und die rasante Fahrt führte durch den Feuerball. Passend dazu erklang aus den Boxen „Highway to Hell“ und „TNT“ von AC/DC. Ein anderer liess sich hinter einem Auto durch brennende Flammen ziehen und ein Motorradartist stand freihändig auf seinem rollenden Gefährt. Schliesslich zeigte sich auch noch der jüngste Stuntman Europas. Der knapp fünfjährige Luano Bauer sorgte mit seiner Motorradfahrt für Applaus und zeigte auch, dass die nächste Stuntmangeneration an die Umwelt denkt: Sein Töff hatte nämlich einen Elektromotor.

Bild: Auch der fünfjährige jüngste Stuntman Europas war dabei. (Foto: Phillip Schmanau. Bericht: Hermann-Luc Hardmeier)

Unfallrisiko besteht

Die Organisatoren der Show kommen aus Freiburg im Breisgau und touren mit ihrem Familienbetrieb seit 45 Jahren durch Europa. Bei den waghalsigen Aktionen fragt sich der Zuschauer oft, wie gefährlich die Aktionen für die Profis wirklich sind. „Das Risiko eines Unfalls besteht immer, durch unserer Erfahrung und unser Training versuchen wir es aber zu minimieren“, erklärt Mike Bauer. 2018 musste ein Stuntman der Show nach einem mittelschweren Unfall von der Rega geborgen werden. Und auch in Stein am Rhein gab es einen Shockmoment: Einer der Stuntman lag nach einem Komplettüberschlag reglos im Auto. Zwei andere eilten zur Hilfe, zogen ihn heraus und legten ihn auf den Boden. Dort begann er aber plötzlich Liegestütze zu machen und das Publikum applaudierte erleichtert. Alles war bloss inszeniert. Am Ende der Show zermalmten zwei Monstertrucks alles, was von den zerbeulten Stuntcars noch übrig war. Trotz Regen, Hagel und Kälte blieben die Zuschauer bis zum Schluss und applaudierten begeistert der beeindruckend Leistung des Stuntmanteams.

Mit Volldampf Richtung Jamaika

Am Freitagabend brachte Kabaka Pyramid politische Texte und warme Reggaemusik in die Kammgarn. Ein Konzertbericht von Hermann-Luc Hardmeier.

Bild: Kabaka in der Kammgarn. (Bericht: Hermann-Luc Hardmeier, Foto: Hermann-Luc Hardmeier).

Mit dem Klang einer Sirene startete der Partyabend in der Kammgarn. Auf die Bühne sprang sodann aber nicht die Schaffhauser Kantonspolizei, sondern der Obersheriff unter den Reggae-Kommissaren: Keron Salmon alias Kabaka Pyramid. Die ersten zwei Songs spielte nur seine Band The Bebble Rockers. Die vier Musiker füllten den Saal mit gemütlichen Klängen und setzten ein zur entspannenden Reggaemassage für die Gehörgänge. In gelben und grünen Lichtfarben erstrahlte die Kammgarn in der Kolorierungen der jamaikanischen Flagge und die Tanzfläche füllte sich gemächlich. „Das ist der perfekte Sound nach einer strengen Arbeitswoche“, freute sich ein Besucher. Nach einem Gitarrensolo war es sodann Zeit für die Hauptperson des Abends. „Are you ready for more Reggaemusic?“, wollte der Bassist wissen und ein lautes Johlen kam als Echo zurück. Kabaka betrat zusammen mit der Backgroundsängerin die Bühne und nun war es Zeit, um einen Gang höher zu schalten. Kaum hatte er das Mikrophon ergriffen, schwenkten die Besucher die Hände im Takt und versetzten die Tanzbeine in eine perfekte Sinusschwingung. Mit seiner sanften Stimme, der Rastafrisur und einem bunten, karibischen Hemd setzte der Sänger einen markanten Klang- und Farbtupfer für die Veranstaltung. Ein guter Song jagte den nächsten und der Reggaezug fuhr mit Volldampf Richtung Jamaika. Die Passagiere genossen die Fahrt ins Heimatland von Bob Marley und feierten die ganze Nacht. „Marijuana should be legalized!“, rief Kabaka ins Publikum und der fröhliche Lärmpegel verreit, dass einige Besucher durchaus der gleichen Meinung waren.

Keine Handys in Sicht

Inhaltlich liess Kabaka immer wieder durchblicken, dass er nicht nur gute Laune, sondern auch eine politische Botschaft im Gepäck hatte. Er sang gegen Unterdrückung und Diskriminierung an und kritisierte Politiker, die ihre Macht missbrauchen. Später nahm er auch die Bildungspolitik seines Heimatlandes und den Kapitalismus in die verbale Mangel. Das alles kombiniert er mit seiner Grundhaltung, dass Liebe schlussendlich das Wertvollste ist, was Menschen miteinander verbindet. Liebe für die Familie, liebe für die Nachbarn und liebe für die ganze Welt. Kabaka mischte immer wieder Klassiker unter seine Songs. So stimmte er „Hotstepper“ von Ini Kamoze oder „Ring di Alarm“ an und die Gäste flippten aus. Wobei an diesem Abend alles anders war als sonst. In der Kammgarn explodierte nicht ein Partyvulkan, sondern es glich eher einem Steichelzoo, der in Flammen stand. Irgendwie harmlos und gemütlich, auf der anderen Seite aber auch gefährlich und explosiv. „Do you love Reggae?“, fragte Kabaka die Besucher und die Hände schnellten in die Luft. Dabei fiel auf, dass keine Handys zu erspähen waren. An viele Konzerten sieht man mittlerweile den Künstler kaum noch, weil alle Besucher ihm ihre Smartphones vors Gesicht drücken. Die digitale Auszeit am Freitagabend war eine zusätzliche Wohltat neben der geschmeidigen Musik. Die Zugfahrt näherte sich in der Kammgarn langsam der Endstation. Mit der Zugabe gab es noch eine letzte rasante Fahrt durch den musikalischen Gotthardtunnel und unter lautem Applaus verabschiedete sich Kabaka schliesslich von einem glücklichen Publikum.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen am 8. April 2019 in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten“.

Auf den Spuren des 2. Weltkriegs in Dachau und Nürnberg

Die Exkursionsteilnehmer in Nürnberg.

Am vergangenen Wochenende (30./31. März 2019) startete die Berufsmaturitätsabteilung meiner Schule zu einer spannenden Exkursion nach Deutschland. Das Ziel des zweitägigen Ausflugs war es, einige wichtige Schauplätze des 2. Weltkrieges zu besichtigen und damit den Geschichtsunterricht anschaulich zu machen und zu vertiefen. Am freiwilligen Ausflug nahmen rund 120 Lernende aus der BM2-Ausbildung teil. Früh am Samstagmorgen ging es los. Die erste Station war das ehemalige Konzentrationslager in Dachau. Nach den schrecklichen Eindrücken und Schilderungen endete der Guide mit den einprägsamen Worten: „Es darf nie wieder passieren!“ und hatte damit klar gemacht, dass die schlimmen Taten der Nazis nicht nur ein rassistisches Verbrechen der Vergangenheit, sondern auch ein Mahnmal für die Gegenwart und Zukunft sein sollen. Am Nachmittag durften die Lernenden München erkunden und der kleinere Reisecar mit 50 Schülern fuhr danach zurück nach St. Gallen. Die zweite 70-köpfige Gruppe machte sich nach dem Besuch in München auf nach Nürnberg. In der wunderschönen mittelalterlichen Altstadt waren die Teilnehmer im A+O Hotel und in der Jugendherberge einquartiert. Letztgenannte befindet sich in den Burgermauern und perfektionierte die Zeitreise wunderbar. Am Sonntagmorgen stand dann die Besichtigung des ehemaligen Reichsparteitagsgeländes mit den monumentalen Bauten der Nazis auf dem Programm. Besonders eindrücklich waren die nicht fertiggestellte Kongresshalle, die teilweise dem römischen Kolosseum nachempfunden ist, und die Zeppelintribüne, von welcher aus Diktator Hitler vor bis zu 500 000 Zuhörern seine Reden hielt. Im dazugehörenden Dokumentationszentrum wurden die Gäste aus St. Gallen sodann ausführlich über den Aufstieg und die Herrschaft der NSDAP informiert. Besonders beeindruckend war dabei auch das Gebäude an sich, das mit Stahl, Aluminium, Glas und Sichtbeton wie ein Keil in das ehemalige Nazihaus gebaut war. Die 42 Millionen roten Ziegel der Kongresshalle waren architektonisch klar durchtrennt vom neuen Gebäudeteil. Somit war auch optisch der Schnitt mit der Naziherrschaft gelungen. Die zwei Tage in Deutschland waren sehr intensiv, aber extrem beeindruckend. Die Exkursion hat gezeigt, dass Geschichte nicht alt und verstaubt sein muss, sondern durchaus spannend, interaktiv und lebendig. Es war eine wunderbare Bereicherung für den Unterricht und hat auf jeden Fall einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Die Organisatoren bedanken sich bei allen, die dabei waren und dieses tolle Wochenende möglich gemacht haben.

Von Luc Hardmeier