Poetry Slam: Ein Berner Rapper besiegt Goethe

Von Hermann-Luc Hardmeier: Stunde der Newcomer: Am Openliste-Poetry-Slam im TapTab gab es am Freitagabend viel frischen Wind. Ein Eventbericht von Hermann-Luc Hardmeier.

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Bildquelle: www.taptab.ch

„Ein Poetry Slam ist nicht wie das Konzert deiner Lieblingsband“, sagte Eddy Renard, der im TapTab als Moderator auf der Bühne stand. „Man kann nicht erwarten, dass einem alles gefällt, aber ein bis zwei Texte flashen und überraschen mich jedes Mal. Das ist das Schöne an dieser Kunst.“ Am Freitagabend standen zwölf Wortakrobaten und Poeten bereit, um das Publikum im TapTab zu beeindrucken. Wie üblich an den Slams hatten die Teilnehmer fünf Minuten Zeit, um einen selbstgeschriebenen Text vorzutragen. Die Zuschauer bewerteten danach mit Tafeln von eins bis zehn die Darbietung und hievten drei Wortkünstler ins Finale. Der Sieger durfte sodann den Pokal in Form einer Flasche Whisky entgegennehmen. Den Anfang machte Fitim Lutfiu, der sich über die Dating-Apps lustig machte. Er beschrieb eine erfundene Geschichte, in welcher er sich als Frau ausgab und perverse Angebote von Lüstlingen auf der App namens Tinder bekam. Mit einem fetzigen Rap über die Tücken der Schweizer Immigrationspolitik folgte Kay Wieauchimmer. Ein gewagtes Experiment unternahm Manu Alexander: Er hatte keinen Text vorbereitet, sondern erzählte frisch von der Leber weg von einem Blinddate in Hamburg und Bremen, bis die fünf Minuten um waren. Jennifer Unfug ärgerte die Aussage eines Rappers, dass die Kunst des Reimens der Männerwelt vorbehalten sei. Sie zeigte in ihrem Text, dass Rap durchaus Frauenpower beinhaltet. Es folgten Texte von einem Schwarzfahrer, der in einer Klinik für Samenspenden landete, ein philosophischer Text über die Denkzentrale im menschlichen Kopf und ihrer Auswirkungen auf die Schule, ein englischer Rap, Tipps für die Sanierung der morbiden Staatsfinanzen, eine Anklage gegen den Kapitalismus und ein Berner Oberländer, der über seine Integrationsprobleme als einziger Ausländer des Dorfes berichtete.

Humor kommt nicht zu kurz

Unter den Slammern waren einige Newcomer, die das erste Mal an einem Poetry Slam auftraten. Das brauchte viel Mut und wurde vom Publikum mit guten Bewertungen und viel Applaus quittiert. Viele Texte waren nachdenklich, doch auch der Humor kam nicht zu kurz. Patrick Armbruster beschwerte sich ironisch über die Fasnächtler. Er bezeichnete sie als „bunt vermummte Audio-Terroristen“ und holte damit als erster das Punktemaximum. Ebenfalls mit Höchstnoten wurde ein Herr beurteilt, der sich als Lord Ben Goethe vorstellte. Er gab sarkastische Tipps für den Valentinstag und beschrieb das gnadenlose Schicksal eines Romeos, der sich zu spät um das Valentinstags-Geschenk seiner Julia gekümmert hatte. Kay Wieauchimmer, Patrick Armbruster und Lord Ben Goethe schafften es ins Finale. Dort hatte der erstgenannte die Nase vorne. Kay hat sich übrigens seit sechs Jahren der Reimkultur verschrieben und gewann den vorletzten Slam. Mit einer Mischung Gesellschaftskritik und Elementen aus dem Gedicht Erlkönig hatte der Berner einen Rap gezimmert, der die Konkurrenz an die Wand schmetterte. „Heute Morgen hätte ich niemals gedacht, dass ich den Whisky nach Hause nehmen werde“, sagte er glücklich nach seinem Sieg und teilte das Getränk an der Afterparty mit den anderen Poeten. Der literarische Hauptgang ging nahtlos in ein ausgedehntes musikalisches Dessert mit DJ Muhandis Douroucoulis über und erfreute die Gäste bis tief in die Nacht.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten” am 16.2.2015.

 

Wenn Dürrenmatt auf dem Kamel galoppiert

Von Hermann-Luc Hardmeier: Das Trio „Trampeltier of Love“ begeisterte am Donnerstagabend das Lokal “Cardinal” in Schaffhausern mit einer herrlich schrägen Show. Eine Konzertreview von Hermann-Luc Hardmeier.

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Bild: Das Trampeltier begeisterte die Zuschauer. (Bericht: Hermann-Luc Hardmeier, Foto: Selvyn Hoffmann).

Trampeltiere sind dafür bekannt, dass sie ohne Rücksicht auf Verluste alles plattwalzen. Kaum einer hat besagte Lebewesen jemals in einem Ballerina-Röcklein gesehen, leichtfüssig ein paar Piroutten tanzend. Und genau deshalb wäre es seltsam gewesen, hätte die Combo „Trampeltier of Love“ im Cardinal am Donnerstagabend ein gewöhnliches Konzert gegeben. Schon bei den ersten Klängen im Raucherbereich des Lokals wurde klar: Dieser Abend wird aussergewöhnlich. Die zwei Thuner Sänger und der Luzerner Tuba-Spieler hatten Instrumente wie Gitarre, Keyboard und Pfannendeckel zur Hilfe. Für den Beat waren zwei Fusstrommeln verantwortlich. Matto Kämpf und Simon Hari aka King Pepe wechselten sich beim Singen ab. Wobei Matto Kämpf eher lesend erzählte, während King Pepe in der Notenwelt zu Hause war. Die Stimmung der Gäste war gut. Schon beim dritten Song liessen sie ein kollektives „Oh yeah“ erklingen, jedes Mal, wenn es die Band wünschte.

Mischung aus Skurrilitäten

Inhaltlich ging es oft um banale Alltagsbeobachtungen, die so gewöhnlich erzählt wurden, dass sie äusserst amüsant wirkten. Das Gezänke von Kindern im Sandkasten, eine Frau, die in den Bus steigt, ein Pharmazeut auf Abwegen, die russische Protestbewegung „Pussy Riot“ oder ein im Chor vorgetragener Kalauer zu den Kontinenten der Erde. Gewisse Lieder dauerten nur eine Strophe. Andere Songs begannen melodisch und endeten im Chaos eines übersteuerten Keyboards. Die Fusstrommel war immer wieder jenseits jedes Taktgefühls. Zeitweise stellte man sich die Frage, ob die Stücke eigentlich geprobt worden waren. Wahrscheinlich absichtlich nicht. Genau diese Mischung aus Skurrilitäten machte den Abend aus. „Trampeltier of Love“ lieferte vielleicht mehr Kunst als Konzert, aber genau das gefiel den Gästen. Die Musiker mussten oft selbst lachen, wenn sie rhetorische Pausen machten oder einen Song abrupt beendeten. „Grossartig. Das macht richtig Spass“, kommentierte eine Besucherin die Darbietung. Und doch merkte man; das Trio hat musikalisch einiges auf dem Kasten. Plötzlich schmetterten sie einen guten Blues oder Country aufs Parkett. Die Füsse wippten mit, durch die Lautsprecher säuselte der Refrain, dass der Sänger gerne einen Kühlschrank voller Kokain haben möchte. Doch das war noch nicht alles: Die Band rechnete humorvoll mit Brad Pitts schlechter Darstellung im Film “Troja” ab und liess verlauten, dass Dürrenmatt im Hallenbad ersäuft werden sollte. Man hätte dem Trio nach lange zuhören mögen. Sie haben die Klischees niedergetrampelt, und danach den Raum mit Liebe und Humor geflutet. „Trampeltiere of Love“, der Name war Programm und überzeugt restlos.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten” am 7. Februar 2015.

Erfolgreiche Projektoche “Sport + Medien”

Am Freitag ging die Projektwoche zum Thema “Sport + Medien” zu Ende. Wie bereits berichtet, bot diese intensive Sequenz sehr viel Abwechslung für unsere Lernenden. Es gab Workshops mit Journalisten von Radio, TV und Zeitung, es wurden Interviews geführt und analysiert, es wurde auf die Rechte der Sportler bei Interviews hingewiesen, in Fremdsprachen sein Lebensmotto formuliert und, und, und. Zu den Highlights zählte sicherlich auch die Führung beim Schweizer Fernsehen SRF und bei 20 Minuten (TA-Media). Die Woche sollte die Lernenden auf Chancen und Gefahren im Umgang mit Medien hinweisen und hat dies sicherlich erreicht. Wir bedanken uns noch einmal für die gute Mitarbeit der jungen Sporttalente und bei allen Gästen, die mit ihnen gearbeitet haben.

Von Luc Hardmeier
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Bild: Unsere Sporttalente im Studio des “Sport Panoramas” des Schweizer Fernsehens. (Foto: Luc Hardmeier, Bericht: Luc Hardmeier)

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Bild: Unsere Sporttalente erlernten das Journalisten-Handwerk während der Projektwoche. (Foto: Luc Hardmeier, Bericht: Luc Hardmeier)

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Bild: Unsere Sporttalente im Studio von Schawinski beim Schweizer Fernsehen. (Foto: Luc Hardmeier, Bericht: Luc Hardmeier)

Spezialwoche Sport + Medien: Promi Dino Kessler an unserer Schule

Heute startete an meiner Schule die Spezialwoche Sport und Medien. In dieser Woche werden unsere Sporttalente Chancen und Gefahren im Umgang mit Medien näher kennenlernen.

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Bild: Andy Jucker (links) vom Radio Munot interviewte Hockey-Legende Dino Kessler an unserer Schule. (Bericht: Luc Hardmeier, Foto: Luc Hardmeier)

Zur Eröffnung der Spezialwoche kam der ehemalige Eishockeyprofi Dino Kessler an unsere Schule. Er hat mit 77 Länderspielen für die Nati und einer langen Verangenheit mit Clubs wie Chur, Zug, Bern usw. sportliche sehr viel erreicht, und er kennt auch die andere Seite: Seit seinem Kreuzbandriss und dem Ende des Profisports ist er beim Blick als Sportjournalist fest angestellt und verfasst unter anderem die Video-Kolumnen “Zwei Minuten für Dino”. Er gab unseren Sporttalenten Tricks und Tipps und wurde dabei von Radio Munot Chefredaktor Andy Jucker interviewt. Dies war ein gelungener Startschuss für einen spannende Projektwoche unserer Sporttalente.

Von Luc Hardmeier.