Bundeshaus-Besuch 2019

50 Lernende der BM2-Abteilung besuchten am Dienstag das Bundeshaus in Bern.

Am frühen Morgen ging’s los Richtung Bundeshauptstadt. Die 50 Lernenden der BM-Abteilung reisten zusammen mit Geschichtslehrer Luc Hardmeier ins politische Zentrum der Schweiz.

Bild oben: Gruppenfoto mit Aline Trede in der Mitte.

Bild unten: Die Lernenden im Ständeratssaal.

Zunächst genossen die Besucher eine Stadtführung durch Bern, das erfreulicherweise sonnengeflutet die Gäste empfing. Nach Nationalbank, Zytglogge und Co war es sodann Zeit für das Bundeshaus. Zunächst empfing Nationalrätin Aline Trede unsere Schüler und Schülerinnen. Sie war fünf Jahre als Nationalrätin tätig und angesichts des grünen Wahlerfolgs vom 20. Oktober eine spannende Diskussionspartnerin. Mit Frische, Bestimmtheit aber auch Humor erklärte Aline Trede den Zuhörern ihre Positionen. Danach ging es auf eine Führung durchs Bundeshaus, bei welcher die Gäste auf den Plätzen des National- und Ständerates Platz nehmen durften. Selbstverständlich wurden dabei nicht nur Fragen beantwortet, sondern auch das eine oder andere Selfie für Social Media geschossen.  Beim Besuch im Bundeshaus konnten die Lernenden Politik nicht nur verstehen, sondern auch erleben. Fazit: Ein spannender Tag für alle Beteiligten. Was will man mehr?

Mit der Blechtrommel gegen die Nazis

Beim Stück «Die Blechtrommel» überzeugte Schauspieler Michael von Burg die Zuschauer im Schaffhauser Stadttheater, kritisierte jedoch den Autor des Werks, Günter Grass. Eine Theaterkritik von Hermann-Luc Hardmeier.

Bild: Mit der Blechtrommel gegen Faschismus. (Foto: Michael Kessler. Bericht: Hermann-Luc Hardmeier)

SCHAFFHAUSEN. «Das war eine Monsterleistung », befand eine Zuschauerin am Mittwochabend im Schaffhauser Stadttheater. Soeben war das 140-minütige Stück zum Roman «Die Blechtrommel» von Günter Grass zu Ende gegangen. Autor Oliver Reese und Regisseur Markus Keller hatten es geschafft, das 800-seitige Buch dem Schauspieler Michael von Burg auf den Leib zu schneidern. Dieser bestritt als One-Man-Show den Abend und verblüffte das Publikum. Seine Rolle des Oskar Matzerath,
der mit seiner Familie die Machtergreifung der Nazis und den Krieg erlebt, kam mit wenig Requisiten, aber mit viel Pathos aus. Als Dreijähriger erhält der kleine Oskar eine Blechtrommel,mit welcher er beispielsweise einen Marschrhythmus der Nazis mit einem Walzertakt durcheinanderbringt. Aus seiner naiven, kindlichen Sicht erzählt er, wie in der kleinbürgerlichen elterlichen Welt der Vater zu Hitlers Parteigänger wird. Oskar weigert sich, während der Hitlerzeit zu wachsen. Das könnte man als Verweigerung der deutschen Bevölkerung deuten, die Verantwortung oder moralische Schuld für die Verbrechen der Nazis zu übernehmen. Das ganze Stück zielt kritisch auf die Nazizeit und trommelt gegen das Vergessen und das Leugnen der Schuld. Das Buch ist nicht zuletzt deshalb als Jahrhundertwerk und Klassiker bezeichnet worden.

Grass und die Waffen-SS

Doch darf man sich in der heutigen Zeit noch über ein Werk von Günter Grass freuen? Der Autor gestand 2006, in der Waffen-SS gewesen zu sein und warf damit einen dunklen Schatten auf seine Rolle als moralische Instanz der Nachkriegszeit. Er wurde unter anderem aufgefordert, seinen Nobelpreis zurückzugeben. «Das hat mich extrem beschäftigt », sagte Schauspieler Michael von Burg im Publikumsgespräch nach der Vorstellung. «Ich bin politisch mit Günter Grass nicht einverstanden, aber der Roman gefällt mir dennoch enorm», sagte er. «Ich finde, die Biografie von Grass und die Frage, ob er ehrlich war, muss an einer anderen Stelle als auf der Bühne diskutiert werden.» Im Verlauf des Gesprächs verriet von Burg auch, dass er fast drei Monate brauchte, um den Text auswendig zu lernen und vor der Vorstellung in Schaffhausen ein bisschen Angst hatte: «Es ist zwar für mich ein Heimspiel, aber ich hatte das Stück einen Monat nicht mehr gespielt.» Die Angst, einen Satz zu vergessen und aus dem Text zu fallen, sei wie ein Ritt auf einem wilden Pferd. Man müsse höllisch aufpassen, damit man die Zügel nicht verliere. Kein Problem, denn Michael von Burg beherrschte den störrischen «Blechtrommel»-Gaul vorzüglich. Mord, Sex und Brausepulver sorgten für einige Ausrufezeichen, doch schlussendlich war weder die Vergangenheit von Grass noch die Zerstörung mehrerer Blechtrommeln auf der Bühne entscheidend: Am beeindruckendsten war die Leistung des Schauspielers.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten” am 8. November 2019.

«Gönnjamin» wird nicht Jugendwort 2019

Die “offizielle” Wahl wurde durch den Verlag abgesagt.

Einmal im Jahr gehört die deutsche Sprache den Jugendlichen. Der Duden wird ordentlich aufgepimpt. Swag und Kreativität statt verstaubte Begriffe dominieren die Diskussion. «Yolo», «Babo» und «Ehrenmann/Ehrenfrau» waren nur einige der sprachlichen Mixturen, welche die Wahl des Jugendwortes in der Vergangenheit hervorgebracht haben.

Organisiert wurde die Wahl jeweils vom Langenscheidt-Verlag, der dazu gleich das passende Jugendslang-Lexikon namens «100 Prozent Jugendsprache» herausbrachte. Eine Mischung aus Wettbewerb, Spass, Pausenhof und Marketinggag, die sehr bekömmlich schmeckte.

Spannend war auch immer wieder, welche Wortkreationen es nicht aufs Podest schafften. Da war beispielsweise «Lauch», für einen Menschen, der nicht sonderlich muskulös ist, «Alpha-Kevin» für den König der Deppen oder der Ausdruck «Niveaulimbo», wenn die Messlatte für ein vernünftiges Gespräch ständig tief und tiefer gesetzt werden muss.

2019 jedoch wird den Sprachfans ein Strich durch die Rechnung gemacht. Die Wahl zum Jugendwort findet nicht statt. Schuld ist schlussendlich aber nicht nur Langenscheidt, sondern eine Umwälzung in der Verlagslandschaft. Und das kam so: Im Frühling hat der Pons-Verlag (gehört zur Klett-Gruppe) das Haus Langenscheidt aufgekauft bzw. übernommen. Der Zeitpunkt war für die Jugendwort-Abteilung unglücklich, denn das neue Lexikon war natürlich noch nicht fertig. Pons hat sich noch nicht entschieden, ob sie das Jugendslang-Nachschlagewerk weiterführen will und deshalb derzeit die Pausentaste gedrückt.

Online gibt es einige Seiten, die trotzdem zu einer Wahl aufrufen und Vorschläge entgegennehmen. Dabei ist beispielsweise das Wort “Gönnjamin» aufgetaucht. Ein Ausdruck für jemanden, der es sich gut gehen lässt und das Leben geniesst. Er «gönnt» sich des Öfteren auch den Besuch in einschlägigen Fastfood-Etablissements, feierte die Nacht durch und auch seine Brieftasche sitzt ziemlich locker. «Verchillt» und glücklich geht er durch den Tag. Ein «Gönnjamin» eben. Eins der Online-Votingportale wurde allerdings gehackt und die Organisatoren beendeten danach ihre Wahl.

Scheint fast so, als ob 2019 die Wahl unter einem schlechten Stern steht. So wirklich fehlen werden Begriffe wie «Gammelfleischparty» als Bezeichnung für eine Ü-30-Party oder «Speckbarbie» für eine dicke Frau in zu engen Kleidern zwar niemandem, aber trotzdem war es eine herrliche Gelegenheit, um über die Sprache nachdenken zu können. Man darf gespannt sein, ob 2020 der Pons-Verlag wieder grünes Licht gibt und Gönnjamin oder ein anderer Ehrenmann sodann vom Podest lächeln darf.

Von Hermann-Luc Hardmeier.

Politiksatire kombiniert mit dem Hüftschwung von Elvis

Der Schweizer Komiker und Kabarettist Bänz Friedli fühlte am Samstag im Stadttheater den Politikern auf den Zahn. Von Hermann-Luc Hardmeier.

Foto: Bänz Friedli war der Star des Abends, trotz Pappaufsteller von Elvis. (Bericht: Hermann-Luc Hardmeier. Bild: Michael Kessler).

Ein riesiger Pappaufsteller von Elvis Presley thronte auf der Bühne. Auf einem Beistelltischchen waren die Brille des King of Rock’n’Roll bereitgelegt, aber auch das Lieblingsgetränk Pepsi des Musikers und eine Flasche Bier. Der Star des Abends kam jedoch nicht aus Memphis, Tennessee, sondern war gebürtiger Berner, nun aber wohnhaft in Zürich. Mit Elan und Energie schritt Bänz Friedli auf die Bühne das Publikum. Wenn er von Elvis sprach, dann nannte er ihn immer „Den King“. Geschickt setzte er Pointe um Pointe, die er jeweils thematisch mit einer kurzen Liedzeile von Elvis abschloss. „Was würde Elvis sagen?“, war das Motto von Friedlis Programm. Und dies wurde den Besuchern des Stadttheaters immer wieder vor Augen geführt. Trump war für ihn „Nothing but a Hounddog“ und SVP-Nationalrat Andreas Glarner ein „Devil in Disguise“. Wenn er davon sprach, wie die Menschheit mit den Ressourcen der Welt umgehen, dann war man nicht nur im „Jailhouse“, sondern bereits mit einem Bein im „Irrenhaus“. Wer nun erwartete, dass der Kabarettist den ganzen Abend über die Bühnenshows von Elvis und die neusten Erkenntnisse zu seinem mysteriösen Todesfall spekulieren würde, hatte sich jedoch getäuscht. Bänz Friedli ist ein sehr politischer Mensch, der mit offenen Augen und einer giftig-satirischen Zunge durch die Welt geht. Elvis ist für ihn ein Idol. Ein Dalai-Lama oder Nelson Mandela der Rockmusik. Doch auch der Vergleich hinkt. Eigentlich sieht er ihn eher als griechischen Philosophen wie Aristoteles, dessen Songzeilen man auf die heutige Weltpolitik anwenden konnte. Friedlis Kritik traf die Frisur vom englischen Premierminister Boris Johnson genauso wie Donald Trumps Haltung zur Weltpolitik oder die Elektrobus-Pannenserie in Schaffhausen. Auch Thomas Minder oder Christian Amsler gerieten ins Visier des 54-jährigen. „Warum reisst Bundespräsident Ueli Maurer nach Saudiarabien?“, beschäftigte den Künstler genauso wie sein Besuch an der Schaffhauser Herbstmesse. Gekonnt imitierte er Werbedurchsagen von Herbstmesse und im Lipopark. Schliesslich kam er auf den Besuch von Ex-Fifaboss Sepp Blatt beim FCS zu sprechen. „Ihr wisst schon, dass der überall auf der Welt Stadionverbot hat? Aber bei euch ist er Ehrengast?“ Die Besucher konnten herzhaft darüber lachen, dass man ihnen den satirischen Zerrspiegel vorhielt. Eine erfrischend kritische Sicht auf die Geschehnisse in der Munotstadt und in der Weltpolitik, kombiniert mit dem Hüftschwung von Elvis. Zwischendurch gab es auch Seitenhiebe gegen die Digitalisierung, „erlebnisorientierte Fans“ (Hooligans) und Rentner im Zug. Als Bänz Friedli zum Schluss „Love me tender“ anstimmte. Sangen viele Gäste im Stadttheater mit. Das hätte Elvis sicherlich gefallen.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten“.

Ursus und Nadeschkin entlassen 50% ihrer Mitarbeiter

Die zwei Comedy-Urgesteine sorgten am Mittwoch mit absurdem Humor für viele Lacher im Stadttheater. Eine Theaterkritik von Hermann-Luc Hardmeier.

Bild: Ursus und Nadeschkin kurz vor dem Start ihrer Bollywood-Parodie. (Foto: Selwyn Hoffmann. Bericht: Hermann-Luc Hardmeier)

Schneeflocken im Stadttheater. Während die weisse Pracht von der Decke regnete, tanzten im Ballettoutfit Ursus und Nadeschkin eine Tschaikowsky-Nummer und sangen dabei synchron für die Zuhörer. Das fast ausverkaufte Haus applaudierte begeistert und die zwei Künstler verbeugten sich enthusiastisch. Irgendwann wurde es aber grotesk, denn das Verbeugen nahm kein Ende und man merkte, dass künstlicher Applaus durch die Boxen eingespielt wurde. Kurz darauf ging das Gezänke der zwei Protagonisten los. Wie ein altes Ehepaar stritten sie darüber, wer sich zuerst umziehen soll und was der andere in jener Zeit auf der Bühne zu tun gedenke. «Moment, sind Sie nicht…Madonna?», hielt Ursus plötzlich inne und zeigte auf eine Dame im Publikum. Es entwickelte sich daraus ein Running-Gag, der immer wieder für Lacher sorgte. «Die sieht ja privat ganz anders aus», stellte Nadeschkin fest und sorgte sich im nächsten Moment, ob ihr ein Scheinwerfer auf den Kopf fallen könnte. Ein Knall, ein Blitz und tatsächlich krachte die Deckenbeleuchtung plötzlich darnieder. Nadeschkin amüsierte sich köstlich, denn der Scheinwerfer wurde vom Kabel genau auf der Höhe festgehalten, auf welcher er Ursus treffen könnte, sie jedoch elegant hindurchtänzeln konnte. Ursus wusste noch nichts von seinem beinahe Unfall und sinnierte fröhlich darüber, wie er in ihrem Zwei-Personen-Betrieb einen Stellenabbau machen könnte, um als Solostar dazustehen. «Ich sehe schon die Schlagzeile», mutmasste seine Bühnenpartnerin. «Ursus und Nadeschkin entlassen 50% ihrer Mitarbeiter.» Es folgte eine Zaubernummer, die unterirdisch billig war, was Ursus jedoch partout nicht einsehen wollte. «Das ist nur ein halber Trick», stellte Nadeschkin kritisch fest. «Das ist, wie wenn man bei einem Witz nur die Pointe erzählen würde. «Beide tot.» – «Beide tot?», rätselte der Beschuldigte ahnungslos. «Ja, eigentlich müsste ich vorher sagen: Treffen sich zwei Jäger.» Sie stritten fröhlich weiter, während sich die Zuschauer dabei kugelten vor Lachen. Die Show war in keiner Sekunde langweilig und produzierte immer wieder Missverständnisse und paradoxe Situationen, welche durch die Argumentationsversuche von Ursus und Nadeschkin keineswegs gelöst, sondern immer noch komplexer und komplizierter wurden. Sei es eine unsichtbare Türe, die zu einer unsichtbaren Kaffeemaschine mutierte und schliesslich explodiert. Oder seien es der Einsatz eines Feuerlöschers auf der Bühne oder ein waschechter Bollywood-Partysong, der mit abenteuerlichen Texten für beste Unterhaltung sorgte. Zum Schluss rezitierte Ursus mit Feuerwerk auf dem Helm und mit dem elektrischen Einrad fahrend ein Goethe Gedicht. Ob das dem Faust-Schriftsteller gefallen hätte, sei dahingestellt. Im Stadttheater jedoch sorgte es für tosenden Applaus.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen am 27. Sept. 2019 in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten“.

Shakespeares Sommernachtstraum gefolgt von einer wilden Party

Fünf Bands, Streetfood-Dörfli und schönes Wetter: Am Samstag startete die Kammgarn mit dem Hoffest in die neue Konzertsaison. Von Hermann-Luc Hardmeier.

Unter dem Motto „Wir machen Dir den Hof“ lud die Kammgarn am Samstag zum jährlichen Sommerfest vor ihre Kulturhalle. Auf dem Programm standen die Konzerte von fünf Bands und auch für das leibliche Wohl war ausgiebig gesorgt. An diversen Foodständen konnte man sich mit Hamburger vom Angus-Rind, mit Luna-Crêpes, Würsten aus Schaffhausen und mit tibetischen Spezialitäten versorgen. Zudem luden die Schaffhauser Hausbierbrauer mit ihren exzellenten, selbstgebrauten Gerstensäften zum Verweilen ein. „Mit dem Hoffest wollen wir uns für die Treue der Gäste bedanken und gut in die Saison starten“, erklärt Pascal Bührer vom Kammgarnteam die Idee des Anlasses. Die Organisatoren hatten bewusst sehr unterschiedliche Musikrichtungen gewählt, um die ganze Bandbreite des Kammgarnangebots zu zeigen. „Es hat für jeden etwas dabei. Früher oder später zieht’s heute jeden vor die Bühne zum Tanzen“, prophezeite Pascal Bührer. Und er sollte recht behalten. Der Hof verwandelte sich im Laufe des Abends in eine riesige Tanzfläche mit Hunderten von Gästen, die sportlich, elegant und lässig die Hüften kreisen liessen. Ein Sommernachtstraum, wie in schon William Shakespeare beschrieb. Allerdings fand das Ereignis nicht in Athen und auch nicht in einem verzauberten Wald statt, sondern direkt am Rhein am Fusse des Munots.

Ein modernes „Carpe Diem“

Am späten Samstagnachmittag zeigte sich die Sonne und lieferte damit das ideal Fundament zum Start. Zu gemütlichen Funkklängen vom Plattenteller trudelten die Besucher ein und nahmen an den zahlreichen Tischen auf dem Areal Platz. Joya Marleen aus St. Gallen brach das Eis und stimmte die Gäste musikalisch auf den Anlass ein. Sie trat allerdings nicht auf der Hauptbühne, sondern auf der Terrasse vor dem Restaurant auf. Der perfekte Rahmen für die One-Woman-Show mit Gitarre und Keyboard. „Es freut mich mega, dass ich heute für euch spielen darf“, sagte die Singer-Songwriterin, die 2018 den Schweizerischen Jugendmusikwettbewerb in der Kategorie Rock/Pop gewonnen hatte. Bei ihren gefühlvollen Songs schmolzen die Glaces der Zuschauer wie von selbst. Die Trommelfelle wurden sanft massiert und eine angenehme Wärme durchflutete die Bauchgegend der Zuhörer. Ebenfalls auf der kleinen Bühne trat danach Guy Mandon auf. Die Band von Lucien Montandon stand unter dem Credo „Das Leben ist ein Stream“. Die Basler meinten damit, dass wir ohne Unterbruch und Zwischenspeicher auf dem Globus wandeln. Es gibt keine Möglichkeit, die Wiederholungstaste zu drücken. Ein modernes „Carpe Diem“, das aber auch mit einem warnenden Ausrufezeichen versehen war.

Löwenherz mit Partygarantie

Nach dem gemütlichen Chilloutsound der Combo gab es eine Pause, in welcher der DJ die Gäste mit Reggaemusik auf den nächsten Act vorbereitete. Als Elijah Salomon die Hauptbühne betrat, war die Sonne bereits am Untergehen und das Abendrot passte perfekt zu den jamaikanischen Klängen, die mit schweizerdeutschen Texten gemischt wurden. Der Zürcher sorgte für Partystimmung auf der Tanzfläche und war sicherlich einer der Highlights des Abends. „Schaffhausen, geht es euch gut?“, wollte der Künstler vom Publikum wissen und viele Jubelschreie bestätigten ihm die gute Stimmung. Mit seinem Roots-Reggae konnte der Zürcher die warmen Klänge von Kingston direkt in die Herzen der Besucher transportieren. Einer seiner Lieder trug den Titel „Herz Vomene Loi“. Das Raubtier kann sanft und kuschelbedürftig sein, im richtigen Moment jedoch auch die Krallen zeigen. Diese Metapher passte goldrichtig zum Auftritt des Künstlers. Nachdem der Löwe gebändigt war, gab es einen deftigen Musikwechsel. Das Duo Catalyst hatte sich dem Headbangen verschrieben und der Frontmann setzte seine E-Gitarre wie eine musikalische Motorsäge ein. Es knatterte so heftig aus den Boxen, als würde gleichzeitig der Buchtaler Wald abgeholzt werden und ein Airbus A380 auf der Bachstrasse landen. „Es gefällt mir super hier“, freute sich Besucherin Nicole Harzenmoser. Der Tag ist ideal, um ein schönes Sommerfest mit meinen Freunden zu feiern.“ Gleicher Meinung war auch Cyrill Benz: „Es ist idyllisch und gemütlich hier.“ Die Outdoorparty endete mit dem grossartigen Auftritt von Alice Francis, die mit ihrem Neoswing nochmals so richtig deftig für Tanzstimmung sorgte und ideal auf die kochenden Afterpartys einstimmte.. Fazit: Ein genialer Abend, der grosse Lust auf die kommende Konzertsaison der Kammgarn machte.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen am 26. August in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten“.

«Eine Garantie für den Traumjob gebe ich natürlich keine»

Portrait von Olivier Alther, der anfangs August sein erstes Buch namens “Blog Road” herausgebracht hat. Ein Ratgeber für alle, die professionelle Influencer werden möchten.

„Nun mein Kind, was möchtest du später einmal werden, wenn du gross bist?“ Alle Sprösslinge, die nun „Blogger“ oder „Influencer“ antworten, sind ein kleiner Albtraum vieler Eltern. Aber auch die potentiellen Kunden von Olivier Alther. Der Schaffhauser hat letzte Woche auf Amazon sein Buch „Blog Road“ herausgebracht. Dort wird Schritt für Schritt erklärt, wie man ein Internettagebuch (Blog) erstellt und damit auch Geld verdienen kann. Eine Kim Kardashian wird man damit zwar nicht, aber vielleicht endet man dank Olivier Althers Werk wie Caro Daur. Sie startete mit seiner Hilfe einen Blog und ist mittlerweile eine der erfolgreichsten Instagramerinnen Deutschlands mit zwei Millionen Followern. „Eine Garantie für den Traumjob gebe ich natürlich keine“, schmunzelt der Autor, der diesen Sommer sein Studium der Wirtschaftsinformatiker an der ZHAW mit dem Bachelortitel abgeschlossen hat.

Doch wie kam es dazu, dass er innerhalb von zwei Jahren ein 155 Seiten starkes Standardwerk schrieb? Der Reihe nach. Ein Flair für Computer hatte der 23-jährige schon immer. Er besuchte die Informatikmittelschule und gab in seiner Freizeit Nachhilfe für Senioren bei der Handhabung ihres PCs. Auch sonst treffen einige Klischees auf ihn zu: Er spricht mehr Computer- als Fremdsprachen, hat Bitcoins gekauft und durfte damit kurzzeitig ein dickes Portmonee sein eigen nennen. Nur ein Gamer, das ist Olivier Alther nicht. „Alles begann eigentlich mit meiner damaligen Freundin, die sich für Fashionblogs interessierte“, erklärt er. „Ich wurde damit auf eine Instagramerin aufmerksam, die eine grosse Leserschaft, aber eine fürchterliche Homepage hatte“. Er bot ihr an, ihren Webauftritt zu überarbeiten und meisterte die Aufgabe offenbar sehr gut: Wie ein Lauffeuer kamen viele Lifestyle- und Fashionbloggerinnen auf ihn zu und wollten ebenfalls mit frischem Design und knackiger Struktur ihres Internetauftritts brillieren. Parallel dazu begann Olivier Alther nicht nur mit dem ZHAW-Studium und der Arbeit bei einer Informatikfirma, sondern lancierte auch seine Webseite namens „Bloggerheaven“. In diesem himmlischen Ambiente baute er sein Geschäft auf, welches den selbsternannten Internetengel schliesslich zu seinem Buch inspirierte: „Die Kunden kamen immer wieder mit ähnlichen Fragen zu den Blogs zu mir“, so Alther. „Im Netz findet man zwar gratis ziemlich viel, aber kein seriöses Nachschlagewerk, das zuverlässig und Schritt für Schritt den Weg zum eigenen Blog erklärt.“ Um mit den vielen Fachbegriffen der Informatik nicht ein Textmonster zu erschaffen, hat er eine Toolbox mit anschaulichen Beispielen dem Text gegenübergestellt. Ein zweiter Friedrich Dürrenmatt will Olivier Alther allerdings nicht werden. Sein Ziel ist alles andere als ein weiteres Buch: In den nächsten fünf Jahren möchte er sich selbstständig machen. Nicht im Buchladen, sondern in der Informatik oder im Cyberspace.

Alter: 23
Zivilstand: ledig
Wohnort: Flurlingen
Hobbys: Salsa tanzen + reisen
Vorbild: Elon Musk

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten” am 15. August 2019.

 

Eine perfekte Symbiose von Coolness und Tiefgang

Das Trio «Fettes Brot» aus Hamburg zog mit Ironie und kräftigem Flow gestern Abend alle Register. Ein Konzertbericht von Hermann-Luc Hardmeier.

Foto: Björn Beton, Dokter Renz und König Boris (v.l.) liebten Sarkasmus, Tiefgang, aber auch Partykracher (Bild: Michael Kessler, Bericht: Hermann-Luc Hardmeier).

«Wir glauben, das wird eine grosse Party», freute sich Mediensprecherin Nora Fuchs auf den Auftritt von «Fettes Brot». Die Stars in Town-Gäste waren deftig aufgeheizt von der HipHop-Ikone Stress und fieberten um 20 Uhr den drei Sprachakrobaten entgegen. Gemäss den Musikern flogen aber nicht nur die verbalen Frikadellen durch die Luft, sondern man konnte auch auf einem Auge blöd werden und alle Science-Fiction-
Freunde sollten sich warm anziehen, denn das Präteritum schlug gnadenlos
zurück. Jawohl Schiffmeister. Es galt Fettleibigkeit zu vermeiden. Es sei denn, sie wurde von Dokter Renz himself diagnostiziert. Mit seinen zwei weiteren MCs König Boris und Björn Beton rockt der HipHop-Arzt den Operationssaal, bis die Herzfrequenzmessgeräte friedlich im Flow mitpiepsten und nur noch in Moll-Dur Geräusche von sich gaben. «Fettes Brot» wissen, wie man Party macht. Seit einem Vierteljahrhundert sind sie in der Hitparade präsent. Jeder kennt einen Song von ihnen. Sei es ihr Durchbruch «Nordisch by Nature », den ultimativen Chartsknacker «Jein» oder doch eher «Emanuela.» Die Hamburger Musiker feierten mit den Gästen auf dem Herrenacker und hatten sichtlich Spass an ihrem Auftritt. Ihre Gewohnheit, Geschichten zu erzählen und innerhalb der Strophen die Zeilen untereinander aufzuteilen, riss jeden
Tanzmuffel vom Hocker. «Fettes Brot», das sind nicht nur adipöses Hefegebäcke, sondern man braucht die gesamten 2.5 Tonnen Eiswürfel des Festivals, um
so viel Coolness einen würdigen Empfang zu bereiten.

«Heute lass ich den Tiger raus», freute sich Besucher Pascal Müller. «Mir klingt das Ganze zu fest nach Ballermann», kritisierte hingegen Zuschauerin Murielle Gasser. Egal wie man es dreht und wendet, Fettes Brot steht nicht nur auf Halligalli, sondern hat durchaus Botschaften in ihren Songs. Allen voran sei «Schwule Mädchen» genannt, das gegen Homophobie ein Zeichen setzt. «Emanuela » warnt mit «Lass die Finger von …» vor Drogenkonsum und mit «Bettina, zieh dir bitte etwas an», unterstrichen
die Brote die Wichtigkeit der Sexismus-Thematik. Ans Stars in Town war das Trio aber eigentlich nicht mit der Zeitmaschine ihrer 90er-Jahre-Hits, sondern mit ihrem neusten Album «Lovestory » angereist. Auch hier zeigten die drei ihr ganzes Können. Von groovend, bis ironisch und politisch bis natürlich vor allem auch nordisch. Ganz nach
dem Motto des letzten Songs: «Schon Störtebeker wusste, dass der Norden rockt, und hat mit seinem Kahn hier gleich angedockt.» Beim neuen Lied «Du driftest nach rechts». hingegen streute «Fettes Brot» Tabasco in die offene Wunde der Hasskommentare im Internet. Im Song entfremdet sich ein Liebespaar, da die Frau aufgrund ihrer Cyberspace-Lektüre mit rechtsradikalem Gedankengut konfrontiert wird.
Knapp 6000 Menschen feierten am Freitagabend auf dem Herrenacker. Und es war klar: Ein Festival ohne Tiefgang wäre zwar unterhaltsam, aber wie ein lauwarmer Waschlappen. «Fettes Brot» war nicht nur fett im Klang, sondern auch fett im Nachgang. Die drei Jungs aus Hamburg überraschten nicht nur philosophisch, sondern auch, indem sie immer wieder den «Schwiizer-Nati»-Refrain anstimmten und die FC St. Pauli-Flagge schwenkten. «Feiern, bis der Arzt kommt», würde Dokter Renz dazu zufrieden sagen.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen am 10. August 2019 in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten”.

 

 

Pelziger Horror trifft auf Krimi und Trickfilm

Am Filmabend „kurz und knapp“ genossen am Freitag die Gäste 13 Filme in der Rhybadi „Uferlos“ in Stein am Rhein. Von Hermann-Luc Hardmeier.

Es war die perfekte Kulisse für einen sommerlichen Openair-Filmabend. Die grosse Leinwand thronte auf der Wiese zwischen den Bäumen, die sich sinnlich zur Seite neigten. Im Hintergrund floss der Rhein verträumt Richtung Schafhausen vorbei. Die Gäste sassen an den Tischen im Restaurant, auf blauen Decken in der Wiese oder auf einem Sofa aus Paletten mit bequemen Kissen. Einige Kinder hatten den Pingpong-Tisch erobert und sahen von dort aus die cineastischen Leckerbissen, welche das Kurz-und-knapp-Team für die Besucher vorbereitet hatten. Auch für das leibliche Wohl war gesorgt. Mit Bier, Limonade und Mojito stimmten sich die einen ein, andere verzerrten freudig einen Wurst-Käse-Salat. „Es ist wunderbar, an einem Sommerabend Filme am Rhein zu geniessen“, freute sich Organisator Michael Burtscher. „Wir waren in unsere Spitzenzeiten in acht Städten und wollten aus der Routine ausbrechen. Outdoor im Wettstreit mit dem Wetter gab uns den nötigen Thrill, um wieder Energie zu tanken.“ Die dreizehn Filme dauerten zwischen 1.5 und 18 Minuten und hätten unterschiedlicher nicht sein können. Es begann mit einem pelzigen Horrofilm, bei welchem eine Gruppe von fanatischen Tierschützern den Massenselbstmord der Lemminge verhindern wollte. Gefolgt von einer kleinen Streetparade der digitalen Pappfiguren, die eine wilde Party feierten. Ein Dokumentarfilm beleuchtete den Konflikt zwischen Protestanten und Katholiken in Nordirland, anhand eines provokativen gigantischen Feuerwerks. Mit einem Trickfilm wurde erklärt, wie man im Internet jede Diskussion in den Kommentarfeldern gewinnt und zwei weltumspannende Königreiche wurden vorgestellt, die das Konzept der Nation nicht nur auf den Kopf stellten, sondern gleichzeitig auch beseitigten. Einer der genialsten Filme des Abends war sicherlich jener von den zwei Teenagern Joshua Schweizer und Damien Hauser. Sie hatten sich einen Philip Maloney-Krimi vorgeknöpft und das Hörspiel im Sin-City-Style kräftig aufgemöbelt. Fazit: Ein toller Abend mit vielen Überraschungen.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten” am 22. Juli 2019.

Bombardierung von Schaffhausen im 2. Weltkrieg: Treffer mitten ins kulturelle Herz der Stadt

Vor 75 Jahren wurde Schaffhausen im 2. Weltkrieg bombardiert. Historiker Matthias Wipf erklärte im Museum zu Allerheiligen, was dies für die hiesigen Kunstschätze bedeutete. Von Hermann-Luc Hardmeier.

Bild: Historiker Matthias Wipf erklärt den Zuhörern, wie das naturhistorische Museum und weitere Gebäude von den amerikanischen Bomben getroffen wurden. (Foto: Selwyn Hoffmann, Bericht: Hermann-Luc Hardmeier)

Feuer, Flammen, Zerstörung und Tod. Der 1. April 1944 ist der schwärzeste Tag in der jüngsten Geschichte von Schaffhausen und bewegt auch 75 Jahre nach dem tragischen Ereignis die Gemüter. 40 Menschen kamen damals ums Leben, rund 120 wurden verwundet und die Stadt litt unter den unsäglichen Zerstörungen, welche die amerikanischen Flugzeuge mit ihren knapp 400 Bomben angerichtet hatten. Die Piloten kamen wegen Navigationsfehlern und schlechtem Wetter von ihrem ursprünglichen Ziel ab, die IG-Farben in Ludwigshafen zu bombardieren. Der Radar versagte, der Treibstoff ging zur Neige und die blutjungen Piloten suchten ein „Target of Opportunity“, um ihre Fracht loszuwerden und schnellstmöglich zurück auf ihre Stützpunkte zu kommen. Doch das Gelegenheitsziel war nicht – wie fälschlicherweise angenommen – Süddeutschland, sondern Schaffhausen. Die Lage jenseits des Rheins und die Wolkendecke, die genau über der Munotstadt eine Lücke für die Flugzeuge bot, wurden zum Verhängnis. Am Mittwochabend erklärte Historiker Dr. Matthias Wipf den zahlreichen Gästen, was sich in diesem tragischen Frühling damals abspielte. „Nach bis dahin schon knapp 300 Fehlalarmen empfand man die amerikanischen Flugzeuge eher als Spektakel, sprang an die Fenster und ging kaum noch in die vorgesehenen Luftschutzbunker.“ Auch später grossflächig aufgemalte Schweizerkreuze boten keinen Schutz, denn bereits ab 3000 Metern Höhe waren diese nicht mehr erkennbar. Und es hätte wohl auch wenig genützt: „I saw some crosses. What are they?“, soll ein internierter amerikanischer Pilot zu Protokoll gegeben haben. Ein leichtes Raunen ging durch den Vortragssaal des Museums zu Allerheiligen und jemand flüsterte den Namen Donald Trump.

Doch während letztgenannter das 75-jährige Jubiläum des D-Days und den damit verbundenen Startschuss zur Befreiung Westeuropas feierte, schauen die Schaffhauser mit schweren Herzen auf das Jahr 1944 zurück. Die Spreng- und Brandbomben trafen nicht nur den Bahnhof, die Region Beckenstube und Mühlenen, sondern viele weitere Gebäude. Darunter das Museum zu Allerheiligen und das erst vor kurzem eröffnete Naturhistorische Museum. Nicht nur zahlreiche Bilder und Porträts wurden ein Raub der Flammen, sondern auch schöne Exponate und zahlreiche, unersetzbare Kategorisierungszettel. Bei den Rettungsarbeiten der Kunstschätze stand die Feuerwehr im Dilemma: Denn das Löschwasser verschlimmerte teilweise die Zerstörung. Was genau erhalten und restauriert werden konnte, zeigt noch bis zum Oktober eine spannende Ausstellung im Museum zu Allerheiligen unter dem Titel „Kunst aus Trümmern“. Matthias Wipf, der unlängst sein Standardwerk “Die Bombardierung von Schaffhausen” vorgelegt hat, ist es zu verdanken, dass die tragischen Ereignisse von damals nun umfassend aufgearbeitet sind.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten” am 7. Juni 2019.