Ein Scherzkeks voller Energie

Komiker Massimo Rocchi massierte am Donnerstag im Stadttheater mit seinem Programm „6zig“ die Lachmuskeln der Gäste.

„Ich bin schon seit eineinhalb Jahren 60“, begrüsste Massimo Rocchi die Gäste im Stadttheater. Gefolgt von einer dramatischen Pause. Zu Beginn ärgerte er sich über die Post, welche er an seinem Jubiläumstag bekommen hatte. Die Rheumaliga und diverse Altersheime meldeten sich. Und nicht zuletzt bekam er seine AHV-Einschätzung, welcher ein Flyer für einen thailändischen Sprachkurs beigelegt war. Er witzelte über sein Aussehen und dachte laut über eine Schönheitsoperation nach. Als er die Erfolgsaussichten aber mit jener von einem südeuropäischen, ehemaligen Politiker verglich, lehnte er dankend ab. Er brauchte den Namen Berlusconi nicht zu erwähnen, denn die Gäste hatten verstanden und kugelten sich vor Lachen. Rocchi erzählte von seinem Werdegang und seiner Jugend. Ein dramatischer Schauspieler habe er werden wollen, doch sei er leider gescheitert. „Wie will man traurige Stücke spielen, wenn die Zuschauer ständig lachen?“ Der Schweizer Komiker mit italienischen Wurzeln bediente auch gerne die Klischees, welche wir über Italien haben. Bei seinem biographischen Streifzug erklärte er, wie er zwischen Nonna und Nonno im Bett übernachtete und beinahe einen Hitzeschlag bekam, obwohl die Heizung kaputt war. Er schilderte, wie ihn ein Familienausflug in einem Fiat mit acht Insassen die letzten Nerven kostete und einer beweglichen Biosauna glich. Nicht zuletzt sprach er auch über die perfekte Zubereitung von Spaghetti. Eine Prise Erotik durfte dabei nicht fehlen. „Man darf sie nicht zu lange im Wasser lassen. Sie haben danach ein Date mit einer scharfen Tomatensauce“, erklärte der Komiker. Neben seinen humorvollen Geschichten überzeugte der Künstler durch seine szenischen Pantomimeneinlagen. Perfekt imitierte er eine Yoga-Lehrerin, ein Kamel oder einen Dirigenten, der Streit mit seinem Starsänger hatte. Man merkte sofort, dass Massimo Rocchi ein Comedy-Veteran ist. Ein Blick in seine Biographie verrät, dass er ausgebildeter Pantomime ist und seit Jahrzehnten im Auftrag des Humors durch die Welt tingelt. Der Scherzkeks hat eine unglaubliche Energie und schafft es, Emotionen an die Zuschauer weiterzugeben. Nach seiner Biographie gerieten die SBB ins Visier: Mit seinen spitzzüngigen Bemerkungen zu den Infotafeln im Zug massierte er die Lachmuskeln der Zuschauer mit der Intensität einer Amok gelaufenen Brotknetmaschine. Er war nun bei den Sprachen angelangt und zog über die dazugehörigen Nationen her. „Die Italiener sind klug, ausser wenn sie wählen gehen“, so Rocchi. „Wenn die Queen spazieren geht, sieht es so aus, als ob sie im Tiefschnee Skifahren will, und ihre Stöcke vergessen hat.“ Im Stadttheater durfte zwei Stunden herzhaft gelacht werden. Geht es nach den Zuschauern, so darf und muss Massimo Rocchi gerne weitere 60 Jahre für Lacher am Laufmeter sorgen.

Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten” am 17. November 2018.

“Ehrenmann” bzw. “Ehrenfrau” ist Jugendwort des Jahres 2018

Eine 21-köpfige Jury hat das “Jugendwort des Jahres” 2018 gewählt: Es lautet “Ehrenmann” beziehungsweise “Ehrenfrau”. So werde jemand bezeichnet, der etwas Besonderes für einen tut, erklärte der Langenscheidt-Verlag am Freitag in München. Verhält man sich also wie eine echte Lady oder wie ein echter Gentleman, so ist man in den Augen der Jugendlichen ein Ehrenmann oder eine Ehrenfrau. Die Jury bestand in diesem Jahr unter anderem aus Journalisten, Bloggern, Schülern und einem Polizeikommissar aus Berlin-Kreuzberg.

Juror Oliver Bach, Literaturwissenschaftler an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität, sagte über “Ehrenmann/Ehrenfrau”: “Die Jugendsprache hat dieses Wort wiederentdeckt. Zur Zeit meines Opas war der Ausdruck auf höhere, männliche Gesellschaftsschichten beschränkt. Diese Grenze ist nun gefallen.“ Der 18 Jahre alte Youtuber Fabian Grischkat sagte: “Ich freue mich besonders über das Wort, da es in Zeiten von Hass und Hetze ein positives Zeichen setzt. Jeder Mensch, der eine gute Tat vollbringt, darf sich ab heute mit dem offiziellen Jugendwort schmücken!” Bei einer vorangegangenen, unverbindlichen Online-Abstimmung war Ehrenmann/Ehrenfrau” auf dem dritten Platz gelandet. Seit Ende August bis zur Wahl am 13. November standen 30 Begriffe zur Auswahl, die zeigen sollen, wie Jugendliche heute reden. In der Auswahl stand auch das sehr häufig verwendete Wort „Lauch“. Es bezeichnet einen Trottel bzw. jemand, der laut der Jury „unmuskulös“ ist.

Lauch hatte leider von Anfang an keine Chance, denn Beleidigungen und Schimpfwörter werden aus Prinzip nicht zum Jugendwort erkoren. Der Langenscheidt möchte mit der Wahl die Kreativität der Sprache zeigen und ein positives Signal senden, heisst es immer wieder vom Organisator der Wahl. Da passen negative Begriffe natürlich nicht ins Bild. Der Favorit der rund 1,5 Millionen Teilnehmer des Online-Votings war “verbuggt” – für etwas, das voller Fehler ist. Ebenfalls viele Stimmen erhielt der Begriff „Breiern“. Der Ausdruck soll den Zustand erklären, wenn jemand erbricht und trotzdem weiterfeiert. „Besti“ für beste Freundin, „Borderitis“ als Allergie gegen Grenzen und „Axelfasching“ für Achselhaare schafften es auch auf die Liste. „Auf deinen Nacken“, ein Ausdruck für „Du zahlst“ oder „Boyfriend-Material“ für jemanden, der sich für eine Beziehung eignet, sind weitere kreative Wortkreationen, welche eingereicht wurden. Man könnte die Liste noch seitenlang fortsetzen. Da stand beispielsweise auch „glucosehaltig“ für süss, „Ich küss dein Auge“ für jemanden, den man gerne hat, „lan“ für krass, „wack“ für langweilig oder „lit“ für cool bzw. „Lituation“ für eine coole Situation. Ein „Appler“ prahlt gerne mit seinem iPhone, ein „Gymkie“ (Kombination aus Gym und Junky) ist jemand, der zu oft in der Muckibude trainiert. Ein „Snackosaurus“ ist ein verfressener Mensch“ Der ist gerade voll am „Ranten“ heisst so viel wie ausrasten. Beim „Chinning“ schiesst man ein Selfie, auf welchem man ein Doppelkinn imitiert. Schaust du zu lange in den Bildschirm, dann hast du vielleicht einen „Screenitus“. Wer sich in der Nacht in die Decke einrollt, der ist ein „Einwraper“.“Sheeesh“ ist ein Ausdruck des Erstaunens. Echt jetzt? Wirklich? Ja! Und zu guter Letzt sei noch auf die Ausdrücke „zuckerbergen“ und „Lmgtfy“ hingewiesen. Das erste heisst so viel wie „stalken“, der zweite Ausdruck ist die Abkürzung für „Let me google that for you“. Verwendet wird er, wenn jemand eine unnötige Frage stellt, die auch Google beantworten kann.

Die Kriterien für die Top 30 sind laut Verlag Originalität, Kreativität, Verbreitung sowie kulturelle, gesellschaftliche und zukünftige Relevanz. Die Jury musste sich dann für eines der zehn beliebtesten Wörter aus dem Online-Voting entscheiden. 2017 hatte der Ausdruck “I bims” gewonnen, ein Synonym für “Ich bin” und “Ich bin’s”. Seit 2008 wird jährlich ein Jugendwort bestimmt. Da die Wahl eine Werbeaktion des Langscheidt-Verlages für sein Jugendsprache-Buch ist, wird häufig diskutiert, ob das gewählte Wort wirklich dem Sprachgebrauch von Jugendlichen entspricht. Ziemlich verbuggt, denn schliesslich arbeiten bei Langenscheidt viele Ehrenmänner und Ehrenfrauen. Und falls du mehr wissen willst: Lmgtfy!

Von Hermann-Luc Hardmeier. Verfasst am 18. November 2018.

Vom Dorfpfarrer mit der Teufelsaustreibung bedroht

Die Komikerin Chrissi Sokoll unterhielt das Haberhaus am Freitagabend mit viel Humor und gekonnten Gesangseinlagen. Von Hermann-Luc Hardmeier.

Frau. Mutter. Rampensau. Wenn Chrissi Sokoll die Bühne betritt, dann werden alle Klischees in den Mixer geworfen und kräftig durchgeschüttelt. Das ist Comedy mit dem Bügeleisen und frisch geföhnter Humor mit Tiefgang. Der Abend startete mit einer dreiköpfigen Band, die aber nach nur wenigen Akkorden abgewürgt wurde. „Ich muss euch leider ein Geständnis machen“, erzählte Crhissi Sokoll kreidebleich vor Scham: „Ich bin eine Deutsche!“ Empört und entrüstet erhoben sich die Bandmitglieder und verliessen die Bühne.

Pointen-Karussell

Wenig später kehrten sie jedoch zurück, denn ihnen wurde bewusst, dass keiner von ihnen ein makelloser Kuhschweizer aus dem Appenzeller Land war. Sie waren nicht diejenigen, die seit geraumer Zeit Uwe Ochsenknecht das Rezept der geheimen Würzmischung vorenthielten. Und schon befand man sich mitten im Pointen-Karussell von Chrissi Sokoll. Sie erzählte zunächst von ihrem Mann. Einem gemütlichen Italiener, genauer gesagt einem Sizilianer. Noch genauer gesagt einem südländischen Alfa Romeo auf zwei Beinen. „Wenn ich jeweils bei seinen Verwandten zu Besuch bin, dann wird nach Herzenslust gegessen. Und wehe man weigert sich, dann holen sie den Dorfpfarrer für eine Teufelsaustreibung“, erklärte sie blumig und wortreich. Sie lüftete auch das Geheimnis, warum Italiener von dem vielen Essen nicht dick werden: „Sie brauchen vermutlich extrem viele Kalorien beim Sprechen.“ Die Pointen und Gags wurden immer wieder durchbrochen von Songs und Liedern der Protagonistin. Der Gesang begannen meist schön, kippten dann aber ins Dramatische, Skurrile und ironisch Boshafte. Ein Beispiel gefällig? Chrissi Sokoll starte ein Liebeslied, bei welchem sie einen Zuschauer anhimmelte und seine Vorzüge pries. Mit neckischem Wimpernaufschlag und süss säuselnder Stimme flirtete sie mit ihm. Plötzlich kippte die Stimmung. Sie vermutete böse Absichten, steigerte sich in einen cholerischen Zorn und machte schliesslich Schluss mit dem armen Herrn in der ersten Reihe.

Nacktwandern aus Frust

Schlussmachen, ein passendes Thema. Die Komikerin erzählte von ihrer Single-Zeit kurz nach ihrer Scheidung, noch bevor sie den sympathischen Sizilianer kennen lernte. Als Single in den frühen Dreissigern musste sie ihre Ansprüche tiefstapeln. „Treu? Sportlich? Fehlanzeige! Hauptsache er hat noch Haare.“ Doch die Männer ticken ganz ähnlich: Sexy? Klug? Fehlanzeige! Hauptsache sie nervt nicht.“ Aus Frust ging sie ins Tirol zum Nacktwandern, ins Tessin zum Töpfern und schliesslich in die Ferien nach Sri Lanka. Dumm nur, dass sie eine ganze Woche vor Ferienbeginn im Hotel weilte und der einzige Gast war – abgesehen von einer streitsüchtigen Blockflötenlehrerin . Aus Kummer betrank sie sich mit Abführmittel-Tee. Keine gute Idee. Sie sang, erzählte, unterhielt. Die Künstlerin wurde nicht müde und hatte die Lacher im Haberhaus auf ihrer Seite. Jeder wollte wissen, wie ihre Lebensgeschichte weiterging und alle Anwesenden freuten sich über jedes noch so skurrile Detail, welches aufs Köstlichste ausgeschlachtet wurde. Als Chrissi Sokol schliesslich über die Begegnung mit der Familie ihres späteren sizilianischen Ehemanns berichtete, war einer der Höhepunkte des Abends erreicht. Leider war sie nach zwei Wochen Beziehung schwanger geworden. „Die Familie schaute mich an, als hätte Eros Ramazzotti die Kanzlerin Angela Merkel geschwängert.“ Der Saal kugelte sich vor Lachen. Chrissi Sokoll hatte die Herzen der Haberhaus-Besucher für sich gewonnen. Ohne Frage, sie ist eine Rampensau. Aber eine mit Charme und einer Lastwagenladung voll Humor.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten” am 5. November 2018.

Hüftschwung mit den Ska-Legenden

Die Ska-Legenden „The Skatalites“ sorgten am Freitag in der Kammgarn für Tanzstimmung und eine Überraschung. Ein Konzertbericht von Hermann-Luc Hardmeier.

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Bild: Die Skatalites rockten Schaffhausen. (Foto: Phillip Schmanau, Bericht: Hermann-Luc Hardmeier)

Was haben Dinosaurier, Festnetztelefone und Birkenstocksandahlen gemeinsam? Richtig! Sie sind ausgestorben oder man wünschte sich zumindest, dass sie ausgestorben wären. Ganz im Gegenteil zu den Skatalites, die seit über 50 Jahren die Welt mit Musik bereichern und keine Anzeichen dafür sprechen, dass sich dies demnächst ändern wird. Am Freitagabend betrat die Formation aus Jamaika die Bühne und für eingefleischte Ska-Fans war dies alleine schon eine kleine Sensation. Denn die Skatalites gelten als Erfinder der Ska-Musik und werden je nach Quelle auch als deren Namensgeber genannt. Das Warm-Up für die karibischen Urgesteine machte die Thurgauer Band „Jar“. Die fünf Musiker sorgten mit warmen Klängen für eine rasche Gletscherschmelze auf der Tanzfläche. Wie aus dem nichts war der eben noch fast leere Raum gefüllt und viele nutzten die Gelegenheit, das Tanzbein zu schwingen. Die fünf Musiker starteten mit gemütlichem Rocksteady und zogen danach das Tempo an.

Bunte Gästeschar

Nicht weniger farbenfroh als die Musik waren auch die knapp 300 Gäste des Abends. In den vordersten Reihen sah man viele junge Reggaefans mit Dreadlocks, aber auch Pärchen mittleren Alters mit T-Shirts in den Jamaikafarben. Schaffhausen hatte früher eine sehr lebendige Ska-Band-Szene. Scaramanga, Plenty Enuff und viele weitere bereicherten die Ohren der Munotstadt. Kaum verwunderlich, dass auch einige der ehemaligen Musiker den Abend vor Ort genossen. „Es ist genial, fast schon eine kleine Zeitreise“, sagte ein ehemaliges Mitglied der Formation Pete Bamboo.

Prosit mit den Gästen

Ganz in blauem Licht mit weissen Schneeflocken durchsetzt näherte sich auf der Bühne der Auftritt von Jar dem Höhepunkt. Der äusserst gut gelaunte Sänger prostete kollektiv mit den Besuchern an und verkündete: „Wir sind heute hierhergekommen, um Musik und Liebe zu feiern.“ Die Combo hat über 10 Jahre Bühnenerfahrung und stand bereits mit Grössen wie The Aggrolites, Keith & Tex oder The Upsessions zusammen auf den Brettern. Nach der Aufforderung „Kammgarn, schwingt eure Hüften“, legte der Bandleader gleich selber ein Tänzchen aufs Parket.

Posieren mit der 007-Pistole

10, 9, 8, 7, 6 … Die Skatalites zählten kollektiv mit den Gästen den Countdown zum Konzertbeginn. Bei null riefen alle im Chor „Freedom“ und das Feuerwerk wurde gezündet. Es gab kein Halten mehr, alle setzten ihre Tanzschuhe in Bewegung. Es sah so aus, als wäre ein Ameisenhaufen unter Starkstrom gesetzt. Es brach allerdings keine Hektik, sondern eher eine gemütliche Euphorie aus. Schon beim 2. Song erklang einer der Klassiker der Band. Die Ska-Version der 007-Titelmelodie. Viele im Publikum posierten demonstrativ mit einer aus Daumen und Zeigefinger geformten James-Bond-Pistole und schossen geräuschvoll in die Luft.

Gründungsmitglied taucht auf

Sehr zentral für die Skatalites ist die dreiköpfige Bläserfraktion. The Skatalites ist in erster Linie eine instrumentale Band, welche nicht nur packende Melodien spielt, sondern auch viel Platz für Solos der einzelnen Künstler lässt. Die Musik hatte zwischendurch sogar etwas Hypnotisches. Die Gäste konnten sich in Trance tanzen und gedanklich an die schönen Strände von Jamaika schweben. Die Sonne schien dabei nicht auf die Haut, sondern in die Herzen der Zuhörer. Nachdem Hits wie „Rock Fort Rock“ oder „Latin goes Ska“ erklungen waren, gab es sodann eine schöne Überraschung. Sängerin und Gründungsmitglied Doreen Schaffer betrat die Bühne. „Schaffhausen, how are you doing? It’s a pleasure tob e here“, freute sich die Jamaikanerin. Mit ihrer Leidenschaft am Mikrophon machte sie schnell klar: The Skatalites sind noch lange nicht müde. Es wurde ausgelassen gefeiert und der Abend schliesslich mit einer Afterparty mit DJ Doublechin und den Bababoom Allstar DJs passend abgerundet.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten” am 22. Oktober 2018.

Schweizermeisterschaft im Supermoto: Auf der Zielgeraden schenken sich die Fahrer nichts

Beim 10-Jahr-Jubiläum des Supermoto in Ramsen gab es spannende
Wettkämpfe und eine spektakuläre Neuerung. Ein Sportbericht von Hermann-Luc Hardmeier.

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Foto: Heisse Kopf-an-Kopf-Rennen prägten das Supermoto 2018. (Bild: Phillip Schmanau, Bericht: Hermann-Luc Hardmeier)

RAMSEN. Lautes Brummen der Motoren, aufwirbelnder Staub und der Geruch von Benzin und Motorenöl in der Luft: Einmal im Jahr herrscht in Ramsen Ausnahmezustand auf dem Supermoto-Gelände.Zwei Tage lang duellierten sich die Fahrer in allen Kategorien. Beim
Kidz-Race war die jüngste Fahrerin fünf Jahre alt und kurvte in herziger Gemütlichkeit
und bereits mit viel Geschick über das hügelige Gelände. Am Sonntagnachmittag fand die Schweizer Meisterschaft in allen Kategorien statt. Hier zeigten die erfahrensten Piloten ihr Können. «Wir haben uns für das Jubiläum etwas Spezielles ausgedacht», sagte
OK-Präsident Marcel Rymann erfreut. Am Freitag- und Samstagabend fand nämlich ein sogenanntes Drag-Race statt. Dies ist ein Rennen auf einer geraden Strecke von 65 Metern. Dabei treten bei Einbruch der Dunkelheit mit Fackeln im Ziel jeweils zwei Fahrer gegeneinander an. Es herrscht das K.-o.- System. Das heisst: Nur der Gewinner
kommt weiter. Am Freitagabend durften private Besucher mit ihren Maschinen
antreten. Knapp 40 Personen nutzten die Gelegenheit.

Am Samstagabend wollten dann die Profis unter sich den Sieger ausmachen.
Die Besucher feuerten ihre Favoriten an. Im Anschluss legte ein DJ im vollen
Festzelt Partyhits auf. «Das Supermoto ist schon lange nicht mehr nur ein Rennen
», erklärte Rymann. «Der Event hat Züge eines Volksfestes angenommen,
was uns natürlich freut.» Auf der Strecke gab es packende Zweikämpfe, Drift-Einlagen
und waghalsige Shows der Piloten zu sehen. Die gesamte Etappe war kurvenreich
und anspruchsvoll. 20 Prozent des Geländes bestand aus Schotterabschnitten.
Für Unterhaltung sorgte auch die Barriere, welche das Festzelt und den Rest
des Geländes trennte. Während der Rennfahrten war es nicht gestattet, die Strecke
zu überqueren. Wer also eine Bratwurst oder einen leckeren Hamburger wollte,
musste sorgfältig den Rennplan studieren, um pünktlich vor Ort zu sein.
Der Anlass war dank den 150 Helfern und der guten Organisation ein voller
Erfolg. «Am Event selbst sieht das immer so einfach aus», erklärte Marcel
Rymann. «Es gibt viele Herausforderungen wie die Absprache mit den Landbesitzern
und den Anwohnern, die vielen Sicherheitsauflagen, die wir erfüllen müssen und wollen, und, und, und.»

Knapp 6000 Besucher wollten die Rennmaschinen und die Schweizer
Meisterschaft am Sonntag sehen. Seit dem Bestehen des Supermoto gab es
glücklicherweise nie ernsthafte Verletzungen, was sich auch dieses Jahr nicht
änderte. Schweizer Meister in der Prestigeklasse wurde Philippe Dupasquier,
gefolgt von Jannik Hintz auf dem zweiten Rang und Patrick Tellenbach mit der
Bronzemedaille.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten” am 1. Oktober 2018.

Dem Zorn eine Stimme gegeben

Die Band Knöppel trat am Freitag laut fluchend vor vollen Rängen in der Kammgarn Schaffhausen auf. Ein Konzertbericht von Hermann-Luc Hardmeier.

Jack Stoiker sieht zwar harmlos aus, doch seine Wortwahl haut den Zuhörer vom Hocker. Wenn seine Band Knöppel aus dem Autoradio beim Vorbeifahren dudelt, dann springen Rentner zur Seite, Zahnärzte schliessen die Fenster ihrer Praxen und Mamis halten ihren Kindern am Strassenrand verzweifelt die Ohren zu. In den Liedern wird derart deftig geflucht, dass Adolph Freiherr Knigge im Grab am liebsten gleich einen Salto gemacht hätte. Beleidigungen, Manipulationen am Unterleib, Fäkalien und unzüchtige Wörtchen aller Arten unterhielten die Kammgarnbesucher am Freitagabend knapp drei Stunden lang. Eigentlich erstaunlich, denn Jack Stoiker alias Daniel Mittag wirkt auf den ersten Blick nicht so, als sässe eine betrunkene Seeräuberbande auf seinen Stimmbändern. Er arbeitet als Wirtschaftsinformatiker, ist Politiker bei Grünen in Fribourg und Familienvater mit Jahrgang 1973. Wie passt dieses „gesittete“ Leben mit diesen vulgären Texten zusammen? Es muss eine Art Ventil sein. Auf der Bühne will er «die Sau rauslassen», wie er selber sagt. Zudem verweist er auf amerikanische Raptexte, bei welchen das F-Wort nonstop fallen würde. Im Vergleich dazu sind Jack Stoikers Texte eigentlich nur Durchschnitt. Den Kammgarnbesuchern gefiel es enorm. Der Duden wurde mit dem Mähdrescher überfahren, der verbale Anstand ausgepeitscht und der Sittenwächter schüttete sich Aromat in die Augen, damit er nicht hinsehen konnte. Aber: Jeder von uns flucht im Alltag. Sei es wegen der Steuerrechnung, dem Tritt in ein Hundehäufchen oder wegen der langsamen Supermarkt-Kassiererin. Knöppel gibt unserem Zorn eine Stimme. Vielleicht ist es genau das, was den Reiz dieser Band ausmacht: Knöppel ist ehrlich. Und das ist gut so.

Von Hermann-Luc Hardmeier, erschienen in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten” am 8. Oktober 2018.

Lara Stoll hat nicht Schmetterlinge, sondern Zahnärzte im Bauch

Die Poetryslammerin Lara Stoll eröffnete am Freitag die Schauwerk-Saison in der Kammgarn mit humorvollen und teilweise grotesken Geschichten. Von Hermann-Luc Hardmeier.

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Foto: Evelyn Kutschera. Bericht: Hermann-Luc Hardmeier.

„Nein, ich bin nicht diejenige mit dem Alphorn!“ Mit viel Selbstironie, Humor und geschliffenen Texten begrüsste Lara Stoll die Gäste. Die Spannung war gross, denn die Künstlerin hat auf dieser Bühne schon so einiges ausprobiert. Einmal donnerte sie mit einem Mini-Traktor eine Rampe hinunter und bei ihrer letzten Kammgarn-Show hatte sie sogar ein 30er-Töffli gesattelt, mit welchem sie unter lautem Lärm und nebliger Auspuffwolke vor den Gästen herumdüste. Gibt man auf Youtube ihren Namen ein, so erscheinen Slam-Texte mit Titeln wie „Furz“, „Deine Mutter“ oder „Weshalb ich manchmal gerne ein John Deere Traktor 7810 wäre“. Und auch diesmal liess sich die Dame mit den absurden Ideen und der lockeren Zunge so einiges einfallen. Bereits beim ersten ihrer Texte trafen Uriella, der Scheitel von Gilbert Gress und ein T-Shirt mit handbedruckten Doris-Leuthard-Gotthard-Tunnel-Löcher aufeinander. Die kurzen Slam-Texte waren amüsant, gut komponiert und immer wieder unglaublich temporeich. Lara Stoll liess die Besucher oft an ihrem Leben teilhaben. Man erfuhr, dass ihr Freund im Gegensatz zu ihr nicht Programmhefte von politischen Parteien lesen muss, um einschlafen zu können, dass sie 1999 ein Fleischkäse-Sandwich einen Sommer lang als unfreiwilliges Biologie-Langzeitprojekt in ihrem Schulrucksack dahinvegetieren liess und dass sie eine geradezu panische Angst vor Schmetterlingen habe. „Alleine schon der Ausdruck „Schmetterlinge im Bauch“ klingt für mich pervers“, erklärte sie. Da könnte man gerade so gut sagen „Spinnen im Bauch“ oder „Zahnärzte im Bauch“.

Mutter in der Cloud

In einer ihrer Geschichten hat sie ihre Mutter digital überflügelt. Während Lara Stoll sich noch erinnert, wie sie ihrer lieben Mama die Handytaschenlampe erklärte, hat sich ihre Mutter schon längst selber in die Cloud hochgeladen. Man erfuhr auch, warum Zahnärzte Eier legen, um sich fortzupflanzen. Danach gab es eine musikalische Einlage mit der Gitarre: Lara Stoll spielte zunächst ein „nettes Lied“, das aber nicht schön sei, und danach ein „schönes Lied“, das aber nicht nett sei. Während beim 1. Song alle Katzenmusiker der Welt Saltos in den Ohren der Zuhörer sprangen, dominierte im zweiten Lied das Wort „Kacke“. Und als wäre das noch nicht genug, ergänzte sie danach: „Ich möchte mich noch dafür entschuldigen, dass ich in den Song Tennisspielerin Martina Hingis nicht eingebaut habe.“ Zum Schluss gestand Lara Stoll mit einem Augenzwinkern: „Ich beneide Helene Fischer. Ich würde bei meinen Aufritten auch gerne mit BHs und Kafirahmdeckeli beworfen werden.“ Sie endete mit einem grässlich-schönen Lied mit dem Titel „Wasabi im Herdöpfelstock“. Lara Stoll hat das Publikum intelligent und witzig unterhalten. Damit ist den Organisatoren vom Schauwerk ein perfekter Einstieg in die neue Saison geglückt.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten” am 3. September 2018.

Ein musikalisches Erdbeben auf dem Kammgarn-Hof

Palko!Muski und vier weitere Bands sorgten am Hoffest der Kammgarn für Grossandrang und Tanzstimmung. Ein Konzertbericht von Hermann-Luc Hardmeier.

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Foto: Selwyn Hoffmann. Bericht: Hermann-Luc Hardmeier.

„Leckeres Bier und gute Musik, es ist einfach gemütlich hier“, freute sich Besucher Lorenz Keller am Hoffest der Kammgarn. Schätzungsweise 1800 Besucher feierten trotz Kälte die Saisoneröffnung des Kulturlokals auf dem Parkplatz vor der Eventhalle. „Die Veranstaltung ist unser Dankeschön an die Gäste“, erklärte Claudio Keller vom Kammgarnteam die Idee des Anlasses. „Der Eintritt ist gratis und soll musikalisch unsere Vielfältigkeit zeigen. Zudem hoffen wir natürlich, dass der Funke auf der Tanzfläche springt.“ Im Verlaufe des Abends sollte er tatsächlich nicht nur springen, sondern doppelte und dreifache Rückwärtssaltos vollführen. Doch der Reihe nach. Um 17.30 Uhr begann alles ganz gemütlich auf der Terrasse der Kammgarnbeiz. Die Ein-Frau-Band Monzoo aus Schaffhausen eröffnete mit gemütlichen Songs und humorvollen Texten die Veranstaltung. Es folgte das Duo Quiet Island aus Genf, ebenfalls auf der Terrasse. Zwischendurch gab es Nieselregen. Die Besucher trudelten langsam ein und liessen sich von der Nässe und Kälte nicht abschrecken. In der Beiz hatte es eine behagliche Chai-Tee-Lounge mit bequemen Sofas, auf dem Kammgarnhof lockte ein sehr breites kulinarisches Angebot. Deftige Hamburger, das berühmte Tschannen-Risotto, würziges Gulasch, Lunas süsse Crêpes, exotische Momos, delikate Thai-Moving-Noodles und, und, und. Doch nicht nur für den Hunger, sondern auch für den Durst gab es Schmackhaftes. Sieben lokale Bierbrauer hatten einen Stand, an welchem man Gerstensaft aus Heimproduktion verkosten konnte. „Wir produzieren etwa 1000 Liter pro Jahr und es ist natürlich ein Highlight, dass wir heute der Öffentlichkeit unsere Schätze zeigen können“, sagte Toni „Manitou Thön“ Kraner. Er stellt mit seinen Kollegen unter anderem das „Rhyale“ her, das sie scherzhaft auch „Rhyalge“ nennen. Auf der Bühne machte sich mittlerweile die Formation Quince aus Schaffhausen bereit. „Das OK hat dafür gesorgt, dass es nicht mehr regnet. Also bitte kommt näher zur Bühne!“, pries Moderator Simon Sepan die Band an. Die Musik begeisterte und die ersten Tanzbeine knickten nonchalant im Takt. Auf dem Festgelände zirkulierten derweil Mitglieder der Afghanistanhilfe Schaffhausen, welchen man das Becher-Depot spenden konnte. Einige von ihnen hatten einen Eimer mit Mini-Basketballkorb dabei, damit der soziale Akt mit einer sportlichen Herausforderung kombiniert werden konnte. Der Kammgarnhof füllte sich mehr und mehr. Es dunkelte ein und die Combo Panda Lux aus St.Gallen sorgte nun für gute Stimmung. Der Pop-Rock der vier Musiker eroberte auch die Herzen der elegantesten Damen und coolsten Hipster im Publikum. Nun war die perfekte Betriebstemperatur erreicht, um den Knüller der Veranstaltung zu empfangen. Auf dem Kammgarnhof gab es fast kein Durchkommen mehr, als die Schaffhauser/Zürcher Band Palko!Muski die Bühne betrat. Die fünf Musiker kombinierten Gipsy Polka mit englischen Texten, die mit dem Akzent eines angetrunkenen russischen Seemanns gesungen wurden. Ganz bewusst raubeinig und elektrisierend zugleich. Das musikalische Erdbeben riss die Besucher mit. Es wurde getanzt, gefeiert und die Refrains aus vollen Kehlen mitgesungen. Der Sänger Baptiste Beleffi zog wie immer alle Register: Er sprang und turnte auf der Bühne, liess die Besucher auf den Boden kauern und ekstatisch auf Kommando in die Höhe springen. Er setzte zum Stagediving an und schlussendlich zeigte er dem Publikum seinen nackten Hintern. Die Partytiger verteilten sich im Anschluss an dieses Feuerwerk auf die Afterpartys. Im neuen Flügelwest drehten unter anderem die Chiesgrueb-DJs mit 80s und 90s an den Turntables. Im TapTab wurde elektronisch gefeiert und in der Kammgarnhalle heizte das Nightrider Soundsystem die Hitparade durch die Boxen. Keine Frage: Der Saisonstart der Kammgarn ist geglückt und hat Hunderten von Besuchern einen grossartigen Abend bereitet.

Erschienen in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten” am Montag, 27. August 2018.

Dank einer Handyvorwahl vom Herrenacker zum Partyacker

Lo & Leduc brachten gestern lastwagenweise gute Laune und Tanzstimmung ans «Stars in Town». Eine Konzertkritik von Hermann-Luc Hardmeier.

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Bild: Lo & Leduc am Stars in Town 2018. (Foto: Selwyn Hoffmann, Bericht: Hermann-Luc Hardmeier)

«079 het sie gseit» und «Per favore», so klang es gestern Abend aus über 6500 Kehlen auf dem ausverkauften Herrenacker. Die Chartstürmer aus Bern namens Lo & Leduc feuerten einen Hit nach dem anderen aus ihrem musikalischen Maschinengewehr. «Sie sind besser als ‹Despacito› und besser als Ed Sheeran!», kündigte Moderator Alex Blunschi die Formation vollmundig an. Wer bei Konzertbeginn noch nach vorn an die Bühne wollte, hatte Pech. Es gab kein Durchkommen mehr, als die zwei Frontmänner loslegten. Sie wurden flankiert von einer achtköpfigen Band und einer stimmgewaltigen Backgroundsängerin. In der Munotstadt sind sie zudem nicht unbekannt. 2015
spielten sie bereits am «Stars in Town», und im vergangenen Dezember beehrten sie die Kammgarn. «Es ist ein Glücksfall, dass wir sie buchen konnten. Sie passen perfekt ins Programm», freute sich Mediensprecherin Nora Fuchs. Lo & Leduc spielten Popmusik, mischten diese mit Latino, Reggae, Hip-Hop und weiteren Elementen.Die Gute-Laune-Musik steckte an. Überall schwangen die Hüften und die Hände. Vor der Bühne, auf der VIP-Terrasse, in den offenen Fenster der Anwohner und selbst die Ameisen auf dem Platz schienen im Takt zu krabbeln. «O mein Gott, es ist so geil hier», freute sich Rapper Lo, bevor er eine kräftige Freestyle-Session einläutete. Und das ging so: Die Besucher riefen den Künstlern Begriffe zu, welche sie in den Raptext einbauen sollten.
«Hörnlisalat», «T-Shirt», «Tiramisu», «Bürzi» und weitere Kuriositäten galt es
einzubetten. Lo machte das so genial, dass Leduc kleinlaut murrte: «Nach so einer Show
komme ich mir immer ein wenig unspontan vor.»

hardmeier+luc+lo+leduc

Diabolisches Licht und Hüpfbefehl
Doch im diabolisch roten Licht startete er nun den Hit «Jung verdammt», bei welchem
die Textzeile «Rotes Chleid» so lautstark mitgesungen wurde, dass der Munot erzitterte.
Die zwei baten nun alle Besucher niederzuknien. «Die Stadtverwaltung hat gesagt, der
Platz sei schräg, wir müssen ihn nun geradestampfen », forderte Leduc, und die Gäste
hüpften auf Befehl kräftig auf und nieder. Als am Schluss nun der Chartstürmer «079»
erklang, gab es kein Halten her. «Schaffhausen, es war magisch», freute sich Leduc. «Wir
kommen gern nächstes und jedes Jahr danach wieder.»

Erschienen in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten” am Samstag, 11. August 2018.