«Ich will das gängige Amerikabild ergänzen»

«10vor10»-Moderator Arthur Honegger stellte am Mittwochabend in Dachsen sein Buch «Ach, Amiland» vor. Zudem verriet er, warum Donald Trump nicht sein Lieblingspräsident ist. Von Hermann-Luc Hardmeier

hardmeier+honegger+arthur+10vor10

Bild: Arthur Honegger sorgte für Grossandrang in Dachsen und freute sich über die Kollekten-Box, welche in den USA-Farben angemalt war. (Foto: Hermann-Luc Hardmeier. Bericht: Hermann-Luc Hardmeier).

DACHSEN. Eine grosse USA-Flagge war über dem Klavier ausgebreitet und eine Zeichnung von einer Freiheitsstatue mit wehendem blondem Haar an die Wand gepinnt. Die Bibliothekarin hatte Bücher zum Thema Amerika aufgestellt. Darunter
in grossen Lettern «Feuer und Zorn» mit einem Bild von Donald Trump. Die
Aula in Dachsen war zum Bersten voll und bis auf den letzten Platz gefüllt mit knapp
250 Gästen. Alle wollten den langjährigen USA-Korrespondenten und SRF-Moderator
Arthur Honegger sehen. Wie würde er auftreten? Unter Jubel zur «10vor10»-Melodie wie ein Boxer in den Ring einlaufen oder mit der Hand auf dem Herzen die amerikanische Nationalhymne singen? Weit gefehlt. Locker, entspannt und
ohne die übliche Krawatte begrüsste der 40-Jährige die Gäste. Ganz ohne Tamtam.
«Ich bin ein bisschen überwältigt», sagte er erfreut. Weder Honegger noch Organisatoren der Bibliothekskommission hätten mit diesem Andrang gerechnet. «Streng genommen komme ich gerade aus Hawaii», sagte der Anchorman lächelnd und erklärte, dass er nun alle 50 Bundesstaaten besucht habe und gerade an der Vertonung einer USA-Dokumentation arbeite, die auf 3Sat ausgestrahlt werde.

Wenn der Baum brennt

Während seiner Zeit in den USA ist Arthur Honegger nicht nur zweifacher Familienvater geworden, sondern es sind auch gegen 30 000 Fotos entstanden. Für sein Buch «Ach, Amiland» hat er 200 davon ausgewählt. Geknipst hat er die Bilder in Zusammenarbeit mit seiner Frau, die Berufsfotografin ist. Die Fotos sind mit Texten von Arthur Honegger versehen, welche teilweise auch als Kolumnen in Zeitungen und auf seinem Blog erschienen sind.

«Wir Journalisten zeigen immer nur dann die Bäume, wenn sie krank sind oder wenn sie brennen. Für den Wald fehlt uns aber oft die Zeit.» Mit dieser Metapher erklärte
er, was sein Antrieb war, das Buch zu verfassen, und betonte: «Ich habe das
Bedürfnis, das gängige Amerikabild zu ergänzen.» Im journalistischen Tagesgeschäft
fehle dazu oft die Zeit. «Und auch Peter Düggeli kann ich das wegen der begrenzten
Sendezeit leider nicht erlauben», scherzte er über den USA-Korrespondenten
von «10vor10», der Honegger im Sommer 2015 abgelöst hat. Die Besucher sahen im Folgenden unter anderem Bilder von Barack Obama, der Freiheitsstatue, einem Kiosk in der U-Bahn und von einem Nationalpark. Arthur Honegger nahm sich viel Zeit, die
Entstehungsgeschichte der Fotos zu erklären, und umrahmte jedes seiner Bilder mit
einem seiner Texte. Man erfuhr, dass es bei der Amtseinführung des ersten schwarzen
US-Präsidenten so kalt war, dass sogar einem waschechten Davoser wie Honegger
die Zehen schlotterten. Er erzählte, wie er Trump das erste Mal live sah und dass
Journalisten den Anweisungen des Secret Service nicht zu widersprechen wagen.

Kritik an Trump

Schliesslich kam er zur zentralen Frage, die viele USA-Beobachter beschäftigt: Warum
haben die Amerikaner Trump gewählt? «Man wollte den Wandel. Es wurde
der Bruch gesucht», sagt Honegger. Seiner Meinung nach hat dies in den USA
Tradition. Bill Clinton brachte den jungen Schwung nach George Bush senior. Obama
versprach ein friedlicheres Amerika nach George Bush junior. «Als Kandidaten weckten
sie Hoffnungen, als Präsidenten sahen sie recht schnell alt aus.» Das zielte vor
allem gegen Obama. Doch der USA-Versteher hatte auch für Donald Trump wenig Schmeichelhaftes im Gepäck. «Trump ist kein Rechtspopulist. Er ist nicht einmal rechts und auch kein typischer Republikaner. Er ist einfach ein Demagoge. Er hat eine feindliche Übernahme der Partei gestartet und mit seinen Kommentaren über afrikanische Länder Äusserungen getätigt, die nicht nur rassistisch
sind, sondern auch unamerikanisch.»

Doch Trump war eigentlich nur am Rande ein Thema. Honegger erklärte leidenschaftlich, warum er die USA nach wie vor als faszinierend empfindet, und illustrierte mit seinen Fotos, dass es immer wieder neue Facetten zu entdecken gibt. «Was vermissen Sie seit Ihrer Rückkehr am meisten? », wollte ein Gast in der abschliessenden Fragerunde wissen. «Ganz klar die Lockerheit », antwortete Honegger. «Wenn meine Kinder im Zug laut sind, rümpfen die Schweizer die Nase. In den USA hingegen sagte jemand: ‹Wow, there is a little Broadway Star coming up.›» Diese Sprüche, der Smalltalk und sogar, dass sein Heimatland immer mit Schweden verwechselt werde, gefielen ihm. Gerne hätte man noch mehr solche Geschichten
und Einschätzungen gehört und vor allem noch mehr Bilder zu sehen bekommen. Doch der Abend endete kurz und knackig. Genau so,wie man es von «10vor10» gewohnt ist.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten” am 15. Februar 2019.

Die Geburt eines Roboterbabys auf der Bühne

Geistreich, amüsant und satirisch nahmen die Schauspieler im Stadttheater Schaffhausen beim «Bundesordner ’18» das vergangene Jahr auf die Schippe. Von Hermann-Luc Hardmeier.

«Wo ist der denn?», erkundigte sich Herr Schön zu Beginn der Vorstellung am Mittwoch im Stadttheater über den Verbleib des Bundesordners. «Digitalisiert!», so die lapidare Antwort von Frau Gut. Die Hauptperson der zweistündigen Vorstellung trat selber nicht
auf, doch über dessen Inhalt wurde nach Herzenslust diskutiert, analysiert und
fabuliert. Schauplatz der Geschehnisse war ein Museum, in welchem die Exponate
im Zentrum des satirischen Jahresrückblickes standen. Es wurde gesungen,
gerappt, gedichtet und auch ein Poetry-Slam-Auftritt durfte nicht fehlen.
Die zehn Schauspieler schlüpften in die unterschiedlichsten Rollen und verblüfften
die Zuschauer immer wieder mit Ereignissen aus dem vergangenen Jahr,
welche sehr nah oder gefühlsmässig bereits unendlich fern waren.
Natürlich durfte der magistrale Spruch «Rire c’est bon pour la santé»
vom ehemaligen Bundesrat Johann Schneider-Ammann nicht fehlen. Es gab
einen Chor aus Gilets-jaunes-Protestierenden, welche Emmanuel Marcon mit
einer Mischung aus Guillotine und Bundesordner einen Kopf kürzer machten,
und der Hitsong «079» von Lo & Leduc wurde zum Knüller «2-0-1-8» uminterpretiert.
«Wofür steht denn diese Kartoffel? », wunderte sich Herr Schön im Museum
und begann zu rätseln. «Etwa für die Fair-Food-Initiative?» Nicht ganz. Gemeint war Raiffeisen-Boss Pierin Vincenz, der 2018 wie eine heisse Kartoffel fallen gelassen wurde. Doch nicht nur Promis gerieten ins Visier der Satire. Auch das letzte männliche nördliche Breitmaulnashorn war Thema der Diskussion. Der Tod des Tieres veranlasste
Laurin Buser, einen gesellschaftskritischen Poetry-Slam-Text zum Besten zu
geben. Fazit: Die Menschen fallen wie eine Heuschreckenplage über den Planeten
her und haben immer noch nicht gemerkt, dass sie die Täter und nicht die Opfer sind.
In einer weiteren Episode verwandelte sich die Bühne in eine amüsante Quizshow
mit dem Titel: «Deppen Fragen, Experten antworten.» Es stellte sich jedoch
schnell heraus, dass die einfachen Fragen den kaschierenden Antworten
der Wissenschaftler weit überlegen waren und sie demaskierten.
Doch der eigentliche Höhepunkt des Abends war der Elternabend im Primarschulhaus
Steinacker. Anet Corti schlüpfte dabei in die Rolle der Lehrerin Frau Böhni und erzählte über die konkrete Umsetzung des Lehrplans 21, welcher im Zuge der Digitalisierung
nun als Lehrplan 21.1. tituliert wurde. Es werde nicht nur die «Selfie-Kompetenz
» der Schüler geübt, sondern anstatt «Häckeln» gebe es nun das Fach
«Hacken». Doch nicht nur das Eindringen in fremde Computer werde geübt,
sondern auch der Französischunterricht auf eine neue Stufe angehoben.
Mit dem Actiongame «Fortnite» werde im Rahmen der «French Night» die französische
Sprache beim Rumballern geübt. Als sich Frau Böhni im Anschluss im WhatsApp-Chat der Schüler einschaltete und durch Autokorrekturfehler für Verwirrung sorgte, kugelten sich die Zuschauer vor Lachen. Es folgte ein Auftritt von Pfarrer Sieber, ein Seitenhieb
gegen die Doppeladlerhysterie, und dank Gentechnik kam es auf der Bühne zur Geburt des ersten Roboterkindes. Ob der Mensch etwas aus seiner Geschichte gelernt hat, werden wir wohl erst beim «Bundesordner 2019» erfahren.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten” am 25. Januar 2019.

Kräftemessen der Improvisationsprofis

Am zweitägigen Theatersport-Event fieberten 550 Zuschauer in der Kammgarn mit den improvisierten Stücken mit. Eine Theaterkritik von Hermann-Luc Hardmeier.

hardmeier+theatersport2019

Bild: Die Improvisationskünstler in der Kammgarn. (Foto: Selwyn Hoffman, Bericht: Hermann-Luc Hardmeier)

Achtung, fertig, los! Zwei Mannschaften und ein Schiedsrichter. Was ein bisschen nach Fussballspiel klingt, ist in Wirklichkeit die kreativste Veranstaltung, seit es Theaterbühnen gibt. Beim zweitägigen Theatersport des Schauwerks in der Kammgarn mussten zwei Schauspielerensembles gegeneinander antreten und in verschiedenen Spielen die Gunst der Zuschauer gewinnen. Das Schöne daran war, dass die „Zutaten“ für die improvisierten Theaterstücke aus dem Publikum kamen. „Ich suche einen Ort, ein Gefühl und einen Beruf“, forderte die Moderatorin Bettina Wyler das Publikum jeweils auf. Unterstützt wurden die Bühnenpiraten von der Pocket Band, welche die Szenen dramatisch oder enthusiastisch untermalten. So sahen die Gäste jeweils einzigartige und spontane Premieren von Kurztheatern. Das Interesse der Zuschauer war riesig. Am Freitag wollten 300 Besucher das Kräftemessen zwischen „Hiddenshakespeare“ aus Hamburg gegen Winterthur“ TS“ sehen. Am Samstag forderte das „Improtheater“ Konstanz die Hamburger vor 250 Gästen erneut heraus.

Romantik in der Kläranlage

Gelb, Trauer, Bäcker und Frankreich waren beim 1. Spiel am Samstagabend die Vorgaben des Publikums. Jedes Wort wurde einem der vier Schauspieler zugewiesen und definierte damit seine „Rolle“. Zudem bestimmten die Zuschauer, das Stück müsse in einer Caféteria einer Firma spielen. Bei diesem „In & Out“-Spiel wirkten beide Teams zusammen. Sobald im Gespräch eines der Schlagwörter fiel, musste der entsprechende Schauspieler den imaginären Pausenraum verlassen oder betreten. „Der Kaffee sieht gelb aus“, beförderte demnach den ersten auf die Bühne. „Kennen wir uns nicht aus Frankreich?“ – „Ja, genau aus Frankreich“, sorgte dafür, dass ein anderer Schauspieler kurz hereinkam und sofort wieder hinausmusste. Das Theater um den sauren Kaffee war köstlich komisch und sorgte für viele Lacher im Publikum. „Frankreich“ wurde zudem zum Running-Gag eingebaut. „Nun suche ich einen romantischen Ort für ein erstes Treffen“, erklärte die Moderatorin. „Kläranlage“, schoss es wie aus der Pistole von einem Gast in der Mitte des Saales. Es wurde nun eine Lovestory gespielt, wie man es so wohl noch nie gesehen hat. Mit teilweise überraschenden Wendungen inklusive einem Schluck Wasser aus der Wiederaufbereitungsanlage.

Kreative Einstiege

Moderatorin Bettina Wyler hatte am Samstagabend einige unkonventionellen Ideen für Spieleinstiege mitgebracht. Einmal las sie Tageshoroskop von der Boulevardzeitung Blick einer Schauspielerin vor. Dies war nun ihre Vorgabe für ihre Rolle. Bei einem anderen Spiel las sie den ersten und den letzten Satz aus einem Buch eines Gastes vor. Alles, was dazwischen passierte, hatten die Schauspieler nun aufzuführen. Es folgten Szenen mit einem Glatzkopf beim Frisör, einem viel zu fröhlichem Friedhofsgärtner, der Grabsteine vertauschte, Songs über Fische mit Erfrierungen und ein Nachbarschaftsstreit, der mit dem Tod eines Wellensittichs endete. Die Leistung der Schauspieler, aus ganz wenig ganz viel zu machen, war extrem beeindruckend und einmal mehr gingen die Besucher begeistert nach Hause.

Interview mit den Schauspielern Kirsten Sprick und Thorsten Neelmeyer.

„Wir sind tagsüber wie Schwämme“  theatersport2019

Bild: Thorsten Neelmeyer und Kirsten Sprick. (Foto: Hermann-Luc Hardmeier, Interview: Hermann-Luc Hardmeier)

Wie kommt man dazu, Theatersport zu spielen?
Thorsten Neelmeyer: „Wir haben 25 Jahre Bühnenerfahrung und spielen normalerweise Stücke mit vorgegebenen Handlungen und Texten. Der Reiz war gross, etwas Neues auszuprobieren, wo wir kreativ sein können.

Ist es nicht wahnsinnig anstrengend, auf Kommando und mit wenig Vorgaben ein Stück zu spielen?
Kirsten Sprick: „Ja, es ist eine Herausforderung. Am Freitag musste ich beispielsweise singen und hatte die Vorgaben „Tango“ und „Meditationsmusik“. Das ist nicht einfach, doch es macht unglaublichen Spass, wenn es gelingt.“

Wie übt man Improvisationstheater?
Kirsten Sprick: „Wir sind tagsüber wie Schwämme. Wir saugen Geschichten und Erlebnisse auf, die wir schnell mit den Vorgaben verknüpfen können. Zudem muss man wissen, wie eine Story dramatisch aufgebaut ist. In dem Sinn muss man es nicht oft üben, sondern einfach schnell im Kopf sein. Das trainieren wir.“

Ein „Nein“ gibt es in eurem Wortschatz nicht?
Thorsten Neelmeyer: „Eine Vorgabe oder eine Rolle vom Publikum darf man nicht ablehnen. Die Kunst ist es, die Szene so zu erweitern, dass wir ein knackiges Stück spielen können. Unser Talent ist es, dass wir darin blitzschnell sind.“
Schlechtes Publikum?

Wie gefiel es euch, in Schaffhausen zu spielen?
Thorsten Neelmeyer: „Wir sind begeistert. Die Schaffhauser sind lebendig und euphorisch von Anfang bis Ende. Eine La-Ola-Welle von 300 Leuten zugleich haben wir noch nie erlebt. Wir kommen auf jeden Fall sehr gerne wieder.“

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten” am 14. Januar 2019.

„Deine Stimme ist der Hammer!“

An der Open Stage – Talentshow im Orient wurde gesungen, gezaubert, gewitzelt und gerappt. Ein Eventbericht von Hermann-Luc Hardmeier.

Volles Haus und gute Stimmung. Die erste Open Stage des Jahres startete am Freitagabend im Orient unter guten Vorzeichen und sollte die Besucher nicht enttäuschen. Die Schaffhauser Talentshow hatte einiges zu bieten. In der Jury sass zwar nicht Dieter Bohlen, aber immerhin drei versierte lokale Kulturschaffende. Mireille Pochon von der Band Union, Simon Sepan von Fasskultur und Beat Junker, der früher das Booking der Bands für die Kammgarn machte. Den Auftakt der Talente machte Beatboxer Timon. Er liess die Bässe dröhnen, intonierte mehrstimmig „King of my Castle“ oder „Pony“. Johnny Cash und Fatboyslim-Elemente wurden reingemischt und zu guter letzte hüpfte Justin Timberlake aus seinem Mund. „Noch etwas hüftsteif, aber der Gesang in Verbindung mit dem Beatboxen hat mir sehr gut gefallen“, urteilte Beat Junker. Danach betrat Zauberer Dominik Oesch die Bühne. Funken und Flammen tanzten auf seiner Hand. Ein Tisch lernte fliegen und eine Rose manifestierte sich auf mysteriöse Weise vor dem Publikum. „Sagenhaft, ich weiss gar nicht, was ich sagen soll“, lobte Mireille Pochon. „Der Einstieg hätte noch knackiger sein dürfen“, war hingegen Beat Junker der Meinung. Das nächste Talent war mit Gitarre und Loopgerät bewaffnet. Der Singer/Songwriter Sam Blaser verwöhnte die Ohren mit sanften und melodischen Klängen und bedankte sich beim Publikum: „Schön, dass ihr mir diese Chance gebt.“ Die Jury war begeistert und Moderator Lorios bezeichnete ihn sogar als „James Blunt von Schaffhausen.“ Nach der Pause ballerte Künstler Eumel eine deftige Ladung aus seiner Rap-Pistole. Es war sein allererster Auftritt vor Publikum. „Mir gefiel dein Experiment“, sagte Juror Simon Sepan. Mireille Pochon wünschte sich hingegen „noch mehr Elan und Energie“. Es folgten der Comedian Fabian Würth und zum Abschluss das musikalische Duo Jacky und Kaan. Die Ausdrucksstärke und der Soul von Jacky waren wirklich unglaublich. „Deine Stimme ist einfach der Hammer!“, fasste Mireille Pochon die Meinung des Publikums zusammen. Mit dieser musikalischen Bombe ende die Schaffhauser Talentshow und hinterliess eine tief beeindruckte Zuhörerschaft. Nun folgte das ungeduldige Warten auf die nächste Ausgabe.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten” am Montag, 14. Januar 2019.

Ska-Jazz von den Meistern aus New York

„Mein Herz schlägt für Ska und das wird immer so bleiben“, erklärte Sänger Fred „Freddy“ Reiter kurz vor Konzertbeginn. Am Merchandise-Stand nahm er sich Zeit für einen Schwatz mit dem Publikum und erzählte, dass er bisher alles andere als eine besinnliche Weihnachtszeit hatte. Am Abend zuvor beispielsweise spielte seine Band im Rahmen der aktuellen Europatournee vor einer kochenden Meute aus 500 ausgeflippten Italienern in Rom.

new+york+ska+hermann+luc+hardmeier

Die Band aus New York gab Vollgas. (Foto: Hermann-Luc Hardmeier. Bericht: Hermann-Luc Hardmeier)

In der Kammgarn begann das Konzert am Freitagabend zunächst gemütlich. Das New York Ska-Jazz Ensemble ist bekannt dafür, dass sie bekannte Jazzsongs aber auch Reggaenummern und andere Lieder in ihrer speziellen Kreation aus Ska, Rocksteady, Swing, Bepopp und Jazz neu vertonen. Die Band existiert seit 1994 und hat in ihrer langen Karriere auf satten elf Alben aber auch viele eigene Songs herausgebracht. Gesungen wird selten, im Zentrum stehen die Instrumente. Allen voran das Saxophon von Fred Reiter. Auffällig in der Kammgarn war, dass sich das Konzert wie eine Fieberkurve entwickelte. Zunächst hörten die Gäste genüsslich zu. Dann bewegten sich die ersten Hüften und es knickten einige Kniekehlen im Takt. Die Temperatur stieg rasant und bereits nach dem dritten Song herrschte im Saal Tanzstimmung. Die sechs Musiker stachelten die Besucher immer weiter an, bis das Quecksilber im Fieberthermometer kochte. Die Band stand unter Strom und liess keine Langeweile aufkommen. Der Offbeat hypnotisierte, das Keyboard euphorisierte und der Schlagzeuger marschierte. Irgendwann riss es die Musiker selber mit und sie tanzten und feierten auf der Bühne. Hits wie „A message to you Rudy“ und „Nasty by Nature“ erklangen. Die Band überzeugte restlos und das Publikum „erklatschte“ sich begeistert mehrere Zugaben.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen am 31. Dezember 2018 in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten“.

“079″-Chartstürmer sorgen für volle Kammgarn

Lo und Leduc aus Bern feierten am Samstag mit 800 Besuchern in der Kammgarn Schaffausen eine grosse Party. Ein Konzertbericht von Hermann-Luc Hardmeier.

lo+leduc+hermann+luc+hardmeier

Foto: Selwyn Hoffmann, Bericht: Hermann-Luc Hardmeier.

Seit Wochen ausverkauft. Eine riesige Schlange vor dem Eingang. Eine ganze Halle voller begeisterter Fans. Wer unter solchen Vorzeichen  auftritt, der hat alles richtig gemacht. Die Berner Musiker Lo und Leduc beehrten am Samstagabend die rappelvollen Kammgarn. Im Rahmen ihrer „Update 4.0“ – Tour besuchten sie Schaffhausen und liessen nichts anbrennen. Nachdem ihr Produzent und DJ Dr. Mo als Vorband die Besucher eingestimmt hatte, starteten die zwei mit „Chileli vo Wasse“ den Abend. Dramaturgisch geschickt liessen sie die Besucher eine Weile warten, schalteten danach das Saallicht komplett aus und stürmten unter lautem Applaus die Bühne. Der Beifall war so gross, dass Leduc spontan versprach, dass einem dritten Auftritt in der Kammgarn im nächsten Jahr nichts mehr im Weg stehe. Faszinierend am Konzert waren nicht nur die Lieder, sondern auch die Lichtshow. Auf der Bühne waren überall Lichtstäbe verteilt, die im Takt der Musik blau, rot und in anderen Farben leuchteten. Manchmal sah man auf dem Partypodest auch ein Regen voller Sternschnuppen oder glühend roter Lavaströme sich ihren Weg bahnen. Neue Songs aus dem aktuellen Album erklangen und viele bekannte Hits der Chartstürmer. Die Besucher waren Textsicher und sangen lauthals die Refrains mit. Für einen Abend war Berndeutsch die erste Landessprache in der Kammgarn.

Kritik an neuen Liederversionen

Die Gäste genossen den Abend, aber dennoch war das Konzert ganz anders als die bisherigen. Lo und Leduc traten diesmal in der Kammgarn ohne Band, aber mit DJ auf. Für ihre aktuelle Tour haben sie zudem zu ihren bestehenden Liedern neue Melodien gemischt. Nicht selten waren die Songs mit bekannten Beats etwa von 50 Cent oder Sean Paul untermalt. Dadurch war jedes Lied neu, auch wenn man es kannte. Dieses Experiment war entstanden, weil Lo und Leduc nach unzähligen Auftritten nicht in eine Routine verfallen wollten. Die neuen Versionen der Songs waren etwas härter und nicht so melodiös, wie wenn sie mit echten Instrumenten, Backgroundsängerinnen und den Originalmelodien gespielt würden. Dies polarisierte. Einige Gäste kritisierten, dass den Songs die Wärme fehle und man sich an einer Mischung aus Techno- und Rapkonzert befände. Andere wiederum waren davon begeistert, dass die Lieder aufgefrischt wurden und man ein bisschen Abstand von den 0815-Radioversionen genommen hatte.  Spätestens um 22.59 Uhr verstummten jedoch die Kritiker. Als der Megahit 079 in der Originalversion erklang, sangen 800 Kehlen mit und feierten die Musiker. Einmal mehr gewannen Lo und Leduc die Herzen der Schaffhauser. Viele können es kaum erwarten, bis sie das nächste Mal in der Munostadt auftreten. Wenn sie dann wieder mit Band und den Originalversionen ihrer Lieder kommen, würde man sich sogar doppelt freuen.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten” am 24. Dezember 2018.

Beim “Totemügerli” wagte niemand zu atmen

Schriftsteller Franz Hohler unternahm mit den Kammgarn-Besuchern am Freitagabend eine Reise durch sein Gesamtwerk. Von Hermann-Luc Hardmeier.

hermann+luc+hardmeier

Bild: Franz Hohler in der Kammgarn. (Foto: Evelyn Kutschera. Bericht: Hermann-Luc Hardmeier)

„Verstaubt, ausgeleiert und parfümierter Sozialkitsch. Der APO-Opa aus der Öko-WG. Im Grossen und Ganzen ist Hohlers Prosa tot.“ Wer diese Zeilen liest, würde nicht denken, dass sie prominent auf der Homepage von Franz Hohler stehen. Der Schriftsteller macht sich einen Spass daraus, negative Rezensionen zu seinen Büchern und Texten zu sammeln. Der 75-Jährige ist ein Mensch, der nicht gefallen will. Er lebt seine Kunst und schreibt, was ihn beschäftigt. Seien es sozialkritische Texte oder Kinderbücher. Wenn er damit begeistert, ist er zufrieden. Wenn er damit provoziert, dann gefällt ihm das sogar noch besser. 1983 wollte er in seiner Sendung „Denkpause“ am Schweizer Fernsehen seinen Song „Dienstverweigerer“ vortragen. Die Redaktion hatte Zweifel und bat ihn zur Textänderung. Er entschied darauf, das Sendegefäss aufzugeben. Zensieren liess er sich nicht.

Autor in Höchstform

Franz Hohler hat die Schweizer Literaturszene geprägt. Umso bedeutungsvoller war es, dass er am Freitagabend im Rahmen der «Buchwoche» Schaffhausen besuchte. Der Anlass in der Kammgarn wurde vom Schauwerk durchgeführt. „Seit ich denken, hören und lesen kann, begleitet mich Franz Hohler“, sagte Katharina Furrer vom OK. „Ich denke, den meisten Kammgarnbesucher geht es genauso.“ Egal, ob man in der Sekundarschule „Die Rückeroberung“, im Militär den „Dienstverweigerer“ oder an einer Familienfeier das „Totemügerli“ gehört oder gelesen hat. Fast jeder kennt einen Text des in Olten aufgewachsenen Wortakrobaten. Franz Hohler ist sowas wie die Rütliwiese der Schweizer Literatur. Viele verehren ihn, andere empfinden ihn aber auch als „Zumutung“. Um nochmals ein Kritiker-Zitat von Hohlers Homepage aus dem Jahre 1982 zu zitieren. Am Freitagabend lief der Autor zu Höchstform auf. Er zeigte die ganze Palette seiner Erzähllust, seiner Fantasie und seiner Kreativität. Ob er nun über seine Einladung zur Seniorenweihnacht oder über den Hamster Hugo sprach, der am liebsten Spaghetti mit Tomatensugo isst. Ein humorvoller Seitenhieb, Schalk im Gesicht und eine Prise absurde Gedankengänge sorgen für viel Abwechslung im Programm. Beim Gedicht mit dem Thema „Heimat“ kritisiert er sich zum Schluss gleich selber. „Ich war damals neun Jahre alt. So wie das klingt, könnte es heute fast schon an einer Albisgüetlitagung vorgetragen werden.“

Made in Hongkong

Er erklärte den Besuchern, wie sich die Weihnachtsgeschichte tatsächlich abgespielt hat und warum das Weltall aus einer Kiste mit Erbsen entstanden ist. Man erfuhr, warum ein Fussballspiel zwischen Lebenden und Toten mit 1:0 für die Toten ausging, wie eine Made in Hongkong alle Spielzeugfirmen aufkaufte und schlussendlich, wie der Teufel beim Autostopp nach Rom Jesus kennen lernte. Die Zuhörer schmunzelten, lachten lauthals oder nickten betroffen mit den Köpfen. Brav und handzahm ist Franz Hohler noch lange nicht. Zum Schluss gab er das Berndeutsche „Totemügerli“-Gedicht zum Besten. Der Saal wagte kaum zu atmen und quittierte mit grossem Applaus. Franz Hohler nickte glücklich und nahm sich im Anschluss viel Zeit, um mit den Gästen zu sprechen und Bücher zu signieren.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten” am 17. Dezember 2018.

Ein Scherzkeks voller Energie

Komiker Massimo Rocchi massierte am Donnerstag im Stadttheater mit seinem Programm „6zig“ die Lachmuskeln der Gäste.

„Ich bin schon seit eineinhalb Jahren 60“, begrüsste Massimo Rocchi die Gäste im Stadttheater. Gefolgt von einer dramatischen Pause. Zu Beginn ärgerte er sich über die Post, welche er an seinem Jubiläumstag bekommen hatte. Die Rheumaliga und diverse Altersheime meldeten sich. Und nicht zuletzt bekam er seine AHV-Einschätzung, welcher ein Flyer für einen thailändischen Sprachkurs beigelegt war. Er witzelte über sein Aussehen und dachte laut über eine Schönheitsoperation nach. Als er die Erfolgsaussichten aber mit jener von einem südeuropäischen, ehemaligen Politiker verglich, lehnte er dankend ab. Er brauchte den Namen Berlusconi nicht zu erwähnen, denn die Gäste hatten verstanden und kugelten sich vor Lachen. Rocchi erzählte von seinem Werdegang und seiner Jugend. Ein dramatischer Schauspieler habe er werden wollen, doch sei er leider gescheitert. „Wie will man traurige Stücke spielen, wenn die Zuschauer ständig lachen?“ Der Schweizer Komiker mit italienischen Wurzeln bediente auch gerne die Klischees, welche wir über Italien haben. Bei seinem biographischen Streifzug erklärte er, wie er zwischen Nonna und Nonno im Bett übernachtete und beinahe einen Hitzeschlag bekam, obwohl die Heizung kaputt war. Er schilderte, wie ihn ein Familienausflug in einem Fiat mit acht Insassen die letzten Nerven kostete und einer beweglichen Biosauna glich. Nicht zuletzt sprach er auch über die perfekte Zubereitung von Spaghetti. Eine Prise Erotik durfte dabei nicht fehlen. „Man darf sie nicht zu lange im Wasser lassen. Sie haben danach ein Date mit einer scharfen Tomatensauce“, erklärte der Komiker. Neben seinen humorvollen Geschichten überzeugte der Künstler durch seine szenischen Pantomimeneinlagen. Perfekt imitierte er eine Yoga-Lehrerin, ein Kamel oder einen Dirigenten, der Streit mit seinem Starsänger hatte. Man merkte sofort, dass Massimo Rocchi ein Comedy-Veteran ist. Ein Blick in seine Biographie verrät, dass er ausgebildeter Pantomime ist und seit Jahrzehnten im Auftrag des Humors durch die Welt tingelt. Der Scherzkeks hat eine unglaubliche Energie und schafft es, Emotionen an die Zuschauer weiterzugeben. Nach seiner Biographie gerieten die SBB ins Visier: Mit seinen spitzzüngigen Bemerkungen zu den Infotafeln im Zug massierte er die Lachmuskeln der Zuschauer mit der Intensität einer Amok gelaufenen Brotknetmaschine. Er war nun bei den Sprachen angelangt und zog über die dazugehörigen Nationen her. „Die Italiener sind klug, ausser wenn sie wählen gehen“, so Rocchi. „Wenn die Queen spazieren geht, sieht es so aus, als ob sie im Tiefschnee Skifahren will, und ihre Stöcke vergessen hat.“ Im Stadttheater durfte zwei Stunden herzhaft gelacht werden. Geht es nach den Zuschauern, so darf und muss Massimo Rocchi gerne weitere 60 Jahre für Lacher am Laufmeter sorgen.

Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten” am 17. November 2018.

“Ehrenmann” bzw. “Ehrenfrau” ist Jugendwort des Jahres 2018

Eine 21-köpfige Jury hat das “Jugendwort des Jahres” 2018 gewählt: Es lautet “Ehrenmann” beziehungsweise “Ehrenfrau”. So werde jemand bezeichnet, der etwas Besonderes für einen tut, erklärte der Langenscheidt-Verlag am Freitag in München. Verhält man sich also wie eine echte Lady oder wie ein echter Gentleman, so ist man in den Augen der Jugendlichen ein Ehrenmann oder eine Ehrenfrau. Die Jury bestand in diesem Jahr unter anderem aus Journalisten, Bloggern, Schülern und einem Polizeikommissar aus Berlin-Kreuzberg.

Juror Oliver Bach, Literaturwissenschaftler an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität, sagte über “Ehrenmann/Ehrenfrau”: “Die Jugendsprache hat dieses Wort wiederentdeckt. Zur Zeit meines Opas war der Ausdruck auf höhere, männliche Gesellschaftsschichten beschränkt. Diese Grenze ist nun gefallen.“ Der 18 Jahre alte Youtuber Fabian Grischkat sagte: “Ich freue mich besonders über das Wort, da es in Zeiten von Hass und Hetze ein positives Zeichen setzt. Jeder Mensch, der eine gute Tat vollbringt, darf sich ab heute mit dem offiziellen Jugendwort schmücken!” Bei einer vorangegangenen, unverbindlichen Online-Abstimmung war Ehrenmann/Ehrenfrau” auf dem dritten Platz gelandet. Seit Ende August bis zur Wahl am 13. November standen 30 Begriffe zur Auswahl, die zeigen sollen, wie Jugendliche heute reden. In der Auswahl stand auch das sehr häufig verwendete Wort „Lauch“. Es bezeichnet einen Trottel bzw. jemand, der laut der Jury „unmuskulös“ ist.

Lauch hatte leider von Anfang an keine Chance, denn Beleidigungen und Schimpfwörter werden aus Prinzip nicht zum Jugendwort erkoren. Der Langenscheidt möchte mit der Wahl die Kreativität der Sprache zeigen und ein positives Signal senden, heisst es immer wieder vom Organisator der Wahl. Da passen negative Begriffe natürlich nicht ins Bild. Der Favorit der rund 1,5 Millionen Teilnehmer des Online-Votings war “verbuggt” – für etwas, das voller Fehler ist. Ebenfalls viele Stimmen erhielt der Begriff „Breiern“. Der Ausdruck soll den Zustand erklären, wenn jemand erbricht und trotzdem weiterfeiert. „Besti“ für beste Freundin, „Borderitis“ als Allergie gegen Grenzen und „Axelfasching“ für Achselhaare schafften es auch auf die Liste. „Auf deinen Nacken“, ein Ausdruck für „Du zahlst“ oder „Boyfriend-Material“ für jemanden, der sich für eine Beziehung eignet, sind weitere kreative Wortkreationen, welche eingereicht wurden. Man könnte die Liste noch seitenlang fortsetzen. Da stand beispielsweise auch „glucosehaltig“ für süss, „Ich küss dein Auge“ für jemanden, den man gerne hat, „lan“ für krass, „wack“ für langweilig oder „lit“ für cool bzw. „Lituation“ für eine coole Situation. Ein „Appler“ prahlt gerne mit seinem iPhone, ein „Gymkie“ (Kombination aus Gym und Junky) ist jemand, der zu oft in der Muckibude trainiert. Ein „Snackosaurus“ ist ein verfressener Mensch“ Der ist gerade voll am „Ranten“ heisst so viel wie ausrasten. Beim „Chinning“ schiesst man ein Selfie, auf welchem man ein Doppelkinn imitiert. Schaust du zu lange in den Bildschirm, dann hast du vielleicht einen „Screenitus“. Wer sich in der Nacht in die Decke einrollt, der ist ein „Einwraper“.“Sheeesh“ ist ein Ausdruck des Erstaunens. Echt jetzt? Wirklich? Ja! Und zu guter Letzt sei noch auf die Ausdrücke „zuckerbergen“ und „Lmgtfy“ hingewiesen. Das erste heisst so viel wie „stalken“, der zweite Ausdruck ist die Abkürzung für „Let me google that for you“. Verwendet wird er, wenn jemand eine unnötige Frage stellt, die auch Google beantworten kann.

Die Kriterien für die Top 30 sind laut Verlag Originalität, Kreativität, Verbreitung sowie kulturelle, gesellschaftliche und zukünftige Relevanz. Die Jury musste sich dann für eines der zehn beliebtesten Wörter aus dem Online-Voting entscheiden. 2017 hatte der Ausdruck “I bims” gewonnen, ein Synonym für “Ich bin” und “Ich bin’s”. Seit 2008 wird jährlich ein Jugendwort bestimmt. Da die Wahl eine Werbeaktion des Langscheidt-Verlages für sein Jugendsprache-Buch ist, wird häufig diskutiert, ob das gewählte Wort wirklich dem Sprachgebrauch von Jugendlichen entspricht. Ziemlich verbuggt, denn schliesslich arbeiten bei Langenscheidt viele Ehrenmänner und Ehrenfrauen. Und falls du mehr wissen willst: Lmgtfy!

Von Hermann-Luc Hardmeier. Verfasst am 18. November 2018.