Der erste Rap über das Credit Suisse – Debakel

Beim satirischen Jahresrückblick «Bundesordner 23» gab es am Mittwochabend im Stadttheater viel humorvolle Kritik an Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Eine Theaterkritik von Hermann-Luc Hardmeier.

Der Börsenkurs stieg nur kurzzeitig bei Jane Mumfords gerappter Kritik an der Bankenwelt. (Foto: Melanie Duchene, Text: Hermann-Luc Hardmeier)

Bunt, bunter, Bundesordner. Keine Frage, der satirische Jahresrückblick «Bundesordner» war farbenfroh und kreativ gestaltet. Die neun Künstler waren Musiker, Comedians und Poetryslammer zugleich. Der Event startete, indem ein verkleideter Robert Oppenheimer die Atombombe explodieren liess, während dazu «Simply the Best» gesungen wurde. Die verschiedenen Künstler drehten das Jahr 2023 danach kräftig durch die Mangel. Jess Jochimsen schaute nach Deutschland, wo er sich über die Augenklappe von Kanzler Olaf Scholz amüsierte und die erstarkte Ausländerfeindlichkeit kritisierte. Dominik Muheim versetzte sich danach in die Rolle eines Sportreporters, der enthusiastisch das Rennen um Alain Bersets frei gewordenen Bundesratssitz als 300-Meter-Lauf kommentierte. Den sportlichen Event beendete Beat Jans auf dem Podest, nachdem er sich auch nicht vom Querschläger Daniel Jositsch beirren liess. Zwischen den gesprochenen Darbietungen tauchten lustigerweise Ernie und Bert von der Sesamstrasse auf und als Figurentheater auch sogenannte Waldrappen. Während die Satire und Gesellschaftskritik sehr gut ankamen, empfanden einige Zuschauer Die Ernie und Bert – Episoden als etwas zu kindisch und repetitiv. Doch die übrigen Show-Elemente waren so amüsant, temporeich und tiefsinnig, dass die Auflockerung mit den Figuren eigentlich eine willkommene Abwechslung darstellte. Mit der Originalmusik und dem gleichen Erzählstil von Kommissar Philip Maloney berichtete anschliessend Anet Corti über die «haarsträubenden Fälle der Giorgia Meloni». Neben der italienischen Ministerpräsidentin hatten auch Elon Musk und Alain Berset einen Auftritt im Krimi. Der entgleiste Güterzug der SBB durfte beim Jahresrückblick natürlich nicht fehlen und auch der Klimagipfel in Dubai, die Schweizer Neutralitätsproblematik im Ukrainekrieg oder der kurzzeitig im Stadttheater wiederauferstandene Silvio Berlusconi bekamen ihr Fett weg. Das Highlight der Veranstaltung war jedoch ganz klar der Frontalangriff auf die Bankenwelt. Genüsslich wurde kiloweise Salz in die Wunde namens Credit Suisse gestreut. Nachdem eine Totenmesse inklusive Mini-Oper namens «Banka est Kollapsus» gehalten wurde, gab Jane Mumford den ersten Rap zum Credit Suisse- Debakel zum Besten. Natürlich durften verkleidete Banker als Backgroundsänger und Tänzer nicht fehlen. Und zum Schluss wurden kräftige Boni ausgezahlt. Stark war anschliessend auch die Pressekonferenz der Firma Mattel. Durch den Erfolg des Barbie-Films beflügelt, wurde eine Werbeoffensive beschlossen. Der Barbie-Fan-Boom sollte nun auch das Image der katholischen Kirche aufbessern und deshalb gibt es neu Papst- und Ministrantenfiguren im Barbie-Stil. Mit der humorvollen und kritischen Veranstaltung wurde das Jahr 2023 am Mittwoch gebührend verabschiedet.

Eine Theaterkritik von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen am 29. Januar 2024 in der Zeitung Schaffhauser Nachrichten.

Fussballer Granit Xhaka wird Handarbeitslehrer

Am 4. Provinz Slam in Andelfingen gab es humorvolle, gerappte aber auch tiefsinnige und traurige Texte.

(Foto: Hermann-Luc Hardmeier)

«Ich fühle mich heute wie der Schriftsteller Franz Hohler bei einer Lesung», scherzte Rahel Fink, als sie als Moderatorin den Poetry-Slam-Abend eröffnete. Sie hatte sich vor einigen Wochen beim Skifahren das Kreuzband gerissen und musste deshalb sitzend durch den Abend leiten, fühlte sich jedoch je länger je wohler dabei. Am 4. Provinz Slam in Andelfingen wurde zum 2. Mal ein neuer Modus des Spoken-Word-Contests gewählt. Normalerweise treten die Sprachakrobaten gegeneinander im Wettkampfverfahren an. Das Publikum bestimmt mittels Zahlen oder Applaus, wer weiterkommt und wer ausscheidet. «Viele fanden es schade, dass man dadurch von einer Poetin oder eines Poeten nur einen Text hört», erklärte Rahel Fink. «Deshalb gibt es neu eine Poetry-Slam-Show, bei welcher nicht nach dem Knock-Out-System ausgesiebt wird, sondern jede und jeder gleich viel Zeit erhält und in zwei Runden insgesamt vier Texte vortragen darf.» Das Eis brach Rahel Fink mit einem eigenen Text über sich selbst, bei welchem sie preisgab, dass sie immer fünf Minuten zu spät komme, Norwegisch für sie eine extrem einfache Sprache zum Lernen war und sie sich über unnötiges Wissen ärgerte, welches sie im Gymnasium pauken musste. Es folgte Gregor Stäheli. Er hatte sich Gedanken zum Lehrermangel gemacht und entwickelte eine herrlich absurde Story, was passieren würde, wenn der Mangel an pädagogischen Fachkräften eskalieren würde. Zunächst einmal würden die Anforderungen so kräftig gesenkt, dass alle unterrichten dürften, die schon einmal hinter einem Schulhaus geraucht haben. Es gäbe neue Schulfächer wie Social-Media-Kurzvideos erstellen oder Schminktutorials. Den wenigen Lehrkräften würden die Fächer zufällig zugewiesen. So müsste Gregor selber Geschichte unterrichten, obwohl er nur etwas von den Römern versteht, ein Neunjähriger gäbe Wirtschaft und Recht und beim letzten Transferfenster hätte man den Fussballer Granit Xhaka verpflichtet, der nun Deutsch und Handarbeit gebe.

Verhinderte Finken-Schlägerei

Jonas Balmer las danach eine Vielzahl von Kurztexten. Er sinnierte, warum unser komplexer Körper ein Phänomen wie den Schluckauf erzeugen kann oder darüber, dass Babysprache durchaus nicht bedeutungslos sei. Im Haupttext ging es um die philosophische Frage, ob es etwas wie den richtigen Moment gäbe oder ob dies ein Mythos sei. Nach diesen tiefsinnigen Erzählungen kam Gina Walter, die über ihre Erfahrungen als Primarlehrerin berichtete. In einem einfühlsamen und herzigen Erlebnisbericht erzählte sie, was sie von Freundschaftsbüchern hält, welche Tiere die Schülerinnen und Schüler gerne wären und wie sie eine Finken-Schlägerei verhindert hatte. Die 4. Slammerin Joelle Leimer haute sodann alle vom Hocker. Ihr Text war gerappt, hatte einen Rhythmus mit unglaublichem Drive und einer mitreissenden Sprachmelodie. Sie beschwerte sich über falsche Rollenbilder, welche Märchen vermitteln und wie kriegerisch Schachspiele eigentlich sind, wenn man sich Bauern als Kanonenfutter, Türme als Panzer und den König als gnadenlosen Diktator vorstellt. Als Rahel Fink mitteilte, dass Joelle Leimer die amtierende U-20-Schweizermeisterin im Poetryslam sei, wunderte sich niemand. Der Event hatte schon in der ersten Runde die ganze Bandbreite aus Humor, Tiefsinnigkeit, Sprachwitz und vielem weiteren gezeigt. Nach der Pause schoss Gregor Stäheli den humoristischen Vogel ab: Er erzählte, wie er bei seiner Arbeitsstelle versuchte, eine einzigartige Person zu sein. Er wollte für etwas Spezielles bekannt sein. Doch egal ob er mit einem Hawaiihemd aufkreuzte, Longboard fahren wollte, einen Leguan mitbrachte oder mit Bierhelm und Inlineskates auftauchte, es wollte nicht gelingen. Die Zuhörer kugelten sich vor Lachen. Der Abend endete mit grossem Applaus und anstatt Knock-Out-Rauswurf wurden die Slammerinnen und Slammer gebührend mit Blumen, Schokolade und Prosecco verabschiedet.

Erschienen in der Zeitung „Schaffhauser Nachrichten“ am 29. Januar 2024 von Hermann-Luc Hardmeier.

Ein originalverpacktes «Chrüsimüsi»

Die Theatersportabende in der Kammgarn sind längst Kult und sorgten am Freitag- und Samstagabend gleich zweimal für ein proppenvolles Haus und viel Interaktion des Publikums mit den Schauspielern. Eine Theaterkritik von Hermann-Luc Hardmeier.

«Fünf, vier, drei, zwei, eins – und los!» Das Publikum zählte jeweils im Chor die Szenen ein, welche die Schauspieler auf der Bühne zu improvisieren hatten. Die Stimmung bei der Veranstaltung des Schauwerks war nicht nur gut, sondern voller ungeduldiger Vorfreude. Einmal im Jahr findet Theatersport an der Baumgartenstrasse statt. Der Startschuss erfolgte 2004 und somit war diesmal das 20-jährige Jubiläum angesagt. Die Veranstaltung ist mittlerweile Kult und das Konzept ist bewährt: Zwei Schauspieler-Teams treten gegeneinander im Improvisationstheater auf der Bühne an. Die Zweiergruppen werden von einem Schiedsrichter gebändigt und von der Pocketband musikalisch unterstützt. Die Inputs für die Kurztheater kommen vom Publikum. Die Gäste sind gleichzeitig die Regisseure der Stücke und geben Ort, Personen oder Emotionen vor. Am Schluss bewerten sie mit roten oder blauen Karten, wer besser war. Das Team mit den meisten Punkten gewinnt zum Schluss. Am Freitagabend duellierten sich die «Gorillas Berlin» mit «Tsurigo». Am Samstag wurden die Zürcher durch «Winterthur Theatersport» ersetzt. Die Veranstaltung startete mit einem «Stop and Go»-Spiel. Alle Schauspieler spielten mit, doch jeweils in unterschiedlichen Kombinationen zu unterschiedlichen Themen. Somit fanden auf der Bühne vier Theaterstücke gleichzeitig statt. Eine Pilotin startete, dann kamen eine Bibel und ein Curlingstein ins Spiel. Zum Schluss gab es einen Heiratsantrag und einen spontanen Song zum Thema «Pudding». Schon dieses erste Game zeigte, den Reiz der Veranstaltung. Die Schauspieler können zu jedem Thema eine witzige Szene improvisieren, die überraschende Wendungen nehmen kann und für beste Unterhaltung sorgt.

Es folgten Theaterstücke mit einem Balletttänzer, ein Song namens «Digital Detox» oder einer Kundin, welche beim Metzger heimlich Leberkäse gestohlen hatte. Das Highlight des Abends war aber das «Herausforderungs-Spiel», bei welchem das andere Team dem Gegner eine Aufgabe stellte. Die Zürcher bekamen zwei Personalausweise aus dem Publikum und mussten damit ein Stück spielen. Den Berlinern wurden vom Publikum fünf Schweizerdeutsche Ausdrücke vorgegeben, welche sie nicht verstanden. Damit mussten sie ihr Theaterstück rund um den Besuch eines Zeugen Jehovas bestreiten. Der Saal konnte kaum noch atmen vor Lachen, als sich Björn Harras von den «Gorillas» über den nervigen «Gigampfi»-Bibelfan ärgerte, ihm ein Originalverpacktes «Chrüsimüsi» schenkte und ihn anschliessend zu einem Glas «Füdli» einlud. Erst nach der Aufführung erfuhren die Berliner, was sich in Wirklichkeit hinter den Begriffen verbarg. Am Freitagabend endete der Wettbewerb überraschend mit einem Unentschieden. Am Samstag gewann Winterthur. «Der eigentliche Sieger ist beim Theatersport jedoch das Publikum», freute sich Katharina Furrer vom Schauwerk. «Wir haben einmal mehr einen rasanten, dynamischen Abend mit grenzenloser Kreativität erlebt.»

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung „Schaffhauser Nachrichten“ am Montag, 15. Januar 2024.

Eskalation in der Polka-Sauna

Die Schaffhauser Band Palko!Muski liess die Kammgarn am Freitag an ihrem Heimspiel kochen. Ein Konzertbericht von Hermann-Luc Hardmeier.

Foto: Michael Kessler, Bericht: Hermann-Luc Hardmeier.

«I want to go crazy with you”, rief Sänger Baptiste Beleffi ins Publikum, als seine Band loslegte. Die Kammgarn war am Freitagabend proppenvoll und die Stimmung schon vor dem Aufritt ein Pulverfass. Palko!Muski musste mit ihrem Mix aus Polka, Gipsypunk, Klezmer und Folk nur noch das Streichholz entzünden, damit es zur Partyexplosion kam. Das Inferno brannte zwei Stunden mit Höchsttemperaturen. Die osteuropäischen Powerklänge der fünfköpfigen Band in Kombination mit den kratzigen englischen Texten kamen beim Publikum sehr gut an. «Kammgarn, you are my Mothership», freute sich der Frontmann, zog sich sein Hemd aus und Stand auf den Hocker des Keyboards im Zentrum der Bühne. Wie ein Anführer einer Revolution heizte er die Menge an. Nach seinen Worten wären die Gäste vielleicht nicht gerade bereit gewesen, nochmals die Bastille zu stürmen wie in der Französischen Revolution, aber für eine Attacke auf den Munot, um dort weiterzufeiern, hätte es allemal gereicht. Auf der Tanzfläche wurde wilder Pogo getanzt. Ein wahrer Hexenkessel. Baptiste Beleffi brachte die Besucherinnen und Besucher dazu, mitzuklatschen, mitzusingen, kollektiv in die Hocke zu gehen und auf Kommando hochzuspringen und auszuflippen. «We don’t stop tonight», rief er und erhielt begeistertes Johlen als Antwort. Die Eskalation in der Polka-Sauna war perfekt. Für die Band war dieser Abend ein Heimspiel, das sie sichtlich genossen. Christoph Craviolini (Akkordeon), Matthias Honegger (Bass und Saxophon), Nadav Bergfreund (Gitarre) und Tiffany Meyer (Drums) spielten ohne Unterbruch Hit um Hit. Ein besonderes Highlight war der Song «Remedy», welcher die 70. Single der Band ist und brandneu aus der Presse kommt. Aber auch als kollektiv «Bella Ciao» angestimmt wurde, brannte der Saal. Baptiste Beleffi übergoss sich enthusiastisch mit einer Vodka-Flasche und setzte zum Stagediving der Extraklasse an. Er sprang nicht einfach in die Menge, sondern «spazierte» auf den Händen der Besucherinnen und Besucher über die Köpfe hinweg durch die Kammgarn. Das Spektakel endete damit, dass er auf den Händen zurück auf die Bühne getragen wurde und gleich wieder ins Publikum sprang. Egal ob singend in der Menschenmenge, zuckend auf dem Boden der Bühne oder auf dem Stuhl des Keyobards stehend: Baptiste Beleffi verstand es, die Menge immer wieder aufs Neue anzuheizen. Das Publikum verlangte lautstark eine Zugabe, um welche sich Palko!Muski nicht lange bitten liess. Am Ende des Songs wollte Baptiste Beleffi rhetorisch wissen: «Is this enough?» Der Proteststurm war ohrenbetäubend und sodann liess die Band den Bär nochmals so deftig steppen, bis beinahe das Kreuzband riss. «You are the craziest crowd in Switzerland», lobte der Sänger die kochende Meute zum Abschluss.

Erschienen in der Zeitung „Schaffhauser Nachrichten“ am Montag, 11. Dezember 2023.

Eine Zigarette führte beinahe zu einer Revolution

Im Stück „Corpus Delicti“ von Juli Zeh ging es am Dienstagabend im Stadttheater Schaffhausen um den Machtmissbrauch in einer Gesundheitsdiktatur. Eine Theaterkritik von Hermann-Luc Hardmeier.

Foto: Patrick Pfeiffer, Bericht: Hermann-Luc Hardmeier

Darf ein Staat seine Bürger zwingen, gesund zu leben? Im Stadttheater Schaffhausen wurde am Dienstagabend die Erzählung «Corpus Delicti» der Autorin Juli Zeh aufgeführt, welche genau dieser Frage nachgeht. Im Zentrum dabei stand «Die METHODE». Dies ist eine Gesundheitsdiktatur, welche wie bei George Orwells Roman «1984» oder bei der Dystopie «Brave New World» seine Bürger überwacht und zu einer konformen Lebensweise drängen will. Ins Visier des autoritären Staates gerät Protagonistin Mia Holl, weil sie ihre vorgeschriebenen Gesundheitsberichte nicht abgibt und später durch das Rauchen einer Zigarette vor Gericht gestellt wird. Die Methode startet mithilfe des Journalisten Heinrich Kramer eine moderne Hexenjagd. In der Inszenierung der Württembergischen Landesbühne Esslingen hatte man einiges gegenüber der Originalfassung verändert. Das Positive zuerst: Die vielen Gerichtsverhandlungen des Buches wurden bis auf zwei aus dem Bühnenstück geworfen, die eher trockenen Erzählungen wurden immer wieder durch Lieder aufgelockert. Bunte Kostüme und ein kreatives Bühnenbild sorgten für eine Modernisierung des Stoffes. Eine drehbare Wendeltreppe bildete das Herzstück der Inszenierung und konnte an den Rand, in die Mitte und in verschiedene Positionen gebracht werden. Viele kleine Veränderungen sorgten für gute Unterhaltung. Besonders gelungen war die Stärkung der Figur des Pflichtverteidigers Lutz Rosentreter, der eine zentrale Rolle bekam und mit dem Song «Freedom» von George Michael das Kernanliegen von Juli Zeh auf den Punkt brachte. Er entlarvte die Fehler der Methode und sorgte für den Beginn einer Revolution, die allerdings von der Methode verhindert werden konnte. Eher negativ war, dass Nicht-Kenner des Buches kaum eine Chance hatten, die Handlung zu verstehen. Eine Phantasiegestalt namens «Die ideale Geliebte» wurde nur spärlich erklärt und im Gegensatz zum Buch nicht in der Mitte des Stückes durch eine Katharsis der Hauptperson aufgelöst, sondern im Spiel gelassen. Heinrich Kramer, der Gegenspieler der Protagonistin, war ziemlich anders dargestellt als im Original. Er manipuliert Mia Holl so deftig, dass sie unter einer Art Stockholm-Syndrom leidet und sich unsicher ist, ob sie sich in ihren Peiniger sogar ein wenig verliebt hat. Im Stadttheater sah dies anders aus: Es wurde geküsst, gekuschelt und auch leidenschaftliche Liebesspiele wurden angedeutet. Zum Schluss wird Kramer von Bewaffneten abgeführt, anstatt triumphierend als Gewinner dazustehen. Eine verwirrende und unklare Veränderung im Vergleich zum Original. Die Hauptbotschaft des Buches blieb jedoch glasklar: Ein autoritärer Hygienestaat kann seine Bürger foltern, unterdrücken und einschüchtern, aber er wird niemals den Gedanken an Freiheit und Selbstbestimmung auslöschen können.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen am Donnerstag, 7. Demzember 2023.

«Ein Auftritt erspart mir den Psychiater»

Am Freitagabend sorgt die Schaffhauser Band Palko!Muski Einmal mehr für Saunatemperaturen in der Kammgarn. Im Gepäck dabei haben sie ihre 70. Single «Remedy». Von Hermann-Luc Hardmeier.

Wer jemals an einem Konzert von Palko!Muski war, der weiss, was ihn erwartet: Die Gäste flippen aus, es wird wild getanzt, gesungen, zugeprostet und die Hemden sind klatschnass vom Tanzfieber. Kaum ein Gast, der nicht glücklich das Konzertlokal verlässt. Doch woher kommt das Feuer und die Power der Schaffhauser Combo? «Das Leben ist voller Inspiration», erklärt Sänger Baptiste Beleffi. «Musik darf Körper und Seele gleichermassen berühren. Wir alle haben das Recht auszuflippen.» Zudem verrät er ein Geheimnis, warum er so gerne auf der Bühne steht: «Ich erspare mir so den Psychiater! Wenn das ansteckend ist und die Leute dafür Eintritt bezahlen, wehre ich mich selbstverständlich nicht dagegen.» Palko!Muski spielt einen wilden Mix aus Folk, Gipsypunk, Klezmer und Polka. Die Band ist nicht nur einfach eine wilde Partytruppe, sondern es sind wirklich gute Freunde. Die Gründungsmitglieder Christoph Craviolini (Akkordeon und Keyboards), Matthias Honegger (Bass und Saxophon) und Baptiste Beleffi kennen sich schon viel länger, als die 17-jährige Geschichte der Band vermuten lässt. Um das zu veranschaulichen erklärt Beleffi: «Unsere Perle am Schlagzeug Tiffany Meyer ist 26 Jahre alt. Ein grosses Talent! Sie ist gleich alt, wie Matthias Honegger und ich zusammen auf der Bühne stehen.» Neustes Mitglied im Freundschaftskollektiv ist übrigens Nadav Bergfreund an der Gitarre. Eine Bandkarriere gibt es laut dem Sänger nicht. Auffällig ist vielleicht, dass Palko!Muski kurz davor stand, einen Mastervertrag mit einer grossen Plattenfirma zu unterschreiben. Es kam aber nicht dazu. Unter anderem, weil seltsame Klauseln im Vertrag auftauchten, wonach der Sänger beispielsweise nicht mehr oben ohne spielen sollte. «Wenn wir den Vertrag dazumal gemacht hätten, gäbe es uns heute nicht mehr», erklärt der Baptiste Beleffi. Der Kommerz und Erfolg interessiert die Band weniger. «Der Motor war und ist die Freundschaft und die Liebe zu dem, was wir gemeinsam tun. Wenn wir uns morgen entscheiden würden, keine Musik zu machen, hätten wir vielleicht einen Angelklub oder ein Häkel-Grüppli namens Palko!Muski.» Die Band freut sich darauf, wieder in der Kammgarn zu spielen. «Die Kammgarn ist unser Mutterschiff», so Beleffi. «Wir hatten da als Teenager und später ein Probelokal. Die Leute von KiK haben uns gefördert und gefordert. Für das bin ich ihnen sehr dankbar und daher ist die Freude hier zu spielen besonders intensiv.» Ein besonderes Highlight ist es zudem, dass am Konzert in der Kammgarn die Première der 70. digitalen Veröffentlichung gefeiert wird: Der neue Song «Remedy» ist ein besonderer Leckerbissen für jeden Palko-Fan und hat den gewohnten mitreissenden Drive.  Ein Markenzeichen der Band sind nicht nur ihre Musik, sondern auch die Kleider der Truppe. Ob kurz vor dem Auftritt die Brockenhäuser der Stadt eine Razzia befürchten müssen, lässt sich nicht entlocken. Im Gegenteil, Baptiste Beleffi winkt mit einem Augenzwinkern ab: «Etwas muss ich hier mal klarstellen: Die Kleider hat uns damals eine berühmte Modedesignerin gemacht. Wir hatten in unseren goldenen Jahren sogar ein eigenes «Ministerium of Fashion». Leider sind sie durch das viele Waschen eingegangen.» Zu guter Letzt gilt es noch die Frage zu klären, ob in der Kammgarn nicht nur das T-Shirt, sondern auch andere Kleidungsstücke des Frontmanns fallen werden. Gerüchten zufolge passiert dies regelmässig. «Ich glaub wirklich nicht, dass jeder Mensch mein altes Sitzleder sehen will», so Beleffi. «Du kannst eine Topshow machen, aber am Schluss bleibt der Hintern im Kopf.» Geplant sei nichts, versichert er. Aber verweist auf die Textstelle im Palko!Muski-Lied: «…cause we are all born naked». Man darf gespannt sein.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung „Schaffhauser Nachrichten“ am 4. Dezember 2023.

 

Magischer Abend mit der Power-Frau aus St.Gallen

Sängerin Joya Marleen entführte die Kammgarn-Gäste am Freitagabend auf eine emotionale Reise. Ein Konzertbericht von Hermann-Luc Hardmeier.

Bildlegende: Joya Marleen genoss den intimen Moment inmitten des Publikums. (Foto: Jeannette Vogel, Bericht: Hermann-Luc Hardmeier)

Am Freitagabend heizte Zoë Më als Vorband das Publikum in der ausverkauften Kammgarn ein. Sie sang auf Deutsch und Französisch und bewegte sich irgendwo zwischen Soul und Indierock mit einer Prise Pop. Der bilinguale Cocktail der Freiburgerin kam sehr gut an und stimmte die Gäste gefühlvoll auf den Hauptact Joya Marleen ein. Nach einer kurzen Pause trat die St.Gallerin sodann zuerst nur mit Gitarre, ab dem zweiten Lied dann aber mit voller Wucht vor die Gäste. Die Popmusikerin gastierte bereits zum dritten Mal an der Baumgartenstrasse. 2019 noch als Support der Band Carroussel, im Sommer des gleichen Jahres sodann auch am Hoffest der Kammgarn. Danach startete sie richtig durch und holte sich 2022 gleich drei Preise an den Swiss Music Awards. In den Medien wurde sie als «Die Entdeckung des Jahres» oder auch als «Abräumerin» bezeichnet, nachdem sie in den Kategorien «Best Female» und «SRF 3 Best Talent» sowie für ihren Song «Nightmare» auch den «Best Hit» in der Königsdisziplin abstaubte. Am Freitagabend war aber von Starallüren keine Spur zu sehen. Völlig locker und gutgelaunt sprang und tanzte sie auf der Bühne und liess ihre Haare dabei wild wehen. Das Publikum wippte vergnügt mit, im vorderen Drittel wurde getanzt und immer wieder im ganzen Saal der Takt mitgeklatscht.

Gelungene Überraschung

Joya Marleen nahm die Besucher mit auf eine emotionale Reise. Bei ruhigen Momenten konnte man jeden Atemzug der Gäste spüren, in energischen Passagen riss sie die Besucherinnen und Besucher packend mit. Dieses Wechselspiel zwischen Intimität und Dynamik definierte die Magie des Abends, welche Joya Marleen erzeugte. «Holly Shit, ich freue mich mega, mega fest, hier zu sein!», sagte die Musikerin begeistert. Die Überraschung des Abends war sicherlich, als Joya Marleen plötzlich mitten in der Kammgarn beim Lichtpult stand und von dort aus ganz alleine mit ihrer Akustikgitarre gefühlvoll spielte. Sie bat die Gäste mitzusingen und schritt zum Schluss unter lautstarker Hilfe von hunderten von summenden Stimmen zurück auf die Bühne. Der besinnliche Moment hatte eine starke Wirkung. Bei einer anderen Sängerin hätte das vielleicht etwas kitschig gewirkt, bei der Frohnatur aus St. Gallen jedoch passte der stylische «Walk» wie die Faust aufs Auge. Von der Sendung «Sing meinen Song» hatte sie Baschis «Wenn du das Lied ghörsch» mitgebracht und sie liess es sich nicht nehmen, bei der Zugabe ein Stück spontan auf der Bühne zu improvisieren. Zum Schluss hatte sie ihren Riesenhit «Nightmare» dabei, welcher von allen Kehlen begeistert mitgesungen wurde. Der Abend war aber trotz des letzten Songs alles andere als ein Albtraum, sondern ein Ereignis, das noch lange in den Herzen der Zuschauer nachklingen wird.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung „Schaffhauser Nachrichten“ am Montag, 13. November 2023.

Wenn das Wohnzimmer zum verbalen Boxring wird

Im Theaterstück «Gott des Gemetzels» eskalierte ein Streit unter vermeintlich vernünftigen Erwachsenen. Eine Theaterkritik von Hermann-Luc Hardmeier.

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Eskalation: Gastgeberin Veronique stieg auf das Sofa, als Anwalt Alain sie bis zur Weissglut reizte. (Foto: Selwin Hoffmann. Bericht: Hermann-Luc Hardmeier)

Die Haupthandlung des Stücks «Gott des Gemetzels» wäre eigentlich schnell erzählt. In der Schule gab es Streit zwischen zwei Kindern. Zwei Elfjährige haben sich geprügelt, dabei schlug der eine dem anderen mit einer Stange zwei Zähne aus. Die beiden Elternpaare treffen sich zu einem klärenden Gespräch. Doch diese Unterhaltung eskalierte ziemlich schnell. Das Stück von Yasmina Reza wurde 2006 uraufgeführt und ist spätestens seit der Kino-Adaption aus dem Jahr 2011 von Roman Polanski weltbekannt. Am Dienstagabend wurde nun die Inszenierung von Tobias Maehler im Stadttheater Schaffhausen aufgeführt. «Der Kunstgriff bei dieser Aufführung ist, dass die Kinder selbst nicht da sind und die Eltern sich immer mehr ihr eigenes Loch schaufeln», sagte Jens Lampert vom Stadttheater Schaffhausen im «Talk im Theater» kurz vor der Aufführung. Zunächst geht im Wohnzimmer der Opfer-Familie alles sehr gesittet zu. Bei Gebäck und Kaffee versuchen die Eltern, sich zu einigen. Auf beiden Seiten herrscht viel Verständnis. Selbstverständlich werde die Versicherung für die Schäden an den Zähnen aufkommen und man fragt, ob es möglich sei, dass der Täter sich beim Opfer entschuldigen könnte. Die zwei Familien tauschen oberflächliche Nettigkeiten aus und scheinen gewillt, das Thema unbürokratisch lösen zu wollen. Während des Gesprächs wird jedoch klar, dass auch die Erwachsenen keine lumpenreine Weste haben. Michel, der Vater des Opfers, hat offenbar den Hamster der Tochter ermordet. Mutter Veronique hat ein Alkoholproblem und bei der Täterfamilie wird Vater Alain nonstop von Handyanrufen unterbrochen. Als Anwalt einer Pharmafirma versucht er, einen Medikamentenskandal zu vertuschen. Als die Mutter von Michel anruft und offenbar Opfer genau dieses Medikamentes geworden ist, eskaliert der Konflikt. Annette, die Mutter des Täters, beschuldigt Michel als Hamster-Mörder und übergibt sich über das Lieblingsbuch von Veronique. Weil Alain seine Handysucht nicht bändigen kann, versenkt sie sein Smartphone kurzerhand in der Blumenvase. Beide Paare beginnen sich gegenseitig und untereinander zu zerstreiten. Das Publikum kugelte sich dabei vor Lachen, weil das schwere Thema in eine so amüsante Komödie verpackt war. Im Visier war vor allem das Selbstbild der Figuren. Gegen aussen sahen sie sich als gebildet und kultiviert, letztendlich waren sie aber infantile und brutale Wesen. Zum Schluss schrien sie sich an, tranken hemmungslos Alkohol, prügelten sich, zerrissen das Blumengesteck leidenschaftlich und beschimpften sich mit wüsten Worten. Eigentlich hält das Stück der Gesellschaft den Spiegel vor Augen: Sind die Erwachsenen wirklich fähig, Konflikte kultiviert zu lösen? Das Wohnzimmer wurde zum verbalen Boxring, der Yasmina Rezas Gesellschaftskritik herrlich humorvoll aufzeigte.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung „Schaffhauser Nachrichten“ am 2. November 2023.

Kein Rotsignal konnte den Ska-Schnellzug stoppen

Zwei Powerbands aus der Schweiz und Italien sorgten für Partystimmung am Donnerstagabend in der Kammgarn. Ein Konzertbericht von Hermann-Luc Hardmeier.

Am Donnerstagabend war es kalt und regnerisch draussen. Doch innerhalb der Kammgarn brannte die Tanzfläche schon in den ersten Minuten. Die Band «Rude Tins» machte als Vorband den Auftakt. Die acht Musiker aus Brugg hatten selbst einen unglaublichen Spass auf der Bühne und schafften es schnell, dass der Funke auch auf das Publikum übersprang. Schweizer Ska-Punkt gewürzt mit Rock, Reggae und jeder Menge Tempo bretterte durch die Boxen. Besonders eindrücklich war die Bläserfraktion, welche nicht nur ein sattes Fundament lieferte, sondern auch immer wieder ihre Posaune, Saxophon und Trompete so kämpferisch in die Luft streckten, als wäre es der Säbel eines Offiziers bei einem Kavallerieangriff im Wilden Westen. Neben saftigen Eigenkreationen überzeugten sie auch mit einem Coversong von «Forever Young», der noch nie so viel Power wie in der Rude-Tins-Version hatte. Nach kurzer Umbaupause war sodann die Zeit für die Ska-Punk-Combo «Talco» aus Marghera (Venedig) angebrochen. Mit einem witzigen Intro mit dem Sound aus einem Arcade-Videogame enterte die italienische Band die Bühne. Die sechs Musiker glichen einem Schnellzug, der von keinem Rotsignal zu stoppen war. Mit einem riesigen Tempo und einer imposanten Energie setzten sie den Saal unter Starkstrom. Eine wilde Besuchermeute tanzte Pogo vor der Bühne. Die satten Beats des Drummers, die kräftigen Riffs von der E-Gitarre, die mitreissende Bläserfraktion und die leidenschaftlichen Italienischen Texte sorgen für einen Mix, der den inneren Tanzbär in den Gästen nicht nur steppen, sondern auch ausflippen liess. Immer wieder kletterten Besucherinnen und Besucher auf die Bühne, um auf die Hände des Publikums zum Stagediving zu springen. Einige Songs wurde lautstark mitgesungen. Der Auftritt erinnerte ein bisschen an Ska-P, welche von Talco auch als Inspirationsquelle bezeichnet werden. Die Band umschreibt ihre Musik jedoch nicht in erster Linie als Ska-Punk, sondern als «Patchanka» mit Einflüssen von Bands wie Mano Negra oder Gogol.

Warnung vor Populismus

Ähnlich wie bei Ska-P geht es der Band nicht nur um Unterhaltung, sondern sie haben auch politische Botschaften in den Songs platziert. Besonders eindrücklich war, als sie musikalisch vor der Gefahr des Populismus warnten und aufforderten, Politiker an ihren Leistungen und nicht an ihren Worten zu messen. Die Band kannte am Donnerstagabend keine Müdigkeit und spielte Zugabe um Zugabe. «Sie sollen auf keinen Fall aufhören», freute sich Besucherin Mariella Müller und Samuel Brupbacher meinte: «Dieser Italo-Ska macht einfach gute Laune.» Erschöpft und glücklich endete die Schnellzugfahrt am späten Abend. «Schaffhausen war einfach wundervoll», freute sich Trompeter Andrea Barin nach dem Konzert. «Wir haben Feuer gelegt und die Flammen ausgiebig genossen.»

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen am 21. Oktober 2023 in der Zeitung Schaffhauser Nachrichten.

 

«Meine Songs sind wie eine Oase»

Am Hoffest der Kammgarn spielt Andrea Bignasca als Headliner. Für ihn sollen Songs nicht nur kreativ sein, sondern dürfen durchaus auch einmal wütend klingen. Von Hermann-Luc Hardmeier.

«Natürlich!», antwortet Andrea Bignasca überraschend auf die Frage, ob er einen Bezug zu Schaffhausen habe. «Meine Mutter ist in Schaffhausen geboren und aufgewachsen. Im Sommer kamen wir früher oft zu Besuch und zelteten am Rhein.» Wenn man Andrea Bignasca auf der Bühne stehen sieht, würde man nicht denken, dass für ihn eine Musikerkarriere nicht von Anfang an vorprogrammiert war. Er hat zunächst englische und italienische Literatur an der Universität Zürich studiert und ist bis zum Bachelor eingeschrieben gewesen. «Bevor ich mit meinem Studium jedoch fertig war, wurde mir klar, dass ich mir nicht vorstellen konnte, auf diesem Weg glücklich zu sein. Ich war ehrlich zu mir selbst und habe anfangs mit etwas Herzklopfen beschlossen, es mit einer Musikkarriere zu versuchen.» Musik begleitete ihn schon immer in seinem Leben und war sehr präsent in seinem Elternhaus. «Mein Vater hört viel Musik, und meine Mutter hat ständig mit uns gesungen. Ich spielte zunächst Flöte- und Schlagzeug, bis ich nach etwa zehn Jahren zur Gitarre und zum Gesang wechselte.» Für Andrea Bignasca war schnell klar, dass er sich in der Rockmusik und im Bluesrock zuhause fühlte. «Das berührt mich am meisten. Ich mag es, dass Rock sanft, wütend, gefährlich, tröstlich, beruhigend und energiegeladen sein kann.» Mittlerweile füllt der Künstler mit seinem Sound grosse Konzertsäle und begeistert seine Zuschauer. Aber was ist eigentlich das Spezielle an seiner Musik? «Ich bin nicht politisch in meinen Liedern. Zumindest nicht bewusst. Ich denke nicht, dass ich die eine Botschaft habe. Ich hoffe einfach, dass meine Songs eine kleine Oase sein können, wo man findet, wonach man sucht. Sei es auch nur für eine tanzende Minute am Abend.» Und wahrscheinlich gelingt dies besonders gut, da Andrea Bignasca mit seiner lockeren Tessiner Art dem Publikum ein harmonisches Gefühl vermitteln kann. Seine Hits wie «Lump in Your Throat», «Moonshining», «Most Times», «Where Things Grow Mean» oder «Roll out Mama» wird er die Schaffhauser Herzen sicherlich im Sturm erobern. Andrea Bignasca singt auf Englisch und ganz neu bei einem Song auch auf Italienisch. Der Sänger holt die Inspirationen für seine Lieder aus Alltagserlebnissen und sowohl aus schönen wie auch aus enttäuschenden Momenten. Als Vorbilder sieht er Bruce Springsteen, Tom Pretty, War on Drugs, Wolf Alice und Rival Sons. Mit Springsteen würde er übrigens sehr gerne einmal ein Duett singen. «Es wäre schön und sicher lustig, mit ihm Zeit zu verbringen, aber eigentlich fühle ich mit wohl mit meiner Band und würde sie mit niemandem tauschen.» Auf den Auftritt in der Kammgarn freut er sich sehr: «Es wird ein ganz besonderer Abend sein. Am Tag danach feiert meine Tochter ihren ersten Geburtstag und ich meinen 34. drei Tage später. Ich hoffe, dass viele Leute kommen werden, dass das Wetter schön ist. Und ich hoffe, dass ich einige neue Ohren gewinnen kann.»

Eine Konzertvorschau von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung „Schaffhauser Nachrichten“ am Montag, 21. August 2023.