Martin Suter: «Ich habe mich nicht ein Jahr lang als Elefant verkleidet.»

Der Schweizer Autor Martin Suter trat am 22. Februar 2017 im Kaufleuten Zürich auf. Anlass dafür war die Präsentation seines neuen Romans «Der Elefant». Vor 500 Gästen sprach Martin Suter über sein Buch, ob er die Gentechnik für gefährlich halte und wie er zu seinen Kritikern steht. Das Gespräch führt Katja Früh, die mit ihm zu Beginn seiner Karriere als Regisseurin zusammengearbeitet hat.

elefant_hermann+luc+hardmeier

Das Gespräch der zwei wird im Folgenden möglichst wortwörtlich wiedergegeben, ist aber – der Lesbarkeit zuliebe – ein bisschen gekürzt. Verfasst von Hermann-Luc Hardmeier.

Sie haben eine Geschichte über einen wahnsinnig herzigen, kleinen, rosa leuchtenden Elefanten geschrieben. (…) ich war sofort verliebt, aber andererseits fand ich es total abgefahren. Wie kommt jemand auf einen rosa leuchtenden Elefanten? Haben Sie das im Alkoholrausch geschrieben?
Martin Suter: Ich war vor 10 Jahren an einer Alzheimertagung in Tübingen. Im Rahmen der Veranstaltung wurde ich durch das Institut geführt. Der Professor Jucker sagte mir während der Führung nebenbei, heute könnte man gentechnisch auch einen kleinen roasroten Elefanten herstellen. Dieser Elefant ist mir nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Immer wieder dachte ich, das wäre doch Material für eine Geschichte. 10 Jahre später schrieb ich nun mein Buch darüber.

Gibt es wirklich leuchtende Tiere, abgesehen von Glühwürmchen?
Ja, das was Glühwürmchen zum Leuchten bringt, kann man gentechnisch benutzen, um auch andere Tiere zum Leuchten zu bringen. Googeln Sie einmal „Glowing Animals“, dann haben Sie den Bildschirm voller leuchtender Tiere. Auch kleine Tiere sind heute gentechnisch herstellbar. In China wurden Laborschweine aus praktischen Gründen in Miniatur hergestellt. Wenn man will, kann man sich diese nun als Haustiere kaufen. Bei Elefanten hat man es – soweit ich weiss – bisher noch nicht probiert. Mein Elefäntchen leuchtet von selber, es reflektiert nicht bloss. Es ist also gar nicht so völlig utopisch, was ich geschrieben habe.

Martin Suter liest aus dem Buch den Anfang der Geschichte.
Kurz vor dem Lesen hätte er gerne einen Schluck Wasser getrunken, doch die Wasserkaraffe auf dem Tischchen ist leer. Humorvoll bemerkt Martin Suter dazu. Normalerweise bestelle ich immer Wasser ohne Kohlensäure, doch jetzt habe ich nur die Kohlensäure bekommen.

Gentechnologie ist ein schwieriges Thema, bei welchem es viele verschiedene Meinung dazu gibt. In dem kleinen Elefanten sind alle Widersprüche zu diesem Thema drin. Wollten Sie etwas über Gentechnologie schreiben? War Ihnen das ein Anliegen oder wollten Sie einfach über den kleinen Elefanten schreiben?
Ich suche nie ein Thema und schreibe dann ein Buch dazu. Das ist auch okay, wenn man das so macht. Ich mache es anders, ich suche eine Geschichte und diese Geschichte findet dann selber das Thema. Ich gehe nicht mit der Absicht an ein Buch, eine Debatte neu beleben zu wollen.

Nach Ihrem Buch ist es schwierig, die Gentechnologie zu verteufeln. Denn wenn Sie solche Wesen wie das kleine Elefäntchen hervorbringt, dann kann es ja nicht so schlecht sein. Man ist beinahe versucht zu sagen, Gott ist ein Gentechnologe. Dann gibt es im Buch aber auch ganz viele böse Menschen, die Fieses vor haben mit dem Elefanten. Stichwort: Geldgier. Und es gibt auch die Figur der Tierärztin Valerie, welche die Gentechnologie als Eingriff in die Schöpfung sieht. Wie stehen Sie zu diesem Thema?
Valerie sieht es ein wenig differenziert. Der „Elefantenbesitzer“ Schoch erhält bei ihr Unterschlupf und philosophiert einmal mit ihr. Beim Gespräch taucht die Frage auf, ist es ein Eingriff in die Schöpfung und in die Evolution sei? Valerie sagt, für sie sei es das gleiche. Diese Unterscheidung sei lediglich eine Zeitfrage. Die Schöpfung dauerte sieben Tage und die Evolution einige 100 Millionen Jahre. Sie glaube, hinter all dem stehe ein Plan. Die Gentechnologie greife in diesen Plan ein und sei deshalb unnatürlich. Ich persönlich glaube nicht, dass es ein heikler Eingriff in eins der beiden ist oder extremer ist als eine andere medizinische Entwicklung. Die Medizin machte immer extreme Eingriffe. Die Gentechnologie ist ja ein weiterer Fortschritt der Medizin. Ich wäre auch nicht froh, wenn man im Mittelalter aufgehört hätte, den medizinischen Fortschritt voranzutreiben. Sonst würden wir alle nicht hiersitzen. Ich glaube nicht, dass man die Gentechnologie verhindern oder sogar kontrollieren kann. Man müsste es, aber wir wissen ja alle, dass alles, was gemacht werden kann, gemacht werden wird. Wir können nur zuschauen und hoffen, dass es gut geht. Schoch sagt in diesem Gespräch, die Medizin sei ja auch ein Eingriff in die Natur. Sie erwidert darauf, „Nein, der natürliche Zustand ist gesund und die Heilung durch die Medizin stellt den natürlichen Zustand wieder her.“ Ich habe keine feste Meinung dazu, ob die Gentechnologie schädlich ist oder nicht und möchte auch keine feste Meinung vermitteln. Ich glaube einfach, man kann die Gentechnologie nicht aufhalten.

Die Alkoholiker sind in Ihren Büchern ein wenig die letzten Poeten. Die letzten grundguten Menschen. Das gefällt mir. Wie haben Sie diesbezüglich recherchiert? Sind sie mit diesen Herren zu einem Bier zusammengesessen oder wie haben sie bei diesen «Outcast» bzw. in der «Pennerszene» für Ihr Buch geforscht?
Das sind sehr tolerante Leute. Die sind wahrscheinlich uns gegenüber toleranter als wir ihnen gegenüber. In Zürich ist das sehr einfach. Die Obdachlosen oder Randständigen – im Schweizerdeutsch gibt es diesen sehr passenden Ausdruck – haben ein wunderbar gemachtes Strassenmagazin «Surprise». Das wird auf der Strasse verkauft, die Organisation unterstützt die Obdachlosen damit zur Selbsthilfe. Die Verkäufer dürfen die Hälfte des Erlöses behalten und können damit einen «Zustupf» zu dem verdienen, was sie zum Leben brauchen. Die Verkäufer machen auch Führungen durch «ihre» Unterwelt. Das sind mehrere Routen, zu welchen man sich anmelden kann. Das ist sehr interessant. Ich habe dies gemacht. Zwei praktizierende und ehemalige Obdachlose haben mir ihre Welt gezeigt. Ich habe mit ihnen gesprochen. Sie haben mir Details erklärt und mich herumgeführt.

Dieser Schoch….
Ach ja, ich wollte noch sagen. Man hat mich gebeten, nicht im Anzug an die Führung zu kommen. (Anmerkung: Martin Suter trägt in der Öffentlichkeit immer einen Anzug)

Und das haben Sie gemacht?
Ich habe die Krawatte dann weggelassen…

Also dieser Schoch, das ist ja ein Banker?
Jetzt haben Sie schon einen Teil des Clous verraten. Das kommt doch erst gegen den Schluss.

Entschuldigung. Also dann versuche ich es anders. Diese Liebesgeschichte ist schon sehr interessant. Hätte sich diese Valerie auch in jemanden verliebt, der nicht Randständig ist. Hat sie ein Helfersyndrom?
Es gibt eine Szene, in welcher er sich den Bart abrasiert und im Anzug ihres Vaters auftritt. Da stellt sie sich die Frage, ob sie so eine oberflächliche Person sei, dass er ihr nun ganz anders vorkommt. Ähm, warum habe ich jetzt das gesagt?

Weil ich wissen wollte, warum diese Liebesbeziehung funktioniert.
Ähm. Ich kann jetzt nicht sagen, kaufen Sie das Buch und die Antwort steht drin.

Ja, die steht nämlich nicht drin. Aber mich hat es beschäftigt, was sie in ihm sieht. Aber offenbar kann man dies rauslesen aus dem Buch.
Martin Suter nickt dezent lächelnd.

Der kleine Elefant Sabu. Der wird von verschiedenen Menschen anders gesehen. Der Tierpfleger Kaung aus dem Zirkus sieht in als heiliges Tier. Die andere Sicht: Es ist ein schützenswertes Wesen. Dann gibt es Menschen, die mit diesem Gentechnik-Produkt Geld verdienen wollen. Vielleicht kann man damit steinreich werden. Z.B. für Kinder, die schon alles haben als Spielzeug oder Haustier. Ich neige am ehesten zur ersten Sichtweise. Und Sie?
Mir gefällt die Sicht von Kaung am besten. Aber ich neige eben leider zur Sicht, dass es ein durchaus machbares gentechnisches Experiment ist.

Es lebt ja.
Ja. Es wird ja auch aus lebendigem Zellmaterial hergestellt.

Sie haben ja extrem viel recherchiert zum Thema Elefanten und deren Schwangerschaft. Das ist ja schon fast wissenschaftlich. Haben Sie eine spezielle Neigung dazu oder haben Sie ein Jahr lang dafür Bücher gewälzt?
Ich habe ein Zooabonnement. Ich gehe regelmässig mit der Familie in den Zoo. Ich habe keine besondere Beziehung zu diesen Tieren. Das ist alles recherchiert. Ich habe schon intensiv nachgeforscht, aber es ist nicht so, dass man sich da ein Jahr lang als ein Elefant verkleiden muss.

Aber es ist so sinnlich und genau!
Das ist die Fantasie des Schriftstellers.

Nun möchte ich noch auf die Kritik zu sprechen kommen. Wie gehen Sie damit um, dass die Kritiker immer von spannenden Büchern, raffiniert gebauten Plots, interessante Gesellschaftsthematiken und interessanten Figuren sprechen? Andere fragen sich, ob das noch Literatur ist. Weil es so spannend und so unterhaltend ist, darf man das noch zur hohen Literatur zählen? Stört Sie dies, dass man Sie in dieses Spannungsfeld wirft und sich fragt, ob das ernste Literatur oder Trivialliteratur sei?
Also ich habe dieses Problem ja nicht.

Nein, andere haben dieses Problem.
Es ist jetzt nicht mehr so schlimm wie auch schon. Ich wollte ja schon lange Schriftsteller werden und schon lange zum Diogenes Verlag, weil dies der einzige Verlag ist, der dieses Problem im deutschsprachigen Raum nicht hat. Deshalb war ich so froh, dass ich dort landen konnte. Ähm. Literaturkritiker ist halt ein Beruf…

Das stimmt.
Ich schreibe Bücher und Kritiker kritisieren sie. Ich möchte auf keinen Fall tauschen.

Ich frage mich dennoch, warum dieser Unterschied in der Schweiz und in Deutschland so stark gemacht wird, zwischen «Unterhaltung» und «richtiger» Kultur. In England und in den USA wird das nicht unterschieden. Sie wären doch genau so jemand, der sehr gute Bücher schreibt. Man spürt, vielleicht sind sie zu erfolgreich. Vielleicht stört die Kritiker das. Sie erfinden dann Ausdrücke wie «Es sei eine philosophische Schöpfungsreflexion» und solche Dinge.
Hmm, können Sie mir diese Kritik mailen?

Ja, kann ich. Aber die Frage stellt sich. Darf man das? Oder ist das überladen?
Ich glaube, ich wäre schlecht beraten, wenn ich mich über die Kritiker beklagen würde. Im Grossen und Ganzen haben sie es in den letzten 20 Jahren sehr gut mit mir gemeint.

Aber das mit der Unterhaltung…
Ja, bei mir ist es so, dass ich versuche so zu schreiben, wie ich gerne lesen würde. Wenn dann die Formulierungen und Stimmungen, die Gerüche und die Bilder nicht abendfüllend sind, dann brauche ich etwas, was mich zum Weiterblättern treibt. Darum versuche ich immer spannende Bücher zu schreiben. Ich bin auch einer, der sehr schnell ein Buch weglegt, wenn er nicht in die Geschichte «hineinkommt». Und das versuche ich zu vermeiden. Und vielleicht bin ich auch einer von den Lesern, der dies erwartet von der Literatur. Es gibt auch ganz grosse Schriftsteller – Ich darf jetzt keine Namen sagen, ansonsten heisst es wieder, ich vergleiche mich mit denjenigen – ….

Georges Simenon?
Ja…

Shakespeare?
Ähm, selbstverständlich. (lacht). Nein, vielleicht Joseph Roth. Das darf ich sagen, weil ich ja einmal den Joseph-Roth-Preis gewonnen habe. Ich finde es toll, wenn man kleinste Details beschrieben bekommt wie beispielsweise die Uniformen beim Radetzkymarsch bis auf das letzte Kautschukstäbchen am Kragen oder wenn man im Detail erfährt, wie jemand rasiert wird. Ich habe den Realismus gerne. Aber da gibt es wirklich grössere als mich.

Ja, mich interessiert einfach das Phänomen, warum man Unterhaltung und Literatur trennt.
Man muss eigentlich leiden, um ein Künstler zu sein. (lacht)

Sie haben in Ihren Büchern eine Vorliebe für Dinge, die es nicht gibt. Demenz, Amnesien, Rauschzustände, zwei identische Banknoten, Menschen, welche die Zeit leugnen, rosa Elfentanten. Das hat etwas Magisches und zieht sich durch Ihre Erzählungen. Man würde fast denken, Sie glauben an Wunder. Welches ist Ihrer Meinung nach ein Thema, welches sich durch alle Ihre Bücher zieht?
Ja, es gibt eines. Ich wusste es lange nicht. Jemand hat mich mal bei einer Lesung genau dies gefragt. Ich hatte keine Antwort. Ein Besucher hat dann beim Signieren gesagt: Ich weiss, was Ihr Thema ist. «Schein und Sein». Und damit hatte er gar nicht so unrecht. Es geht eigentlich in allen Geschichten ein wenig um das Thema «Identität». Das hat man im Kopf, im Gedächtnis und verliert es z.B. durch Demenz. Das ist eine Art roter Faden durch meine Bücher. Den habe ich aber nicht geplant. Aber offenbar fasziniert mich das. Es hat natürlich auch einen dramaturgischen Grund: Eine Geschichte ist dann interessant, wenn der Protagonist am Schluss des Buches ein anderer ist als am Anfang. Die Veränderung der Identität ist, seit es Geschichten gibt, am spannendsten.

Das gilt eigentlich auch für den Film und fürs Theater?
Da muss man unterscheiden. In einer Serie darf sich ein Protagonist nicht entwickeln, er muss die Erwartungen bestätigen. Wenn sich ein Seriendetektiv entwickelt, dann raubt er dem Zuschauer den Bestätigungsmoment. Der Moment, wenn man sagen kann: Typisch Sherlock. Aber in einer abgeschlossenen Geschichte ist es schon spannend, wenn sich eine Figur entwickelt.

Die Fragen zur Biographie zu Martin Suter wurden weggekürzt, da er sich dazu schon in vielen anderen Interviews geäussert hat. Die Lesung dauerte eineinhalb Stunden und wurde mit grossem Applaus und einer langen Signierstunde vom Autor beendet.

Von Hermann-Luc Hardmeier.

Der Hüftschwung von Elvis – Die Songs von Britney Spears

Am Samstagabend erweckten „The Baseballs“ vor 800 Gästen im Schaffhauser Club “Kammgarn” den Rock’n’Roll erneut zum Leben. Eine Konzertkritik von Hermann-Luc Hardmeier.

hardmeier+baseballs2

Bild: Die Baseballs brachten das Publikum in Schaffhausen zum Kochen. (Bild: Phillip Schmanau, Bericht: Hermann-Luc Hardmeier)

„Rock around the Clock“, hiess das Motto am Samstagabend in der Kammgarn. Der bekannte Song von Bill Haley and his Comets aus den 50er-Jahren war zwar ebenso wenig zu hören wie „Let’s Twist again“ von Chubby Checker oder „Blue Suede Shoes“ vom King of Rock’n’Roll. Dafür hatte man aber optisch das Gefühl, Elvis himself stehe auf der Bühne. Nicht einmal, sondern gleich dreimal. The Baseballs aus Berlin mit den Sängern Sam, Digger und Basti sind Sixties- und Rockabilly-Fans der ersten Stunde und haben seit 10 Jahren Erfolg mit einem einfachen aber perfektem Konzept: Sie schnappen sich bekannte Hits aus der Hitparade und verändern sie zu Rock’n’Roll-Versionen. Beim Singen imitieren sie so gekonnt die tiefe und sexy Stimme von Elvis, dass man meint, man sei mit einer Zeitmaschine in die Zeit von Lollypops und Petticoats zurückgereist. Mit diesem einfachen Rezept sind die Baseballs mehr als „nur“ eine Coverband. Sie haben die Kunst perfektioniert, ihre Songs mit dem Baseball-Twist zu versehen. Jedes Lied von ihnen ist ein Hit und sorgte am Samstagabend für unglaubliche Tanzstimmung. Ihren Durchbruch schafften sie 2009 mit „Umbrella“. Diesen ultimativen Partykracher sparten sich die drei natürlich für den Schluss ihres Konzertes auf, um die Menge noch einmal so richtig aufzuheizen.

 Jagd auf die 90er

„Hit me Baby..“ – drei Worte genügen, damit jeder, aber auch wirklich jeder an Britney Spears denkt. Der Songtitel ziert momentan die Tourplakate der Baseballs. Nachdem sie sich lange Zeit die angesagten Songs der Hitparade vorknöpften, haben sie sich für die aktuelle CD die 90er-Jahre geschnappt. „Derzeit schiessen 90er-Jahre-Partys wie Pilze aus dem Boden“, erklärte dazu Basti im Interview vor dem Konzert. „Wir wollten auf dieser Welle mitreiten und die Energie jener Zeit mit dem Rock’n’Roll kombinieren.“ Kein Wunder also, dass die Baseballs ihr Konzert mit „Daylight in your Eyes“ eröffneten. Ein Song von 2001, der in der Version von den Baseballs aber klang, als wäre er direkt der Rock’n’Roll-Gitarre von Chuck Berry oder dem brennenden Klavier von Jerry Lee Lewis entsprungen.

hardmeier+baseballs1

Bild: Die Baseballs kurz vor ihrem Auftritt in Schaffhausen. (Foto: Phillip Schmanau. Bericht: Hermann-Luc Hardmeier)

Spiel mit dem Publikum

„Schaffhausen, wir wollen jetzt zusammen singen“, erklärte Frontmann Sam den 800 Besuchern in der ausverkauften Kammgarn. Doch nicht nur die Stimmbänder des Publikums kamen an diesem Abend auf ihre Kosten. Auf Kommando der Band wurde im Rhythmus geklatscht, gejubelt, der Refrain mitgesungen und der Loco-Motion-Tanz von Little Eva aus den 60er-Jahren eingeübt. Eine Besucherin durfte sogar auf die Bühne und sich ein Lied wünschen. Die Dame bat um den Robbie-Williams-Hit „Angel“ und wurde sogleich von den drei Charmeuren umtanzt und besungen. Verfolgen durfte sie das VIP-Konzert auf einem Barhocker mitten auf der Bühne. Das Spiel mit dem Publikum liegt den Baseballs ausserordentlich. Wir erinnern uns, als sie beim Auftritt letzten Sommer am „Stars in Town“ sogar einen Gast auf der Bühne hatten, der seiner Geliebten einen Heiratsantrag machte. Ein solches Highlight ist natürlich schwer zu toppen. Dafür gab es am Samstagabend noch ein wenig Klamauk am Schluss: Mit dem Publikum zusammen sangen die Baseballs den „Mana-Mana“-Song aus der Sesamstrasse. Die Band war glücklich und Digger bemerkte euphorisch: „Wir sind heiss wie Frittenfett!“

 Hit auf Hit

Das Konzert war nicht einfach nur gut, es war Weltklasse. Ein Hit jagte den nächsten. „Hit me Baby“ von Britney Spears, „Hot N Cold“ von Katy Perry, „Everybody“ von den Backstreetboys und, und, und. Es wurde begeistert gesungen und getanzt, bis der Schweiss von der Decke tropfte. Keine Frage: Elvis lebt – und zwar dreifach.

Ein Konzertbericht von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten” am 10. April 2017.

Der jamaikanische Sheriff sorgte für Tanzstimmung

Die zwei musikalischen Urgesteine Luciano und Freddie McGregor aus Jamaika beeindruckten am Samstagabend die Gäste im Schaffhauser Club “Kammgarn”. Ein Konzertbericht von Hermann-Luc Hardmeier.

04_re_luciano

Bild: Ein echter Paradiesvogel: Der Showman und Verkleidungskünstler Luciano begeisterte sein Schaffhauser Publikum mit Stock, Charme und Melone. (Foto: Selwyn Hoffmann, Bericht: Hermann-Luc Hardmeier)

Wow, was für ein Auftritt! Er trug einen Regenmantel, einen Rucksack, einen Stock aus Holz mit vielen Verzierungen, einen Riesenhut und rot leuchtende Velohandschuhe. Der jamaikanische Star des Abends sah ein wenig aus wie eine Mischung aus Kommissar, Wanderer und Tour-de-France-Teilnehmer, doch das illustre Outfit war schon nach den ersten Klängen Nebensache. Unter grossem Applaus eröffnete Luciano den Partyabend mit seinem grosser Hit „Give praise to Rastafari“. Die gut 300 Gäste wurden durch die warmen jamaikanischen Melodien sofort in Tanzstimmung versetzt. Der gemütliche Reggae mit viel Power und einer Prise Dancehall beeindruckte. Immer wieder streckte Luciano seinen Jamaika-Stock in die Höhe und die Besucher jubelten begeistert dazu. Mittlerweile hatte er sich des Regenmantels und des Hutes entledigt und trug darunter ein Jacke in Tarnfarben, ein silbern leuchtendes Amulett und einen rot funkelnden Sheriffstern. „Seid ihr bereit für echte authentische Reggaemusik?“, wollte er wissen und sprang athletisch in die Luft.

Akrobatische Einlage inklusive

Beim Höhepunkt des Konzertes setzte er dieser sportlichen Einlage noch die Krone auf. Er legte sein Amulett auf die Seite und setzte zu einer Mischung aus Flic-Flac und Salto an. Das Publikum tobte vor Freude und der Jamaika-Sheriff strahlte über beide Wangen. Luciano zog mit seiner Ausstrahlung und mit seinem Charisma jeden Besucher in seinen Bann und riss ihn mit. Nach gut einer Stunde übergab er das Musikzepter weiter an Freddie Mc Gregor. Die zwei sind derzeit zusammen auf Europatournee und ergänzen sich perfekt. Freddie McGregor spielte traditionellen Reggae und war nicht ein Showman wie Luciano. Dafür begeisterte er die Gäste mit seiner kraftvollen Stimme und seinen harmonischen Songs. Sein Hit „I was born a Winner“ beispielsweise ist der Inbegriff der Gemütlichkeit, vermag mit dem fetzigen Beat jedoch trotzdem die Tanzbeine zu massieren und zu aktivieren. Auch in ihren Kommentaren zu ihren Songs unterschieden sich die zwei. Während Luciano vor einem Song in aller Deutlichkeit US-Präsident Donald Trump kritisierte, widmete Freddie McGregor eins seiner Lieder der Freude über den Marihuana-Konsum. Am Schluss des Abends verabschiedeten sich die zwei unter grossem Applaus vom begeisterten Publikum.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen am Montag, 3. April in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten”.

Ein musikalischer Schnellzug ohne Stoppsignal

Die Band «El Flecha Negra» brachte am Freitagabend das Publikum im Club “TapTab” in Schaffhausen zum Ausflippen. Eine Konzertkritik von Hermann-Luc Hardmeier. 

Achtung, fertig, los. Ohne Begrüssung, Intro oder langem Firlefanz legte am Freitagabend die Truppe auf der TapTab-Bühne gleich los. Musik stand im Zentrum und die Band „El Flecha Negra“ hielt sich nicht lange mit Worten auf. Dabei hätte es sicherlich viel zu erklären gegeben. Wie kommt eine Latino-Band dazu, ihr erstes Album „Schwarzwald“ zu taufen? Vielleicht wegen ihrem Heimatort im deutschen Freiburg? Warum begrüssten sie nach dem dritten Song die Gäste auf Spanisch, obwohl alle fliessend Deutsch sprechen? Vielleicht um den Zauber des Exotischen nicht zu zerstäuben? Warum schreibt sich die Band „el Flecha“, obwohl es „la Flecha“ heissen müsste? Vielleicht weil der schwarze Pfeil, wie der Bandname übersetzt heisst, nicht nur irgendein Pfeil ist, sonders derjenige von Amor? Mit dem falschen Artikel drücken sie vielleicht aus, dass die Liebe nicht immer geradlinig verläuft? Fragen über Fragen; Antwort gab die Musik. Sie war nicht nur gut, sondern einfach umwerfend. Wie ein Schnellzug ohne Stoppsignal raste die Band durchs TapTab. Nach dem ersten Lied „Visita de Noche“ gab es kein Halten mehr. Sie spielten Cumbia,Swing Ranchera, Reggae und Surf. Die deutsche Band, deren Musiker ursprünglich aus Chile, Peru, Mexiko und Spanien stammen, sorgten von Anfang an im TapTab für Tanzstimmung. Das Schlagzeug zirpte und schnaubte, die Gitarre hüpfte und der Bass stampfte und dröhnte. Wie ein grosser musikalischer Zoo in Ektase. Die Band feuerte den Brennofen mit schnellen Tempowechseln und vielen Variationen an. Plötzlich griff

«Otra, Otra!»

Bandleader Christian Kata zur Trompete, dann wieder zur Gitarre, um dann beides wegzulegen und wieder den Refrain zu singen. Ebenso Perkussionist Tatán González Luis, der bei den Reggaesongs jeweils den Leadgesang übernahm und ansonsten neben den Congas auch die Trompete schwang. Beim Lied „Mama Llema“ waren die Gäste aufgefordert mitzusingen. Als dann die Band die Klänge des Reggaehits „Wait in Vain“ von Bob Marley dazumischten, brannte die Hütte lichterloh. Wild, wilder, Cumbia. Die Gäste feierte mit den Musikern und auch die Band hatte sichtlich grossen Spass. Der Frontmann liess sich während dem Singen sogar zu einem „Spaziergang“ im Publikum mitreissen. Indem die Besucher fleissig auf Spanisch «Zugabe» mit den Rufen „Otra, Otra!“ forderten, erreichten sie ihr Ziel. Es wurden nochmals zwei Songs gespielt. Nach insgesamt 15 Liedern endete der Abend mit dem Titel „Cada Uno Sabe“, frei übersetzt: „Jeder weiss.“ Und tatsächlich, jeder wusste, das war ein wirklich heisser und gelungener Abend.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten” am Montag, 27. März 2017.

Die Zaubermeister des Latino-Hip-Hops

Am Samstagabend gab es mit den Delinquent Habits deftigen Hiphop im Schaffhauser Club “Kammgarn” zu hören. Ein Konzertbericht von Hermann-Luc Hardmeier.hermann+luc+hardmeier+delinquenthabits

Bild: Eine gelungener Abend mit den HipHop-Legenden. (Foto: Selwyn Hoffmann, Bericht, Hermann-Luc Hardmeier)

Was für ein Abend in der Kammgarn! Harmlos tröpfelten um halb neun die ersten Gäste in die Halle. Gut zwei Stunden später brannte das Haus lichterloh mit 400 Gästen, die ausflippten. Doch von Anfang an. Die amerikanische Hiphop-Formation Delinquent Habits gründete sich 1991 und entwickelten sich zusammen mit Cypress Hill zu den Zaubermeistern des Latino-Hiphops. Mit „Tres Delinquentes“ landeten sie einen ultimativen Hit, der sie weltweit bekannt machte. In den vergangenen 20 Jahren haben sie ein Album nach dem anderen gekonnt auf den Markt geschleudert. Nun standen sie auf der Bühne in Schaffhausen mit ihrem siebten Studioalbum namens „It could be round two“. Es ist erstaunlich, dass man so lange im Geschäft ist, und dennoch, knackig, frisch und würzig in den Boxring steigt. Der Hiphop war mit Soul-Funk und Rockelementen angereichert und klang kein bisschen verstaubt und altbacken.

Gebührend eingeheizt

Die hiesige und auswärtige Hiphopszene liess sich am Samstagabend nicht lumpen und bot den Gästen aus dem sonnigen Kalifornien einen gebührenden Empfang. Gleich vier Vorbands beziehungsweise vier Hiphop-Combos heizten das Publikum deftig ein. Es wurde auf Hochdeutsch und Englisch gesungen und getextet. Ein Team bot exzellenten Italo-Rap und ein anderes hatte sogar französische Texte im Gepäck. Am DJ-Pult standen abwechselnd Mixmeister der Munotstadt oder von auswärts. Zwei besonders beeindruckende Scratchkönige waren die Schaffhauser DJ Tug und Clapto. Das Warm-Up war vielfältig, doch eines hatten alle Künstler gemeinsam: „Seid ihr bereit für Delinquent Habits?“, wollten sie immer wieder wissen. Das Publikum johlte jedes Mal ein wenig Stärker, bis die Forderungen am Schluss ohrenbetäubend euphorisch wurden.

Flow der Extraklasse

„Delinquent Habits haben einfach einen geilen Flow“, freute sich ein Besucher, der die Hauptband schon vor vier Jahren bei ihrem letzten Besuch in der Kammgarn gesehen hatte. Und er sollte recht behalten. Die Vorgruppen waren gut, doch Delinquent Habits von einer ganz anderen Qualität. Wuchtig und pompös klangen ihre Stimmen und fegten jeden Zuhörer aus den Socken, wenn er die Schnürsenkel der Tanzschuhe zu locker gebunden hatte. „Delinquent Habits in the House“, stachelte MC Ives Irie vom Hauptact die Gäste an, betrat die Bühne und schwenkte dabei eine Whiskey-Flasche. Mit schwarzer Sonnenbrille und Skeletthandschuhen folgte der zweite Rapper namens Kemo the Blaxican. Das Partygewehr war geladen und feuerte eine Salve nach der anderen in den Raum.

Tequila für alle

Doch nicht nur musikalisch kam das Publikum auf seine Kosten. Wer schon einmal an einem Konzert von Delinquent Habits gewesen ist, der weiss, dass durstige Gäste ganz vorne stehen sollten. Die Band hat jeweils eine kleine Minibar im Gepäck und schenkt den Fans Tequila-Shots während dem Konzert aus. Gemeinsam wird anschliessend geprostet und auf die Weltherrschaft des Hiphops angestossen. Die Stimmung am Konzert war nicht nur einfach gut, sie war explosiv. Es wurde gesprungen, im Takt die Hände nach vorne gepfeffert, mitgesungen und die Hüften geschwungen. „Das ist purer, echter Hiphop“, freute sich Ives Irie.

Höhepunkt halb 12

Die Zündschnur am Pulverfass brannte schon lange. Um halb 12 explodierte schliesslich das Hiphop-Sprengstoffgemisch, als die zwei Musiker ihren Hit „Tres Delinquentes“ anstimmten. Eine lässige Melodie, unterlegt mit mexikanischen Trompeten und abgerundet mit kräftig hämmernden Bässen war zu hören. Die zwei MCs texteten um die Wette und das Publikum schien jede einzelne Zeile zu kennen. „Ultimativ!“, freute sich eine Besucherin und stürmte in den kochenden Kessel vor die Bühne. Angesichts der ausgelösten Begeisterung wunderte man sich nicht, dass der Song 1996 rund eine Million Mal verkauft worden ist. Eine ganz ähnliche Wirkung wie der Chartstürmer hatte auch der Song „Return of the Tres“, der 2001 und 2005 in der Nike-Werbung zu sehen und zu hören war.

Highfives mit Gästen

Doch die Band spielte nicht nur neue Songs und alte Klassiker, sondern es gab auch Freestyle-Einlagen und Kurzauftritte der Vorgruppen auf der Bühne. Alles voran stand Skinny Fresh, der die Band auf ihrer gesamten Europa-Tour begleitet. Die Musiker hatten sichtlich Spass. Ausgelassen reimten, tanzten und feierten sie. Es gab Highfives für die Gäste, einem glatzköpfigen Besucher trommelte der MC auf das Köpfchen und einen anderen forderte er auf der Bühne zum Tequila-Shots-Wetttrinken auf. Der Abend endete als Feuerwerk und liess keine Wünsch offen.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen am 20. März 2017 in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten”.

«Der Begriff Superstar passt nicht zu mir»

Chartstürmer Álvaro Soler eroberte mit seinen Hits «Mismo Sol» und «Sofia» die Hitparade. Im Interview vor seinem in Schaffhausen Auftritt sprach er über Erfolg, Musik und Donald Trump. Das Gespräch führte Hermann-Luc Hardmeier für die Zeitung “Schaffhauser Nahrichten”.

alvarosoler+hardmeier

Bild: Álvaro Soler sorgte für Stimmung. (Foto: Phillip Schmanau, Text: Hermann-Luc Hardmeier)

Willkommen in Schaffhausen. Wie gefällt einem Berliner mit spanischen Wurzeln unsere Stadt?

Álvaro Soler: Ich habe den Rheinfall besucht und bei El Bertin ein Pistazzien­eis mit schwarzer Schokolade und Chili gekauft. Es gefällt mir sehr gut hier. Ihr Schaffhauser habt eine sehr schöne Stadt.

Könnte Sie der Rheinfall oder der Munot vielleicht sogar für einen neuen Song inspirieren?

Mein Lied «Sofia» handelt von einer gescheiterten Liebesbeziehung. Mich inspirieren Emotionen und Erlebnisse, nicht Bauwerke oder touristische Attraktionen. Wenn, dann würde ich über einen Spaziergang durch die Stadt mit den schönen Dächern und der Architektur ein Lied schreiben.

hermann+luc+hardmeier

Sofia gibt es also wirklich?

Ja, es ist wirklich passiert. Aber die Frau hiess natürlich anders. Mich fasziniert an diesem Lied aber nicht nur der Inhalt, sondern der Kontrast zwischen traurigem Text und fröhlicher Musik.

Wollen Sie «nur» unterhalten oder haben Sie auch politische Botschaften in ihren Liedern?

In «Mismo Sol» geht es darum, dass man Spass haben kann, egal woher man kommt. Humanität und soziale Gerechtigkeit sind Themen, die mich beschäftigen.

Sie könnten sich also nicht vorstellen, in einem Song einen Seitenhieb gegen Donald Trump zu machen?

Eher nicht. Politik selber interessiert mich nicht. Ich bin Musiker, kein Politiker.

Aber Sie sind ähnlich bekannt wie ein Spitzenpolitiker. Sie waren in fast allen Top-10 Europas und auch das Lokal “Kammgarn” heute ist ausverkauft. Sind Sie ein Superstar?

Ich finde, der Begriff Superstar passt nicht zu mir. Ich mache einfach meine Arbeit mit Leidenschaft und bin damit glücklicherweise erfolgreich. Dafür bin ich sehr dankbar.

Hat Sie der Erfolg in dem Fall überrascht?

Ich singe spanisch und hätte nicht damit gerechnet, dass ich damit in Ländern wie Polen oder der Schweiz auftreten werde, wo Spanisch keine Landessprache ist. Man sagt, Musik sei eine internationale Sprache. Aber dass ihre Wirkung so gross ist, das hat mich überrascht.

Kann Erfolg manchmal auch lästig sein, wenn man dauernd auf der Strasse angesprochen und fotografiert wird?

Es gibt Tage, an denen ich müde vom Studio nach Hause komme, und da habe ich auch schon einmal die Strassenseite gewechselt, als ich ahnte, dass eine Gruppe mich ansprechen wollte. Aber normalerweise freut es mich sehr, dass ich mit einem kleinen Foto einem Menschen so grosse Freude machen kann.

Können Sie von der Musik leben?

Mit Musik alleine ist es schwierig. Stichwort Internet. Ein wichtiger Teil ist heute Werbung. Und dort ist es immer die Frage, wie viel Werbung man machen darf, ohne die Credibility bei den Fans zu verlieren.

Aber Sie müssen nicht noch einen Nebenjob machen, um über die Runden zu kommen?

Zum Glück nicht. Ich habe unter anderem eine Ausbildung im Bereich Industriedesign gemacht und habe beispielsweise das Bühnenbild entworfen.

Sieht super aus. In dem Fall ist alles bereit für den heutigen Auftritt?

Klar! Heute brennen wir die Bude ab. Alle Leute die kommen, werden morgen nicht arbeiten gehen können. Ich verspreche, ich werde alles geben.

—- Und hier ist der Konzertbericht —

Álvaro Soler feierte eine bombastische Latinoparty

«Schaffhausen, seid ihr bereit?», begrüsste Álvaro Soler am Sonntagabend die Gäste in der ausverkauften Kammgarn. Der Saal mit den rund 800 Besuchern bebte vor Freude. Eine riesige Schlange über den halben Parkplatz galt es für die Fans zu überwinden, um den Star des Abends zu sehen. Doch das Warten lohnte sich. Die Stimmung war bombastisch und die fünfköpfige Band mit ihrem sympathischen Frontmann live noch viel besser als ab CD. Der Sänger der Hits «Sofia» und «Mismo Sol» zeigte, dass er mit seinem neuen Album «Eterno Agosto» noch viel mehr zu bieten hat als seine zwei bekanntesten Raketenhits. Die spanischen Latinoklänge mischten sich mit fetzigen Beats. Es gab Balladen, akustische Lieder und Partykracher. Die Gäste tanzten, sangen, klatschten im Takt, und natürlich wurden wichtige Szenen mit dem Handy gefilmt. Soler riss mit seinem spanischen Temperament die Zuhörer mit. Es war ein Gefühl, wie wenn man sich im Sommer an den Strand legt, Sonne tankt, das Meer rauschen hört und dazu einen leckeren Cocktail trinkt. Entspannung, Spass, Ferien, Glücksgefühle. Als dann die Klänge von «Sofia» ertönten, gab es kein Halten mehr. Kein Fuss blieb still, und die Stimmbänder wurden zu Höchstleistungen animiert. Es fehlte eigentlich nur noch, dass es Konfetti und Ballons von der Decke regnete. Álvaro Soler begeisterte das Publikum und brachte für kurze Zeit den Sommer in die Herzen und Ohren von Schaffhausen. (hlh)

Beide Berichte von Herman-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten am 13. März 2017

.hermann+luc+hardmeier

Buchkritik: Martin Suter- Der Elefant

Martin Suter ist mittlerweile einer der erfolgreichsten Autoren der Schweiz. Was sein neuestes Werk „Der Elefant“ mit Kultregisseur Quentin Tarantino (Pulp Fiction, The Hatefull Eight) gemeinsam hat und ob es gelungen ist, zeigt folgende Buchkritik von Hermann-Luc Hardmeier.

elefant_hermann+luc+hardmeier

Martin Suter kann sich mittlerweile, ohne bescheiden zu sein, in die Reihe erfolgreicher Schweizer Autoren wie Max Frisch und Friedrich Dürrenmatt einreihen. Er schreibt qualitativ hochwertige Bücher am Laufmeter und die Verkaufszahlen geben ihm recht. Seine Literatur ist gefragt.

Es stimmt zwar, dass seine Bücher auch an den Bahnhofskiosken und nicht nur in Bücherläden verkauft werden. Kritiker werfen ihm deshalb vor, Trivialliteratur zu schreiben. Doch dieser Vorwurf trifft nicht zu. Es ist gerade ein Zeichen seines geschliffenen Schreibstils, dass ihn nicht nur studierte Menschen, sondern auch Otto Normalverbraucher am Bahnhofskiosk gerne liest. Und dies hat seinen Grund. Martin Suter hat eine sehr spezielle Schreibtechnik entwickelt. Er beschreibt einerseits eine spannende Krimigeschichte oder einen psychologische Schatzsuche in familiären oder persönlichen Abgründen, andererseits ist er ein Fachmann. Ein Fachmann? Ja, ein Fachmann. Er informiert sich intensiv bei jedem seiner Bücher im Detail zu einem Thema, welches das Leitmotiv seines Buches ist. Und somit lässt Martin Suter den Leser an der Seite der Hauptpersonen selber zu einem Fachmann in diesem Gebiet werden. In „Der Koch“ weiss der Leser nach dem Buch alles über den Sri-Lanka-Konflikt. In „Small World“ wird der Lesende zum Experten zum Thema Alzheimer und im neuesten Buch von Martin Suter erfährt man sehr viel über die Obdachlosen in Zürich und über genmanipulierte Lebewesen. Martin Suter hat dafür übrigens mehrere Obdachlose in Zürich über einen längeren Zeitraum begleitet. Den genauen Ablauf seiner Recherche kann man im aktuellen „Surprise“ (Zürcher Strassenmagazin) nachlesen.

Ein kurzer Überblick über die Story des neusten Buches „Der Elefant“:

Der Obdachlose Fritz Schoch findet in seiner Schlafhöhle an der Limmat eines Tages einen pinken Elefanten. Dieser hat zwar nur Spielzeuggrösse, ist aber ansonsten lebendig, gefrässig und alles andere als eine Marionette in Kinderhänden. Er birgt ein dunkles Geheimnis. Im Laufe des Buches erfährt der Leser die Geschichte, wie der Elefant in die Höhle des Obdachlosen kam, was ein chinesischer Geheimagent, eine liebenswerte Tierärztin, ein verzweifelter Zirkusdirektor und ein ruhmsüchtiger Genforscher mit dem Ganzen zu tun haben.

Doch mehr sei an dieser Stelle nicht verraten…

Vergleich zu Quentin Tarantino

Die Geschichte ist auf 348 Seiten nicht nur spannend, sondern auch intelligent. Wie bei Kultregisseur Quentin Tarantino (Pulp Fiction, The Hatefull Eight) wird die Geschichte anachronistisch erzählt. Bei „Pulp Fiction“ etwa gibt es Sprünge in der Erzählung, in welcher die zwei Auftragskiller anstatt mit ihren schicken Anzügen plötzlich in T-Shirt und Badehosen vor der Türe ihres Bosses auftauchen. In „The Hatefull Eight“ ist eine mysteriöse Tür im Zentrum des Geschehens, die nicht geschlossen, sondern nur zugenagelt und aufgebrochen werden kann. Während des Filmes wird stückweise der Zeitstrahl zusammengesetzt und der Kinobesucher erfährt, welche witzigen und schrägen Ereignisse dazu geführt haben, dass es zum vermeintlichen Zeitsprung kam.

Und genau die gleiche Ausgangslage bietet sich bei Martin Suter an. Zu Beginn hat der Leser keine Ahnung, warum sich die Protagonisten so verhalten, wie sie es tun, woher der sonderbare Elefant kommt, warum er Pink ist und im Dunkeln leuchtet. Und vor allem: Warum ist er eine Miniaturausgabe eines richtigen Elefanten? Immer wieder beleuchtet Martin Suter neue Figuren im Buch, erzählt Details aus deren Biographie, springt dann aber zur nächsten, um die Spannung aufrecht zu halten. Langsam setzen sich die Puzzleteile zusammen und führen schlussendlich zu einem fulminanten Ende mit Verfolgungsjagden auf verschiedenen Kontinenten und natürlich wird der Weg auch mit der einen oder anderen Leiche gepflastert.

Martin Suter hat mit seinem neuesten Buch ein weiteres Werk geliefert, das den Qualitätsansprüchen der Leser gerecht wird, das eine kleine – wenn auch nicht absichtliche – Hommage an Quentin Tarantino darstellt und das unglaublich spannend zu lesen ist.

Ich wünsche viele Spass beim Lesen und warte schon ungeduldig auf das nächste Buch von Martin Suter.

Von Hermann-Luc Hardmeier, 19. Februar 2017.

„Ich musste viel einstecken, doch das hat mich gestärkt“

Am 6. Februar 2017 kam der ehemalige Schweizer-Nati-Trainer Rolf Fringer an unsere Schule. Vor knapp 60 Lernenden der UNITED school of sports erzählte er von seinen Erfahrungen mit den Medien. Im Rahmen der Spezialwoche „Sport und Medien“ gab er unseren Sporttalenten Tipps und Tricks mit auf den Weg, welche Chancen und Gefahren der Umgang mit Medien bietet. Das mündliche Interview führte Andreas Jucker, Chefredaktor und Sportchef von „Radio Munot”. Schriftliche Form von Hermann-Luc Hardmeier, Deutschlehrer an der UNITED School of Sports.

rolf_fringer_hermann+luc+hardmeier

Sind Sie vor Interviews nervös?

Am Anfang war ich schon kribbelig. Aber man gewöhnt sich daran. Mit der Zeit konnte ich abschätzen, was die Journalisten von mir wollten; ob es ein seriöser Bericht oder eher eine Boulevardstory war.

Hat sich der Journalismus im Laufe der Zeit verändert.

Ja. Früher stand in der Zeitung nach drei Minuten hat Spieler X geflankt und Spieler Y hat in der vierten Minute ein Tor gemacht. Heute ist das ganz anders. Der Boulevard ist viel stärker geworden. Die Journalisten wollen wissen, ob die Freundin des Stürmers schwanger ist oder nicht.

Sie stehen heute vor Lernenden einer Sportschule. Welche Tipps können Sie geben?

Als erstes möchte ich allen Schülern der UNITED school of sports sagen, dass ihr privilegiert seid. Solche Schulen mit Sportförderung oder solchen Mediencoachings, wie es in dieser Spezialwoche gibt, das war früher undenkbar.

Es ist natürlich super, nach einem Sieg Auskunft geben zu dürfen, aber man muss auch bei einer Niederlage vor die Medien stehen. Sieg und Niederlage gehören im Sport immer dazu. Ich habe immer die Klappe aufgerissen und bekam dafür aufs Dach. Vielleicht sollte man sich ein wenig zurückhalten. Aber man darf auch keine Angst vor den Medien haben. Als wichtigster Tipp möchte ich mitgeben: Seid authentisch.

Sie haben „aufs Dach“ bekommen?

Ja, als ich bei Stuttgart neuer Trainer wurde mit Jogi Löw als Assistenztrainer fragte man mich, was mich auf die Palme bringt. Ich gab lässig zur Antwort: Kokosnüsse. Dieses Zitat musste ich nachher wieder und immer wieder hören. Boulevardzeitungen wie der Blick oder die Bild haben eine grosse Macht. Heute sind die Sportler übervorsichtig geworden, was sie noch von sich preisgeben. Für den Sportler selber ist das ein Schutzmechanismus. Der Journalismus an sich ist dadurch aber langweiliger geworden.

Sind Journalisten eine Art „Feind“ der Sportler?

Nein. Bei einem guten Verhältnis zu einem Journalisten kann man auch einmal etwas einbringen, was einem wichtig ist. Aber als Athlet darf man nie vergessen, welchen Beruf das Gegenüber hat. Ein Journalist lobt gute Leistungen, aber wenn es schlecht läuft, muss er auch kritisieren. Das ist sein Job. Journalisten sind keine Freunde. Aber es spricht nichts dagegen, ein gutes Verhältnis mit jemandem zu pflegen.

Welches war die negativste Erfahrung, die Sie gemacht haben?

Als ich frisch Trainer der Nationalmannschaft wurde und wir ein Spiel gegen Aserbeidschan bestreiten mussten. Die Zeitungen erwarteten ein 5:0 oder einen 8:0-Sieg. Wir aber verloren 1:0. Yakin hatte noch einen Penalty verschossen. Dann steht man als Trainer dumm da. In den Medien wurden wir sehr stark kritisiert. Wochenwiese gab es negative Berichte und man hat eine Kampagne gegen mich gefahren. Das war zeitweise so heftig, dass später an der Uni Zürich sogar eine Arbeit zur Analyse dieser Kampagne geschrieben wurde. Das hat mir im Nachhinein betrachtet ein dickes Fell gegen negative Berichterstattung gegeben. Ich habe in dieser Zeit viel gelernt. Ich musste viel einstecken und das hat mich gestärkt. Eine der wichtigsten Lektionen für mich war auch, vor jedem Gegner Respekt zu haben.

Sie erwähnten in diesem Zusammenhang Roger Federer?

Ja. Ins Rampenlicht zu kommen ist für einen guten Sportler nicht schwer, aber dort erfolgreich zu bleiben, das macht den Unterschied aus. Egal ob Roger Federer gegen die Weltnummer 1 oder einen kaum bekannten Chinesen spielt, er hat immer Respekt. Trotz seinen 18 Grandslam-Siegen war er nie arrogant und hat niemals schlecht über seine Gegner gesprochen. Von seinen Interviews kann man lernen. Es gibt meiner Meinung nach kein besseres Vorbild als ihn.

Roger Federer ist einmalig. Aber ist es nicht schwierig, nach einer Niederlage keine Kritik zu äussern?

Ein geschickter Journalist schnappt sich bei einer Niederlage einen Spieler von der Ersatzbank. „Warum hast du nicht gespielt? War die Entscheidung des Trainers richtig usw.“ Das sind die Tricks der Medien. Ex Nati-Trainer Ottmar Hitzfeld hat seine Spieler psychologisch super auf solche Situationen vorbereitet. Wenn jemand raus muss auf die Ersatzbank, so trimmte der die Spieler darauf, dem Eingewechselten viel Glück zu wünschen. Man macht nicht ein saures Gesicht wie Stürmer Ajen Robben oder andere bekannte Beispiele. Man zeigt Respekt für die anderen Spieler. Denn in einer Mannschaftssportart gewinnt man nur als Team. Und: Wenn man schon kritisiert in den Medien, dann beginnt man zuerst bei sich selber. Zudem gebe ich als Tipp, alle Interviews immer zum Gegenlesen verlangen. Man kann dort zwar nichts am Schreibstil verändern, aber Fehler in den Aussagen korrigieren.

Könnte man auch ein Interview verweigern?

Nein, das ist auch keine Lösung und wird einem negativ ausgelegt. Der Spieler kann höchstes vor dem Match sagen, dass er Zeit für die individuelle Vorbereitung für den Match braucht und erst nach dem Spiel das Interview geben möchte. Ein Journalist muss dies akzeptieren.

Und wenn trotzdem negativ berichtet wird über den Sportler? Wie reagiert man?

Meine Erfahrung zeigt: Es lohnt sich nicht, auf negative Berichte zu reagieren. Man muss lernen, etwas einzustecken. Das formt den Charakter. Das hat mir auch gut getan. Die perfekte Antwort auf negative Berichte ist es, Leistung zu zeigen. Antwort mit einer guten Leistung, und die Berichterstattung wird sich automatisch ändern.

Was möchten Sie neben diesen wertvollen Tipps unseren Sportlern noch auf den Weg geben?

Der Umgang mit den Medien ist ein Spiel, welches ihr zu euren Gunsten beeinflussen könnt. Ich hoffe, das konnte ich ein wenig aufzeigen. Mir ist es noch wichtig zu sagen, dass ihr nicht vergessen sollt, dass es nicht selbstverständlich ist, dass ihr an einer solchen Sportschule seid und dass es euch im Sport derzeit gut läuft. Euer Talent hat gemacht, dass ihr hier seid. Doch Talent ist der kleinere Teil. Am wichtigsten im Leben eines Sportlers ist der Wille und die Leidenschaft. Etwas um jeden Preis zu erreichen, ist viel wichtiger als Talent. Ein berühmter Mann sagte einmal: „You can get it, if you really want!“.

Wir bedanken uns herzlich bei Rolf Fringer für seinen Besuch an unserer Schule und für die vielen anschaulichen Tipps für unsere jungen Sporttalente!

Von Hermann-Luc Hardmeier.

Spezialwoche: Rolf Fringer besucht unsere Schule

rolf_fringer_hermann+luc+hardmeier

Am Montagmorgen startete an der UNITED in Zürich die Spezialwoche „Sport + Medien“. Ziel der Woche ist es, die Lernenden auf Chancen und Gefahren im Umgang mit Journalisten und Medien aufmerksam zu machen. Den Auftakt der Woche macht jeweils eine prominente Persönlichkeit aus dem Sport. Dieses Jahr konnten wir Fussballlegende und Ex-Nati-Trainer Rolf Fringer gewinnen. Es war eine grosse Ehre, dass Herr Fringer unsere Schule besuchte und mit Charme und vielen Anekdoten unseren Sporttalenten wertvolle Tipps mit auf den Weg gab. An dieser Stelle nochmals herzliche Dank und wir wünschen den Lernenden weiterhin eine spannende Woche.

Bericht: Hermann-Luc Hardmeier. Foto: Hermann-Luc Hardmeier.

Theatersport: Wenn Rotkäppchen auf seinen Steuerberater trifft

Lead: Doppelt ausverkauft mit 600 Besuchern begeisterte Theatersport vom Schauwerk am Freitag und Samstag die Kammgarn-Besucher. Eine Theaterkritik von Hermann-Luc Hardmeier.

„5-4-3-2-1-Los!“ Den Countdown für den Beginn einer Szene durften die Gäste am Freitag und Samstagabend gleich mehrfach durchgeben. Einmal im Jahr organisiert das Schauwerk in der Kammgarn ein Improvisationstheater-Event der Extraklasse. Und das seit zwölf Jahren. Ein Schiedsrichter moderiert und lässt zwei Theatergruppen gegeneinander antreten. „Keine Szene ist geprobt, das Publikum gibt die Vorgaben zu den Theatereinlagen und wir sehen sozusagen Première und Dernière eines Stückes gleichzeitig“, erklärt Schiedsrichterin und Moderatorin Melanie Baumann. Die Veranstaltung ist sehr interaktiv. Die Zuschauer dürfen für die Theaterszenen beispielsweise ein Zeitalter, einen Ort und ein Beziehungsverhältnis der Schauspieler vorgeben. So trafen sich beim ersten Minitheater zwei Menschen im Bestattungsinstitut, sprangen mit der Zeitmaschine ins Mittelalter und endeten schlussendlich in der Wüste im Treibsand. Das Ganze ist nicht nur kreativ, sondern auch unglaublich lustig. Was die Schauspielerteams aus dem Nichts auf der Bühne boten, begeisterte. Egal ob sie ein verkrachtes Ehepaar nach der Silvesternacht, eine Pöstlerin mit Giraffen-Eigenschaften oder ein Opa mit einem Hecht in der Besenkammer spielen müssen, die Ideen gingen den Schauspielern nie aus. Theatersport ist bei den Schaffhausern extrem beliebt. So war die Kammgarn an beiden Abenden ausverkauft und konnte insgesamt 600 Gäste begeistern. Doch warum reisst die Zuschauer die Veranstaltung so stark mit? „Die Schauspieler können Spontanität auf Knopfdruck bieten“, sagt Organisatorin Katharina Furrer vom Schauwerk. „Ich denke, viele Besucher bewundern diese Schlagfertigkeit.“

Speed Dating und Häkeln

Sehr amüsant war bereits der Einstieg am Freitagabend. Die Zuschauer mussten unter Anleitung der Moderatorin aufstehen, den Sitznachbarn an der Schulter massieren und danach beim „Shit Dance“ so dämlich wie möglich während 30 Sekunden tanzen, um sich aufzuwärmen. Es gab viele verrückte Spiele auf der Bühne, in welchen sich am Freitag die „Gorillas“ aus Berlin und Winterthur TS und am Samstag „Improphil“ Luzern gegen die Berliner messen durften. Eines davon hiess „Speed Dating“. Beide Teams mussten die Figuren erfinden, die dort aufeinandertrafen und die grosse Liebe suchten. Da war beispielsweise Hildegard, die gerne kocht oder ein Harry-Hasler-Verschnitt, der auf eine schnelle Nummer aus war. Ein Yogakünstler brachte seinem Gegenüber den Schneidersitz bei und zwei Männer vom anderen Ufer flirteten um die Wette. Es wurde gesungen, getanzt, gelacht, gehäkelt und Rotkäppchen traf auf seinen Steuerberater. Wie immer begeisterte der Theatersport die Schaffhauser und viele können es kaum erwarten, wen nächstes Jahr die Veranstaltung in die 13. Runde geht.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten” am Montag, 16. Januar 2017.