Mit Volldampf Richtung Jamaika

Am Freitagabend brachte Kabaka Pyramid politische Texte und warme Reggaemusik in die Kammgarn. Ein Konzertbericht von Hermann-Luc Hardmeier.

Bild: Kabaka in der Kammgarn. (Bericht: Hermann-Luc Hardmeier, Foto: Hermann-Luc Hardmeier).

Mit dem Klang einer Sirene startete der Partyabend in der Kammgarn. Auf die Bühne sprang sodann aber nicht die Schaffhauser Kantonspolizei, sondern der Obersheriff unter den Reggae-Kommissaren: Keron Salmon alias Kabaka Pyramid. Die ersten zwei Songs spielte nur seine Band The Bebble Rockers. Die vier Musiker füllten den Saal mit gemütlichen Klängen und setzten ein zur entspannenden Reggaemassage für die Gehörgänge. In gelben und grünen Lichtfarben erstrahlte die Kammgarn in der Kolorierungen der jamaikanischen Flagge und die Tanzfläche füllte sich gemächlich. „Das ist der perfekte Sound nach einer strengen Arbeitswoche“, freute sich ein Besucher. Nach einem Gitarrensolo war es sodann Zeit für die Hauptperson des Abends. „Are you ready for more Reggaemusic?“, wollte der Bassist wissen und ein lautes Johlen kam als Echo zurück. Kabaka betrat zusammen mit der Backgroundsängerin die Bühne und nun war es Zeit, um einen Gang höher zu schalten. Kaum hatte er das Mikrophon ergriffen, schwenkten die Besucher die Hände im Takt und versetzten die Tanzbeine in eine perfekte Sinusschwingung. Mit seiner sanften Stimme, der Rastafrisur und einem bunten, karibischen Hemd setzte der Sänger einen markanten Klang- und Farbtupfer für die Veranstaltung. Ein guter Song jagte den nächsten und der Reggaezug fuhr mit Volldampf Richtung Jamaika. Die Passagiere genossen die Fahrt ins Heimatland von Bob Marley und feierten die ganze Nacht. „Marijuana should be legalized!“, rief Kabaka ins Publikum und der fröhliche Lärmpegel verreit, dass einige Besucher durchaus der gleichen Meinung waren.

Keine Handys in Sicht

Inhaltlich liess Kabaka immer wieder durchblicken, dass er nicht nur gute Laune, sondern auch eine politische Botschaft im Gepäck hatte. Er sang gegen Unterdrückung und Diskriminierung an und kritisierte Politiker, die ihre Macht missbrauchen. Später nahm er auch die Bildungspolitik seines Heimatlandes und den Kapitalismus in die verbale Mangel. Das alles kombiniert er mit seiner Grundhaltung, dass Liebe schlussendlich das Wertvollste ist, was Menschen miteinander verbindet. Liebe für die Familie, liebe für die Nachbarn und liebe für die ganze Welt. Kabaka mischte immer wieder Klassiker unter seine Songs. So stimmte er „Hotstepper“ von Ini Kamoze oder „Ring di Alarm“ an und die Gäste flippten aus. Wobei an diesem Abend alles anders war als sonst. In der Kammgarn explodierte nicht ein Partyvulkan, sondern es glich eher einem Steichelzoo, der in Flammen stand. Irgendwie harmlos und gemütlich, auf der anderen Seite aber auch gefährlich und explosiv. „Do you love Reggae?“, fragte Kabaka die Besucher und die Hände schnellten in die Luft. Dabei fiel auf, dass keine Handys zu erspähen waren. An viele Konzerten sieht man mittlerweile den Künstler kaum noch, weil alle Besucher ihm ihre Smartphones vors Gesicht drücken. Die digitale Auszeit am Freitagabend war eine zusätzliche Wohltat neben der geschmeidigen Musik. Die Zugfahrt näherte sich in der Kammgarn langsam der Endstation. Mit der Zugabe gab es noch eine letzte rasante Fahrt durch den musikalischen Gotthardtunnel und unter lautem Applaus verabschiedete sich Kabaka schliesslich von einem glücklichen Publikum.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen am 8. April 2019 in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten“.

Auf den Spuren des 2. Weltkriegs in Dachau und Nürnberg

Die Exkursionsteilnehmer in Nürnberg.

Am vergangenen Wochenende (30./31. März 2019) startete die Berufsmaturitätsabteilung meiner Schule zu einer spannenden Exkursion nach Deutschland. Das Ziel des zweitägigen Ausflugs war es, einige wichtige Schauplätze des 2. Weltkrieges zu besichtigen und damit den Geschichtsunterricht anschaulich zu machen und zu vertiefen. Am freiwilligen Ausflug nahmen rund 120 Lernende aus der BM2-Ausbildung teil. Früh am Samstagmorgen ging es los. Die erste Station war das ehemalige Konzentrationslager in Dachau. Nach den schrecklichen Eindrücken und Schilderungen endete der Guide mit den einprägsamen Worten: „Es darf nie wieder passieren!“ und hatte damit klar gemacht, dass die schlimmen Taten der Nazis nicht nur ein rassistisches Verbrechen der Vergangenheit, sondern auch ein Mahnmal für die Gegenwart und Zukunft sein sollen. Am Nachmittag durften die Lernenden München erkunden und der kleinere Reisecar mit 50 Schülern fuhr danach zurück nach St. Gallen. Die zweite 70-köpfige Gruppe machte sich nach dem Besuch in München auf nach Nürnberg. In der wunderschönen mittelalterlichen Altstadt waren die Teilnehmer im A+O Hotel und in der Jugendherberge einquartiert. Letztgenannte befindet sich in den Burgermauern und perfektionierte die Zeitreise wunderbar. Am Sonntagmorgen stand dann die Besichtigung des ehemaligen Reichsparteitagsgeländes mit den monumentalen Bauten der Nazis auf dem Programm. Besonders eindrücklich waren die nicht fertiggestellte Kongresshalle, die teilweise dem römischen Kolosseum nachempfunden ist, und die Zeppelintribüne, von welcher aus Diktator Hitler vor bis zu 500 000 Zuhörern seine Reden hielt. Im dazugehörenden Dokumentationszentrum wurden die Gäste aus St. Gallen sodann ausführlich über den Aufstieg und die Herrschaft der NSDAP informiert. Besonders beeindruckend war dabei auch das Gebäude an sich, das mit Stahl, Aluminium, Glas und Sichtbeton wie ein Keil in das ehemalige Nazihaus gebaut war. Die 42 Millionen roten Ziegel der Kongresshalle waren architektonisch klar durchtrennt vom neuen Gebäudeteil. Somit war auch optisch der Schnitt mit der Naziherrschaft gelungen. Die zwei Tage in Deutschland waren sehr intensiv, aber extrem beeindruckend. Die Exkursion hat gezeigt, dass Geschichte nicht alt und verstaubt sein muss, sondern durchaus spannend, interaktiv und lebendig. Es war eine wunderbare Bereicherung für den Unterricht und hat auf jeden Fall einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Die Organisatoren bedanken sich bei allen, die dabei waren und dieses tolle Wochenende möglich gemacht haben.

Von Luc Hardmeier

Der Daniel Düsentrieb des Theaters

Der Erfinder Stefan Heuss sorgte am Freitag in der Kammgarn mit seinen skurrilen Maschinen für Heiterkeit. Von Hermann-Luc Hardmeier.

Ein automatischer Babywickler, eine Fonduemaschine oder eine Blumensamengranate? Kein Problem ist für den Erfinder Stefan Heuss zu komplex, als dass er sich nicht eine kreative Lösung dafür ausdenken könnte. Der Daniel Düsentrieb des Theaters wurde durch seine Auftritte mit dem St. Galler Mundartkünstler Manuel Stahlberger alias Stahlbergerheuss bekannt. Spätestens seit seinen Auftritten in der Satiresendung Giacobbo/Müller kennt ihn die halbe Schweiz. Am Freitagabend besuchte er nun im Rahmen seiner Tournee „Die grössten Schweizer Patente“ die Kammgarn. Eingeladen hatte ihn das Schauwerk.

Ohne Drohne und Kran

Auf der Bühne war eine kleine Werkstatt mit den skurrilsten Maschinen und einer grossen Leinwand für Präsentation aufgebaut. Der Musiker Dide Marfurt untermalte den Abend mit seinen Instrumenten. Er starte mit einem Drehorgel-Dudelsack, der ebenfalls aus der Konstruktionsküche von Stefan Heuss zu kommen schien. Die grosse Frage war, wie würde Stefan Heuss auf der Bühne erscheinen? Würde er sich auf einer Drohne einschweben lassen, mit einem Knall und viel Rauch wie ein Magier oder hätte er gar für den Kran in der Kammgarn einen Adapter konstruiert, der ihn einschweben liesse? Alles weit gefehlt. Mit breitem Lächeln und ohne grosses Tamtam stolzierte der gelernte Gärtner hinter dem Vorhang hervor und begrüsste die Gäste herzlich.

Kabelrolle für die Handtasche

„Ich zeige Ihnen heute Prototypen direkt aus meiner Werkstatt“ und zog als erstes einen aufgemotzten Kinderwagen hervor. Ein automatisch steuerbares Verdeck und ein Einschlaf-Rüttler, der auf akustische Signale reagiert, waren nur einige der Tunnings, welche der sonst so harmlose Alltagsgegenstand erfahren hatte. Einzig das Problem der Stromzufuhr schien noch nicht gänzlich gelöst zu sein. „Nehmen sie einfach eine handelsübliche Kabelrolle, die in jede Handtasche passt“, meinte der Tüftler dazu mit einem Augenzwinkern. Als nächstes zeigte Stefan Heuss, wie er eine Baustelle zur Wellnessoase umfunktionieren konnte. Für die Säbelsäge hatte er einen Massagehandschuh aus Silikon entwickelt, der nach jedem Arbeitsgang für Entspannung sorgte. „Dank meinem Wellnessadapter bin ich sofort wieder total locker drauf“, pries Heuss das Produkt an. Als er schliesslich noch eine Peelingscheibe für den Winkelschleifer zeigte, musste aber auch er eingestehen, dass nicht jedes Gerät ideal für den Spa-Bereich wäre. „Ich kämpfe noch mit einer Lösung gegen die hohe Drehzahl“, erklärte er und löste damit im Saal grosses Gelächter aus.

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Bild: Stefan Heuss mit seiner genialen Erfindung «Speed-Brush» für die effiziente Tagesfrisur am Morgen. (Foto: Phillip Schmanau, Bericht: Hermann-Luc Hardmeier)

Humor trifft auf Technik

Obwohl die Geräte des Maschinengenies zuverlässig viele Alltagsprobleme lösten, waren sie oft absichtlich unhandlich, etwas umständlich und für ahnungslose Passanten nicht ganz ohne Verletzungsrisiko. Dies in Kombination mit den technischen Erklärungen sorgte für grosses Amüsement unter den Besuchern. Sei es der pneumatische Schuhabsatz für Higheels, der Bratwurst-Niedergar-Adapter, Wasserwanderschuhe für den Zürichsee oder ein Akkubohrer und ein Industriegebläse, mit dessen Hilfe man in 1.38 Minuten einen Weihnachtsbaum schmücken konnte. Der Höhepunkt des Abends war aber sicherlich, als Stefan Heuss seinen „Speedbrush“ vorstellte. Dies war ein Gerät, das jedem Morgenmuffel viel Zeit spart, da es mit drei grossen Bürsten und Haargel-Einspritzung für die perfekte Morgenfrisur im Turbotempo sorgte. Wahlweise mit Oswald-Grübel- oder Justin-Bieber-Effekt. Ist Stefan Heuss der genialste Erfinder aller Zeiten oder einfach nur ein Wahnsinniger, der Technologien für Unsinniges zweckentfremdete? Der Abend liess diese Frage offen und hatte vor allem eines: Einen extrem hohen Unterhaltungsfaktor.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten” am 25. März 2019.

Auf dem Surfbrett durch die Kammgarn

m Samstag heizten die Bands Talco und The Tips dem Publikum in der Kammgarn ein. Ein Konzertbericht von Hermann-Luc Hardmeier.

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Bildlegende:Die sechs Talco-Musikpiraten aus Venedig sorgte für eine volle und tanzwütige Kammgarn. (Foto: Michael Kessler. Bericht: Hermann-Luc Hardmeier)

Eine riesige Partystimmung an der Baumgartenstrasse. Am Samstagabend brannte die Hütte unter den Füssen der zahlreichen, tanzwütigen Besucher. Bereits die Vorband liess keine Müdigkeit aufkommen. Mit einer Mischung aus Reggae, Ska, Soul und Skapunk schmetterten The Tips den Gästen einen Hit um den anderen um die Ohren. Auch sie selber wurden mitgerissen. Der Drummer sprang auf und riss sich die Mütze vom Kopf, der Bassist liess die Besucher den Basslauf singen, damit er genüsslich ein Bierchen zwitschern konnte. Das Trio aus Düsseldorf tanzte bei den Songs selber mit und ging dabei ab wie Schmidts Katze. Bei einem Song hatten der Drummer und der Bassist die Plätze getauscht und sorgten mit der Aktion für johlende Zurufe des Publikums. Der Sänger wollte schliesslich von den Zuschauern wissen: „Kann hier jemand surfen?“ Als sich einer lautstark meldete, kam die grosse Überraschung. The Tipps hatten ein Surfbrett dabei, welches das Publikum über den Köpfen halten musste, und der ausgewählte Besucher stand sodann über dem Menschenmeer. Beim nächsten Song kam es sodann nicht zum Stagediving, sondern zum echten Crowd-Surfing, als das Publikum das Surfbrett mitsamt dem mutigen Kapitän einmal quer durch den Saal bewegte. Es sah zwischendurch ein bisschen abenteuerlich aus, machte aber unglaublich viel Spass. Grün-rote Scheinwerferfarben wechselten sich mit hellem Blitzlicht ab und zum Abschluss gab es für die Trommelfelle nochmals eine deftige Skapunk-Massage.

Bis die Hüften glühen
Auf der Tanzfläche brodelte es bereits, als der Hauptact nach einem Countdown und einer Einmarsch-Hymne wie bei einem Boxkampf die Bühne enterte. Mit einer unglaublichen Energie rockte die Band sogleich los. Die sechs Musiker kommen aus Venedig und touren bereits seit 18 Jahren um die Welt. Ihre italienische Version der Skamusik war vor allem eines: unglaublich schnell. Lewis Hamilton würde mit seinem Formel-1-Rennauto daneben wie eine lahme Schnecke aussehen. Es begeisterte nicht nur der Offbeat, welcher die Gäste antrieb, sondern vor allem die Kombination der knackigen Klänge mit der Bläserfraktion. Trompete und Saxophon sorgten dafür, dass es einen explosiven Skapunk-Cocktail für die Ohren ergab. Die Hälfte der Kammgarn war bereits dem Pogotanz verfallen. Ellbogen, Kniekehlen und Hüften glühten im Dauereinsatz. „It’s fucking hot here“, stellte Frontmann Tomaso De Mattia zufrieden fest. Als sodann noch eine Skaversion von „Bella Ciao“ gespielt wurde, brachen alle Dämme und der Schweiss floss literweise. „Für mich ein absolutes Highlight“, lobte Besucher Ramon Rohner den Auftritt und auch Roman Spengler meinte: „Als Ska-Fan der 1. Stunde fühle ich mich heute gleich in meine Jugend zurückversetzt.“ Der italienische Charme der Combo eroberte die Herzen der Kammgarnbesucher und einige werden nach dieser musikalischen Starkstromattacke wohl mit einem angenehmen Muskelkater am Montag zur Arbeit erscheinen.

Erschienen in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten” am 18. März 2019.

Exkursion in ehemalige Armeefestung

Vergangene Woche Woche besuchten wir mit der Schule im Rahmen des Geschichtsunterrichts eine ehemalige geheime Festung der Schweizer Armee bei St. Margrethen. Dabei ist dieser kleine Schnappschuss entstanden. hermann+luc+hardmeier+heldsberg

Da staunt sogar ein Bundesrat – Elektromobil mit Schaffhauser Beteiligung

Zwei Schaffhauser Ingenieure arbeiten bei der Firma Share your Bicar AG, welche am Genfer Autosalon noch bis Sonntag das Elektromobil der Zukunft präsentiert.

hermann+luc+hardmeier

«Fantastisch! Wo kann ich das kaufen?», war eine Rückmeldung, die Markus Meier und Philipp Ganz vergangenes Wochenende gleich mehrfach zu hören bekamen. Die zwei Schaffhauser Ingenieure arbeiten bei Share your Bicar AG, ein Startup, das aus einem ZHAW-Projekt hervorging und nun kurz vor dem Takeoff steht. Am Autosalon in Genf stellten sie das Gefährt vor, das ihrer Meinung nach die Mobilitätslösung der Zukunft darstellt. «Es geht auf alle Bedürfnisse des modernen Stadtmenschen ein», schwärmt Markus Meier. Und tatsächlich kann der dreirädrige Tausendsassa mit vielen Trümpfen aufwarten. Der Bicar hat integrierte Solarzellen auf dem Dach und der Fronthaube. Damit ist er das erste Elektrofahrzeug, das keine Ladestation benötigt. Und falls es dennoch knapp wird, kann der Akku innert 30 Sekunden gewechselt werden. Dank einem Drei-Punkt-Sicherheitsgurt braucht man keinen Helm und durch die Neigetechnik in Kombination mit den drei Rädern ist es sicher in den Kurven.

Zittern wegen Zeitdruck

Schon bei der Eröffnung des Genfer Autosalons ging ein Foto durch die Medien: Bundesrat Ignazio Cassis sass im Bicar und bestaunte das energieautarke Technikwunder. Das war natürlich ein schöner Moment für die junge Firma und entschädigte auch ein wenig für die Hektik im Vorfeld. Die Möglichkeit, in Genf auszustellen, kam relativ kurzfristig. «Dadurch hat sich der Terminplan sehr plötzlich verschärft und wir hatten ein paar Momente, in denen wir die Teilnahme ernsthaft in Gefahr sahen», erklärte Philipp Ganz. Schliesslich aber ging alles glatt und Bicar war nicht nur am Autosalon präsent, sondern hatte dank e’mobile – Electrosuisse eine zentrale Stelle mit viel Laufkundschaft. Natürlich erntete das kleine Elektrokerlchen auch viele skeptische Blicke, denn nicht alle Besucher der Messe setzen auf Nachhaltigkeit. «Es gibt Produkte mit ökologischem Fussabdruck und die Luxussparte», erklärt Markus Meier. «Ein Aussteller tunte beispielsweise Bugattis und spricht damit Millionäre an. Die belächeln uns natürlich ein wenig.»

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Ölscheich zeigt Interesse

Doch Philipp Ganz weiss von einem besonderen Highlight zu berichten: «Am Freitag kam ein Ölscheich an unseren Stand. Er setzte sich sogleich in den Bicar und war sichtlich begeistert. Er wollte sich für sein Land gleich die exklusiven Verkaufsrechte sichern. Das war schon eine ziemliche Überraschung.» Doch zunächst möchte die Firma Share your Bicar AG Schritt für Schritt vorgehen und als erstes im Sommer in einer Pilotphase Bicars als eine Sharinglösung (zur Kurzzeitmiete) in mehreren Städten am Kunden testen. Unter anderem in Winterthur. In Zukunft sollen die Bicars dann auch für Firmen als Ergänzung zur Flotte und für Privatpersonen zur Verfügung stehen. Damit dieses Projekt und die geplante Produktion von den ersten 50 Bicars gelingen kann, ist man nach wie vor auf der Suche nach Investoren und bietet für Interessierte Testfahrten an.

Bald in Schaffhausen?

Wann fährt der erste Bicar in Schaffhausen? Die Frage drängt sich auf, da vom fünfköpfigen Bicar-Team immerhin zwei Ingenieure aus der Munotstadt sind. Gerade in den Zeiten, wo die ersten deutschen Städte ein Dieselfahrverbot verhängen, lobt Philipp Ganz das Elektrofahrzeug als «echten Mehrwert für die Gesellschaft und Umwelt.» Und Markus Meier präzisiert: «Der Bicar hat eine Reichweite von 30 km und kann mittels der Solarzellen um 15 km erweitert werden. Somit ist er ideal für die sogenannte letzte Meile.» Er könnte sich gut vorstellen, dass er beispielsweise den Bahnhof mit dem Ebnat und dem Ringpark ausserhalb des Busfahrplans oder die verschiedenen Standorte der Cilag für die Mitarbeiter verbindet. Zukunftsmusik oder baldige Realität? Die Investorensuche läuft und die Pilotphase ist fest geplant. Der Erfolg wird zeigen, ob und wann Bicar in die Serienproduktion geht. Eines steht für Markus Meier auf jeden Fall fest: «Es ist eine einmalige Chance, an so einem Zukunftsprojekt mitzuarbeiten. Ich bin gespannt.»

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten” am 13. März 2019.

«Ich will das gängige Amerikabild ergänzen»

«10vor10»-Moderator Arthur Honegger stellte am Mittwochabend in Dachsen sein Buch «Ach, Amiland» vor. Zudem verriet er, warum Donald Trump nicht sein Lieblingspräsident ist. Von Hermann-Luc Hardmeier

hardmeier+honegger+arthur+10vor10

Bild: Arthur Honegger sorgte für Grossandrang in Dachsen und freute sich über die Kollekten-Box, welche in den USA-Farben angemalt war. (Foto: Hermann-Luc Hardmeier. Bericht: Hermann-Luc Hardmeier).

DACHSEN. Eine grosse USA-Flagge war über dem Klavier ausgebreitet und eine Zeichnung von einer Freiheitsstatue mit wehendem blondem Haar an die Wand gepinnt. Die Bibliothekarin hatte Bücher zum Thema Amerika aufgestellt. Darunter
in grossen Lettern «Feuer und Zorn» mit einem Bild von Donald Trump. Die
Aula in Dachsen war zum Bersten voll und bis auf den letzten Platz gefüllt mit knapp
250 Gästen. Alle wollten den langjährigen USA-Korrespondenten und SRF-Moderator
Arthur Honegger sehen. Wie würde er auftreten? Unter Jubel zur «10vor10»-Melodie wie ein Boxer in den Ring einlaufen oder mit der Hand auf dem Herzen die amerikanische Nationalhymne singen? Weit gefehlt. Locker, entspannt und
ohne die übliche Krawatte begrüsste der 40-Jährige die Gäste. Ganz ohne Tamtam.
«Ich bin ein bisschen überwältigt», sagte er erfreut. Weder Honegger noch Organisatoren der Bibliothekskommission hätten mit diesem Andrang gerechnet. «Streng genommen komme ich gerade aus Hawaii», sagte der Anchorman lächelnd und erklärte, dass er nun alle 50 Bundesstaaten besucht habe und gerade an der Vertonung einer USA-Dokumentation arbeite, die auf 3Sat ausgestrahlt werde.

Wenn der Baum brennt

Während seiner Zeit in den USA ist Arthur Honegger nicht nur zweifacher Familienvater geworden, sondern es sind auch gegen 30 000 Fotos entstanden. Für sein Buch «Ach, Amiland» hat er 200 davon ausgewählt. Geknipst hat er die Bilder in Zusammenarbeit mit seiner Frau, die Berufsfotografin ist. Die Fotos sind mit Texten von Arthur Honegger versehen, welche teilweise auch als Kolumnen in Zeitungen und auf seinem Blog erschienen sind.

«Wir Journalisten zeigen immer nur dann die Bäume, wenn sie krank sind oder wenn sie brennen. Für den Wald fehlt uns aber oft die Zeit.» Mit dieser Metapher erklärte
er, was sein Antrieb war, das Buch zu verfassen, und betonte: «Ich habe das
Bedürfnis, das gängige Amerikabild zu ergänzen.» Im journalistischen Tagesgeschäft
fehle dazu oft die Zeit. «Und auch Peter Düggeli kann ich das wegen der begrenzten
Sendezeit leider nicht erlauben», scherzte er über den USA-Korrespondenten
von «10vor10», der Honegger im Sommer 2015 abgelöst hat. Die Besucher sahen im Folgenden unter anderem Bilder von Barack Obama, der Freiheitsstatue, einem Kiosk in der U-Bahn und von einem Nationalpark. Arthur Honegger nahm sich viel Zeit, die
Entstehungsgeschichte der Fotos zu erklären, und umrahmte jedes seiner Bilder mit
einem seiner Texte. Man erfuhr, dass es bei der Amtseinführung des ersten schwarzen
US-Präsidenten so kalt war, dass sogar einem waschechten Davoser wie Honegger
die Zehen schlotterten. Er erzählte, wie er Trump das erste Mal live sah und dass
Journalisten den Anweisungen des Secret Service nicht zu widersprechen wagen.

Kritik an Trump

Schliesslich kam er zur zentralen Frage, die viele USA-Beobachter beschäftigt: Warum
haben die Amerikaner Trump gewählt? «Man wollte den Wandel. Es wurde
der Bruch gesucht», sagt Honegger. Seiner Meinung nach hat dies in den USA
Tradition. Bill Clinton brachte den jungen Schwung nach George Bush senior. Obama
versprach ein friedlicheres Amerika nach George Bush junior. «Als Kandidaten weckten
sie Hoffnungen, als Präsidenten sahen sie recht schnell alt aus.» Das zielte vor
allem gegen Obama. Doch der USA-Versteher hatte auch für Donald Trump wenig Schmeichelhaftes im Gepäck. «Trump ist kein Rechtspopulist. Er ist nicht einmal rechts und auch kein typischer Republikaner. Er ist einfach ein Demagoge. Er hat eine feindliche Übernahme der Partei gestartet und mit seinen Kommentaren über afrikanische Länder Äusserungen getätigt, die nicht nur rassistisch
sind, sondern auch unamerikanisch.»

Doch Trump war eigentlich nur am Rande ein Thema. Honegger erklärte leidenschaftlich, warum er die USA nach wie vor als faszinierend empfindet, und illustrierte mit seinen Fotos, dass es immer wieder neue Facetten zu entdecken gibt. «Was vermissen Sie seit Ihrer Rückkehr am meisten? », wollte ein Gast in der abschliessenden Fragerunde wissen. «Ganz klar die Lockerheit », antwortete Honegger. «Wenn meine Kinder im Zug laut sind, rümpfen die Schweizer die Nase. In den USA hingegen sagte jemand: ‹Wow, there is a little Broadway Star coming up.›» Diese Sprüche, der Smalltalk und sogar, dass sein Heimatland immer mit Schweden verwechselt werde, gefielen ihm. Gerne hätte man noch mehr solche Geschichten
und Einschätzungen gehört und vor allem noch mehr Bilder zu sehen bekommen. Doch der Abend endete kurz und knackig. Genau so,wie man es von «10vor10» gewohnt ist.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten” am 15. Februar 2019.

Die Geburt eines Roboterbabys auf der Bühne

Geistreich, amüsant und satirisch nahmen die Schauspieler im Stadttheater Schaffhausen beim «Bundesordner ’18» das vergangene Jahr auf die Schippe. Von Hermann-Luc Hardmeier.

«Wo ist der denn?», erkundigte sich Herr Schön zu Beginn der Vorstellung am Mittwoch im Stadttheater über den Verbleib des Bundesordners. «Digitalisiert!», so die lapidare Antwort von Frau Gut. Die Hauptperson der zweistündigen Vorstellung trat selber nicht
auf, doch über dessen Inhalt wurde nach Herzenslust diskutiert, analysiert und
fabuliert. Schauplatz der Geschehnisse war ein Museum, in welchem die Exponate
im Zentrum des satirischen Jahresrückblickes standen. Es wurde gesungen,
gerappt, gedichtet und auch ein Poetry-Slam-Auftritt durfte nicht fehlen.
Die zehn Schauspieler schlüpften in die unterschiedlichsten Rollen und verblüfften
die Zuschauer immer wieder mit Ereignissen aus dem vergangenen Jahr,
welche sehr nah oder gefühlsmässig bereits unendlich fern waren.
Natürlich durfte der magistrale Spruch «Rire c’est bon pour la santé»
vom ehemaligen Bundesrat Johann Schneider-Ammann nicht fehlen. Es gab
einen Chor aus Gilets-jaunes-Protestierenden, welche Emmanuel Marcon mit
einer Mischung aus Guillotine und Bundesordner einen Kopf kürzer machten,
und der Hitsong «079» von Lo & Leduc wurde zum Knüller «2-0-1-8» uminterpretiert.
«Wofür steht denn diese Kartoffel? », wunderte sich Herr Schön im Museum
und begann zu rätseln. «Etwa für die Fair-Food-Initiative?» Nicht ganz. Gemeint war Raiffeisen-Boss Pierin Vincenz, der 2018 wie eine heisse Kartoffel fallen gelassen wurde. Doch nicht nur Promis gerieten ins Visier der Satire. Auch das letzte männliche nördliche Breitmaulnashorn war Thema der Diskussion. Der Tod des Tieres veranlasste
Laurin Buser, einen gesellschaftskritischen Poetry-Slam-Text zum Besten zu
geben. Fazit: Die Menschen fallen wie eine Heuschreckenplage über den Planeten
her und haben immer noch nicht gemerkt, dass sie die Täter und nicht die Opfer sind.
In einer weiteren Episode verwandelte sich die Bühne in eine amüsante Quizshow
mit dem Titel: «Deppen Fragen, Experten antworten.» Es stellte sich jedoch
schnell heraus, dass die einfachen Fragen den kaschierenden Antworten
der Wissenschaftler weit überlegen waren und sie demaskierten.
Doch der eigentliche Höhepunkt des Abends war der Elternabend im Primarschulhaus
Steinacker. Anet Corti schlüpfte dabei in die Rolle der Lehrerin Frau Böhni und erzählte über die konkrete Umsetzung des Lehrplans 21, welcher im Zuge der Digitalisierung
nun als Lehrplan 21.1. tituliert wurde. Es werde nicht nur die «Selfie-Kompetenz
» der Schüler geübt, sondern anstatt «Häckeln» gebe es nun das Fach
«Hacken». Doch nicht nur das Eindringen in fremde Computer werde geübt,
sondern auch der Französischunterricht auf eine neue Stufe angehoben.
Mit dem Actiongame «Fortnite» werde im Rahmen der «French Night» die französische
Sprache beim Rumballern geübt. Als sich Frau Böhni im Anschluss im WhatsApp-Chat der Schüler einschaltete und durch Autokorrekturfehler für Verwirrung sorgte, kugelten sich die Zuschauer vor Lachen. Es folgte ein Auftritt von Pfarrer Sieber, ein Seitenhieb
gegen die Doppeladlerhysterie, und dank Gentechnik kam es auf der Bühne zur Geburt des ersten Roboterkindes. Ob der Mensch etwas aus seiner Geschichte gelernt hat, werden wir wohl erst beim «Bundesordner 2019» erfahren.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten” am 25. Januar 2019.

Kräftemessen der Improvisationsprofis

Am zweitägigen Theatersport-Event fieberten 550 Zuschauer in der Kammgarn mit den improvisierten Stücken mit. Eine Theaterkritik von Hermann-Luc Hardmeier.

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Bild: Die Improvisationskünstler in der Kammgarn. (Foto: Selwyn Hoffman, Bericht: Hermann-Luc Hardmeier)

Achtung, fertig, los! Zwei Mannschaften und ein Schiedsrichter. Was ein bisschen nach Fussballspiel klingt, ist in Wirklichkeit die kreativste Veranstaltung, seit es Theaterbühnen gibt. Beim zweitägigen Theatersport des Schauwerks in der Kammgarn mussten zwei Schauspielerensembles gegeneinander antreten und in verschiedenen Spielen die Gunst der Zuschauer gewinnen. Das Schöne daran war, dass die „Zutaten“ für die improvisierten Theaterstücke aus dem Publikum kamen. „Ich suche einen Ort, ein Gefühl und einen Beruf“, forderte die Moderatorin Bettina Wyler das Publikum jeweils auf. Unterstützt wurden die Bühnenpiraten von der Pocket Band, welche die Szenen dramatisch oder enthusiastisch untermalten. So sahen die Gäste jeweils einzigartige und spontane Premieren von Kurztheatern. Das Interesse der Zuschauer war riesig. Am Freitag wollten 300 Besucher das Kräftemessen zwischen „Hiddenshakespeare“ aus Hamburg gegen Winterthur“ TS“ sehen. Am Samstag forderte das „Improtheater“ Konstanz die Hamburger vor 250 Gästen erneut heraus.

Romantik in der Kläranlage

Gelb, Trauer, Bäcker und Frankreich waren beim 1. Spiel am Samstagabend die Vorgaben des Publikums. Jedes Wort wurde einem der vier Schauspieler zugewiesen und definierte damit seine „Rolle“. Zudem bestimmten die Zuschauer, das Stück müsse in einer Caféteria einer Firma spielen. Bei diesem „In & Out“-Spiel wirkten beide Teams zusammen. Sobald im Gespräch eines der Schlagwörter fiel, musste der entsprechende Schauspieler den imaginären Pausenraum verlassen oder betreten. „Der Kaffee sieht gelb aus“, beförderte demnach den ersten auf die Bühne. „Kennen wir uns nicht aus Frankreich?“ – „Ja, genau aus Frankreich“, sorgte dafür, dass ein anderer Schauspieler kurz hereinkam und sofort wieder hinausmusste. Das Theater um den sauren Kaffee war köstlich komisch und sorgte für viele Lacher im Publikum. „Frankreich“ wurde zudem zum Running-Gag eingebaut. „Nun suche ich einen romantischen Ort für ein erstes Treffen“, erklärte die Moderatorin. „Kläranlage“, schoss es wie aus der Pistole von einem Gast in der Mitte des Saales. Es wurde nun eine Lovestory gespielt, wie man es so wohl noch nie gesehen hat. Mit teilweise überraschenden Wendungen inklusive einem Schluck Wasser aus der Wiederaufbereitungsanlage.

Kreative Einstiege

Moderatorin Bettina Wyler hatte am Samstagabend einige unkonventionellen Ideen für Spieleinstiege mitgebracht. Einmal las sie Tageshoroskop von der Boulevardzeitung Blick einer Schauspielerin vor. Dies war nun ihre Vorgabe für ihre Rolle. Bei einem anderen Spiel las sie den ersten und den letzten Satz aus einem Buch eines Gastes vor. Alles, was dazwischen passierte, hatten die Schauspieler nun aufzuführen. Es folgten Szenen mit einem Glatzkopf beim Frisör, einem viel zu fröhlichem Friedhofsgärtner, der Grabsteine vertauschte, Songs über Fische mit Erfrierungen und ein Nachbarschaftsstreit, der mit dem Tod eines Wellensittichs endete. Die Leistung der Schauspieler, aus ganz wenig ganz viel zu machen, war extrem beeindruckend und einmal mehr gingen die Besucher begeistert nach Hause.

Interview mit den Schauspielern Kirsten Sprick und Thorsten Neelmeyer.

„Wir sind tagsüber wie Schwämme“  theatersport2019

Bild: Thorsten Neelmeyer und Kirsten Sprick. (Foto: Hermann-Luc Hardmeier, Interview: Hermann-Luc Hardmeier)

Wie kommt man dazu, Theatersport zu spielen?
Thorsten Neelmeyer: „Wir haben 25 Jahre Bühnenerfahrung und spielen normalerweise Stücke mit vorgegebenen Handlungen und Texten. Der Reiz war gross, etwas Neues auszuprobieren, wo wir kreativ sein können.

Ist es nicht wahnsinnig anstrengend, auf Kommando und mit wenig Vorgaben ein Stück zu spielen?
Kirsten Sprick: „Ja, es ist eine Herausforderung. Am Freitag musste ich beispielsweise singen und hatte die Vorgaben „Tango“ und „Meditationsmusik“. Das ist nicht einfach, doch es macht unglaublichen Spass, wenn es gelingt.“

Wie übt man Improvisationstheater?
Kirsten Sprick: „Wir sind tagsüber wie Schwämme. Wir saugen Geschichten und Erlebnisse auf, die wir schnell mit den Vorgaben verknüpfen können. Zudem muss man wissen, wie eine Story dramatisch aufgebaut ist. In dem Sinn muss man es nicht oft üben, sondern einfach schnell im Kopf sein. Das trainieren wir.“

Ein „Nein“ gibt es in eurem Wortschatz nicht?
Thorsten Neelmeyer: „Eine Vorgabe oder eine Rolle vom Publikum darf man nicht ablehnen. Die Kunst ist es, die Szene so zu erweitern, dass wir ein knackiges Stück spielen können. Unser Talent ist es, dass wir darin blitzschnell sind.“
Schlechtes Publikum?

Wie gefiel es euch, in Schaffhausen zu spielen?
Thorsten Neelmeyer: „Wir sind begeistert. Die Schaffhauser sind lebendig und euphorisch von Anfang bis Ende. Eine La-Ola-Welle von 300 Leuten zugleich haben wir noch nie erlebt. Wir kommen auf jeden Fall sehr gerne wieder.“

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten” am 14. Januar 2019.

„Deine Stimme ist der Hammer!“

An der Open Stage – Talentshow im Orient wurde gesungen, gezaubert, gewitzelt und gerappt. Ein Eventbericht von Hermann-Luc Hardmeier.

Volles Haus und gute Stimmung. Die erste Open Stage des Jahres startete am Freitagabend im Orient unter guten Vorzeichen und sollte die Besucher nicht enttäuschen. Die Schaffhauser Talentshow hatte einiges zu bieten. In der Jury sass zwar nicht Dieter Bohlen, aber immerhin drei versierte lokale Kulturschaffende. Mireille Pochon von der Band Union, Simon Sepan von Fasskultur und Beat Junker, der früher das Booking der Bands für die Kammgarn machte. Den Auftakt der Talente machte Beatboxer Timon. Er liess die Bässe dröhnen, intonierte mehrstimmig „King of my Castle“ oder „Pony“. Johnny Cash und Fatboyslim-Elemente wurden reingemischt und zu guter letzte hüpfte Justin Timberlake aus seinem Mund. „Noch etwas hüftsteif, aber der Gesang in Verbindung mit dem Beatboxen hat mir sehr gut gefallen“, urteilte Beat Junker. Danach betrat Zauberer Dominik Oesch die Bühne. Funken und Flammen tanzten auf seiner Hand. Ein Tisch lernte fliegen und eine Rose manifestierte sich auf mysteriöse Weise vor dem Publikum. „Sagenhaft, ich weiss gar nicht, was ich sagen soll“, lobte Mireille Pochon. „Der Einstieg hätte noch knackiger sein dürfen“, war hingegen Beat Junker der Meinung. Das nächste Talent war mit Gitarre und Loopgerät bewaffnet. Der Singer/Songwriter Sam Blaser verwöhnte die Ohren mit sanften und melodischen Klängen und bedankte sich beim Publikum: „Schön, dass ihr mir diese Chance gebt.“ Die Jury war begeistert und Moderator Lorios bezeichnete ihn sogar als „James Blunt von Schaffhausen.“ Nach der Pause ballerte Künstler Eumel eine deftige Ladung aus seiner Rap-Pistole. Es war sein allererster Auftritt vor Publikum. „Mir gefiel dein Experiment“, sagte Juror Simon Sepan. Mireille Pochon wünschte sich hingegen „noch mehr Elan und Energie“. Es folgten der Comedian Fabian Würth und zum Abschluss das musikalische Duo Jacky und Kaan. Die Ausdrucksstärke und der Soul von Jacky waren wirklich unglaublich. „Deine Stimme ist einfach der Hammer!“, fasste Mireille Pochon die Meinung des Publikums zusammen. Mit dieser musikalischen Bombe ende die Schaffhauser Talentshow und hinterliess eine tief beeindruckte Zuhörerschaft. Nun folgte das ungeduldige Warten auf die nächste Ausgabe.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten” am Montag, 14. Januar 2019.