„Neuhausen hat mehr zu bieten als den Rheinfall“

Neuhausen kann man nun digital erleben. Das Ortsmarketing lanciert eine App, die eine ungewöhnliche Stadtführung ermöglicht. Von Hermann-Luc Hardmeier.

Bild: Die Lokomotive auf dem SIG-Areal ist nur eine von zwölf Station der digitalen Stadtführung von Olivier Alther, Markus Bührer und Levin Germann (v.l.n.r.) (Foto: Hermann-Luc Hardmeier. Bericht: Hermann-Luc Hardmeier)

Wissen Sie, was die Neuhauser Bahnhofstrasse mit der Pariser Champs-Élysées gemeinsam hat und warum ein russischer Zar einst in Neuhausen übernachtete? Diese und andere Infos über die Rheinfallgemeinde gibt es mithilfe einer neuen App zu entdecken, die vom Ortsmarketing Neuhausen am Rheinfall initiiert wurde.

Doch der Reihe nach. Im Oktober 2020 trat Markus Bührer vom Ortsmarketing an die zwei Informatiker Levin Germann und Olivier Alther von der Explorial GmbH heran. Die zwei haben eine App mit verschiedenen Trails entwickelt. Jeder Trail entspricht einer Schweizer Stadt, in welcher virtuelle Führungen mit einem Rätselspass verknüpft werden. „Das Ziel des Trails Neuhausen ist es, die Leute zu bewegen, den Ort neu zu entdecken“, erklärt Markus Bührer. Dem Zeitgeist entsprechend sollte die Führung virtuell sein und sich ganz wesentlich von anderen Angeboten unterscheiden. „Es ging uns nicht darum, dass die Touristen mit der App die gewöhnlichen Sehenswürdigkeiten abklappern. Neuhausen ist mehr als nur der Rheinfall.“ Das Ortsmarketing beauftragte den Nachtwächter und Lokalhistoriker Martin Harzenmoser damit, den Inhalt der App auszuarbeiten. Es sollten historische Leckerbissen serviert werden, welche den Touristen und Einheimischen ein ganz anderes Erlebnis der Stadt ermöglichen. „Wir sind schon ziemlich stolz auf das Resultat“, so Markus Bührer. Auf 12 Posten in der Stadt verteilt gilt es, versteckte Schätze und Geschichten zu entdecken. Und Aufgaben zu lösen. Es geht thematisch um die Industrie, die Rebberge, den Fischfang, die Gastarbeiter und, und, und. Das abwechslungsreiche Gesamtpaket lockt mit historischen Informationen, aber unterhält auch mit Funfacts.

Stolperstein Distanz

Natürlich geht so ein Projekt nicht ohne Stolpersteine über die Bühne. Erstens galt es, neutral zu sein und nicht eine Firma oder einen Betrieb zu bevorzugen in der Auswahl der Sehenswürdigkeiten. Und zweitens ist die Grösse der Ortschaft durchaus ein Problem. „Spannend wäre natürlich nicht nur das Rheinfallbecken, sondern auch der Galgenbuck. Aber wir mussten Abstriche machen, damit wir eine kompakte Führung anbieten können“, so Markus Bührer. Die Führung sollte maximal zwei Stunden dauern und musste sich deshalb auf sehenswerte Objekte im Zentrum beschränken.“

Zündender Funke in Prag

Ohne Prag gäbe es die App wohl nicht. Darin sind sich die zwei Programmierer Olivier Alther und Levin Germann einig. 2018 sind die zwei mit einigen Freunden in die tschechische Hauptstadt gefahren. „Da uns eine gewöhnliche Stadtführung zu wenig interaktiv war, besuchten wir einen Escape-Room“, erklärte Olivier Alther. „Wir hatten grossen Spass, sahen aber nichts von der Stadt. Da entstand die Idee, man müsste doch beides kombinieren und in einer App anbieten können.“ Gesagt, getan. Im Sommer 2020 entstand das erste Quiz für die Stadt Schaffhausen und bis Ende 2021 soll ein gutes Dutzend Städte verfügbar sein. „Man muss Bilderrätsel lösen, schätzen, Texte schreiben und einiges mehr“, verrät Levin Germann. Alle Überraschungen will er aber noch nicht preisgeben.

Positiver Start

Die App ist seit wenigen Wochen verfügbar und scheint Touristen sowie Einheimischen gut zu gefallen. Trotz wenig Werbung wurde es bereits oft gespielt. Der Spagat zwischen Spass und Informationsvermittlung scheint gut gelungen. Die App bietet eine erfrischende Abwechslung zu einer herkömmlichen Stadtführung und an dieser Stelle eine Entwarnung: Der Rheinfall kommt natürlich auch vor.

Erschienen in der Zeitung „Schaffhauser Nachrichten“ am Mittwoch, 28. April 2021. Von Hermann-Luc Hardmeier.

 

Im Maya-Tempel den Weltuntergang verhindern

Am Freitag öffnet in der Unterstadt ein Escape-Room seine Pforten. Dahinter stecken zwei Studenten, welche von den Besuchern Grips und Teamwork verlangen.

„Yes, ich habe einen Hinweis gefunden!“ Am Montagnachmittag testete eine kleine Gruppe den neuen Escape-Room namens „smartescape“ mitten in der Unterstadt. In einem alten Maya-Tempel galt es herauszutüfteln, wie man die Türe zum Hauptraum findet und danach den Weltuntergang von 2012 rückgängig macht. Doch Vorsicht war geboten, denn angeblich hat es bislang nicht jeder Forscher lebendig aus dem Bauwerk herausgeschafft. Den Rätselspass haben sich die zwei Studenten Florian Walz und Leon Marti überlegt, die gut eineinhalb Jahre lang an den Räumen gearbeitet haben. Plötzlich schnellt ein Lucke auf, in welcher sich eine mysteriöse Statue befindet. Doch wie bringt man diese nun in einen Zusammenhang mit einem Zahlencode, einer Goldmünze und weiteren rätselhaften Hinweisen? „Wir haben grossen Spass daran, Mechanismen zu entwerfen, zu programmieren und zu tüfteln“, erklärt Florian. Per Zufall haben er und Leon einen Nebenjob in einem anderen Escape-Room angenommen und sind dem Sherlock-Holmes-Feeling erlegen. „Wir wollten ein eigenes, grosses Projekt umsetzen und haben im ehemaligen Verkaufsraum von Fust einen idealen Standort gefunden.“ Perfekt waren die Räumlichkeiten, weil das Gebäude wahrscheinlich 2023 abgerissen wird und man nach Herzenslust hämmern, schrauben und mauern konnte, ohne Rücksicht auf die Bausubstanz nehmen zu müssen. Florian und Leon haben einen wichtigen Background: Sie studieren beide Maschinenbau an der ETH Zürich und bringen damit auch Know-How mit, welches ihnen bei der Umsetzung ihrer Ideen hilft. Es ist eine fantasievolle und kreative Landschaft entstanden, welche knifflige Aufgaben beinhaltet und ein wachsames Auge erfordert.

Nicht nur Zahlencodes

„Das Zielpublikum sind alle Menschen, die einmal eine andere Unterhaltung als Bowling und Biertrinken suchen“, lacht Leon. „Es ist ein cooles Gruppenerlebnis, eingebettet in einer Gesamtstory.“ Zudem eigne sich das Ganze auch für die Teambildung in einer Firma. Im Gegensatz zu anderen Escape-Rooms gibt es zum Schluss noch eine statistische Auswertung der Leistung der Gruppe. „Wir können damit Hinweise geben, ob vielleicht in der Kommunikation oder Kombinationsfähigkeit eines Teams Verbesserungsbedarf bestehen“, so Florian. Mittlerweile hat die Mannschaft am Montagnachmittag Zutritt zum Hauptraum bekommen und erschreckt ein Skelett eines toten Forschers entdeckt. Zudem muss eine mysteriöse Kiste untersucht werden. Eine spannende aber auch schwierige Aufgabe. „Die Stärke unseres Escape-Rooms ist sicherlich, dass nicht nur Kopfrechnen und Zahlencodes im Zentrum stehen“, betont Leon. „Wir haben sehr darauf geachtet, dass man Aufgaben zusammen lösen soll, dass es vielseitig ist und dass man keine fixe Reihenfolge einhalten muss.“ Bei anderen Escape-Rooms sei vor allem der letzte Punkt manchmal sehr ärgerlich. Wenn man bei einem Rätsel feststecke, gebe es keine Möglichkeit mehr, den Raum weiterzuspielen.

Länger als geplant

Bei „smartescape“ gibt es theoretisch 288 Möglichkeiten, den Raum zu lösen. Die Vielfalt ist grossartig, hatte aber auch ihren Preis. Der Umbau ging doppelt so lange, wie geplant. „Wir haben die Arbeit total unterschätzt und vielleicht waren wir auch ein bisschen zu perfektionistisch“, so Leon. „Jetzt sind wir sehr froh, dass wir öffnen und von der schweisstreibenden Baustelle zum entspannten Rätselparadies switchen können“, ergänzt Florian. Übrigens: Auch die Montagsgruppe ist schlussendlich lebendig dem Mayatempel entronnen und hat die Welt gerettet.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen am 22. April 2021 in der Zeitung „Schaffhauser Nachrichten„.

Die nachhaltige Schnäppchenjagd

Beliebter denn je: Das Brocki der Heilsarmee in Schaffhausen ist seit einer Woche wieder offen und erlebte am Samstagnachmittag einen Grossandrang. Von Hermann-Luc Hardmeier.

Bericht: Hermann-Luc Hardmeier. Foto: Phillip Schmanau.

«Es läuft bombastisch», freute sich Filialleiterin Marianne Schaffner. «Die Kunden sind absolut happy, dass sie wieder kommen können.» Das Brocki der Heilsarmee kam am Samstag kaum zur Ruhe. Simon Baumann, der sein 25-jähriges Dienstjubiläum feierte, nahm geduldig die Warenspenden entgegen. Darunter am Samstag auch eine Nachttischlampe, die Steve Jobs – Biographie und sogar ein Zelt. «Nicht verschwenden – wiederverwenden», lachte Vanessa Götze, die nach dem Umzug Geschirr und andere Haushaltsgegenstände vorbeibrachte. Auf der Jagd waren auch Mirjam und Sheila Schrag. «Hier gibt es Dinge, die nicht jeder hat», erklärte Mirjam. «Ich habe ein Bild gemalt und brauche nun einen Rahmen», so Carmen Barabas. Während Renate Klingler nach Krimis Ausschau hielt. «Ich finde hier oft einzigartige Retro-Stücke», lobte Menusha Neuberth die grosse Auswahl. «Wir sind gerne hier wegen den Secondhand-Kleidern und uns gefällt der Nachhaltigkeitsgedanke», ergänzte ihre Mutter Beatrice. Severin Asaf und Corinne Haid hatten kein spezielles Ziel. «Oft kaufen wir Gesellschaftsspiele. Mal schauen, was uns heute ins Auge springt». Dunja Mehr wollte eigentlich eine neue Hose erwerben, war aber plötzlich bei der Osterdekoration auf einen Bären mit Hasenohren gestossen. «Ich komme so oft wie möglich hierher», erzählte Severina Sviben. «Es ist günstig und immer wieder überraschend. Was will man mehr?»

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung „Schaffhauser Nachrichten“ am Montag, 8. März 2021.

Mit Kampfstiefeln vor dem PC

Am Montag begann für rund 5000 Rekruten der Schweizer Armee wegen der Corona-Schutzmassnahmen die Rekrutenschule (RS) im Homeoffice. Der Schaffhauser Tim Gaus erzählt, wie er den Start erlebt hat. Von Hermann-Luc Hardmeier.

«Komm wann du willst, ich habe ja viel Zeit», lacht Tim Gaus, als man mit ihm einen Interviewtermin vereinbaren möchte.» Der 20-Jährige startete am Montag mit der RS im Homeoffice. Doch wie muss man sich diese spezielle Form des Militärdienstes eigentlich vorstellen? Pyjama statt Kampfanzug, stundenlanges Salutieren vor dem Spiegel und Schiessübungen auf die Gartenzwerge des Nachbarn? Viele Klischees und kreative Ideen schwirren durch den Kopf. Doch die Realität sieht ganz anders aus. Tim Gaus öffnet die Tür seiner Wohnung auf dem Emmersberg in Zivilkleidern. Er zeigt sein Schlafzimmer, in welchem sein PC steht, vor dem er in der dreiwöchigen Homeoffice-RS viel Zeit verbringen sollte. Das Programm der Armee sieht vor, dass man sechs Stunden pro Tag am PC lernt, Sport macht und beim Einrücken einen Leistungstest absolvieren muss. «Das Schöne ist, dass ich mir die Zeit selber einteilen kann», erklärt er. «Ich stelle am Morgen keinen Wecker, schlafe aus und mache dann mit der App das vorgesehene Militär-Workout oder gehe joggen.» Danach setzt er sich an den PC und arbeitet sich durch die Aufgaben des Militärprogramms durch. Zumindest war dies der Plan. Doch pünktlich zum RS-Start hatte die Armee enorme Computerprobleme. «Am Montag konnte ich mich vier Stunden gar nicht einloggen, erst am Abend klappte es. Wenn ich eine Aufgabe lösen will, warte ich teilweise 20 Minuten, bis ich weiterklicken kann.» Tim Gaus ärgert sich ein wenig: «Laut Ueli Maurer haben wir die beste Armee der Welt. Dann sollte man doch auch so modern sein, dass man ein Online-Learning-Programm zum Laufen bringt.»

Sorgen wegen Leistungstest

Tim Gaus ist gelernter Landwirt. Er ist bei den Genietruppen als Bauführer eingeteilt und freut sich auf seine Aufgabe. «Ich bin nicht ein riesiger Armee-Fan, aber ich möchte diese Herausforderung bewältigen. Ich habe immer gehört, dass man im Militär zum Mann wird. Das hat mich neugierig gemacht.» Er erfuhr erst eine Woche vor RS-Start, dass er diese im Homeoffice machen müssen. «Das hat mir schon Sorgen bereitet, vor allem der Leistungstest.» Er sagt von sich selbst, dass er ein Praktiker sei. Er lerne lieber vor Ort und nicht stundenlang am PC. «Eigentlich wäre ich lieber in der Kaserne als im Homeoffice», gibt er unumwunden zu. Tim Gaus hält sich an das RS-Sportprogramm. «Ich habe mir vorgenommen, das seriös durchzuziehen.»

Games und Netflix als Ablenkung

Doch ist bei der Arbeit am PC die Verlockung nicht riesig, dauernd auf Netflix zu gehen? «Eigentlich hätten wir mit den Onlinemodulen der Armee ja viel zu tun», sagt Tim Gaus. «Aber wenn natürlich nichts geht und ich ewig warten muss, game ich auch zwischendurch oder schaue einen Film.» Und er gibt zu: «Einige meiner Kollegen machen das schon ziemlich exzessiv. Zuhause ist es halt mit der Selbstdisziplin schwierig.» Tim Gaus macht sich etwas Sorgen, dass er den Leistungstest nicht besteht. Die Konsequenz wäre, dass man übers Wochenende in der Kaserne bleiben muss und nachbüffeln soll. «Meine Kumpels sagen, sie lernen nichts, weil man aus Corona-Schutzgründen ja wahrscheinlich sowieso übers Wochenende nicht nach Hause dürfe. Aber ich sehe das anders.» Er hofft, dass die Armee die Prüfung angesichts der technischen Probleme vereinfache. Vorerst geniesst er aber die angenehmen Seiten der Homeoffice-RS. Er ist ausgeschlafen und geht nachher joggen. Der PC ist bereits eingeschaltet. Das Einloggen ging den ganzen Tag noch nicht. Nach dem Workout wird er es erneut versuchen.

Erschienen in der Zeitung „Schaffhauser Nachrichten“ am 22. Januar 2021. Von Hermann-Luc Hardmeier.

Vom Tellerwäscher zum Cocktailmeister

Seit Januar leitet Simon Schürch die Bar „Tabaco“ in Schaffhausen. Der neue Pächter will alles anders machen und hatte wegen Corona Angst um sein Lokal. Von Hermann-Luc Hardmeier.

Bild: Der passionierte Barkeeper Simon Schürch zaubert im Tabaco gerne mit dem
Schüttelbecher. (Foto: Hermann-Luc Hardmeier. Bericht: Hermann-Luc Hardmeier)

«Ich tanze den ganzen Abend und betrinke mich mit den Gästen», lacht Simon Schürch. «Nein, natürlich ist das eine völlig falsche Vorstellung vom Barkeeperjob, die ich aber immer wieder zu hören bekomme.» Der 29-Jährige arbeitet seit neun Jahren im Tabaco und hat in diesem Januar die Bar am Rosengässchen als Pächter übernommen. Doch wie kam es, dass der gelernte Schreiner plötzlich hinter dem Tresen stand? Während seiner Zeit an der Berufsmaturitätsschule brauchte Simon Schürch einen Nebenjob. Er begann im Tabaco als Abräumer zu arbeiten. «Ich sah meine Kollegen, hatte Spass, war im Ausgang und verdiente dabei noch Geld.» Doch relativ schnell stieg Simon Schürch zum Barkeeper auf und entdeckte dabei seine wahre Passion. Barbesitzer Patrick Gisi erkannte sein Talent und übergab ihm immer mehr Verantwortung. Schliesslich stellte er ihn als Geschäftsführer ein. Simon Schürch konnte nicht nur Bier zapfen und in schwierigen Situationen einen kühlen Kopf bewahren, sondern auch gute Stimmung verbreiten. Als er schliesslich beim Umbau mithalf, welcher das Tabaco vor fünf Jahren vom Partytempel zur stylischen Bar im Stile der Golden Twenties transformierte, hatte er sich endgültig bewiesen. Simon Schürch ist ein multifunktionales Schweizer Taschenmesser. Nur besser. Und mit Bart.

Kein Partytempel mehr
Am 24. Januar stieg nach einer Woche Umbaupause die grosse Wiedereröffnungsparty. Das DJ-Pult wurde diskret in die Ecke versetzt, es gab nun auch im Nichtraucherbereich Lounges und der Bartresen wurde wesentlich vergrössert. Simon Schürch und sein sechsköpfiges Team wollten alles anders machen. Mehr Genuss, weniger Exzess. «Wir sind eine Cocktailbar, bei welcher nicht laute Musik, sondern qualitativ leckere Drinks im Zentrum stehen.» Startbereit wie eine aufgetankte Rakete wollte Simon Schürch nun ins Geschäftsleben starten. Doch dann kam Corona.

Rettende Idee in der Krise
«Ich war geschockt, als ich die Meldung vom Lockdown hörte», sagte Simon Schürch. «Ich stellte mir natürlich die Frage, wie es nun weiter gehen soll.» Durch die Barübernahme hatte er sein Geld investiert und kein finanzielles Polster. Doch dann kam die zündende Idee: «Wenn die Leute nicht zu uns kommen können, dann bringen wir den Genuss zu den Gästen nach Hause.» Das Tabaco startete mitten in der Corona-Zeit einen Cocktail-Lieferservice, der sensationell lief. «Zwischendurch mussten wir mit drei Autos täglich ausliefern. Das hat uns finanziell über Wasser gehalten.»

Ziel: Geschmacksexplosion

Weil die Gäste sich nach der Quarantäne-Pause plötzlich im Ausgang viel mehr Zeit nahmen, spielte Corona dem Tabaco sogar ein bisschen in die Hände. «Unsere Qualität wird enorm geschätzt. Ein guter Cocktail soll keine stupide Alkoholbombe sein, sondern die Zutaten sollen sich harmonisch vermischen und eine Geschmacksexplosion auf der Zunge auslösen.» Wenn Simon Schürch sieht, wie die Gäste dieses Erlebnis geniessen, ist er glücklich und freut sich auf die Zukunft im neuen Tabaco.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung „Schaffhauser Nachrichten“ am 7. August 2020.

Pelziger Horror trifft auf Krimi und Trickfilm

Am Filmabend „kurz und knapp“ genossen am Freitag die Gäste 13 Filme in der Rhybadi „Uferlos“ in Stein am Rhein. Von Hermann-Luc Hardmeier.

Es war die perfekte Kulisse für einen sommerlichen Openair-Filmabend. Die grosse Leinwand thronte auf der Wiese zwischen den Bäumen, die sich sinnlich zur Seite neigten. Im Hintergrund floss der Rhein verträumt Richtung Schafhausen vorbei. Die Gäste sassen an den Tischen im Restaurant, auf blauen Decken in der Wiese oder auf einem Sofa aus Paletten mit bequemen Kissen. Einige Kinder hatten den Pingpong-Tisch erobert und sahen von dort aus die cineastischen Leckerbissen, welche das Kurz-und-knapp-Team für die Besucher vorbereitet hatten. Auch für das leibliche Wohl war gesorgt. Mit Bier, Limonade und Mojito stimmten sich die einen ein, andere verzerrten freudig einen Wurst-Käse-Salat. „Es ist wunderbar, an einem Sommerabend Filme am Rhein zu geniessen“, freute sich Organisator Michael Burtscher. „Wir waren in unsere Spitzenzeiten in acht Städten und wollten aus der Routine ausbrechen. Outdoor im Wettstreit mit dem Wetter gab uns den nötigen Thrill, um wieder Energie zu tanken.“ Die dreizehn Filme dauerten zwischen 1.5 und 18 Minuten und hätten unterschiedlicher nicht sein können. Es begann mit einem pelzigen Horrofilm, bei welchem eine Gruppe von fanatischen Tierschützern den Massenselbstmord der Lemminge verhindern wollte. Gefolgt von einer kleinen Streetparade der digitalen Pappfiguren, die eine wilde Party feierten. Ein Dokumentarfilm beleuchtete den Konflikt zwischen Protestanten und Katholiken in Nordirland, anhand eines provokativen gigantischen Feuerwerks. Mit einem Trickfilm wurde erklärt, wie man im Internet jede Diskussion in den Kommentarfeldern gewinnt und zwei weltumspannende Königreiche wurden vorgestellt, die das Konzept der Nation nicht nur auf den Kopf stellten, sondern gleichzeitig auch beseitigten. Einer der genialsten Filme des Abends war sicherlich jener von den zwei Teenagern Joshua Schweizer und Damien Hauser. Sie hatten sich einen Philip Maloney-Krimi vorgeknöpft und das Hörspiel im Sin-City-Style kräftig aufgemöbelt. Fazit: Ein toller Abend mit vielen Überraschungen.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung „Schaffhauser Nachrichten“ am 22. Juli 2019.

«Ich will das gängige Amerikabild ergänzen»

«10vor10»-Moderator Arthur Honegger stellte am Mittwochabend in Dachsen sein Buch «Ach, Amiland» vor. Zudem verriet er, warum Donald Trump nicht sein Lieblingspräsident ist. Von Hermann-Luc Hardmeier

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Bild: Arthur Honegger sorgte für Grossandrang in Dachsen und freute sich über die Kollekten-Box, welche in den USA-Farben angemalt war. (Foto: Hermann-Luc Hardmeier. Bericht: Hermann-Luc Hardmeier).

DACHSEN. Eine grosse USA-Flagge war über dem Klavier ausgebreitet und eine Zeichnung von einer Freiheitsstatue mit wehendem blondem Haar an die Wand gepinnt. Die Bibliothekarin hatte Bücher zum Thema Amerika aufgestellt. Darunter
in grossen Lettern «Feuer und Zorn» mit einem Bild von Donald Trump. Die
Aula in Dachsen war zum Bersten voll und bis auf den letzten Platz gefüllt mit knapp
250 Gästen. Alle wollten den langjährigen USA-Korrespondenten und SRF-Moderator
Arthur Honegger sehen. Wie würde er auftreten? Unter Jubel zur «10vor10»-Melodie wie ein Boxer in den Ring einlaufen oder mit der Hand auf dem Herzen die amerikanische Nationalhymne singen? Weit gefehlt. Locker, entspannt und
ohne die übliche Krawatte begrüsste der 40-Jährige die Gäste. Ganz ohne Tamtam.
«Ich bin ein bisschen überwältigt», sagte er erfreut. Weder Honegger noch Organisatoren der Bibliothekskommission hätten mit diesem Andrang gerechnet. «Streng genommen komme ich gerade aus Hawaii», sagte der Anchorman lächelnd und erklärte, dass er nun alle 50 Bundesstaaten besucht habe und gerade an der Vertonung einer USA-Dokumentation arbeite, die auf 3Sat ausgestrahlt werde.

Wenn der Baum brennt

Während seiner Zeit in den USA ist Arthur Honegger nicht nur zweifacher Familienvater geworden, sondern es sind auch gegen 30 000 Fotos entstanden. Für sein Buch «Ach, Amiland» hat er 200 davon ausgewählt. Geknipst hat er die Bilder in Zusammenarbeit mit seiner Frau, die Berufsfotografin ist. Die Fotos sind mit Texten von Arthur Honegger versehen, welche teilweise auch als Kolumnen in Zeitungen und auf seinem Blog erschienen sind.

«Wir Journalisten zeigen immer nur dann die Bäume, wenn sie krank sind oder wenn sie brennen. Für den Wald fehlt uns aber oft die Zeit.» Mit dieser Metapher erklärte
er, was sein Antrieb war, das Buch zu verfassen, und betonte: «Ich habe das
Bedürfnis, das gängige Amerikabild zu ergänzen.» Im journalistischen Tagesgeschäft
fehle dazu oft die Zeit. «Und auch Peter Düggeli kann ich das wegen der begrenzten
Sendezeit leider nicht erlauben», scherzte er über den USA-Korrespondenten
von «10vor10», der Honegger im Sommer 2015 abgelöst hat. Die Besucher sahen im Folgenden unter anderem Bilder von Barack Obama, der Freiheitsstatue, einem Kiosk in der U-Bahn und von einem Nationalpark. Arthur Honegger nahm sich viel Zeit, die
Entstehungsgeschichte der Fotos zu erklären, und umrahmte jedes seiner Bilder mit
einem seiner Texte. Man erfuhr, dass es bei der Amtseinführung des ersten schwarzen
US-Präsidenten so kalt war, dass sogar einem waschechten Davoser wie Honegger
die Zehen schlotterten. Er erzählte, wie er Trump das erste Mal live sah und dass
Journalisten den Anweisungen des Secret Service nicht zu widersprechen wagen.

Kritik an Trump

Schliesslich kam er zur zentralen Frage, die viele USA-Beobachter beschäftigt: Warum
haben die Amerikaner Trump gewählt? «Man wollte den Wandel. Es wurde
der Bruch gesucht», sagt Honegger. Seiner Meinung nach hat dies in den USA
Tradition. Bill Clinton brachte den jungen Schwung nach George Bush senior. Obama
versprach ein friedlicheres Amerika nach George Bush junior. «Als Kandidaten weckten
sie Hoffnungen, als Präsidenten sahen sie recht schnell alt aus.» Das zielte vor
allem gegen Obama. Doch der USA-Versteher hatte auch für Donald Trump wenig Schmeichelhaftes im Gepäck. «Trump ist kein Rechtspopulist. Er ist nicht einmal rechts und auch kein typischer Republikaner. Er ist einfach ein Demagoge. Er hat eine feindliche Übernahme der Partei gestartet und mit seinen Kommentaren über afrikanische Länder Äusserungen getätigt, die nicht nur rassistisch
sind, sondern auch unamerikanisch.»

Doch Trump war eigentlich nur am Rande ein Thema. Honegger erklärte leidenschaftlich, warum er die USA nach wie vor als faszinierend empfindet, und illustrierte mit seinen Fotos, dass es immer wieder neue Facetten zu entdecken gibt. «Was vermissen Sie seit Ihrer Rückkehr am meisten? », wollte ein Gast in der abschliessenden Fragerunde wissen. «Ganz klar die Lockerheit », antwortete Honegger. «Wenn meine Kinder im Zug laut sind, rümpfen die Schweizer die Nase. In den USA hingegen sagte jemand: ‹Wow, there is a little Broadway Star coming up.›» Diese Sprüche, der Smalltalk und sogar, dass sein Heimatland immer mit Schweden verwechselt werde, gefielen ihm. Gerne hätte man noch mehr solche Geschichten
und Einschätzungen gehört und vor allem noch mehr Bilder zu sehen bekommen. Doch der Abend endete kurz und knackig. Genau so,wie man es von «10vor10» gewohnt ist.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung „Schaffhauser Nachrichten“ am 15. Februar 2019.

Die Spareribs-Grillweltmeister aus dem Weinland

Die «Smoker Dudes» stammen aus dem Zürcher Weinland. Seit sie am Grill stehen, mischen sie an Meisterschaften ganz vorne mit. Im irischen Limerick holten sie im Jahre 2017 gar den Weltmeistertitel. Im September brutzelt ihr Fleisch in Wil, sozusagen vor der Haustür. Von Hermann-Luc Hardmeier.

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Bild: Rangverkündigung an der Weltmeisterschaft 2017. (Foto: Smoker Dudes, Bericht: Hermann-Luc Hardmeier)

BUCH AM IRCHEL. Es brutzelt und zischt auf dem Pellet-Smoker-Grill in Buch am Irchel. Im Schützenhaus arbeiten ein knappes Dutzend Freunde fieberhaft und mit Schweisstropfen auf der Stirn. Hier planen nicht etwa die Ocean’s Eleven den nächsten Bankraub, sondern das neunköpfige «Smoker Dudes»-Team bereitet sich auf die BBQ-Weltmeisterschaft in Limerick in Irland vor. Auf dem Balkon von Simon Ganz hatte alles sehr bescheiden angefangen. Zunächst trafen sich die Freunde einfach regelmässig zu Grillpartys. Im Militärdienst von Simon ging’s dann richtig los. «Ich hatte sehr viel Zeit, um mich mit den Geheimnissen des BBQ zu beschäftigen », sagt Simon Ganz. «Ich
recherchierte nach Rezepten und einem geeigneten Grill.» Eher aus Jux kaufte er
sich den Pellet-Smoker und überzeugte seine Freunde, bei den Schweizer Meisterschaften in Schaffhausen anzutreten.Und da sind die «Smoker Dudes» mit
ihren Spareribs dann gleich ganz steil eingestiegen. Sie wurden auf Anhieb
Vizemeister im Gesamtklassement der Amateure. «Wir waren selber erstaunt»,
erklärt Simon Ganz. «Das war unser erster Wettbewerb, an dem wir jemals teilgenommen hatten.» Die gewonnene Silbermedaille beflügelte das Team.

Spass statt Leistungsdruck

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Bild: So sehen Weltmeister aus! (Foto: Smoker Dudes, Bericht: Hermann-Luc Hardmeier)

Mittlerweile sind die Spareribs fertig an der Weltmeisterschaft in Irland. Es
kommt der entscheidende Moment. Die Jury kostet die Grilldelikatesse, und die
Augen der Geschmacksrichter beginnen zu funkeln. «Wir haben’s gerockt,
wir haben tatsächlich den Weltmeistertitel 2017 geholt», sagt Sebastian Braun
auch heute noch erfreut. «Ich denke, unser Erfolgsrezept sind die Gemütlichkeit
und der Spass, die im Zentrum stehen », sagt er ausserdem. Selbstverständlich bereiten die «Smoker Dudes» auch ausgezeichnetes Pulled Pork, Beef Brisket sowie Chicken,
Fisch und weitere Köstlichkeiten zu. Doch bei der Spareribs-Marinade und der eigens dafür entwickelten Barbecue-Sauce haben sie mit ihrem Geheimrezept offenbar ins Schwarze getroffen. «Eine solche Weltmeisterschaft durchzustehen, ist übrigens gar nicht so einfach », erklärt Patrick Brandenberger. Man sitzt nicht den ganzen Tag im Liegestuhl und wirft ein bisschen Holzkohle in den Grill.» Das Grillieren beginnt
bereits am Vortag mit der Zubereitung. Insgesamt steht das Team gut
bis zu 48 Stunden am Pellet-Grill und muss bereits am Vormittag des ersten
Tages der Jury einen Gang servieren. «Das geht dann sogar so weit, dass man
selber gar nicht mehr gross Lust auf Fleisch hat», sagt Sebastian Braun.
Doch bei den Vorbereitungen einen Monat vorher werde dafür umso mehr
geschlemmt.

Finger weg von Fertigsaucen

Die «Smoker Dudes» grillen auf amerikanische Art und Weise. Das heisst,
es wird süss gewürzt und bei niedrigen Temperaturen gegart. Weil sie aus Spass
und nicht aus beruflichen Gründen das Fleisch brutzeln lassen, können sie ihre
ganze Aufmerksamkeit und Leidenschaft einsetzen. Und dies ist denn auch
ihr wertvollster Tipp für Hobbygriller. «Geduld, Geduld und noch einmal Geduld!
Ein gutes Stück Fleisch nehmen, und auf gar keinen Fall fertig marinierte
Steaks verwenden», sagt Simon Ganz. «Ich ermuntere alle zum kreativen Ausprobieren,
dann klappt das mit dem kulinarischen Höhenflug.»

Die «Smoker Dudes» wollen Pokal

Und wem nun das Wasser im Munde zusammengelaufen ist, wer nun unbedingt
die Spareribs von den «Smoker Dudes» probieren will, dem seien der 1. und der 2. September empfohlen, um nach Wil zu pilgern. Dort findet nämlich die SBA Schweizer Grill- und BBQ-Meisterschaft 2018 statt, und die «Smoker Dudes» werden mit dabei sein im Rennen um den Pokal.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung „Schaffhauser Nachrichten“ am 27. Juni 2018.

„Ich gab der Bachelorette nur eine Chance von 0.1%“

Mario Osmakcic aus Rafz ist kein Softie. Bei der aktuellen Bachelorette-Staffel auf 3+ sagt er klar seine Meinung und erlebte deshalb in der Berufswelt eine Überraschung. Von Hermann-Luc Hardmeier.

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Bild: Derzeit noch im Rennen: Mario Osmakcic (Foto: Hermann-Luc Hardmeier)

„Der Typ hat mein Date gecrasht. Das fand ich voll daneben.“ Mario Osmakcic findet auch heute noch klare Worte, als er über seine Erlebnisse bei der aktuellen Bachelorette-Staffel spricht. Der Rafzer mit kroatischen Wurzeln musste seinen Platz am Frühstückstisch mit Bachelorette Adela räumen, weil Konkurrent Giusi eine Joker-Rose eingesetzt hatte. Auch mit markigen Sprüchen wie „Ich hatte Sex auf einem Kinderspielplatz“ und „Du gsesch mega schöns Kleid“ bei der ersten Begegnung mit Adela ist er aufgefallen. Doch im echten Leben ist Mario kein Mensch, der den Duden mit der Kettensäge bearbeitet oder hauptberuflich das weibliche Geschlecht reiheinweise in Ohnmacht fallen lässt. Er studiert Wirtschaftsinformatik an der ZHAW in Winterthur, arbeitet beim Coop an der Kasse und wurde im Alter von 14 Jahren Junior Schweizermeister im Tennis. Die Frage drängt sich auf: Wie kommt ein intelligenter Mensch dazu, bei der Trashsendung Bachelorette mitzuwirken? Sind bei Mario alle Sicherungen auf einmal durchgebrannt? „Nein, natürlich nicht“, lacht der 21-Jährige. Ein Kumpel hat mich aus Jux angemeldet. Als 3+ anrief, war ich total überrumpelt und sagte mir: Warum nicht. Ich bin jemand, der offen ist und sehr gerne auffällt. Das Unbekannte hat mich gereizt.“ In der Sendung polarisiert Mario. Einige finden ihn ultimativ witzig und vergleichen ihn sogar mit Ex-Bachelor Vujo Gavric. Andere empfinden seine Art als arrogant. Ein Beispiel gefällig? Adela: „Mario, hast du in der Schweiz überhaupt Zeit für mich?“. Mario: „Nein, eigentlich nicht.“

Hat Mario gewonnen?

Laut der Eigenwerbung von 3+ ist Adela mit 21 Kandidaten in Thailand, um ihre wahre Liebe zu finden. Wie sieht das bei Mario aus? Hat er sich in Phuket verzaubern lassen? Funktioniert Liebe auf Knopfdruck? „Ich gab der Bachelorette nur eine Chance von 0.1%. Ich war dann total überrascht, dass sie auch aus dem Balkan kommt, sehr hübsch und offen ist sowie eine mega Ausstrahlung besitzt.“ Hoppla, Mario, das klingt aber schon nach Schmetterlingen im Bauch. Hört sich schon fast ein wenig siegessicher an… „Ich darf laut Vertrag nicht verraten, wer gewonnen hat oder ob ich am kommenden Montag rausfliege. Aber ein bisschen verliebt habe ich mich schon.“ In einem Nebensatz fügt der 1.90 Meter grosse Sportler noch an: „Aber sie ist schon ein bisschen klein für mich.“

Selfies auf der Strasse

Was ist eigentlich echt in der Sendung? Was ist inszeniert? Laut Mario geben die Produzenten den Kandidaten vor den Dates Tipps für Gesprächsthemen und machen Vorschläge. „Es ist aber nichts gescripted.“ Man könne frei reden und theoretisch auch „Stopp“ sagen. „Das macht aber niemand.“ Zudem lassen die vielen Cocktails in der Sendung erahnen, was noch mitspielt. „Ich war zu Beginn sehr nervös wegen der Filmerei. 2-3 Schlückli vor dem Dreh lockern uns jeweils die Zunge. So entstehen auch einige der Kultsprüche der Kandidaten“, erinnert sich Mario amüsiert. Kritik fürchtet er dafür keine: Mich kann man gar nicht negativ darstellen. Und wenn, dann ist‘s mir Pipegal. Presse ist Presse.“ Der Student ist nun ein B-Promi. Er wollte auffallen, das hat er geschafft. In Rafz und schweizweit kennt ihn fast jeder. Unbekannte machen Selfies mit ihm auf der Strasse und seine Fangemeinde auf Instagram wächst. Zwischenstand:         20 000 Follower. Während dem Interview kommen 10 neue dazu. Leben kann er vom Ruhm jedoch noch nicht. Aber an seinem letzten Bewerbungsgespräch erlebte er dann doch eine Überraschung: „Ratet mal, was der Personalchef mich als letztes gefragt hat“, schmunzelt Mario. „Sind sie nicht…?“ Die Bewerbung ist noch offen. Ob Mario am Montag rausfliegt oder am Schluss gewinnt, übrigens auch.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung „Schaffhauser Nachrichten“ am 26. Mai 2018.