«Unser Feuer brennt unermüdlich!»

Der radikal umgebaute «Jugendchäller» in Schaffhausen öffnet am Samstag unter dem Titel «klub 8». Das neue Team will den Raum nicht als Partymeile, sondern als neues Kulturzentrum betreiben. Von Hermann-Luc Hardmeier.

Bildlegende:
Vor der Neueröffnung arbeiten Cyrill Wortmann, Dogukan Karatas, Maurice Corbach, Raoul Mökli und Yannick Vuga. (v.l.n.r.) vom klub 8 – Team bis zur letzten Minute fieberhaft, damit jedes Detail stimmt und perfekt zur Geltung kommt. (Foto: Hermann-Luc Hardmeier, Bericht: Hermann-Luc Hardmeier)

«Die Leute sollen «wow» sagen, wenn sie den klub 8 betreten», freute sich Yannick Vuga auf die Neueröffnung. «Wir versuchten, möglichst viel vom neuen Innenleben geheim zu behalten und «posteten» auch nichts darüber auf Social Media.» Die Überraschung ist der neuen Mannschaft des ehemaligen Jugendchällers gründlich gelungen. Beim Eingang begrüsst einen das imposanteste Kassenhäuschen der Stadt, die Bar wurde versetzt, die Bühne herausgerissen, das Lichtpult schwebt in der Höhe und, und, und. Das neue klub 8 – Team besteht aus 10 Freunden, ein bunter Mix aus Studenten und Handwerkern im Alter von 20 bis 25 Jahren. Während 10 Monaten haben sie sich die Finger wund geschuftet, jedes Wochenende, jeden Feierabend und jede freie Minute verbrachten sie im Gewölbe der Safrangasse 8.

Die Strassennummer war sodann auch der Namensgeber des neu aufgefrischten Lokals. «Ich dachte ein paar Mal, jetzt ist dann Schluss. Wir stiessen an unsere Grenzen», erklärte Raoul Mökli. Als gelernter Zimmermann übernahm er die Bauführung und instruierte seine Mitstreiter. Mit einem Schreiner und einem Elektriker waren zwar einige erfahrene Arbeiter an Bord, mit einer «normalen» Baustelle war der klub 8 jedoch nicht zu vergleichen. «Das Konzept wurde laufend entwickelt. Planung und Umsetzung liefen parallel und wir haben überall ein bisschen angefangen», lachte Maurice Corbach. «Es ging nicht anders, denn wir haben immer wieder stundenlang diskutiert und Kompromisse gesucht, was wir wie umsetzen wollten.» Die neue Position der Bar im Raum und wie sie auszusehen habe, war dabei einer der Hauptknackpunkte. «Einig waren wir uns nur in einem: Wir wollten eine radikale Veränderung und einen Neustart», erklärte Yannick Vuga. So riss das Team die alte, teilweise verschimmelte Inneneinrichtung heraus. Bezahlt wurde das von Ersparnissen, vielen Spenden und 50 000.- aus dem Kulturfonds der Windler-Stiftung. «Im Nachhinein war es ein Glücksfall, dass wir vor dem klub 8 eine Baustelle hatten», erklärte Dogukan Karatas. «Wir bekamen grosszügig nicht gebrauchtes Baumaterial, durften Werkzeuge ausleihen und für den Transport des Maurermörtels half man uns sogar mit dem Kran aus.» Zu normalen Baustellenpreisen hätten sie sich den Umbau unmöglich leisten können.

Kulturlokal statt Partytempel
Die 10 Freunde haben früher zusammen Partys organisiert. «Schon damals waren wir mit HipHop, 2000er, Goa oder Techno» sehr breit aufgestellt und wollen das auch in den klub 8 einbringen», so Karatas weiter. «Der Raum wird nicht nur optisch, sondern auch inhaltlich komplett verändert», erklärt Yannick Vuga. «Wir wollen wieder regelmässige Events wie Poetryslams, Konzerte, Kunstausstellungen und natürlich auch Partys veranstalten. Maurice Corbach ergänzt: «Der klub 8 wird mit einem vielfältigen Angebot ein Kulturzentrum für alle Altersgruppen werden und kein Partytempel.» Unter der Woche soll der klub 8 auch wieder zusammen mit der Jugendarbeit als Jugendtreff genutzt werden. Der Umbau war für das zehnköpfige eine enorme Belastungsprobe und nach der Eröffnung am Samstag geht die Arbeit erst richtig los. Zudem könnte der klub 8 auch als Konkurrenz wahrgenommen werden. «Uns ist es wichtig, dass wir ein Miteinander und kein Gegeneinander wollen», so Maurice Corbach. «Unser Angebot ist so breit, dass wir niemandem in die Quere kommen. Wahrscheinlich wäre es aber sinnvoll, sich da und dort abzusprechen.» Yannick Vuga bilanziert: «Wir sind durch den Umbau als Freunde extrem zusammengewachsen und bereit für den Start. Das Feuer in uns für neue Ideen und Pläne brennt unermüdlich. Wir können es kaum erwarten, loszulegen.»

Geschichte des Jugendkellers
1965: Eröffnungsfeier (26. November) nach zwei Jahren Bauzeit
1972: Zwischenzeitliche Schliessung des Jugendkellers wegen Gewalt- und Drogenproblemen
1975: Nochmalige Schliessung
1983-1988: Renovation und Wiedereröffnung
2001: Wegen Finanzproblemen gibt der Verein den Raum an die Stadt zurück
2001-2005: Nur noch Fremdveranstaltungen + Vermietung
2005: Umfassende Renovation mit neuer Bar, Bühne usw.
2006: Wiedereröffnung unter dem Namen «Chäller»
2022: Radikaler Umbau und Neueröffnung als «klub 8»

Eröffnungsdaten

  • 29. Oktober: Opening-Party (Soft-Opening, nur mit Voranmeldung)
  • 4. November: Offizielle Eröffnungsfeier: Ab 17 Uhr Tag der offenen Tür. Jeder ist willkommen, um sich den Umbau anzuschauen. Ab 19 Uhr Präsentation + formelle Eröffnung
  • 5. November: Erste Party und offizieller Start des klub 8

Erschienen in der Zeitung „Schaffhauser Nachrichte“ am 24.10.2022. Von Hermann-Luc Hardmeier.

Humorvoller Rhetorik-Kurs für die Bundesräte

Die Comedyshow «Fake me Happy» von Michael Elsener am Mittwochabend im Stadttheater war sehr humorvoll und verblüffend spontan. Von Hermann-Luc Hardmeier.

«Ich fake gerne», gestand Michael Elsener am Mittwochabend. Zu seiner zweitägigen Comedyshow waren zahlreiche Gäste ins Stadttheater gekommen. «Die Vorstellung wird heute aufgezeichnet, also bitte macht ein bisschen mehr Applaus, als ihr es lustig findet», erklärte der Showstar mit einem Augenzwinkern. Ein riesiger Kamera-Arm war im Stadttheater installiert und an allen Ecken und Enden wurde gefilmt. Die Zuschauer waren in ausgezeichneter Stimmung und kamen dem Wunsch gerne nach. Schnell hatte man die Kameralinsen vergessen, denn Michael Elsener hat ein grosses Talent: Er kann spontan Menschen im Publikum ansprechen, ihnen einige Informationen entlocken und diese dann immer wieder an passender Stelle in seiner Show einbauen. So sorgten eine Physiotherapeutin, ein Fotograf, der keine schwangeren Damen oder verliebte Pärchen fotografieren möchte, oder ein Verschwörungstheoretiker bezüglich der Erdanziehungskraft für grossen Unterhaltungswert und viele Lacher.

Rhetorikkurs für Politiker

Anschliessend inszenierte der Komiker einen Rhetorikkurs mit Ex-Bundesrat Moritz Leuenberger. Er hatte die Aufgabe, die aktuelle Landesregierung in punkto Neujahrsrede zu schulen. Das Figurenensemble beherrschte Michael Elsener grossartig. Egal ob breiter Walliser Dialekt von Viola Amherd, tiefsinnige Gedanken zum Vorsorgemodell von Alain Berset oder amüsante sprachliche Missverständnisse mit Guy Parmelin, jede Partei bekam einen saftigen Seitenhieb. Aber es gab natürlich auch andere Themen: Er erklärte, warum sein Opa wegen terroristischem Verhalten angeklagt war, wie Roger Federer in der Sauna auf Kliby und Caroline traf und schlug vor, den Genderstern in der Sprache mit einem akustischen Signal sichtbar zu machen. Ein Highlight des Abends war sicherlich, als er erzählte, wie viel besser es wäre, wenn das Leben rückwärts abliefe. «Man wacht auf und bekommt ein riesiges Erbe, wird aus dem Altersheim entlassen, muss immer weniger arbeiten, an der Uni bekommt man am ersten Tag das Abschlussdiplom, qualifiziert sich in der Primarschule für den Kindergarten und kann neun Monate im warmen Mutterbauch verbringen, bis man immer kleiner wird und schlussendlich als Funkeln in den Augen zweier Verliebten verglimmt.»

Zu langes Bewerbungsvideo

Am Schluss des Abends gab es sodann eine Zusatzrunde: Für einen Comedywettbewerb in London diente das Publikum als Kulisse. Michael Elsener drehte ein Bewerbungsvideo und trat mit einer englischen Standup-Nummer auf. Er wiederholte dabei auch einige der bereits gezeigten Nummern auf Englisch. Zeitlich dauerte das eindeutig zu lange. Dennoch gab es begeisterten Applaus am Schluss und Elsener freute sich: «Ihr seid Goldschätze, bitte kommt mit auf meine Tournee.»

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung „Schaffhauser Nachrichten“ am 18. März 2022.

Die Crimer-Socken sind auch dabei

Alexander Frei alias Crimer spielt am Samstag in der Kammgarn und erzählte im Interview, was er mit Batman gemeinsam hat und wie er Opfer eines Internet-Perverslings wurde.

Hast du einen Bezug zu Schaffhausen?
Ja, musikalisch ist die Munotstadt kein Neuland für mich. Wir hatten einen superschönen Auftritt in der „Rhybadi“ und einen tollen Gig am „Stars in Town“. Zudem war ich an der Olma, als Schaffhausen Gastkanton war. Ich war im Schaffhauser Zelt habe dort auch eine Schaffhauser Wurst genossen.

Eine Schaffhauser Wurst?
Oder was gibt es bei euch für Spezialitäten?

Beispielsweise Schaffhauser Zungen oder „Bölletünne“.
Hmm, klingt gut. Vielleicht komme ich in der Kammgarn ja in den Genuss. Es ist immer schön, etwas Regionales zu entdecken.

Wie kamst du zur Musik?
Ich habe BWL und Kommunikationswissenschaften studiert. Musik hat mich aber immer stärker interessiert als ein 0815-Job. Ich trat einem Kirchenchor bei, gründete später zwei Bands und spielte Popmusik. Ich stellte fest, dass ich ein Flair für’s Gitarrenspielen hatte.

Mittlerweile ist Gitarrenspielen für dich ja auch nicht mehr so einfach?
Du meinst wegen meinen langen Nägeln? (lacht). Ja, die Nägel haben Priorität. Auf der aktuellen Tour spiele ich auch nicht Gitarre. Ich konzentriere mich auf’s Tanzen und Singen.

Wirst du dir den neuen Batman-Film im Kino anschauen?
(Lacht). Du sprichts meinen Streit mit DC Comics an. (Anmerkung der Redaktion: Crimer hiess früher Batman und bekam mit DC Comics deshalb Zoff. Sie drohten ihm mit einem Rechtsstreit, wenn er nicht den Namen wechsle) Ich gehe den Film definitiv schauen. Batman ist ein bisschen düsterer und böser geworden. Klingt ziemlich vielversprechend.

Hast du dich eigentlich deshalb «Crimer» genannt, weil dir DC Comics etwas Kriminelles vorwarf?
Nein. Mich faszinierten Superhelden wie Wolverine oder Batman schon immer. «Crimer» klingt nach Chromstahl und fiel mir ein, weil es doch auch ein cooler Name für einen fiktiven Superhelden wäre.

Das Thema ist für dich also abgehakt?
Ja, voll. Ganz selten werde ich noch als Batman begrüsst, dann muss ich lachen.
Wie bist du darauf gekommen, Musik der 80er-Jahre zu machen?
Mit meinen ersten Bands „The Axxess» und später «BrefSunAjax» spielte ich Popmusik. Dann kam meine Solokarriere und mich faszinierte von Anfang an der Synthesizer. Es ist lustig, sobald man dieses Instrument bedient, wird man einer musikalischen Dekade zugeordnet.

Stört es dich in dem Fall, wenn man deine Musik als 80s bezeichnet?
Nein. Menschen sind oft froh um „Schubladen“ und ich habe kein Problem damit.
Wenn du eine Traumband zusammenstellen könntest, wer wäre mit dir auf der Bühne?
Ich habe schon einige Vorbilder. Phil Collins wäre in jedem Fall am Schlagzeug dabei. Michael Jackson ohne seine düstere Geschichte sollte mit mir Tanzen und Mitsingen. Er würde mich aber sicherlich in den Schatten stellen. Mir gefallen aber auch die Pointer Sisters. Oder Rick Astley „Never gone let you down…” (Er singt das Lied). Das kennst du sicher. Jeder kennt es.

Ich sehe schon, die Kammgarn kann sich auf eine geballte Ladung 80er am Samstag gefasst machen.
Auf jeden Fall. Aber ich zwinge dem Publikum keine Zeitreise auf. Man sollte das vielleicht in der Coronazeit nicht sagen, aber ich versuche, die Leute mit meinem Fieber anzustecken. Es wäre schön, wenn in der Kammgarn der Teufel los wäre.

Was ist das Beste und Schlimmste, was du bisher auf deinen Touren erlebt hast?
In Polen waren wir einmal auf einem schumrigen Festival und hatten ein sehr mulmiges Gefühl. Aber die Leute flippten schon bei der ersten Zeile aus. Das war irre und wunderschön zugleich. Negatives fällt mir nicht viel ein. Ich bin weder von der Bühne gefallen noch wurden wir ausgeraubt. Aber letzte Woche war plötzlich ein Fuchs in unserem Bandraum. Das war dann schon speziell.

Um was geht es in deinen Texten? Hast du eine Botschaft?
Ich sitze nicht hin und suche nach philosophischen Themen. Das schönste finde ich, wenn ich über ein persönliches Thema sprechen kann und es für andere eine Bedeutung hat.

Zum Beispiel?
Beim Lied „Never enough“ geht es darum, dass ich als Teenager auf einen Internetperversling hereingefallen bin. Es ist eine mega persönliche Geschichte. Aber ein relevantes Problem unserer heutigen digitalen Gesellschaft. Ein Song kann auch einfach nur Fun machen oder belanglos sein. Man soll auch mal abschalten können.

Was dürfen wir von dir in der Zukunft erwarten?
Das Konzert am Samstag wird eine Explosion in der Munotstadt auslösen. (lacht). Danach wird sicher bald das nächste Album folgen und ich freue mich extrem auf die Festivalsaison. Ich hoffe sehr, dass diese endlich wieder stattfinden kann.

Abschlussfrage: Stimmt es eigentlich, dass man bei dir nach dem Konzert Socken kaufen kann?
Ja, die legendären Crimer-Socken habe ich immer dabei. Man kann damit zwar nicht so komisch tanzen wie ich, aber es ist ein bisschen bequemer.

Erschienen in der Zeitung „Schaffhauser Nachrichten“ am 21.2.2022. Von Hermann-Luc Hardmeier.

Wenn der Stand-Up-Padler die Tankstelle überfällt

Die Komiker Cenk, Sven Ivanic und Charles Ngulea spielten am Freitagabend in der Kammgarn Schaffhausen humorvoll mit ihrer Herkunft. Ein Eventbericht von Hermann-Luc Hardmeier.

Eine kräftige Massage der Lachmuskeln stand für die Besucher der Kammgarnterrasse am Freitagabend auf dem Programm. Es traten drei Komiker auf, die ganz unterschiedlich mit dem Publikum spielten. Der mutigste von allen war Sven Ivanic. Er sprach die Besucher auf der Terrasse an und baute ihre Antworten in seine Comedy ein. Teilweise klappte das sehr gut. Mit der Besucherin Veronika konnte er sogar ein Quiz spielen. Dabei musste sie beispielswiese erraten, ob es im berühmten Video von Ex-Bundesrat Hans-Rudolf Merz um Köfte, Kebab oder Bündnerfleisch ging. Nicht alle Besucher wollten jedoch ins Rampenlicht gezerrt werden. „Wie ist dein Burger?“, fragte Ivanic einen Besucher. „Besser als deine Witze“, konterte der Angesprochene. „Kein Problem“, lachte Sven Ivanic. „Ich weiss, dass wir Zürcher hier als arrogant gelten und uns unbeliebt machen.“ Er nahm sich selber auf’s Korn und erklärte, wie es zum Design des Zürich-Wappens kam: „Es war ein 18-köpfiges Team aus Schweden, dass viereinhalb Jahre darüber brütete. Dann legten sie fest: Blau für den See, getrennt durch einen Strich für die Langstrasse und das Weiss steht für das Kokain.“ Seine Balkan-Wurzeln nahm er ebenfalls ins Visier. Er parodierte Nati-Trainier Petkovic und wünschte sich, dass bei Verbrechensmeldungen im TV nicht die Herkunft, sondern andere Dinge wie Sternzeichen und Hobbys im Zentrum stehen sollten. Er wolle nicht hören „Ein Serbe und ein Kosovare haben eine Tankstelle überfallen“, sondern eher „ein Wassermann, der in seiner Freizeit Triangel spielt, und ein Stand-Up-Padler haben eine Tankstelle überfallen.“ Auf Ivanic folgte Cenk, der ein Herrscher über absurde Storys war. Er berichtet von der Hochzeit seiner Cousine in der Turnhalle. Sie schwebte auf dem Mattenwagen in die Halle, während ihr Ehemann sich mit den Ringen von der Decke herunterhangelte. Die Geschichte nahm immer sonderbare Wendungen, welche später von einem klatschsüchtigen Fussballer jedoch noch übertroffen wurde. Mit Power und Elan stürmte schliesslich Charles Nguela auf die Bühne. Auch er nahm seine afrikanische Herkunft auf die Schippe. Er erzählte, wie er einen Straussenangriff überlebte und an der Kasse im Migros mit einer „I have a dream“-Rede gratis Esswaren bekam. Am Schluss brachte er für die Badisaison noch einen Wunsch an, der es in sich hatte: „Liebe Minimalpigmentierte, bitte fragt uns Maximalpigmentierte im Sommer nicht, ob wir auch einen Sonnenbrand bekommen können. Natürlich können wir das, verdammt. Wir sind Menschen.“

Erschienen in der Zeitung „Schaffhauser Nachrichten“ am 12. Juli 2021.

„Neuhausen hat mehr zu bieten als den Rheinfall“

Neuhausen kann man nun digital erleben. Das Ortsmarketing lanciert eine App, die eine ungewöhnliche Stadtführung ermöglicht. Von Hermann-Luc Hardmeier.

Bild: Die Lokomotive auf dem SIG-Areal ist nur eine von zwölf Station der digitalen Stadtführung von Olivier Alther, Markus Bührer und Levin Germann (v.l.n.r.) (Foto: Hermann-Luc Hardmeier. Bericht: Hermann-Luc Hardmeier)

Wissen Sie, was die Neuhauser Bahnhofstrasse mit der Pariser Champs-Élysées gemeinsam hat und warum ein russischer Zar einst in Neuhausen übernachtete? Diese und andere Infos über die Rheinfallgemeinde gibt es mithilfe einer neuen App zu entdecken, die vom Ortsmarketing Neuhausen am Rheinfall initiiert wurde.

Doch der Reihe nach. Im Oktober 2020 trat Markus Bührer vom Ortsmarketing an die zwei Informatiker Levin Germann und Olivier Alther von der Explorial GmbH heran. Die zwei haben eine App mit verschiedenen Trails entwickelt. Jeder Trail entspricht einer Schweizer Stadt, in welcher virtuelle Führungen mit einem Rätselspass verknüpft werden. „Das Ziel des Trails Neuhausen ist es, die Leute zu bewegen, den Ort neu zu entdecken“, erklärt Markus Bührer. Dem Zeitgeist entsprechend sollte die Führung virtuell sein und sich ganz wesentlich von anderen Angeboten unterscheiden. „Es ging uns nicht darum, dass die Touristen mit der App die gewöhnlichen Sehenswürdigkeiten abklappern. Neuhausen ist mehr als nur der Rheinfall.“ Das Ortsmarketing beauftragte den Nachtwächter und Lokalhistoriker Martin Harzenmoser damit, den Inhalt der App auszuarbeiten. Es sollten historische Leckerbissen serviert werden, welche den Touristen und Einheimischen ein ganz anderes Erlebnis der Stadt ermöglichen. „Wir sind schon ziemlich stolz auf das Resultat“, so Markus Bührer. Auf 12 Posten in der Stadt verteilt gilt es, versteckte Schätze und Geschichten zu entdecken. Und Aufgaben zu lösen. Es geht thematisch um die Industrie, die Rebberge, den Fischfang, die Gastarbeiter und, und, und. Das abwechslungsreiche Gesamtpaket lockt mit historischen Informationen, aber unterhält auch mit Funfacts.

Stolperstein Distanz

Natürlich geht so ein Projekt nicht ohne Stolpersteine über die Bühne. Erstens galt es, neutral zu sein und nicht eine Firma oder einen Betrieb zu bevorzugen in der Auswahl der Sehenswürdigkeiten. Und zweitens ist die Grösse der Ortschaft durchaus ein Problem. „Spannend wäre natürlich nicht nur das Rheinfallbecken, sondern auch der Galgenbuck. Aber wir mussten Abstriche machen, damit wir eine kompakte Führung anbieten können“, so Markus Bührer. Die Führung sollte maximal zwei Stunden dauern und musste sich deshalb auf sehenswerte Objekte im Zentrum beschränken.“

Zündender Funke in Prag

Ohne Prag gäbe es die App wohl nicht. Darin sind sich die zwei Programmierer Olivier Alther und Levin Germann einig. 2018 sind die zwei mit einigen Freunden in die tschechische Hauptstadt gefahren. „Da uns eine gewöhnliche Stadtführung zu wenig interaktiv war, besuchten wir einen Escape-Room“, erklärte Olivier Alther. „Wir hatten grossen Spass, sahen aber nichts von der Stadt. Da entstand die Idee, man müsste doch beides kombinieren und in einer App anbieten können.“ Gesagt, getan. Im Sommer 2020 entstand das erste Quiz für die Stadt Schaffhausen und bis Ende 2021 soll ein gutes Dutzend Städte verfügbar sein. „Man muss Bilderrätsel lösen, schätzen, Texte schreiben und einiges mehr“, verrät Levin Germann. Alle Überraschungen will er aber noch nicht preisgeben.

Positiver Start

Die App ist seit wenigen Wochen verfügbar und scheint Touristen sowie Einheimischen gut zu gefallen. Trotz wenig Werbung wurde es bereits oft gespielt. Der Spagat zwischen Spass und Informationsvermittlung scheint gut gelungen. Die App bietet eine erfrischende Abwechslung zu einer herkömmlichen Stadtführung und an dieser Stelle eine Entwarnung: Der Rheinfall kommt natürlich auch vor.

Erschienen in der Zeitung „Schaffhauser Nachrichten“ am Mittwoch, 28. April 2021. Von Hermann-Luc Hardmeier.

 

Im Maya-Tempel den Weltuntergang verhindern

Am Freitag öffnet in der Unterstadt ein Escape-Room seine Pforten. Dahinter stecken zwei Studenten, welche von den Besuchern Grips und Teamwork verlangen.

„Yes, ich habe einen Hinweis gefunden!“ Am Montagnachmittag testete eine kleine Gruppe den neuen Escape-Room namens „smartescape“ mitten in der Unterstadt. In einem alten Maya-Tempel galt es herauszutüfteln, wie man die Türe zum Hauptraum findet und danach den Weltuntergang von 2012 rückgängig macht. Doch Vorsicht war geboten, denn angeblich hat es bislang nicht jeder Forscher lebendig aus dem Bauwerk herausgeschafft. Den Rätselspass haben sich die zwei Studenten Florian Walz und Leon Marti überlegt, die gut eineinhalb Jahre lang an den Räumen gearbeitet haben. Plötzlich schnellt ein Lucke auf, in welcher sich eine mysteriöse Statue befindet. Doch wie bringt man diese nun in einen Zusammenhang mit einem Zahlencode, einer Goldmünze und weiteren rätselhaften Hinweisen? „Wir haben grossen Spass daran, Mechanismen zu entwerfen, zu programmieren und zu tüfteln“, erklärt Florian. Per Zufall haben er und Leon einen Nebenjob in einem anderen Escape-Room angenommen und sind dem Sherlock-Holmes-Feeling erlegen. „Wir wollten ein eigenes, grosses Projekt umsetzen und haben im ehemaligen Verkaufsraum von Fust einen idealen Standort gefunden.“ Perfekt waren die Räumlichkeiten, weil das Gebäude wahrscheinlich 2023 abgerissen wird und man nach Herzenslust hämmern, schrauben und mauern konnte, ohne Rücksicht auf die Bausubstanz nehmen zu müssen. Florian und Leon haben einen wichtigen Background: Sie studieren beide Maschinenbau an der ETH Zürich und bringen damit auch Know-How mit, welches ihnen bei der Umsetzung ihrer Ideen hilft. Es ist eine fantasievolle und kreative Landschaft entstanden, welche knifflige Aufgaben beinhaltet und ein wachsames Auge erfordert.

Nicht nur Zahlencodes

„Das Zielpublikum sind alle Menschen, die einmal eine andere Unterhaltung als Bowling und Biertrinken suchen“, lacht Leon. „Es ist ein cooles Gruppenerlebnis, eingebettet in einer Gesamtstory.“ Zudem eigne sich das Ganze auch für die Teambildung in einer Firma. Im Gegensatz zu anderen Escape-Rooms gibt es zum Schluss noch eine statistische Auswertung der Leistung der Gruppe. „Wir können damit Hinweise geben, ob vielleicht in der Kommunikation oder Kombinationsfähigkeit eines Teams Verbesserungsbedarf bestehen“, so Florian. Mittlerweile hat die Mannschaft am Montagnachmittag Zutritt zum Hauptraum bekommen und erschreckt ein Skelett eines toten Forschers entdeckt. Zudem muss eine mysteriöse Kiste untersucht werden. Eine spannende aber auch schwierige Aufgabe. „Die Stärke unseres Escape-Rooms ist sicherlich, dass nicht nur Kopfrechnen und Zahlencodes im Zentrum stehen“, betont Leon. „Wir haben sehr darauf geachtet, dass man Aufgaben zusammen lösen soll, dass es vielseitig ist und dass man keine fixe Reihenfolge einhalten muss.“ Bei anderen Escape-Rooms sei vor allem der letzte Punkt manchmal sehr ärgerlich. Wenn man bei einem Rätsel feststecke, gebe es keine Möglichkeit mehr, den Raum weiterzuspielen.

Länger als geplant

Bei „smartescape“ gibt es theoretisch 288 Möglichkeiten, den Raum zu lösen. Die Vielfalt ist grossartig, hatte aber auch ihren Preis. Der Umbau ging doppelt so lange, wie geplant. „Wir haben die Arbeit total unterschätzt und vielleicht waren wir auch ein bisschen zu perfektionistisch“, so Leon. „Jetzt sind wir sehr froh, dass wir öffnen und von der schweisstreibenden Baustelle zum entspannten Rätselparadies switchen können“, ergänzt Florian. Übrigens: Auch die Montagsgruppe ist schlussendlich lebendig dem Mayatempel entronnen und hat die Welt gerettet.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen am 22. April 2021 in der Zeitung „Schaffhauser Nachrichten„.

Die nachhaltige Schnäppchenjagd

Beliebter denn je: Das Brocki der Heilsarmee in Schaffhausen ist seit einer Woche wieder offen und erlebte am Samstagnachmittag einen Grossandrang. Von Hermann-Luc Hardmeier.

Bericht: Hermann-Luc Hardmeier. Foto: Phillip Schmanau.

«Es läuft bombastisch», freute sich Filialleiterin Marianne Schaffner. «Die Kunden sind absolut happy, dass sie wieder kommen können.» Das Brocki der Heilsarmee kam am Samstag kaum zur Ruhe. Simon Baumann, der sein 25-jähriges Dienstjubiläum feierte, nahm geduldig die Warenspenden entgegen. Darunter am Samstag auch eine Nachttischlampe, die Steve Jobs – Biographie und sogar ein Zelt. «Nicht verschwenden – wiederverwenden», lachte Vanessa Götze, die nach dem Umzug Geschirr und andere Haushaltsgegenstände vorbeibrachte. Auf der Jagd waren auch Mirjam und Sheila Schrag. «Hier gibt es Dinge, die nicht jeder hat», erklärte Mirjam. «Ich habe ein Bild gemalt und brauche nun einen Rahmen», so Carmen Barabas. Während Renate Klingler nach Krimis Ausschau hielt. «Ich finde hier oft einzigartige Retro-Stücke», lobte Menusha Neuberth die grosse Auswahl. «Wir sind gerne hier wegen den Secondhand-Kleidern und uns gefällt der Nachhaltigkeitsgedanke», ergänzte ihre Mutter Beatrice. Severin Asaf und Corinne Haid hatten kein spezielles Ziel. «Oft kaufen wir Gesellschaftsspiele. Mal schauen, was uns heute ins Auge springt». Dunja Mehr wollte eigentlich eine neue Hose erwerben, war aber plötzlich bei der Osterdekoration auf einen Bären mit Hasenohren gestossen. «Ich komme so oft wie möglich hierher», erzählte Severina Sviben. «Es ist günstig und immer wieder überraschend. Was will man mehr?»

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung „Schaffhauser Nachrichten“ am Montag, 8. März 2021.

Mit Kampfstiefeln vor dem PC

Am Montag begann für rund 5000 Rekruten der Schweizer Armee wegen der Corona-Schutzmassnahmen die Rekrutenschule (RS) im Homeoffice. Der Schaffhauser Tim Gaus erzählt, wie er den Start erlebt hat. Von Hermann-Luc Hardmeier.

«Komm wann du willst, ich habe ja viel Zeit», lacht Tim Gaus, als man mit ihm einen Interviewtermin vereinbaren möchte.» Der 20-Jährige startete am Montag mit der RS im Homeoffice. Doch wie muss man sich diese spezielle Form des Militärdienstes eigentlich vorstellen? Pyjama statt Kampfanzug, stundenlanges Salutieren vor dem Spiegel und Schiessübungen auf die Gartenzwerge des Nachbarn? Viele Klischees und kreative Ideen schwirren durch den Kopf. Doch die Realität sieht ganz anders aus. Tim Gaus öffnet die Tür seiner Wohnung auf dem Emmersberg in Zivilkleidern. Er zeigt sein Schlafzimmer, in welchem sein PC steht, vor dem er in der dreiwöchigen Homeoffice-RS viel Zeit verbringen sollte. Das Programm der Armee sieht vor, dass man sechs Stunden pro Tag am PC lernt, Sport macht und beim Einrücken einen Leistungstest absolvieren muss. «Das Schöne ist, dass ich mir die Zeit selber einteilen kann», erklärt er. «Ich stelle am Morgen keinen Wecker, schlafe aus und mache dann mit der App das vorgesehene Militär-Workout oder gehe joggen.» Danach setzt er sich an den PC und arbeitet sich durch die Aufgaben des Militärprogramms durch. Zumindest war dies der Plan. Doch pünktlich zum RS-Start hatte die Armee enorme Computerprobleme. «Am Montag konnte ich mich vier Stunden gar nicht einloggen, erst am Abend klappte es. Wenn ich eine Aufgabe lösen will, warte ich teilweise 20 Minuten, bis ich weiterklicken kann.» Tim Gaus ärgert sich ein wenig: «Laut Ueli Maurer haben wir die beste Armee der Welt. Dann sollte man doch auch so modern sein, dass man ein Online-Learning-Programm zum Laufen bringt.»

Sorgen wegen Leistungstest

Tim Gaus ist gelernter Landwirt. Er ist bei den Genietruppen als Bauführer eingeteilt und freut sich auf seine Aufgabe. «Ich bin nicht ein riesiger Armee-Fan, aber ich möchte diese Herausforderung bewältigen. Ich habe immer gehört, dass man im Militär zum Mann wird. Das hat mich neugierig gemacht.» Er erfuhr erst eine Woche vor RS-Start, dass er diese im Homeoffice machen müssen. «Das hat mir schon Sorgen bereitet, vor allem der Leistungstest.» Er sagt von sich selbst, dass er ein Praktiker sei. Er lerne lieber vor Ort und nicht stundenlang am PC. «Eigentlich wäre ich lieber in der Kaserne als im Homeoffice», gibt er unumwunden zu. Tim Gaus hält sich an das RS-Sportprogramm. «Ich habe mir vorgenommen, das seriös durchzuziehen.»

Games und Netflix als Ablenkung

Doch ist bei der Arbeit am PC die Verlockung nicht riesig, dauernd auf Netflix zu gehen? «Eigentlich hätten wir mit den Onlinemodulen der Armee ja viel zu tun», sagt Tim Gaus. «Aber wenn natürlich nichts geht und ich ewig warten muss, game ich auch zwischendurch oder schaue einen Film.» Und er gibt zu: «Einige meiner Kollegen machen das schon ziemlich exzessiv. Zuhause ist es halt mit der Selbstdisziplin schwierig.» Tim Gaus macht sich etwas Sorgen, dass er den Leistungstest nicht besteht. Die Konsequenz wäre, dass man übers Wochenende in der Kaserne bleiben muss und nachbüffeln soll. «Meine Kumpels sagen, sie lernen nichts, weil man aus Corona-Schutzgründen ja wahrscheinlich sowieso übers Wochenende nicht nach Hause dürfe. Aber ich sehe das anders.» Er hofft, dass die Armee die Prüfung angesichts der technischen Probleme vereinfache. Vorerst geniesst er aber die angenehmen Seiten der Homeoffice-RS. Er ist ausgeschlafen und geht nachher joggen. Der PC ist bereits eingeschaltet. Das Einloggen ging den ganzen Tag noch nicht. Nach dem Workout wird er es erneut versuchen.

Erschienen in der Zeitung „Schaffhauser Nachrichten“ am 22. Januar 2021. Von Hermann-Luc Hardmeier.

Vom Tellerwäscher zum Cocktailmeister

Seit Januar leitet Simon Schürch die Bar „Tabaco“ in Schaffhausen. Der neue Pächter will alles anders machen und hatte wegen Corona Angst um sein Lokal. Von Hermann-Luc Hardmeier.

Bild: Der passionierte Barkeeper Simon Schürch zaubert im Tabaco gerne mit dem
Schüttelbecher. (Foto: Hermann-Luc Hardmeier. Bericht: Hermann-Luc Hardmeier)

«Ich tanze den ganzen Abend und betrinke mich mit den Gästen», lacht Simon Schürch. «Nein, natürlich ist das eine völlig falsche Vorstellung vom Barkeeperjob, die ich aber immer wieder zu hören bekomme.» Der 29-Jährige arbeitet seit neun Jahren im Tabaco und hat in diesem Januar die Bar am Rosengässchen als Pächter übernommen. Doch wie kam es, dass der gelernte Schreiner plötzlich hinter dem Tresen stand? Während seiner Zeit an der Berufsmaturitätsschule brauchte Simon Schürch einen Nebenjob. Er begann im Tabaco als Abräumer zu arbeiten. «Ich sah meine Kollegen, hatte Spass, war im Ausgang und verdiente dabei noch Geld.» Doch relativ schnell stieg Simon Schürch zum Barkeeper auf und entdeckte dabei seine wahre Passion. Barbesitzer Patrick Gisi erkannte sein Talent und übergab ihm immer mehr Verantwortung. Schliesslich stellte er ihn als Geschäftsführer ein. Simon Schürch konnte nicht nur Bier zapfen und in schwierigen Situationen einen kühlen Kopf bewahren, sondern auch gute Stimmung verbreiten. Als er schliesslich beim Umbau mithalf, welcher das Tabaco vor fünf Jahren vom Partytempel zur stylischen Bar im Stile der Golden Twenties transformierte, hatte er sich endgültig bewiesen. Simon Schürch ist ein multifunktionales Schweizer Taschenmesser. Nur besser. Und mit Bart.

Kein Partytempel mehr
Am 24. Januar stieg nach einer Woche Umbaupause die grosse Wiedereröffnungsparty. Das DJ-Pult wurde diskret in die Ecke versetzt, es gab nun auch im Nichtraucherbereich Lounges und der Bartresen wurde wesentlich vergrössert. Simon Schürch und sein sechsköpfiges Team wollten alles anders machen. Mehr Genuss, weniger Exzess. «Wir sind eine Cocktailbar, bei welcher nicht laute Musik, sondern qualitativ leckere Drinks im Zentrum stehen.» Startbereit wie eine aufgetankte Rakete wollte Simon Schürch nun ins Geschäftsleben starten. Doch dann kam Corona.

Rettende Idee in der Krise
«Ich war geschockt, als ich die Meldung vom Lockdown hörte», sagte Simon Schürch. «Ich stellte mir natürlich die Frage, wie es nun weiter gehen soll.» Durch die Barübernahme hatte er sein Geld investiert und kein finanzielles Polster. Doch dann kam die zündende Idee: «Wenn die Leute nicht zu uns kommen können, dann bringen wir den Genuss zu den Gästen nach Hause.» Das Tabaco startete mitten in der Corona-Zeit einen Cocktail-Lieferservice, der sensationell lief. «Zwischendurch mussten wir mit drei Autos täglich ausliefern. Das hat uns finanziell über Wasser gehalten.»

Ziel: Geschmacksexplosion

Weil die Gäste sich nach der Quarantäne-Pause plötzlich im Ausgang viel mehr Zeit nahmen, spielte Corona dem Tabaco sogar ein bisschen in die Hände. «Unsere Qualität wird enorm geschätzt. Ein guter Cocktail soll keine stupide Alkoholbombe sein, sondern die Zutaten sollen sich harmonisch vermischen und eine Geschmacksexplosion auf der Zunge auslösen.» Wenn Simon Schürch sieht, wie die Gäste dieses Erlebnis geniessen, ist er glücklich und freut sich auf die Zukunft im neuen Tabaco.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung „Schaffhauser Nachrichten“ am 7. August 2020.