Die Spareribs-Grillweltmeister aus dem Weinland

Die «Smoker Dudes» stammen aus dem Zürcher Weinland. Seit sie am Grill stehen, mischen sie an Meisterschaften ganz vorne mit. Im irischen Limerick holten sie im Jahre 2017 gar den Weltmeistertitel. Im September brutzelt ihr Fleisch in Wil, sozusagen vor der Haustür. Von Hermann-Luc Hardmeier.

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Bild: Rangverkündigung an der Weltmeisterschaft 2017. (Foto: Smoker Dudes, Bericht: Hermann-Luc Hardmeier)

BUCH AM IRCHEL. Es brutzelt und zischt auf dem Pellet-Smoker-Grill in Buch am Irchel. Im Schützenhaus arbeiten ein knappes Dutzend Freunde fieberhaft und mit Schweisstropfen auf der Stirn. Hier planen nicht etwa die Ocean’s Eleven den nächsten Bankraub, sondern das neunköpfige «Smoker Dudes»-Team bereitet sich auf die BBQ-Weltmeisterschaft in Limerick in Irland vor. Auf dem Balkon von Simon Ganz hatte alles sehr bescheiden angefangen. Zunächst trafen sich die Freunde einfach regelmässig zu Grillpartys. Im Militärdienst von Simon ging’s dann richtig los. «Ich hatte sehr viel Zeit, um mich mit den Geheimnissen des BBQ zu beschäftigen », sagt Simon Ganz. «Ich
recherchierte nach Rezepten und einem geeigneten Grill.» Eher aus Jux kaufte er
sich den Pellet-Smoker und überzeugte seine Freunde, bei den Schweizer Meisterschaften in Schaffhausen anzutreten.Und da sind die «Smoker Dudes» mit
ihren Spareribs dann gleich ganz steil eingestiegen. Sie wurden auf Anhieb
Vizemeister im Gesamtklassement der Amateure. «Wir waren selber erstaunt»,
erklärt Simon Ganz. «Das war unser erster Wettbewerb, an dem wir jemals teilgenommen hatten.» Die gewonnene Silbermedaille beflügelte das Team.

Spass statt Leistungsdruck

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Bild: So sehen Weltmeister aus! (Foto: Smoker Dudes, Bericht: Hermann-Luc Hardmeier)

Mittlerweile sind die Spareribs fertig an der Weltmeisterschaft in Irland. Es
kommt der entscheidende Moment. Die Jury kostet die Grilldelikatesse, und die
Augen der Geschmacksrichter beginnen zu funkeln. «Wir haben’s gerockt,
wir haben tatsächlich den Weltmeistertitel 2017 geholt», sagt Sebastian Braun
auch heute noch erfreut. «Ich denke, unser Erfolgsrezept sind die Gemütlichkeit
und der Spass, die im Zentrum stehen », sagt er ausserdem. Selbstverständlich bereiten die «Smoker Dudes» auch ausgezeichnetes Pulled Pork, Beef Brisket sowie Chicken,
Fisch und weitere Köstlichkeiten zu. Doch bei der Spareribs-Marinade und der eigens dafür entwickelten Barbecue-Sauce haben sie mit ihrem Geheimrezept offenbar ins Schwarze getroffen. «Eine solche Weltmeisterschaft durchzustehen, ist übrigens gar nicht so einfach », erklärt Patrick Brandenberger. Man sitzt nicht den ganzen Tag im Liegestuhl und wirft ein bisschen Holzkohle in den Grill.» Das Grillieren beginnt
bereits am Vortag mit der Zubereitung. Insgesamt steht das Team gut
bis zu 48 Stunden am Pellet-Grill und muss bereits am Vormittag des ersten
Tages der Jury einen Gang servieren. «Das geht dann sogar so weit, dass man
selber gar nicht mehr gross Lust auf Fleisch hat», sagt Sebastian Braun.
Doch bei den Vorbereitungen einen Monat vorher werde dafür umso mehr
geschlemmt.

Finger weg von Fertigsaucen

Die «Smoker Dudes» grillen auf amerikanische Art und Weise. Das heisst,
es wird süss gewürzt und bei niedrigen Temperaturen gegart. Weil sie aus Spass
und nicht aus beruflichen Gründen das Fleisch brutzeln lassen, können sie ihre
ganze Aufmerksamkeit und Leidenschaft einsetzen. Und dies ist denn auch
ihr wertvollster Tipp für Hobbygriller. «Geduld, Geduld und noch einmal Geduld!
Ein gutes Stück Fleisch nehmen, und auf gar keinen Fall fertig marinierte
Steaks verwenden», sagt Simon Ganz. «Ich ermuntere alle zum kreativen Ausprobieren,
dann klappt das mit dem kulinarischen Höhenflug.»

Die «Smoker Dudes» wollen Pokal

Und wem nun das Wasser im Munde zusammengelaufen ist, wer nun unbedingt
die Spareribs von den «Smoker Dudes» probieren will, dem seien der 1. und der 2. September empfohlen, um nach Wil zu pilgern. Dort findet nämlich die SBA Schweizer Grill- und BBQ-Meisterschaft 2018 statt, und die «Smoker Dudes» werden mit dabei sein im Rennen um den Pokal.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten” am 27. Juni 2018.

„Ich gab der Bachelorette nur eine Chance von 0.1%“

Mario Osmakcic aus Rafz ist kein Softie. Bei der aktuellen Bachelorette-Staffel auf 3+ sagt er klar seine Meinung und erlebte deshalb in der Berufswelt eine Überraschung. Von Hermann-Luc Hardmeier.

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Bild: Derzeit noch im Rennen: Mario Osmakcic (Foto: Hermann-Luc Hardmeier)

„Der Typ hat mein Date gecrasht. Das fand ich voll daneben.“ Mario Osmakcic findet auch heute noch klare Worte, als er über seine Erlebnisse bei der aktuellen Bachelorette-Staffel spricht. Der Rafzer mit kroatischen Wurzeln musste seinen Platz am Frühstückstisch mit Bachelorette Adela räumen, weil Konkurrent Giusi eine Joker-Rose eingesetzt hatte. Auch mit markigen Sprüchen wie „Ich hatte Sex auf einem Kinderspielplatz“ und „Du gsesch mega schöns Kleid“ bei der ersten Begegnung mit Adela ist er aufgefallen. Doch im echten Leben ist Mario kein Mensch, der den Duden mit der Kettensäge bearbeitet oder hauptberuflich das weibliche Geschlecht reiheinweise in Ohnmacht fallen lässt. Er studiert Wirtschaftsinformatik an der ZHAW in Winterthur, arbeitet beim Coop an der Kasse und wurde im Alter von 14 Jahren Junior Schweizermeister im Tennis. Die Frage drängt sich auf: Wie kommt ein intelligenter Mensch dazu, bei der Trashsendung Bachelorette mitzuwirken? Sind bei Mario alle Sicherungen auf einmal durchgebrannt? „Nein, natürlich nicht“, lacht der 21-Jährige. Ein Kumpel hat mich aus Jux angemeldet. Als 3+ anrief, war ich total überrumpelt und sagte mir: Warum nicht. Ich bin jemand, der offen ist und sehr gerne auffällt. Das Unbekannte hat mich gereizt.“ In der Sendung polarisiert Mario. Einige finden ihn ultimativ witzig und vergleichen ihn sogar mit Ex-Bachelor Vujo Gavric. Andere empfinden seine Art als arrogant. Ein Beispiel gefällig? Adela: „Mario, hast du in der Schweiz überhaupt Zeit für mich?“. Mario: „Nein, eigentlich nicht.“

Hat Mario gewonnen?

Laut der Eigenwerbung von 3+ ist Adela mit 21 Kandidaten in Thailand, um ihre wahre Liebe zu finden. Wie sieht das bei Mario aus? Hat er sich in Phuket verzaubern lassen? Funktioniert Liebe auf Knopfdruck? „Ich gab der Bachelorette nur eine Chance von 0.1%. Ich war dann total überrascht, dass sie auch aus dem Balkan kommt, sehr hübsch und offen ist sowie eine mega Ausstrahlung besitzt.“ Hoppla, Mario, das klingt aber schon nach Schmetterlingen im Bauch. Hört sich schon fast ein wenig siegessicher an… „Ich darf laut Vertrag nicht verraten, wer gewonnen hat oder ob ich am kommenden Montag rausfliege. Aber ein bisschen verliebt habe ich mich schon.“ In einem Nebensatz fügt der 1.90 Meter grosse Sportler noch an: „Aber sie ist schon ein bisschen klein für mich.“

Selfies auf der Strasse

Was ist eigentlich echt in der Sendung? Was ist inszeniert? Laut Mario geben die Produzenten den Kandidaten vor den Dates Tipps für Gesprächsthemen und machen Vorschläge. „Es ist aber nichts gescripted.“ Man könne frei reden und theoretisch auch „Stopp“ sagen. „Das macht aber niemand.“ Zudem lassen die vielen Cocktails in der Sendung erahnen, was noch mitspielt. „Ich war zu Beginn sehr nervös wegen der Filmerei. 2-3 Schlückli vor dem Dreh lockern uns jeweils die Zunge. So entstehen auch einige der Kultsprüche der Kandidaten“, erinnert sich Mario amüsiert. Kritik fürchtet er dafür keine: Mich kann man gar nicht negativ darstellen. Und wenn, dann ist‘s mir Pipegal. Presse ist Presse.“ Der Student ist nun ein B-Promi. Er wollte auffallen, das hat er geschafft. In Rafz und schweizweit kennt ihn fast jeder. Unbekannte machen Selfies mit ihm auf der Strasse und seine Fangemeinde auf Instagram wächst. Zwischenstand:         20 000 Follower. Während dem Interview kommen 10 neue dazu. Leben kann er vom Ruhm jedoch noch nicht. Aber an seinem letzten Bewerbungsgespräch erlebte er dann doch eine Überraschung: „Ratet mal, was der Personalchef mich als letztes gefragt hat“, schmunzelt Mario. „Sind sie nicht…?“ Die Bewerbung ist noch offen. Ob Mario am Montag rausfliegt oder am Schluss gewinnt, übrigens auch.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten” am 26. Mai 2018.

Von der Schnapsidee zum Erfolgsrezept

Zwei Weinländer hatten genug vom eintönigen Barangebot und brauten kurzerhand ihren eigenen Likör. Eine regionale Erfolgsstory.

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Bild: Die zwei Likör-Fans Blerton Gashi (links) und Patrick Stauffacher. (Foto: Franziska Hefti, Bericht: Hermann-Luc Hardmeier)

„Darf’s etwas Neues sein? Wie wärs mit einem Dr. Ginger?“ Diese Frage hört man derzeit oft an den Schaffhauser Bartheken. Grund ist das Startup-Produkt der zwei Weinländer Patrick Stauffacher (26) und Blerton Gashi (23). „Wir hatten genug von den 0815-Getränken und wollten etwas Spezielles für unsere Minibar kreieren“, erklärt Stauffacher die Grundidee. Das Getränk der zwei Ingwer-Liebhaber sollte süss, ein bisschen scharf und bekömmlich sein, zugleich als Shot und Cocktail konsumiert werden können. Monatelang tüftelte Patrick Stauffacher, der im Management und Eventbereich arbeitet, mit seinem guten Freund, dem gelernten Sanitär Blerton Gashi, an der richtigen Rezeptur. Mit Hilfe von Youtube-Videos und intensiven Internetrecherchen verfeinerten sie ihren Likör. Zeitweise wirkten sie wie Walter White aus der Serie „Breaking Bad“, wenn sie nächtelang ihr geheimes Rezept köchelten. Schliesslich war der Ingwerlikör namens „Dr.Ginger“ geboren. „Die zitronige Schärfe mit dem Holunderblüten-Abgang begeisterte unsere Freunde und bestärkte uns in der Idee, das Produkt der Öffentlichkeit zugänglich zu machen“, so Stauffacher.

Connections aus den Partyzeiten

Patrick Stauffacher organisierte früher in Schaffhauser Partys, Blerton Gashi machte die Tanzfläche unsicher. Die zwei Weinländer sind demnach gut in der Ausgangsszene vernetzt und konnten bei der Vermarktung ihre Kontakte nutzen. Aber ist es wirklich so einfach, ein neues Getränk an die Schaffhauser Bartheken zu bringen? „Ja, eigentlich schon“, so die einfache Antwort von Patrick Stauffacher. „Wir ersetzen mit Dr.Ginger ja kein Standardprodukt wie eine Biermarke oder einen Vodka, sondern wir erweitern das Barangebot mit einem edlen Getränk. Da sind die Hürden tiefer.“ Und der Erfolg gibt den zwei Weinländern recht: Die Nachfrage hat sich Woche um Woche verdoppelt. Mittlerweile gibt’s Dr. Ginger im Cuba-Club, Orient, Tabaco und im Eckhaus und wird gerne getrunken. Besonders in der Version als Cocktail mit Wasser und Minze hat es einen erfrischenden Geschmack, der die Gaumen der Konsumenten verzückt.

Vorsicht vor der Katze

Was so einfach klingt, ist in Tat und Wahrheit natürlich mit viel Arbeit verbunden. Das Verarbeiten und Aufkochen und Abfüllen dauert Wochen. Zudem gibt es viele Hygienevorschriften zu beachten. „Es ist zwar nicht so heikel wie Fisch oder Fleisch, aber die Katze sollte schon nicht über die Zutaten spazieren“, lacht Patrick Stauffacher. Dr.Ginger ist als Firma gemeldet, benötigte die Erlaubnis des Gemeinderats in Benken und muss sich an die üblichen Lebensmittelvorschriften halten. Der echte Doktor kann demnach getrost zu Hause bleiben und die zwei Weinländer freuen sich, die Kehlen der Schaffhauser mit ihrem Ingwer-Likör auch weiterhin verwöhnen zu dürfen.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten” am 22. Juli 2017.

Spezialwoche: Rolf Fringer besucht unsere Schule

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Am Montagmorgen startete an der UNITED in Zürich die Spezialwoche „Sport + Medien“. Ziel der Woche ist es, die Lernenden auf Chancen und Gefahren im Umgang mit Journalisten und Medien aufmerksam zu machen. Den Auftakt der Woche macht jeweils eine prominente Persönlichkeit aus dem Sport. Dieses Jahr konnten wir Fussballlegende und Ex-Nati-Trainer Rolf Fringer gewinnen. Es war eine grosse Ehre, dass Herr Fringer unsere Schule besuchte und mit Charme und vielen Anekdoten unseren Sporttalenten wertvolle Tipps mit auf den Weg gab. An dieser Stelle nochmals herzliche Dank und wir wünschen den Lernenden weiterhin eine spannende Woche.

Bericht: Hermann-Luc Hardmeier. Foto: Hermann-Luc Hardmeier.

Talentshow in Schaffhausen: Einer überraschte alle

Sechs Künstler aus verschiedenen Sparten treten jeweils an der «Open Stage Show» im Schaffhauser Club «Orient» auf und werden von einer Jury bewertet. Von Hermann-Luc Hardmeier. 

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Foto: Bauchredner Marco Knittel und sein frecher Pinguin Rudi überzeugten die Jury an der zweiten «Open Stage-Show» im «Orient». (Bild: Selwyn Hoffmann, Bericht: Hermann-Luc Hardmeier).

An der zweiten «Open Stage Show» am Donnerstagabend im «Orient» in Schaffhausen traten sechs Künstler auf, die unterschiedlicher nicht hätten sein können. Musiker, Komiker und, und, und. Moderiert wurde der Anlass vom Schaffhauser Zauberer Lorios alias Loris Brütsch, der ebenfalls einige Tricks zum Besten gab. Wie beim TV-Format «Deutschland sucht den Superstar» hatte auch der Schaffhauser Anlass eine Jury, die sich allerdings selber gerne auf die Schippe nahm. So wurde Gastronom Bruno Meier als Dieter Bohlen von Schaffhausen und Bud-Spencer-Double vorgestellt. Unternehmer Beat Hochheuser, der Onlineshops für E-Zigaretten und Nachfülltinte betreibt, wurde als Dampfbaron und Tintenkönig präsentiert, und schliesslich war da noch «der Experte» Marco Clerc, der als Musiker mit einer Band schon als Vorgruppe von Coldplay im Letzigrund aufgetreten ist.

Freches Mundwerk

Den Anfang der Show machte Bauchredner Marco Knittel. Seine Pinguin-Handpuppe hatte ein äusserst freches Mundwerk und verriet dem Publikum, dass sie gerne Erotik-Superstar werden möchte. Bruno Meier freute sich, dass Marco Knittel die Tradition von Kliby und Caroline weiterleben lässt, und Beat Hochheuser erkundigte sich, bei welchem Coiffeur er eine solch bunte Punkfrisur wie der Pinguin machen könne. Der zweite Künstler Christian Bucheli war als Komiker angekündigt. Sein Auftritt liess die Jury etwas ratlos zurück. Marco Clerc lobte den Kontrast zwischen dem «lethargischen Auftreten» und dem «derben Humor». So hatte Bucheli beispielsweise detailliert beschrieben, wie er sich den Tod von DJ Bobo vorstellt. Nach dem Luzerner war ein Musiker aus Schaffhausen an der Reihe: Christoph Bürgin. Er sang über «alte Säcke» auf dem Weidling und endete mit einem Blues über die gestrichenen Kultursubventionen der Kammgarn. Die Jury war begeistert, und Marco Clerc sah Bürgin sogar als würdigen Nachfolger des Schaffhauser Liedermachers Dieter Wiesmann.

Gekonnter Poetry-Slam

Nach der Pause unterhielt Florian Fuenfziger alias DJ Flow mit seinem köstlichen Humor. Die Jury forderte ihn auf, Politiker zu werden und mit dem Wahlslogan «Chicken Nuggets fürs Volk» anzutreten. Danach beeindruckte Sänger Roger Stüssi mit drei starken Songs. Und zum Schluss kam die grosse Überraschung: Loris Brütsch trat auf die Bühne und erzählte, dass der «Special Guest» leider abgesagt habe und nun spontan jemand auf die Bühne kommen solle. Er fragte mehrere der Anwesenden, und schliesslich trat der völlig verdutzte Gast Thomas Strehler auf die Bretter. Er weigerte sich zuerst standhaft, etwas «aufzuführen». Doch als er schliesslich einen gekonnten Poetry-Slam über seinen gestrigen Geburtstag aufs Parkett legte, bekam er tosenden Applaus. War das nun vorbereitet oder nicht? Die Organisatoren liessen es offen, und so endete die Open-Stage-Show einmal mehr als Wundertüte, welche die Anwesenden bestens unterhalten hatte.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten” am 22. Oktober 2016.

„Eine Badewanne voller guter Ideen ist nutzlos“

An der 7. Impulsveranstaltung des ITS ging Roland Haas der Frage nach, ob man Kreativität messen kann und was das einer Firma für Vorteile bringt.

«Ich bin sehr gespannt, was uns erwartet», freute sich Roger Roth vom Industrie- und Technozentrum Schaffhausen (ITS). Die Organisation hatte ins Haus der Wirtschaft
geladen. Roland Haas vom «five is – innovation management» stellte dort am
Donnerstagabend seine Überlegungen zum Thema «Kreativität messen» vor.
Viele Besucher dachten nun, er spreche vielleicht über bahnbrechende Erfindungen
wie das Internet oder innovative Produkte wie selbstfahrende Autos. Doch der Redner hielt bloss eine simple Konservendose in der Hand. «Ich gebe Ihnen eine Minute
Zeit, mir Verwendungszwecke für diese alte Raviolidose aufzuschreiben
», sagte er und forderte vom Publikum gleich selbst eine kreative Leistung
ein. Die Besucher fanden erstaunlich viele Möglichkeiten. Schnurtelefon,
Musikinstrumente, Schutz vor Fäulnis bei Pfählen, Blumentöpfe, Lampenschirm
oder Zahlungsmittel. Ein Gast hatte sogar dreizehn Ideen notiert. Nun
sammelte Roland Haas dreissig Vorschläge auf einer Flipchart und liess
diese anschliessend vom Publikum bewerten. Es gab drei Siegerideen, und
der Referent erklärte nun, was hinter diesem kleinen Experiment steckte.
Prinzipiell hatte er fünf Grundpfeiler für die Messung von Kreativität gefunden.
Wobei er eine wichtige Einschränkung vornahm: Kreativität kann
man nicht messen, sondern «nur» divergentes Denken (im Gegensatz zu
konvergent-fokussierendem Denken) und Originalität. Denn Kreativität ist
immer subjektiv und relativ. Zum Zweiten stellte er fest, dass die kreative
Leistung immer vom Umfeld beeinflusst wird. Es ist also kaum erstaunlich,
dass Firmen wie Google sehr viel Geld und Energie in das Arbeitsumfeld
investieren. Der Google-Campus erinnert an eine Mischung aus Spielplatz
für Erwachsene, Wellnessoase und Familienbetrieb. Drittens braucht kreative
Leistung auch Hintergrundwissen. Roland Haas sprach von sogenanntem
«Domänenwissen». «Ansonsten erhält man eine Badewanne voller guter
Ideen, die aber wegen ihrer zu breiten Streuung nutzlos sind.» Beim vierten
Punkt zeigte Roland Haas ein Bild der «Let’s Dance»-Jury und illustrierte damit,
dass Produktekreativität von einem Fachgremium beurteilt werden
muss. Und als letzten Punkt legte er fest, dass es viel hilfreicher sei, kreative
Ideen zu ordnen, statt sie zu beurteilen. Mit einer spannenden Diskussion,
welche Rolle der Faktor «Zufall» spiele und ob die Atombombe eine kreative
oder eine teuflische Erfindung gewesen sei, endete der Anlass mit einem feinen Apéro.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten” am 20. August 2016.

Diplomfeier der Elektroinstallateure: Einer war besser als Ronaldo

Am Donnerstagabend erhielten im Kronenhof an der LAP-Feier der Elektroberufe 24 Absolventen ihre Diplome.

«Es hatte schon einige Knacknüsse bei den Aufgaben, aber insgesamt war die LAP sehr fair», sagte Ruedi Federer über die Abschlussprüfung. Federer ist
im Vorstand der Schaffhauser Elektroinstallateure und freute sich über die
guten Ergebnisse der Absolventen. Der Hauptredner des Abends war Lukas
Hauser, Dienststellenleiter Mittelschul-und Berufsbildung des Kantons
Schaffhausen. Er lobte die duale Ausbildung als Königsweg, berichtete von
seinem Hausumbau, von seiner eigenen Abschlussfeier und gab den Anwesenden
eine Lebensweisheit mit auf den Weg: «Sie stehen jetzt vor vielen
Möglichkeiten und Kreuzungen in Ihrem Berufsleben. Lassen Sie sich
nicht verunsichern: Viele dieser Wege sind richtig, und durch falsche Wege
lernt man sich besser kennen.» Chefexperte Markus Sutter überreichte
danach die Fähigkeitszeugnisse. Die 17 Schaffhauser Elektroinstallateure
EFZ hatten einen Notenschnitt von 4,6, die sechs Montage-Elektriker
EFZ einen von 4,3. Zudem erhielt ein Netzelektriker sein Diplom. Clemens
Stamm und Fabian Wiesler kamen mit einer Prüfungsnote von 5,3 in den
Rang. Zum Schluss wurde Clemens Stamm von Berufsschullehrer Christoph
Widmer für seine Arbeit über Aquaponik prämiert. Widmer machte einen
herrlichen Vergleich zur Fussballeuropameisterschaft: «400 Männer rennen
derzeit einem Ball hinterher, und ganz Europa schaut gebannt zu. Wenn Portugal
gewinnt, dann ist es die beste Mannschaft von 24 teilnehmenden Mannschaften
und Ronaldo der Beste im Team von elf Siegern. Clemens Stamm
setzte sich gegen 400 eingereichte Arbeiten durch. Fünf wurden prämiert. Somit
ist er einer der Besten von 400 und damit besser als Ronaldo.» Unter grossem Applaus
wurde dann den Absolventen gratuliert und der Apéro eröffnet.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen am 8. Juli 2016 in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten”.

Heinrich Mosers Wunsch nach mehr PS

Von Hermann-Luc Hardmeier. Wie Heinrich Moser vor 150 die hiesige Energiegewinnung revolutionierte, erklärte die Kunsthistorikerin Mandy Ranneberg am Dienstagabend im Museum Allerheiligen.

„Offenbar hat der Name Heinrich Moser immer noch einen guten Klang“, freute sich Peter Scheck vom Historischen Verein Schaffhausen. Er überblickte eine stattliche Zuhörerschaft von knapp 100 Gästen, die ins Museum Allerheiligen gekommen waren. Unter ihnen auch die beiden Urenkel von Moser, der Stadtpräsident Peter Neukomm und mehrere andere bekannte Persönlichkeiten der Stadt. Durch den Abend leitete Mandy Ranneberg, Kuratorin des Moser Familienmuseums Charlottenfels. Sie erklärte, wie bereits im 17. Jahrhundert mittels Wasserrädern und zwei Kanälen die Kraft des Rheins für die Energiegewinnung genutzt wurde. Sie zeigte viele historische Karten und erläuterte gut nachvollziehbar die Zusammenhänge.

Mosers wollte mehr Power

Mit der Industrialisierung stieg Mitte des 19. Jahrhunderts auch in Schaffhausen der Energiebedarf. Die Kanäle und die damit bestehende Abhängigkeit vom Pegelstand des Rheins hemmten die Entwicklung und sorgten für Engpässe. 1850 erwarb Heinrich Moser mehrere Liegenschaften an der Mühlenstrasse und verpachtete diese an Produzenten. Die Energieausbeute war unbefriedigend. Oder etwas salopp ausgedrückt: Moser wollte mehr PS für seine Pächter. Dazu gehörten eine Weberei, eine Wattefabrik und ein Sägewerk. Moser investierte in den Bau eines Kleinkraftwerks, bestehend aus Kanal, Turbine und einer über Häusergrenzen hinweg geführten Transmission. Um das Gefälle und damit die Energieausbeute zu erhöhen, legte Moser den Kanal tiefer. Durch diese Massnahmen sicherte er die Energieversorgung gleich mehrerer Pächter und leitete damit eine bahnbrechende Wende der Energieversorgung ein.

Der Geheimplan

Im Winter 1857/58 bewirkte der niedrige Rheinpegelstand einen Energiemangel sämtlicher Unternehmen im Mühlequartier. Johannes Rauschenbach schlug der Stadt den Bau eines Grosskraftwerks vor, um eine kontinuierliche Energieversorgung zu gewährleisten. In den nächsten Jahren befasste sich ein städtisches Komitee mit den Realisierungsmöglichkeiten. Die Umsetzung war schwierig. 1860 wandte man sich an Heinrich Moser, der einen Plan für die technische Umsetzung ausgetüftelt hatte. Diesen Plan wollte er erst veröffentlichen, wenn zuvor bestimmte Bedingungen erfüllt waren. Die Referentin sprach augenzwinkernd auch von einem Geheimplan Mosers. Der Unternehmer versprach im Gegenzug, bestehende und neue Betriebe kontinuierlich mit ausreichend Energie zu versorgen. 1866 war der Bau des Wasserkraftwerks vollendet. Es bestand aus einem Querdamm, einem Turbinenhaus, einem tiefergelegten Kanal und einer Drahtseiltransmission. Es gab viele Rückschläge, die Bauzeit wurde um das Dreifache überschritten und die Kosten schätzungsweise um das Fünffache. Doch im Nachhinein steht der „Moser-Damm“ stellvertretend für die industrielle Entwicklung Schaffhausens und dies wird dieses Jahr zu Recht mit dem 150-jährigen Jubiläum gefeiert werden.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen am Mittwoch, 2. März 2016 in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten”.

“Los, holen wir uns unsere Diplome!”

In der Rathauslaube in Schaffhausen fand am Freitagabend die kurzweilige Diplomfeier der technischen Berufsmaturität statt. Von Hermann-Luc Hardmeier.

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asfdasdfsdfsdfds «Wissen kann heute in riesigen Mengen  abgerufen werden», leitete Dr. Ernst Schläpfer, Rektor des BBZ, seine Rede ein. Er sprach vor einer vollen
Rathauslaube und 28 strahlenden Gesichtern der Absolventen. Ernst
Schläpfer erklärte, dass man ein Leben lang Wissen anhäufen könne, ohne zu
verstehen. «Denken ist wichtiger als wissen», betonte er. Wenn man die Möglichkeiten des Internets, die Quizshows im TV oder die Wahlplakate anschaue,
so zeige ihm das, wie wichtig und zugleich schwierig das Denken in der heutigen Zeit geworden sei. Er wünschte allen Absolventen, dass sie sich genügend Zeit dafür nähmen, denn mit der Berufsmaturität hätten sie nun das nötige Werkzeug zur Denkfähigkeit erhalten. «Habe Mut, dich deines Verstandes zu bedienen», zitierte
anschliessend Franziska Witt den Philosophen Immanuel Kant. Auch sie kritisierte,
dass man sich in der heutigen Zeit zu fest auf das Handy und das Internet verlasse. So fest, dass Kant wahrscheinlich Tränen in den Augen hätte und laut seufzen würde, was
bloss aus seinen Aufklärungsideen geworden sei. Sie beruhigte sogleich wieder,
als sie auf die Situationen in den Betrieben zu sprechen kam. Dort seien die Lernenden nicht bequem und Probleme würden mit Verstand, Mut, Praxisbezug und realistischen finanziellen Vorstellungen gelöst. «Mancher Absolvent ist Kant damit näher als ein Philosophiestudent », lobte sie.

Die “Stunde des Grauens”

Eine starke Rede hielt auch Julian Klaiber von der  Abschlussklasse. Er sprach nicht nur über seine persönliche «Stunde des Grauens» in Form der mündlichen Abschlussprüfung im Fach Mathematik, sondern auch über die Zukunft der
Diplomierten. Viele wüssten noch nicht genau, was sie mit ihrer Berufsmatur
anfangen würden. «Wir haben in der Schweiz das Privileg, unseren Weg
selber zu wählen. Das birgt aber auch eine grosse Verantwortung.» Er schloss
damit, dass man sich den Abschluss nun ehrlich verdient habe: «Los, holen
wir uns unsere Diplome!», forderte er unter lautem Applaus. Ein bisschen
bremsen in seiner Euphorie musste ihn Prorektor Martin Binder. Er zog noch
die mathematische Bilanz der Abschlussprüfungen und der vergangenen
dreieinhalb Jahre. Er sprach über die Bedeutung des «Durchschnitts»
alias «des arithmetischen Mittels». Auch wenn viele oft mit einer 4,0
im Durchschnitt gepokert hätten, wünschte er sich, dass man nun bereit
sei, mehr zu leisten. Wer die BMS neben seiner Lehre in Angriff nehme,
sei dazu ja ohnehin bereit. In seiner sehr humorvollen Rede brachte er
viele Anwesende zum Schmunzeln und endete mit der Aufforderung: «Seien
Sie lieber 007 als 08/15.» Zum Schluss erhielt Absolvent Andres Stump den School of Engineering (SoE) Award. Zusammen mit Patrick Stoll wurde er zudem von Regierungsrat Christian Amsler mit einer Urkunde ausgezeichnet. Mit 5,65 und
5,3 lagen die zwei deutlich über dem vorher gegeisselten Durchschnitt.

Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen in der Zeitung “Schaffhauser Nachrichten” am 20. Februar 2016.

Verfilmung des Martin Suter Romans: Die dunkle Seite des Mondes

Und hier eine kleine Werbung: Das Buch des Schweizer Autors Martin Suter “Die dunkle Seite des Mondes” wurde verfilmt. Ab Ende Januar ist der Thriller im Kino zu sehen. Der fesselnde Stoff handelt von einem Anwalt, der durch Drogenkonsum die Kontrolle über sein Leben verliert. Wer das Buch kennt, darf gespannt sein, wie die Umsetzung mit Moritz Bleibtreu in der Hauptrolle gelungen ist.

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